{"id":328,"date":"2008-08-10T00:57:15","date_gmt":"2008-08-09T22:57:15","guid":{"rendered":"http:\/\/formschub.de\/blog\/?p=328"},"modified":"2020-06-29T13:05:15","modified_gmt":"2020-06-29T11:05:15","slug":"sentimental-journey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2008\/08\/10\/sentimental-journey\/","title":{"rendered":"Sentimental Journey"},"content":{"rendered":"<p>Ich ahne, das wird ein l\u00e4ngerer Eintrag. Aber das Thema \u00bbSentimental Journey. Essen angestaubt\u00ab, unter dem Jutta in ihrem Kochblog <a href=\"http:\/\/kochtopf.twoday.net\/\">\u00bb1x umr\u00fchren bitte\u00ab<\/a> die Bloggergemeinde zur kulinarischen Zeitreise in die Vergangenheit <a href=\"http:\/\/kochtopf.twoday.net\/stories\/5072582\/\">einl\u00e4dt<\/a>, ist einfach zu verlockend.<\/p>\n<p><a title=\"Blog-Event XXXVII - Sentimental journey - Essen angestaubt\" href=\"http:\/\/kochtopf.twoday.net\/stories\/5072582\/main\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3092\/2688738690_27b21d49d9_o.jpg\" alt=\"Blog-Event XXXVII - Sentimental journey - Essen angestaubt\" width=\"400\" height=\"89\" \/><\/a><\/p>\n<p>Da ich schon immer gern gegessen habe, gie\u00dft das Thema \u00fcber mir ein F\u00fcllhorn an Geschmackserinnerungen aus. Die wohl nachhaltigsten Momente wurzeln darin, dass die Gro\u00dfeltern m\u00fctterlicherseits eine d\u00f6rfliche Schlachterei besa\u00dfen. Fleisch von der Kuh wurde in Form von Rinderh\u00e4lften zugekauft, doch die Schweine \u00bbwohnten\u00ab tats\u00e4chlich noch in einem Stall hinter Haus und Schlachterk\u00fcche und wurden t\u00e4glich mit Getreide, Viehfutter und Speiseresten gef\u00fcttert. Und nat\u00fcrlich irgendwann auch geschlachtet.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich nicht, als Kind (damals 3\u20135 Jahre alt) bei einer Schlachtung dabeigewesen zu sein, aber ich habe noch heute den ganz besonderen Geruch in der Nase, der die K\u00fcchen- und Verkaufsr\u00e4ume durchzog. Roh, pur, w\u00fcrzig und frisch. So riecht gutes Fleisch, noch am Tage der Schlachtung verarbeitet, man erahnt hindurch tats\u00e4chlich noch einen Hauch von Blut, warm und metallisch, umw\u00f6lkt von Gew\u00fcrzen und k\u00f6stlichen Restd\u00fcften aus Wurstk\u00fcche und R\u00e4ucherofen. Und so schmeckten auch die Fleisch- und Wurstwaren, die von Opa und Onkel nach eigenen Rezepturen selbst hergestellt wurden.<\/p>\n<p>Die markanteste Erinnerung habe ich an das \u00bbGehackte\u00ab. Herrlich rotes Rindermett, auf dick mit Butter beschmierten, knusprigen Br\u00f6tchen, au\u00dfen r\u00f6sch und innen fluffig-weich, das Ganze bestreut mit den damals noch kugelig-kr\u00fcmligen, gelben K\u00f6rnchen \u00bbFondor\u00ab-W\u00fcrze aus dem stets bereitstehenden Tischstreuer. Auf den gleichen, leckeren Br\u00f6tchen schmeckte auch das Schweinemett, sicherlich etwas fetthaltiger als heute, aber mit einem unvergleichlichen Geschmack, dem ich bis heute wehm\u00fctig nachh\u00e4nge. Mit einem Hauch von Knoblauch und eingestreuten, ganzen Senfk\u00f6rnern. K\u00f6stlich.