Männerschatten
Ich habe einen Schatten. Er wird nicht um so sichtbarer, je heller es ist. Er ist stärker in der Dunkelheit, aber manchmal auch spürbar am Tage. Er wird dunkler, wenn es fast menschenleer um mich ist, aber damit er erscheint, muss eine mir fremde Frau anwesend sein. Ich bemerkte ihn schon öfter, aber in den letzten Wochen gehäuft. Ich mag ihn nicht.
Am Tage nach meiner Agenturweihnachtsfeier, es war gegen 18:00 Uhr und schon dunkel, ging ich von der S-Bahn-Station in der Nähe des besuchten Lokals zu meinem Auto, das ich dort wohlweislich am Abend zuvor zu Gunsten einer Taxifahrt hatte stehen lassen. Auf dem Weg zum Parkplatz, auf der Großen Elbstraße in der Nähe des Hamburger Fischmarkts, näherte ich mich von hinten einer Frau, die in dieselbe Richtung ging. Es war niemand sonst in Sichtweite. Ich glaubte zu spüren, dass sich die Frau unwohl fühlte, vielleicht sogar Angst hatte, als sie meine Schritte hinter sich hörte. Ich steuerte bewusst an den äußersten Rand des Gehsteigs, um sie mit größtmöglichem Abstand zu überholen und ihr zu signalisieren, dass sie keinen Grund zur Besorgnis hat, ehe ich abbiegen konnte, zu meinem Wagen ging und sich unsere Wege trennten.
Kaum zwei Wochen später machte ich während meines Jahresendurlaubs einen Spaziergang mit meinem Freund in der Nähe eines Meißener Weingutes. Weite Felder, ein paar Rebstöcke, eine einsame Landstraße, Feldwege. Kein Mensch, so weit das Auge reicht. Auf einem teils matschigen, schnurgeraden Feldweg wanderten wir unter dem diesigen, grauen Dezemberhimmel am früheren Nachmittag dahin, als vor uns in der Ferne eine Person sichtbar wurde, die offensichtlich auf uns zujoggte. Etwa hundert Meter, ehe wir einander passierten, erkannten wir, dass es sich um eine Frau handelte. Und da setzte das Gefühl wieder ein. Zwei Männer, eine Frau, niemand sonst in der Nähe. Ich wandte mich meinem Freund zu und wechselte ein paar Worte mit ihm, um das Unbehagen, das seitens der Joggerin spürbar war, zu zerstreuen. Wortlos auf den Boden blickend lief sie an uns vorbei.
Ich bin ein friedfertiger Mensch. Ich habe mich nur einmal – da war ich etwa 9 Jahre alt – mit einem anderen Menschen, einem Mitschüler, geprügelt. Ich verabscheue Gewalt, Aggression, sinnloses Zerstören von Dingen. Ich finde Nötigung, Misshandlung, Vergewaltigung absolut inakzeptabel, unentschuldbar und verabscheuenswert. Ich bin überdies als schwuler Mann ohnehin der falsche Adressat dieses bedrückenden Gefühls (auch, wenn man mir das nicht ansieht). Und dennoch verschwindet dies im Dunkel meines „Männerschattens“, wenn ich in ähnlichen Situationen wie geschildert, einer Frau begegne. Ich werde unfreiwillig zu einem Repräsentanten derjenigen Männer – wie viele es davon auch geben mag (hoffentlich immer weniger) – die jeden Tag in Wort und Tat, unverblümt oder angedeutet, in vollem Ernst oder mit sexistischen Witzchen, einzeln oder im Rudel, Frauen diskriminieren oder sogar angreifen.
Ich will das nicht. Aber ich bin auch unsicher, was ich in einer solchen konkreten Situation tun soll, um meinen „Männerschatten“ zumindest aufzuhellen. Die Frau freundlich ansehen? Gar anlächeln? Schneller gehen, um sie zu überholen und ihr das Gefühl des Verfolgtwerdens zu nehmen? Langsamer gehen? Die Straßenseite wechseln? Den Abstand vergrößern? Etwas sagen? Garnichts tun? Vielleicht finden die Blogleserinnen unter meinen Besuchern ja meine Gefühle und Gedanken dazu auch komplett bescheuert. Aber wissen würde ich es gerne.
Update: Sophie Montag hat in ihrem Blog eine Antwort auf meinen Artikel geschrieben, die ich gern als Leseempfehlung verlinke.

Foto (Bildmontage): © formschub.de

Als Frau kenne ich diese Schatten und kann mich auch nicht davon freisprechen, genau vor diesen auch Angst zu haben. Du beschreibst sehr zutreffend, wie unangenehm diese Situation ist. Mich fröstelt es innerlich, wenn ich im Dunkeln allein durch die Straßen muss und Schritte hinter mir höre. Ich balle dann die Faust in der Tasche und rede mir gut zu. Passiert ist mir persönlich allerdings noch nie was. Dennoch vermeide ich es, mich überhaupt in solche Situationen zu begeben.
Ich fürchte, dass man sowas nicht ändern oder gar abschütteln kann. In dieser Zeit ist die Gesellschaft verroht, Leute schauen weg, jeder ist ein Stück weit auf sich allein gestellt und die Anonymität überwiegt.
