{"id":1017,"date":"2010-12-15T21:14:58","date_gmt":"2010-12-15T20:14:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=1017"},"modified":"2020-07-02T14:28:23","modified_gmt":"2020-07-02T12:28:23","slug":"alles-im-fluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2010\/12\/15\/alles-im-fluss\/","title":{"rendered":"Alles im Fluss"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. November war die Releaseparty im Wiesbadener <a href=\"http:\/\/stijlroyal.com\/\">RUEXIV<\/a> (leider ohne mich) und vor etwa einer Woche trafen meine bestellten vier Exemplare per Post ein \u2013 es ist da: das neue <a href=\"https:\/\/issuu.com\/stijlroyal\/docs\/stijlroyal-xiv-issuu-redu\">Stijlroyal Magazin<\/a>. Dies bietet nicht nur wegen der exorbitanten Gr\u00f6\u00dfe von DIN A3, der glamour\u00f6sen Goldpr\u00e4gung auf dem Titel, den famosen Fotos und dem bahnbrechenden Industriefleischsalattest allen Grund zum Jauchzen, sondern auch, weil neben vielen anderen fulminanten Twitterern auch mir die Ehre zuteil wurde, einen Text daf\u00fcr verfassen zu d\u00fcrfen. Zum ersten Mal ein selbstverfasster Prosatext in einer gedruckten Publikation. F\u00fcr mich ein ganz besonderer Moment.<\/p>\n<p>Als im Sommer die Anfrage von Huck Haas aka <a href=\"http:\/\/twitter.com\/stijlroyal\">@stijlroyal<\/a> kam, wusste ich sofort: mein Beitrag w\u00fcrde eine Kurzgeschichte sein. Und den Anfang hatte ich auch schon: <a href=\"http:\/\/twitter.com\/formschub\/status\/19407324566\">einen Tweet, der am 24. Juli 2010<\/a> meinem Hirn entperlte und mir sofort als ein perfekter Geschichtenanfang erschien.<\/p>\n<p>Im kurz darauf folgenden Sommerurlaub begann ich zu schreiben. Ich war schon ziemlich weit, als ich das Mail von Huck mit den Wunschkriterien f\u00fcr die Texte noch einmal las. \u00bbSchreibt Maximal 5.000 Zeichen\u00ab stand da. Mist. Ich hatte schon 9.831 geschrieben und noch mindestens 3.000 spukten in meinem Kopf herum. Also beschloss ich kurzerhand, f\u00fcr das Magazin eine Kurzversion zu erstellen, in der der Mittelteil einfach fehlt \u2013 im nachfolgenden Text markiert durch die Auslassung (&#8230;) \u2013 und in weiteren Urlauben oder Mu\u00dfestunden am langen \u00bbDirector\u2019s Cut\u00ab weiterzuschreiben. Somit erz\u00e4hlt die jetzt abgedruckte Textfassung \u2013 es geht um einen Traum \u2013 noch nicht alles, was der namenlose Protagonist darin erlebt. Vielleicht reizt Euch ja mein Beitrag, den ich heute hier zweitver\u00f6ffentlichen m\u00f6chte, das Stijlroyal-Magazin zu kaufen. Dann tut es. Es ist jeden Euro wert.<br \/>\nKommentare, die mich zum Weiterschreiben ermuntern \u2013 oder davon abhalten wollen, k\u00f6nnen nat\u00fcrlich gerne unten eingetragen werden.<\/p>\n<h4>Sein Traum vom Fluss<\/h4>\n<blockquote><p>Er erinnerte sich noch gut an den Traum, nach dessen Schilderung sein Therapeut kurz darauf die Praxis schloss und aus der Stadt verschwand. Es war einer von diesen Tr\u00e4umen, durchdringend real, die mehrere N\u00e4chte zu dauern schienen und aus denen sich das Bewusstsein beim Erwachen schwerf\u00e4llig, wie durch eine meterdicke Schicht aus feuchtwarmem Humus, erst wieder einen Weg zur\u00fcck in die Realit\u00e4t graben musste.<\/p>\n<p>Licht.<br \/>\nJetzt.<br \/>\nEin Zimmer. Seins.<br \/>\nZahlen. Eine Uhrzeit.<br \/>\nWelcher Tag?<br \/>\nLiegen und atmen.<br \/>\nEin und aus.<br \/>\nEin Fluss.<br \/>\nSein Traum handelte von einem Fluss.