<\/p>\n<p>Fett war ja damals ohnehin noch was Gutes. In der Blutwurst gl\u00e4nzten w\u00fcrfelzuckergro\u00dfe Speckbrocken, man bestrich sich Brote mit Butter und Schmalz, goss Schinkenspeckw\u00fcrfel samt ausgelassenem Fett \u00fcber Kartoffeln und lie\u00df den Fettrand am Kotelett knusprig mitbraten \u2013 und es schmeckte, ganz ohne schlechtes Gewissen. Das kam erst sp\u00e4ter, als die Reflexion \u00fcbers Essen einsetzte, sich nachpubert\u00e4r pl\u00f6tzlich Pfunde an den Rippen anzulagern begannen und das allgemeine Gesundheitsbewusstsein wuchs. Heute bevorzuge ich Vollkornbackwaren, ersetze Butter durch Frischk\u00e4se und sch\u00e4tze neben Fleisch und Fisch auch die vegetarische (indische) K\u00fcche. Aber ich schweife ab &#8230;<\/p>\n<p>Neben dem erw\u00e4hnten Fondor-Gew\u00fcrz war auch Maggi ein untrennbar mit Kindheitserinnerungen verkn\u00fcpfter Geschmackstr\u00e4ger. In Suppen ohnehin unentbehrlich, ob H\u00fchner-, Erbsen-, Linsen-, Kartoffel- oder Gr\u00fcne-Bohnen-Eintopf, der Griff zur gelb etikettierten, eckigen Braunglasflasche mit dem roten Spritzaufsatz war obligatorisch. Aber auch feste Gerichte waren unvollkommen ohne ein paar braune Spritzer der ganz speziellen Aromatinktur: Rosenkohl und Nudelauflauf z.B. werden bei mir auch heute noch mit Maggi gew\u00fcrzt (Bei anderen Gerichten bevorzuge ich als leidenschaftlicher Hobbykoch inzwischen nat\u00fcrlich raffiniertere W\u00fcrzmethoden).<\/p>\n<p>Weitere Kindheitsgerichte mit hohem Nostalgiefaktor waren: Mutti\u2019s Gulasch \u2013 am liebsten mit den Ufo-f\u00f6rmigen Birkel \u00bbTrulli\u00ab-Nudeln; Fischst\u00e4bchen mit Rahmspinat, R\u00fchrei und Speck; Kartoffelpuffer mit Apfelmus; H\u00fchnerfrikassee mit Reis; Eierpfannkuchen mit Heidelbeerkompott; Grie\u00dfbrei mit Dosenmandarinen; Milchnudeln (eine s\u00fc\u00dfe, vanillige Milchsuppe mit Nudeleinlage); Reisbrei mit Zucker und Zimt; paniertes Kotelett mit Erbsen &amp; M\u00f6hren aus der Dose, gebratene Leber mit in Butter braun gebratenen Zwiebeln und \u2013 ganz profan, aber genauso lecker \u2013 Nudelsalat.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt\u2019s auch heute das Rezept (ergibt 1 ansehnliche Sch\u00fcssel):<\/p>\n<p><strong>Zutaten<\/strong><br \/>\n250 g Gabelspaghetti<br \/>\n1 Dose Erbsen (400 g F\u00fcllgewicht)<br \/>\n250 g Fleischwurst<br \/>\n1\/2 Glas Miracel Whip oder Mayonnaise (Kalorienbewusste nehmen 50% Cr\u00e8me fra\u00eeche)<br \/>\n2\u20133 EL Tomatenketchup<br \/>\nPfeffer aus der M\u00fchle<br \/>\n1 TL Currypulver<br \/>\nca. 100 ml Milch<\/p>\n<p>Die Nudeln al dente kochen, kalt abschrecken und in einem Sieb abtropfen lassen. Fl\u00fcssigkeit aus der Erbsendose abgie\u00dfen und die Fleischwurst in kleine W\u00fcrfel schneiden. Miracel Whip, Milch, Ketchup, Currypulver und Pfeffer mit einem Schneebesen zu einem leicht d\u00fcnnfl\u00fcssigen Dressing verr\u00fchren (die Nudeln absorbieren beim Durchziehen noch etwas Fl\u00fcssigkeit aus dem Dressing). Erbsen, Wurst und abgek\u00fchlte Nudeln mit dem Dressing vermengen und einige Stunden durchziehen lassen. Dazu Grillfleisch, Buletten, Wiener W\u00fcrstchen oder was Kinder sonst noch so m\u00f6gen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/nudelsalat.jpg\" alt=\"Nudelsalat\" \/><\/p>\n<p>So sehr ich die Kochk\u00fcnste meiner Mutter heute noch sch\u00e4tze \u2013 mit dem aufkommenden eigenen Interesse am Kochen ging auch ein gewisses Erwachen einher. Denn nach und nach wurde mir bewusst, dass z.B einige Gem\u00fcsesorten auf meinem Kinderteller fast immer aus der Konserve kamen. Neben den erw\u00e4hnten Erbsen &amp; M\u00f6hren etwa auch Champignons und Spargel. Auch enth\u00fcllten Mutters K\u00fcchengeheimnisse ungenierten Zugriff auf Convenience-Zutaten: die viele Tellergerichte umflie\u00dfenden So\u00dfen wurden meist mit Hilfe von Fertigpulver komponiert, oft bildeten Suppen- und W\u00fcrzw\u00fcrfel die Basis f\u00fcr Schmorgerichte und Eint\u00f6pfe. Offenbar war noch Mitte der Siebziger Jahre das Angebot an Frischgem\u00fcse kaum vergleichbar mit der heutigen Vielfalt, zum Teil war es aber auch der Ern\u00e4hrungszeitgeist jener Zeit, der diese Art des Kochens \u00fcberhaupt nicht hinterfragte. Ist ja auch egal, es hat geschmeckt, und das war damals die Hauptsache.