Ich halte nicht jeden Mann für einen potentiellen Gewalt- oder Sexualstraftäter, nichtsdestotrotz möchte ich lieber drauf gefasst sein, als vor Überraschung in eine Schockstarre zu verfallen.
Tut mir Leid, aber den Männerschatten kann ICH dir zumindest nicht nehmen.
Liebe Grüße,
Kaethe
Vielen Dank für diesen Artikel. Meine Ängste in solchen Situationen werden gemindert durch räumlichen Abstand, die Straßenseite zu wechseln ist eine sehr, sehr gute Idee.
In der Situation auf dem Feldweg hätte es mir geholfen, wenn Sie mit ihrem Freund Händchen gehalten, oder einander untergehakt hätten. (Schwul oder nicht, das ist eine friedliche, liebevolle Geste, bzw. Körperhaltung).
Generell scheint mir in solchen Situationen die Körpersprache wichtig zu sein. Sie können sich das ansehen, indem Sie auf ihren Spiegel zugehen.
Interessante Beobachtungen, aurichtig beschrieben. Das Distanzhalten ist sicher eine gute Sache. Was wirklich erleichtern könnte ist: freundlich hinschauen (wie berichtet und auch im Kommentar oben beschrieben: das Wegschauen hilft niemandem) und – grüßen (ohne mit Erwiderung zu rechnen oder gar darauf zu warten). In der Stadt vielleicht etwas ungewöhnlich, aber möglicherweise gerade deswegen befreiend. Zumindest wär’s ein paar Versuche wert, glaube ich.
Beste Grüße
Leo Faltin
@meincoach
Noch etwas: Kompliment, der Begriff »Männerschatten« trifft die Sache auf den Punkt.
Und falls jemand den Artikel nur überflogen hat und die Kommentare liest, und um Missverständnisse auszuschließen, zum Wechseln der Straßenseite:
Wenn mir ein Mann oder mehrer Männer im Dunkeln entgegenkommen, dann wechsle ich nicht die Straßenseite, weil ich befürchte, damit Angst zu signalisieren, und weil ich weiß, dass Angriffe dadurch begünstigt werden, dass Täter die Angst ihrer Opfer riechen. Also noch einmal explizit: Männer, die Frauen im Dunkeln Angst nehmen wollen, wechseln bitte die Straßenseite. Danke.
Ich habe nur selten Unbehagen oder gar Angst in solchen Situationen, und es kommt immer auf die Körpersprache an, auch in Kombination mit dem äußeren Erscheinungsbild. Ein Mann, der die Straßenseite wechselt oder mit weitem Abstand überholt ist natürlich immer angenehmer als einer, der einfach hinter mir bleibt, weil er halt denselben raschen Gang/Rhythmus hat wie ich. (Ich muss dazu sagen, daß ich einen recht schnellen Gang habe (Golferkrankheit) und nicht schlendere und ausserdem — wenn auch bei weitem kein Nilpferd — auch keine unbeschreiblich weiblich wirkende, zierliche Blondine auf hohen Absätzen bin.
Natürlich sagt das Äußere eines Menschen nur bedingt etwas über seinen Charakter aus. Dennoch bin ich wohl nicht die einzige Frau, die sich zunächst einmal unwohl fühlt, wenn ihr bei Nacht und Nebel ein großflächig tätowierter Mann mit Einem Gesicht voller Piercings entgegenkommt. Das kann noch so ein lieber Bär sein, meine unwillkürliche Reaktion wird immer sein: Vorsicht! Hier ist jemand, dem Schmerz bei sich selbst offensichtlich weder fremd ist noch unangenehm. Ich muss ihm also erst einmal vertrauen, daß er keinen Bedarf sieht, mir welchen zuzufügen. — Man mag das für überspannt, reaktionär, spiessig etc. halten, natürlich. Aber man darf sich natürlich auch fragen warum Leute, die so harmlos sind wie ein Zwergkaninchen gerne so wild und gefährlich wirken wollen wie ein Ork. Ich weiss ja nicht wie Du aussiehst, aber falls Du optisch eher in Richtung stiernackiger Gewichtheber mit Stacheln an den Augenbrauen und Knochen durch die Nase tendierst, dann könntest Du auf Ballerinen im Tutu um mich herumtanzen und mir wäre dennoch unwohl.
In meiner Jugend wurde ich zwei Mal auf dem Nachhauseweg überfallen – und die meisten Frauen haben so eine ähnliche Geschichte erlebt, wenn man mal in kleiner Runde zu diesem Thema kommt, erzählen die meisten ähnliches.
Beide Male wurde ich von den Männern angesprochen, deswegen wäre für mich – aus der Erfahrung heraus – ein “Hallo” eher ein Warnsignal. Leider sagen in Deutschland normale Männer nicht Hallo auf der Straße, sondern nur alle anderen, und da ist man dann ganz schnell bei “Na, Süße, wo willst du denn hin?”
Deswegen fände ich Straße wechseln am besten, oder wenn das nicht geht aus technischen Gründen: stehen bleiben und so tun, als würdest du richtig lange deinen Schuh zu binden, so dass sie 50 oder 100 Meter Abstand hat.
Auf keinen Fall überholen, denn dann würde ich denken, dass der Überholende irgendwann stehen bleibt und von vorne angreift.
Auf dem Waldweg zu zweit hätte ich Händchenhalten auch beruhigend gefunden.