<\/p>\n<p>Zu Beginn stand er an einer Art Hafenkai, auf ein k\u00fchles eisernes Gel\u00e4nder gest\u00fctzt und sah hinaus auf das Wasser. Es musste fr\u00fch am Morgen sein, der kupferfarbene Dunst lie\u00df keinen Blick auf das gegen\u00fcberliegende Flussufer zu. Hier, wo der Fluss am breitesten war, trug er auch am meisten Unrat mit sich. Die Luft roch salzig in seinem Traum, nach Diesel und Brackwasser. Irgendwo in Richtung der rostig verschleierten Stille, jenseits des dumpfen Rhythmus\u2019 dieser \u00fcberv\u00f6lkert menschenleeren Stadt, die er nicht kannte, musste das Meer sein, das sich dem schlammigen Andrang des Flusses erst entgegenstemmte, mit trotzigen Strudeln dagegen ank\u00e4mpfte und dann doch nachgab und ihn in sich aufnahm.<br \/>\nEr blickte hinunter auf den m\u00fcden, tr\u00fcbbraunen Strom. Auf der Oberfl\u00e4che trieben Holzst\u00fccke und Bl\u00e4tter. M\u00fcll und Verpackungsreste d\u00fcmpelten tr\u00e4ge vorbei: eine alte Plastiktasche, aufgebl\u00e4ht wie eine tote Qualle, der Werbeaufdruck <a href=\"http:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=97\">PRIMA<\/a> war kaum noch zu lesen. Eine Milcht\u00fcte \u2013 FAMOS. HAPPY \u2013 der Folienbeutel einer Fruchtgummimischung. Eine aufgerissene Kondompackung \u2013 PLEASURE. Das aufgeweichte Etikett einer Colaflasche \u2013 FUN. Ein lautlos klagender Jubelchor. Die \u00f6ligen Schlieren dazwischen im Wasser formten verzerrte Gesichter, bewegten in munchesker Zeitlupe die Lippen dazu. Er schloss die Augen.<br \/>\n(&#8230;)<\/p>\n<p>Er \u00f6ffnete sie wieder, viel sp\u00e4ter, im Wald. Die Sonne streute gelbgr\u00fcnes Konfetti durch das Dach aus Bl\u00e4ttern \u00fcber ihm und dem Fluss. Von hier aus sah er die Quelle, hoch oben, in einer senkrechten Spalte der Felswand. Das klare, kalte Wasser fiel in Kaskaden nach unten und sammelte sich in einem kleinen, von Moos ges\u00e4umten Becken, von wo aus es in einem flachen Bett seine Reise antrat. Es war seltsam: obwohl er dem Lauf von der Stadt am Meer bis hierhin gefolgt war, wusste er, dass der Fluss zur\u00fcck einen anderen Weg nehmen w\u00fcrde. Er w\u00fcrde ein kr\u00e4ftiger, lebendiger Strom werden und bleiben, fernab von Stra\u00dfen und H\u00e4usern, Menschen und St\u00e4dten. Das Wasser f\u00fchlte sich frisch an, aber nicht kalt. Er trat in das Bachbett und legte sich in das seichte, perlende Wasser. Sein Kopf lag auf den Kieseln, das Lied der Str\u00f6mung in seinen Ohren klang hell, vertraut und uralt. Winzige Gischttr\u00f6pfchen tanzten in der Luft, die er einsog. Er sp\u00fcrte, wie der Bach ihn umsp\u00fclte, erst l\u00f6sten sich winzige Fasern aus seiner Kleidung, schlie\u00dflich Haare und Hautsch\u00fcppchen. Der Fluss nahm ihn mit, ganz sanft, es tat nicht weh.<\/p>\n<p>Bald w\u00fcrde er wieder am Meer sein.<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1021\" title=\"Fluss_Szene\" src=\"http:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Fluss_Szene.jpg\" alt=\"Fluss_Szene\" width=\"450\" height=\"600\" \/><br \/>\n<em>Foto und Montage: \u00a9 formschub<\/em><\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_1017\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2010\/12\/15\/alles-im-fluss\/\"  data-item_title=\"Alles im Fluss\"  data-item_date=\"2010-12-15T21:14:58+01:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.59\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. 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