<\/p>\n<p>Nach dem Mittagessen gab\u2019s dann nat\u00fcrlich oft auch noch Nachtisch: Vanillepudding mit Himbeersirup, Schokoladenpudding mit Sahne, schokoknispeliges \u00bbViennetta\u00ab-Eis oder Schattenmorellenkompott. In einem bestimmten Zeitfenster erinnere ich mich auch noch deutlich an verschiedene, zeitsparend zubereitete Instant-Schaumcremedesserts (\u00bbMajala Traumcreme\u00ab) mit Karamel-, Vanille-, Mocca-, Schoko-, Zitronen- oder Mandarinengeschmack. Sehr beliebt bei Familienfeiern war die als Bausatz mit einer Piccoloflasche Rebensaft erh\u00e4ltliche Rotweincreme, deren deutlich alkoholisches Aroma ich allerdings nicht allzu sehr mochte. Eine besondere, erinnerungsw\u00fcrdige Haptik hatte das seltsame Dosendessert \u00bbFlair\u00ab, bei dem eine kaltschalenartige Fruchtsuppe mit derselben Menge Milch zu einem glibbrigen Schleim verr\u00fchrt wurde. Auch nicht sonderlich gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Von den s\u00fc\u00dfen Desserts zum Naschwerk ist es nur ein kleiner Sprung, das muss jetzt auch noch abgehakt werden. After Eight. Erfrischungsst\u00e4bchen. Campino (auf langen Autofahrten). Werthers Echte. Bazooka Joe Kaugummi. Leckmuscheln. Storck Riesen. PEZ. Rolo. Antjes. Ahoj Brause. Toblerone. Moccabohnen. Schaumzucker-Erdbeeren. Lakritzschnecken. Und nicht zu vergessen die reichlich servierten Torten und Kuchen bei Geburtstagen und Verwandtenbesuchen: Frankfurter Kranz, Bienenstich mit Puddingf\u00fcllung, Donauwellenkuchen. Und \u2013 damit das Thema Fett auch hier nicht zu kurz kommt \u2013 \u00bbKalter Hund\u00ab aus Keksen und Palmin-Kuvert\u00fcre.<\/p>\n<p>Das waren jetzt alles in allem bestimmt an die hunderttausend aufgez\u00e4hlte Kalorien. Ich zumindest habe jede einzelne davon genossen. Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere Leser Parallelen zu eigenen Erinnerungen. Mir hat es jedenfalls gro\u00dfen Spa\u00df gebracht, in den meinen zu kramen.<\/p>\n<p>Guten Appetit weiterhin!<\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_328\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2008\/08\/10\/sentimental-journey\/\"  data-item_title=\"Sentimental Journey\"  data-item_date=\"2008-08-10T00:57:15+02:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.60\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich ahne, das wird ein l\u00e4ngerer Eintrag. Aber das Thema \u00bbSentimental Journey. Essen angestaubt\u00ab, unter dem Jutta in ihrem Kochblog \u00bb1x umr\u00fchren bitte\u00ab die Bloggergemeinde [&#8230;]<\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_328\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2008\/08\/10\/sentimental-journey\/\"  data-item_title=\"Sentimental Journey\"  data-item_date=\"2008-08-10T00:57:15+02:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.60\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,8,1],"tags":[],"class_list":["post-328","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-dem-kochbuch","category-frisch-ausgefuellt","category-von-der-tageskarte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=328"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4134,"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions\/4134"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}