Ansonsten kannst du auf der Straße nicht viel tun – außer vielleicht seltener alleine gehen; selbst öfter in einer Gruppe gehen, und vielleicht andere Frauen nach Hause bringen.
Danke für diesen Text. „Hallo“ sagen halte ich für kontraproduktiv. Da würde ich eher befürchten, dass der sich so verhaltende Mann mich gleich in ein Gespräch verwickeln will und/oder irgendein Bedürfnis an mich heranträgt. Anlächeln ist in Ordnung, könnte mich allerdings auch irritieren, gerade in Großstädten lächelt man sich ja (leider) eher selten grundlos zu.
Die Straßenseite wechseln, generell Distanz wahren, auch durch die Haltung, nimmt mir etwas die Angst. (Wenn in einer größeren Männergruppe eine Frau dabei ist, entspannt mich das [vielleicht absurderweise] meist auch, falls ich gerade allein auf selbige zulaufe, aber das nur nebenbei.)
Dem Kommentar, was Tätowierte und/oder Gepiercte angeht, kann ich übrigens überhaupt nicht zustimmen. Das löst bei mir keine Angst aus. Es ist eher eine Art von aggressiver (pseudo-)„Männlichkeit“, die mich nervös macht bzw. eine generell einschüchternde Ausstrahlung. Sie drückt sich im Gang aus und im Blick, darin, wie mir der Andere begegnet, mich anspricht, etc.. Der Betreffende kann selbstredend Tätowiert oder sonstwie geschmückt sein, aber das allein macht mir mit Sicherheit keine Angst.
Es ist schön und gleichzeitig schade, dass Du Deinen Männerschatten bemerkt hast und er Dich beschäftigt. Schön, weil es von Sensibilität zeugt. Schade deshalb, weil es ihn überhaupt gibt. Ich wünschte, das wäre nicht so. Ich wünschte, ich würde in einer Welt leben, in der ich keine unguten Gefühle haben muß, wenn ein Mann schnell hinter mir hergeht oder mir zwei oder mehr Männer in der Dunkelheit entgegenkommen. Ich wünschte, es wäre nicht den Frauen überlassen, sich in den genannten Situationen möglichst taff (also, wie eine Vorrednerin schrieb, möglichst keine Angst) zu zeigen und Selbstverteidigungskurse zu machen (rape culture ahoi!). Ich will keine Angst vor Männern haben, nur weil sie Männer sind.
Vielen Dank Euch allen für die bisherigen Kommentare. Ich fühle mich dadurch einerseits darin bestätigt, dass dies kein einseitiges Gefühl ist, das ich in solchen Situationen wahrnehme, andererseits helfen mir die Tipps, mich künftig präventiv anders zu verhalten und diese Spannung ggf. zu mindern oder aufzulösen – und selbst, wenn ich das bei einer Begegnung mit einer Frau mache, die – wie Kiki weniger oder keine Ängste dieser Art hat, dann ist es eben einfach eine Geste gewesen.
Auf die sehr treffenden Worte von Ju möchte ich erwidern: Ich wünschte, ich würde in einer Welt leben, in der ich als Mann keine unguten Gefühle haben muß, wenn ich auf weiter Flur einer Frau begegne oder zufällig hinter ihr hergehe. Ich wünschte, Frauen müssten in Gegenwart von Männern nicht vorgeben, taff zu sein und ich will nicht, dass jemand Angst vor mir hat, nur weil ich ein Mann bin.
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Dank dir für diesen wunderschönen Artikel!
Weil Frauen in unserer Gesellschaft dazu erzogen werden, ängstlich zu sein, muss ich jetzt als Mann möglichst alles tun, damit es einer Unbekannten gut geht? Drauf geschissen…wenn sie nicht damit klarkommt fremden Menschen zu begegnen, soll sie nicht rausgehen…
Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch ein solcher Kommentar zu diesem Beitrag hier landet. Interessanterweise gelingt es den wenigsten Kommentatoren mit einer gegenteiligen Meinung, diese ohne Fäkalausdrücke zu artikulieren. Ich lasse das mal für sich sprechen.
Finde ich toll, dass du dir als Mann über so etwas Gedanken machst. Wenn ich nachts (aber auch tagsüber) alleine in Berlin unterwegs bin (meist als ÖPNV-Nutzer), fühle ich mich eigentlich NIE wirklich entspannt. Durch einige Erfahrungen in Selbstverteidigung, eine gewisse “Aggressionsbereitschaft” und ein Pfefferspray fühle ich mich zwar durchaus wehrhaft, aber nicht unbedingt sicher.
Speziell zur Situation nächtliche Begegnungen von Mann/Männer und Frau: Distanz ist auf jeden Fall etwas, dass eine solche Begegnung entschärft. Ich für meinen Teil wechsle durchaus die Straßenseite oder laufe sogar einen Umweg (z.B. die befahrene / beleuchtete Straße statt der Abkürzung), wenn sich irgendwo vor oder neben mir ein Mann oder eine Gruppe Männer auftut, bei dem/der ich ein ungutes Gefühl habe. Denn wenn mir trotz Zickzack-Kurs jemand folgt, weiß ich zumindest, dass es dieser jemand auf einen Konflikt anlegt und ich kann schonmal das Pfefferspray in die Hand nehmen.
Nachts von einem Mann “einfach so” angesprochen zu werden, macht mich sehr nervös und bedeutet selten was Gutes. Am besten das Gegenüber ignorieren, keinen Kontakt suchen und zügig vorbei. Das kann “Mann” ohne Weiteres durch seine Körpersprache zeigen.
Wenn sich Männer in Gegenwart wenigstens einer Frau befinden, finde auch ich die Situation i.d.R. weniger bedrohlich. Vielleicht kannst du deinen Schatten reduzieren, indem du in für dich unangenehmen Situationen mit jemandem telefonierst, den du magst (oder so tust). Dann klingt die Stimme i.d.R. etwas weicher und es hat den Effekt, dass deine Aufmerksamkeit anderen Dingen (als der in deiner Gegenwart befindlichen Frau) gilt.
Was dir helfen könnte, dein eigenes Unwohlsein in Gegenwart einer Frau zu reduzieren, ist vielleicht auch nicht zu denken: “Oh, da ist eine Frau alleine in meiner Gegenwart, hoffentlich fühlt die sich durch mich nicht unwohl”, sondern “oh, da ist eine Frau alleine in meiner Gegenwart, wenn die jemand in meiner Gegenwart angreift, werde ich sie beschützen”. Damit änderst du deine ganze Einstellung zur Situation und strahlst das im besten Fall auch aus. Nur wenn sich eine Kontaktaufnahme nicht vermeiden lässt, würde ich durch Lächeln oder Worte Friedfertigkeit signalisieren. An Hand der Reaktion der Frau wirst du ja dann sehen, ob sie trotzdem auf Distanz geht oder vielleicht sogar ganz dankbar ist, in der Situation nicht (mehr) alleine zu sein (Stichwort ÖPNV).
Fazit: Distanz halten, keinen Kontakt suchen, die Frau ignorieren bzw. die Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken und wenn du doch eine (wie auch immer geartete) “connection” hast, dann in einen “ich würde dich beschützen”-Modus übergehen.
finde deine dargestellte achtsamkeit für die situation gut.
aber ich (als mann) möchte noch einen anderen aspekt beschreiben, den ich so in letzter zeit in mir mitbekomme u von frauen höre.
ich gehe ziemlich häufig durch eine längere parkstrecke in köln. im winter ist es da dann entsprechend früh dunkel bzw spät hell.
wenn ich da im dunklen alleine unterwegs bin, kommen mir nicht selten (einzelne) frauen joggend entgegen.
ich entwickle dann nicht das gefühl, das du schilderst , sondern ich denke: wow, total cool, dass du im dunklen durch den park joggst u dich nicht dem “frau hat im dunklen anngst”-system unterwirfst.
genauso höre ich es von freundinnen: sie haben keine lust sich weiter diesem “als frau muss ich angst haben”- modell zu unterwerfen.
diese andere seite der von dir geschilderten situation sollte uns genauso bewusst sein: dieses angst haben ist nicht grundsätzlich begründet und beeinträchtigt das leben einer frau
Ich merke die Anspannung als Mann auch und tue eigentlich alles was hier empfohlen wurde. NICHT auffällig unauffällig tun etc. Manchmal grüße ich nicke ich etc. Das ist abhängig von dem was mein Feingefühl sagt.
Nur die Straßenseite wechseln halte ich für übertrieben und kindisch. Genauso bin ich nicht bereit auf ein Überholen zu verzichten, weil ich grundsätzlich wesentlich schneller gehe als andere Leute. Ich halte ich es auch für unglaublich dumm und deswegen vermessen das von Männern einzufordern.
Dumm weil es vergleichsweise aufwendige Maßnahmen sind ein Problem NICHT zu lösen. Geradezu lachhaft wenn man die emotionale Seite ignoriert. Angenommen jetzt fangen immer mehr Männer an die Straßenseite zu wechseln, dann produziert ein Nichtwechseln um so mehr Angst….
Dinge, dich als Frau mit solchen Problemen machen würde:
1. Mir mal reale Statistiken zu Gewalt angucken. (Hier hat nämlich eine Frau von Zeiten wie heute geschrieben) Ich würde mal sagen: Für eine Frau gab es keine bessere Zeit nachts alleine fremden Männern zu begegnen.
2. Selbstverteidigung lernen und zwar kein Karate, Taekwondo, Judo oder so sondern Selbstverteidigung mit Bodenkampf und Notfalltechniken. Notfalltechniken kommen zum Einsatz wenn eine Partei wesentlich stärker ist als die Andere.
3. Bewaffnung und lernen mit der Bewaffnung umzugehen. Im Falle von Tierabwehrspray heißt das bspw. dass man mehrere Flaschen kaufen muss und auch ausprobieren muss. Man hat wenig davon sie im Ernstfall das erste mal zu benutzen. Gut ist es auch zu wissen wie sich das anfühlt.
Ja in der Reihenfolge.
zu 1) https://www.youtube.com/watch?v=8_sjosc0r1w
zu 2) Warum Martial Arts falsche Sicherheit geben:
http://www.reddit.com/r/gifs/comments/14zsnt/judo_chop/c7i1ct9 (die anderen Kommentare sind auch sehr aufschlussreich)
die passenden youtube/google suchwörter für notfalltechniken heißen: eye gouging, ear ripping, street fight
zu 3) youtube, google …
Obwohl ich es im Blogartikel nicht erwähnt habe, gab es natürlich auch schon Situationen, in denen ich das geschilderte Gefühl nicht hatte: wenn ich einer Frau begegnete, bei der ich spürte, die hat keine Angst, entweder weil sie furchtloser veranlagt ist oder entsprechende Hilfsmittel im Handgepäck bzw. Abwehrtechniken im Repertoire hat, mit denen Sie einen Übergriff abwehren würde.
Was ich für mich ablehne, ist: irgendwelche schauspielerischen Tätigkeiten aufzunehmen, damit sich die Frau sicherer fühlt, etwa fingierte Telefonate zu führen oder Fake-Gespräche mit dem/den Begleiter(n) aufzunehmen. Es geht hier um ein authentisches Miteinander, nicht darum, eine Scheinsituation aufzubauen, die an der Realität vorbeigeht.
Gerade weil ich selbst Gewalt nicht mag und sie meide, kenne auch ich das ungute Gefühl, wenn ich als Einzelner nachts durch einen Park in Berlin oder Hamburg gehe und mir eine Gruppe testosteronlärmender Männer entgegenkommt, von der nicht klar ist, ob ihre ggf. alkoholisierte Ausgelassenheit und/oder Überzahl sie zu einer unterhaltsamen Passantenanmache verleitet. Das hat nicht nur was mit dem Geschlecht zu tun.
Ich halte nichts davon mich in so einer Situation “künstlich” sein Verhalten anzupassen, da man (hier frau) das merkt und dies Bestenfalls irritierend ist. Ich passe nicht meinen Schritt an und halte nicht zusätzlich Abstand. Je nach Situation ignoriere ich die andere Person (z.B. Joggern), gehe einfach selbstbewusst / neutral (nicht aggressiv) unbeirrt weiter (Spaziergängerin), lächle oder nicke freundlich (wenn ich direkt angesehen werde). Das ist stark situations- und ortsabhängig.
Ich lebe in Berlin und hier erscheint eine plötzliche Änderung im Verhalten eher auffällig bzw. verdächtig und sich zu verstellen schürt kein Vertrauen sondern eher das Gegenteil. Dies kann aber für jeden individuell anders sein. Ich bin z.B. 1,90 m groß, habe Breite Schultern aber auch Bauch. Ich sehe nicht sportlich aus und habe weder einen maskulinen/aggressiven noch einen femininen Gang. Ich habe den Eindruck eher als ungefährlich zu erscheinen bzw. höchstens ob meiner Körpermaße als Hindernis.
Mir ist gerade am Wochenende so etwas passiert. Es war nicht komplett menschenleer. Ich gehe ziemlich schnell, aus Gewohnheit. Vor allem wenn ich wie dann noch Musik dabei höre. Nach einer Ampel fiel mir auf einmal auf, wie ich eine Frau vor mir hertreibe. Dann bin ich halt langsamer geworden. Ich denk das war richtig. Erst wollte ich schnell an ihr vorbei.
Danke für den Einblick in die/eine Männerseele. Ich hatte mich noch nie gefragt, ob einem Mann eine derartige Situation unangenehm ist.
Tipps hast du ja gute bekommen. Ich würde auch sagen: Nicht so sehr die Frau anstarren, schon gar nicht mit der Frage im Kopf: Hat sie Angst vor mir? Lieber weg schauen und schnell weiter gehen. Wer mich ignoriert, dem bin ich egal. Ich kann furchtlos einer ganzen Horde Neuköllner Jungbullen begegnen, so lange sie mich nicht fixieren.
Wenn ihr zu zweit seid, fände ich Händchen halten entspannend und noch lange nicht im Bereich von Schauspielkunst.
Treffen sich zwei Wölfe nachts im Wald. Was denken sie? “Ah ein Wolf!”
Treffen sich zwei Menschen nachts im Wald. Was denken die? “Oh, ein Mörder!”
“The only thing we have to fear is fear itself …” FDR
@ formschub “Was ich für mich ablehne, ist: irgendwelche schauspielerischen Tätigkeiten aufzunehmen, damit sich die Frau sicherer fühlt, etwa fingierte Telefonate zu führen oder Fake-Gespräche mit dem/den Begleiter(n) aufzunehmen. Es geht hier um ein authentisches Miteinander, nicht darum, eine Scheinsituation aufzubauen, die an der Realität vorbeigeht.”
Die Realität ist aber leider, dass sehr viele Frauen permanent die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass sie in eine unerwünschte Situation kommen – von “blöder Anmache” bis “sexuelle Übergriffe” und daher ihr Verhalten anpassen bzw. “schauspielern”: bewusst Männer in U-Bahnen “ignorieren”, Umwege gehen,sich hinter Handies und Kopfhörern verschanzen, Pfefferspray mit sich rumschleppen und auf Röcke etc. verzichten). Klingt neurotisch? Mag sein. Aber Vorsicht ist eben besser als Opfer zu werden.
Ich finde es aber toll, dass Du den Artikel geschrieben hast. Wie die Meisten anderen hier würde ich (Frau) Dir auch eher raten nur dann freundlich zu grüßen, wenn die Frau sich in einer Situation befindet, aus der sie (falls es eine echte Bedrohung gäbe) leicht flüchten bzw. Unterstützung erlangen kann. Sie weiß nämlich noch nicht, ob Du eine Gefahr darstellst oder nicht. Falls Du ihr alleine Park begegnest, solltest Du sie einfach ignorieren. Die Vorschläge als Mann die Strassenseite zu wechseln, zum Telefon zu greifen oder mit dem eigenen Begleiter Händchenhalten finde ich als Frau tatsächlich nicht schlecht. Wenn “Mann” das nämlich nicht tut, werde ich es unauffällig tun.
Hier ist noch ein interessanter Blog-Beitrag (auf Englisch) zu dem Thema “Schrödinger’s Rapist”
@B:
Warum ich die Begriffsbildung “Schrödingers Rapist” nicht mag:
Es suggeriert, dass jeder Mann ein Vergewaltiger ist, und zwar nicht potentiell sondern sicher.
Bei Schrödingers Katze ist der Zustand (tot oder lebendig) die Unbekannte, aber es ist sicher dass es eine Katze ist. Wenn ich eine Person als “Schrödingers Rapist” bezeichne wird somit suggeriert, dass es sich mit Sicherheit um einen Vergewaltiger handelt, die einzige Unbekannte ist, ob es jetzt schon so weit ist.
Pingback: Besoffene in Schmusestimmung › www.patsyjones.de
@ H
Da stimme ich zu. Der Begriff ist nicht ganz logisch. Man sollte das wohl so interpretieren, das es immer ein Mann ist, aber Frau nie weiß ob er gute oder böse Absichten hat. Es ging mir aber ohnehin nicht um den Begriff, sondern um das, was in dem Beitrag steht: Frauen gehen eben meist zuerst von einer drohenden Gefahr aus und wie Männer mit der Situation umgehen könnten (inbesondere, wenn sie eigentlich mit der Frau flirten wollen) – nämlich mit Respekt und vor allem Einfühlungsvermögen. Ich würde das nicht als “schauspielern” bezeichnen sondern als Rücksichtnahme. Durch viele (männliche) Reaktionen auf die #aufschrei Aktion habe ich den Eindruck bekommen, dass es manchen Männern gar nicht auffällt, dass viele Frauen bestimmte Verhaltensweisen/Äußerungen als Bedrohlich bzw. Belästigend (in welcher Form und zu welchem Grad auch immer) empfinden.
Viele Situationen wären für alle Beteiligten einfacher, wenn alle (natürlich auch Frauen!) einfach ein bisschen mehr darauf achten, was man wie sagt und auch “blöde Witze” nerven/weh tun können. Einfach ein respektvolles miteinander.
BTW: ob die im “Schröder’s Rapist” genannten Zahlen für sexuelle Übergriffe auch für Deutschland zutreffen weiß ich nicht – aber wie man an der #aufschrei Debatte heute sieht, ist das zumindest generell auch ein Thema in Deutschland. Und nicht nur nachts auf einer einsamen Strasse.
Danke für die Beobachtungen. Es sollte klar sein, wer Schuld an diesem Männerschatten sind: die ganzen sexistischen und übergriffigen Männer der Welt.
Wir müssen diese Penner endlich aus dem gesellschaftlichen Leben isolieren. Wir müssen sie aus unseren Freundeskreisen rauswerfen und dürfen keine Toleranz gegenüber Sexismus zeigen. Wir müssen unser Maul aufmachen und reagieren und diesen Wichsern einen vor den Latz knallen. Wer dann nachdenkt und sich entschuldigt und sich ändert, der hat noch Platz in der Welt von morgen. Der Rest soll bitte aussterben.
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puh – interessanter Post und gute Kommentare…
und (thumbs-up) — auf jeden Fall war das weder zynisch noch sarkastisch gemeint…
Irgendwie muss ich mich zu diesem Thema als Kleinstadtbewohner erstmal warm schreiben.
Ich habe so Situationen mit “Frauen überholen oder nicht” schon mal erlebt und bislang war ich – als es mir dann aufgefallen war, dass es der Frau unangenehm war – immer leicht sauer unter dem Motto “warum soll ich mir darüber Gedanken machen, schliesslich bin ich ganz harmlos.”
Ich will kein Stellvertreterschlechtesgewissen für all die A*löcher haben müssen, die zufälligerweise das gleiche Geschlecht haben wie ich.
Aber da muss ich wohl durch und daher vielen Dank auf jeden Fall für die Erklärung warum es besser ist, als Mann die Strassenseite zu wechseln.
(das passende Emoticon für diese Stelle ist irgendwo zwischen
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Das Gefühl, das Formschub da beschreibt kenne ich. Und ich habe mich auch schon dabei erwischt irgendwelche clownesken und bärchenhaften Behaglichkeitstypen zu inszenieren, nur um der Situation das Unbehagen zu nehmen. Ich bin dazu ja auch noch zwei Meter groß und trage einen Bart mit mir herum. Es ist verzwackt, aber es ja noch viel verzwackter für diejenigen, die mit Ängsten in der Welt herumspazieren. Es ist eine schwierige Welt und jede Situation ist individuell. Und weil der Vorschlag, dass Frauen ja einfach nicht mehr das Haus verlassen müssten, damit ihnen nichts zustößt, natürlich an Ultrabescheuertheit kaum zu übertreffen ist, muss Mann vielleicht auch mal ein fingiertes Telefongespräch führen, ein Lied singen oder Kaninchen aus dem Hut zaubern. Die Suppe muss jetzt ausgelöffelt werden.
Pingback: Von Grenzüberschreitungen und der Anstößigkeit sexuellen Begehrens – #Aufschrei
Hier mal ein eigenes Erlebnis mit einer ungewöhlichen männlichen Reaktion, die aber positiv ankam:
Hab keine Angst!
Pingback: Eine (männliche) Stimme « Ein anderer Stern wäre auch nicht seltsamer.
An der Stelle sind wir jetzt? Männer müssen sich schämen, als Mann geboren worden zu sein? Fragen, was sie “dagegen tun können”?
So müssen sich bärtige Moslems im Westen seit 10 Jahren auch fühlen. Unschuldig vorverurteilt.
Wo steht denn hier was von schämen oder Scham? Wenn Scham, dann höchstens Fremdscham, gegenüber denjenigen (Männern), die sich (Frauen gegenüber) nicht im Griff haben. Und so wird man nicht geboren.
Nochmal danke an alle für ihre Tipps, die helfen können, eventuelle Angstgefühle von Frau(en) bei solchen Begegnungen zu zerstreuen. Es muss jeder Mann selbst entscheiden, wenn er sich zu solchen aktiven Signalen entschließt, mit welchen er sich noch wohlfühlt und welche er für sich als unangemessen, albern, übertrieben oder was auch immer ablehnt. Gut wäre natürlich, das Signal fiele nicht so subtil aus, dass die Frau es nicht bemerkt. Für mich persönlich erscheinen die Tipps „bewusst ignorieren“, „wegschauen/nicht fixieren“ und ggf. „ausweichen/Straßenseite wechseln“ am eindeutigsten und authentischsten, auch, weil sie in den Kommentaren so häufig vorgeschlagen wurden. Sicher werde ich das je nach Situation und Bauchgefühl auch mal variieren oder ergänzen.
Es ist schade, dass manche Männer (auch hier in den Kommentaren) immer noch nicht begriffen haben, dass sie nicht von „den Frauen“ in Sippenhaft genommen werden – im Gegenteil. Schuld an diesem „Generalverdacht“ sind diejenigen ihrer männlichen Geschlechtsgenossen, die sich nicht im Griff hatten oder haben und die dafür sorgen, dass Ängste und Vorbehalte, auch gegenüber „zivilisierten“ Männern entstehen. Und sexistische oder gar gewalttätige Übergriffe geschehen offenbar in einer solchen Häufigkeit und Allgegenwart, dass fast jede Frau eigene Erfahrungen solcher Art gemacht hat und/oder persönlich Frauen kennt, denen Vergleichbares widerfahren ist. Deshalb liegt es auch an den „unbescholtenen“ Männern, – nicht nur in Gegenwart von Frauen, sondern auch unter anderen Männern – ihre Stimme zu erheben und sexistischen Ausfälle zu missbilligen. Schlicht, damit es weniger werden, damit solche Respektlosigkeiten gesellschaftlich geächtet werden und damit klar wird, dass sie nicht harmlos oder witzig, sondern inakzeptabel und peinlich sind.
Es geht, finde ich, auch nicht um allgemeingültige Grenzen – weder zwischen Männern und Frauen, noch zwischen zumutbar oder unzumutbar. Dazu sind Individuen und Situationen viel zu verschieden. Es geht um Respekt – und um den Wert des Wortes „Nein“.
Meine Bilanz der Aufschrei-Debatte wird durch diesen berührenden Artikel bestätigt: Wichtiger als alles andere ist, dass sich Männer und Frauen wieder miteinander sicher fühlen.
Ein wirklich wundertoller Text! *___*
Noch etwas zu positiven Verhaltensweisen: Ich finde es definitiv angenehmer, überholt zu werden, als die ganze Zeit jemanden im Rücken zu haben. Auch finde ich Anschauen ziemlich angenehm, aber mehr so mit dem Blick streifen und vielleicht kurz zulächeln, nicht fixieren.
Pingback: Zum #aufschrei « Ein Streifzug durch den öffentlichen Raum
“Wo steht denn hier was von schämen oder Scham? Wenn Scham, dann höchstens Fremdscham, gegenüber denjenigen (Männern), die sich (Frauen gegenüber) nicht im Griff haben. Und so wird man nicht geboren.”
Der Autor hat nichts getan, um das Schamgefühl oder die Unsicherheit zu verdienen, die er hat, wenn er einer Frau auf der Straße begegnet.
Also nochmal: was soll diese irrationale Angst? Diese Scham?
Danke für diesen tollen Artikel! Ich finde es immer schrecklich, wenn ich als hetero-Mann einer Frau alleine begegne und ihr Unbehagen förmlich mit Händen greifen kann. Wenn ich nicht ausweichen kann, grüße ich wenigstens freundlich und neutral.
Also nochmal: Weder schäme ich mich, noch habe ich Angst. Ich spüre bei manchen Frauen Angst, wenn ich ihnen abends oder am Tage in einsamer Umgebung begegne, vielleicht liegt es daran, dass ich ein besonders empathischer Mensch bin. Womöglich empfinden andere, weniger empathische Männer dies nie – was nicht bedeutet, dass ich es mir einbilde, denn dieses Gefühl ist nicht bei jeder Begegnung in vergleichbaren Situationen so. Und da ich es spüre, möchte ich etwas dagegen tun, um der Frau glaubhaft zu signalisieren: Du musst diese Angst (vor mir) nicht haben. Und da ich keine Frau bin, frage ich einfach die Frauen unter meinen Bloglesern: wie kann ich Euch das vermitteln? Das ist alles. Ich habe kein Schuldgefühl, keinen Grund, etwas „verdient“ zu haben. Ich habe eine unangenehme Gefühlswahrnehmung, die ich auflösen möchte und stelle eine Frage an die Betroffenen, wie das geschehen kann. Die Frage „Was soll das?“ stellt sich mir nicht, daher sehe ich auch keine Veranlassung, sie zu beantworten.
Interessante Betrachtung und eine gute Frage die es sich lohnt zu stellen.
Die Vorschläge hier bzgl. Händchenhalten, Straßenseite wechseln oder Telefonat vortäuschen empfinde ich (Mann) allerdings als absurd. Absurd deshalb weil weil ein real existierendes Problem (manche Frauen fühlen sich durch die Anwesenheit eines Mannes in bestimmten Situationen bedroht) durch ein Verhalten beantwortet werden soll das wieder meines natürlichen Verhaltens ist. Gerne bin ich bereit Rücksicht nehmen aber das kann doch nicht darin bestehen, dass wir ein Problem mit Maßnahmen begegnen zum Teil die Mitursache des Problems (wegschauen, weggehen) sind oder schlichtweg absurd (Händchenhalten, Telefonat vortäuschen).
Pardon wenn ich mich da so deutlich ausdrücke aber diese Vorschläge verschleiern das eigentliche Problem und haben damit meiner Meinung nach Parallelen zu radikalen Reaktionen anderer Gesellschaften auf das Problem…
Gerade das Weggehen und Wegsehen ist es doch, dass Menschen vor denen sich Frauen UND Männer im Alltag fürchten in unserer Gesellschaft Macht gibt. Meiner Meinung nach sollte Antwort auf die Probleme daher im Gegenteil in einem menschlicherem und damit auch nicht völlig entsexualisierten Zusammenleben gesucht werden.
Öfter mal freundlich ein Gegenüber kurz anlächeln/annicken/grüßen wäre vielleicht ein guter Anfang, bevor wir vergessen haben wie das geht und was es bedeutet. (Das bezieht sich auf Situationen wie dem Joggen o.ä.) Etwas mehr Gelassenheit wie von Anton Maier (1) angesprochen schadet vermutlich auch nicht und ebenso von ihm angemerkt: Gewaltverzicht ist schön und gut wenn es als Statement angewandt wird, sich wirklich wehren zu können ist sinnvoll und Gewaltpotenzial allein denen zu überlassen, die nicht damit umzugehen wissen hilft niemandem.
Sexismus ausgrenzen finde ich gut, richtig und wichtig. Nur bitte mit Mitteln die auf ein gesundes, entspanntes und menschliches Miteinander zielen und nicht auf ein Wegducken.
Ich möchte mich meinen Vorredner*innen anschließen. Wir wollen beileibe nicht alle Männer in Sippenhaft nehmen. Ich habe zum Beispiel das Glück, dass ich nicht einen unter meinen Freunden habe, den ich einen Sexisten nennen würde. Das sind alles anständige Jungs, die sich zu benehmen wissen. Keiner von ihnen würde einfach eine Frau ohne ihr Eingeständnis anfassen oder sie unflätig anmachen. Und trotzdem: Wenn ich alleine abends unterwegs bin, bin ich immer in Hab-Acht-Stellung. Dieses entspringt nicht einem diffusen Gefühl der Bedohung, sondern ganz kronkreten Erfahrungen, wie sie wahrscheinlich schon jede Frau mehrfach erlebt hat. Da reicht ein unachtsamer Blick oder manchmal schon die Tatsache, dass man als Frau alleine unterwegs ist. Bei mir ist es bisher bei blöden Sprüchen und kleinen Verfolgungsjagden geblieben, aber ich bin mir sehr bewusst, dass das auch schnell mal ausarten kann, gerade wenn auf Seiten der Männer vielleicht noch Alkohol im Spiel ist. Manche sagen hier: Frauen sollten sich doch nur mal die Statistiken durchlesen, dann bräuchten sie auch keine Angst zu haben. Das macht mich echt sauer. Es geht nicht immer gleich darum, vergewaltigt zu werden. Ich will einfach nicht, dass manche Männer mir ihre Sexualität aufdrängen. In welcher Form auch immer! Der Großteil der Männer ist wirklich super, aber manche eben auch nicht. Wie sollen wir das auf den ersten Blick beurteilen können?
Wenn ich jemanden sehe, der krampfhaft die Augen niederschlägt, alte Menschen, ausländische ältere Damen oder manchmal auch Kinder, lächle ich sie auch freundlich an, um zu zeigen, dass ich sie respektiere und ich harmlos bin. Die Dankbarkeit, die man dafür entgegengebracht bekommt, ist manchmal geradezu beschämend. Aber es tut doch nicht weh, jemandem etwas Gutes tun, gerade, wenn derjenige sich bedroht fühlt. Damit bricht man sich keinen Zacken aus der Krone.
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Danke für diesen Text!