{"id":6353,"date":"2022-06-10T15:16:00","date_gmt":"2022-06-10T13:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=6353"},"modified":"2022-06-10T15:16:00","modified_gmt":"2022-06-10T13:16:00","slug":"regensburgreise-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2022\/06\/10\/regensburgreise-ii\/","title":{"rendered":"Regensburgreise (II)"},"content":{"rendered":"\n<p>Vier Tage Regensburg sind schon wieder um. Wie immer bei solchen kompakten Auszeiten streiten im Kopf zwei Bewertungen miteinander \u2013 einerseits \u00bbBoah, es passiert jeden Tag so viel abseits der sonstigen Alltagsroutine, dass sich vier Tage anf\u00fchlen wie sonst vierzehn\u00ab, andererseits \u00bbHuch, ist ja schon wieder Zeit zum Abreisen, das ging eigentlich viel zu schnell vorbei\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach drei Jahren Pause f\u00fchlte es sich gut an, mal wieder in dieser sch\u00f6nen Stadt zu Gast zu sein und die \u00bbCorona-L\u00fccke\u00ab von zwei Jahren war gef\u00fchlt im Nu geschlossen, als sei ich tats\u00e4chlich letzte Pfingsten zum letzten Mal dort gewesen, anstatt 2018. Fast alle vertrauten und schon oft besuchten Orte \u2013 Bierg\u00e4rten, Restaurants, die Lieblingseisdiele, Gesch\u00e4fte \u2013 haben die Pandemieflaute \u00fcberlebt, etliche neue Locations haben er\u00f6ffnet, ein <a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2009\/06\/07\/roter-hahn\/\" data-type=\"post\" data-id=\"617\">sehr gesch\u00e4tztes Restaurant<\/a> hat seine Preise derma\u00dfen angezogen, dass es f\u00fcr mich leider unbesuchbar geworden ist \u2013 aber wenn die zahlungswillige Kundschaft das tr\u00e4gt (der Blick durchs Fenster am Pfingstsamstag lie\u00df vermuten: nein), dann sei es. <\/p>\n\n\n\n<p>Etwas entt\u00e4uscht war ich von einem anderen zuvor schon oft besuchten Restaurant, bei dem ich via OpenTable eine Reservierung vornahm: laut App hie\u00df es \u00bbzur gew\u00fcnschten Zeit noch vier Tische buchbar\u00ab und so belegte ich einen davon. Im Laufe des Tages kam dann jedoch ein Anruf: es h\u00e4tte einen \u00bbFehler\u00ab bei der Reservierung gegeben und man m\u00fcsse die Reservierung entweder auf 18 Uhr vorverlegen oder stornieren. Damit fiel die Annahme in sich zusammen, ein Online-Reservierungstool w\u00fcrde verl\u00e4sslich den realen Kapazit\u00e4tsbestand der verf\u00fcgbaren Tische abbilden, bedauerlicherweise in sich zusammen und wir mussten umdisponieren. Durch eine Wiedersehen (ebenfalls nach mehreren Jahren) mit alten Bekannten aus der \u00abAlte-Musik-Szene\u00ab und eine spontane Verabredung zum Abendessen in einem gro\u00dfen Biergarten war dann aber die Stornol\u00fccke schnell gef\u00fcllt und so war es gut, wie es sich f\u00fcgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich genoss es jeden Tag, dass wir diesmal R\u00e4der gemietet hatten. Das Wetter war gr\u00f6\u00dftenteils radeltauglich und so nutzte ich dies ausgiebig, teils zum Bummeln oder f\u00fcr Besorgungen in der Stadt, teils auf dem Weg zu den gebuchten Konzerten oder Bierg\u00e4rten\/Restaurants und einmal sogar zu einer gemeinsamen Radtour zum Kulturmonolithen der \u00bbWalhalla\u00ab. Den Eintritt von 4,50 \u20ac in die B\u00fcstenhalle sparten wir uns, aber die sch\u00f6ne Radstrecke entlang der Donau und der dicht bewachsene, etwas abseits liegende steile Waldpfad zur R\u00fcckseite des von zahllosen Menschen aus allen L\u00e4ndern umschw\u00e4rmten Wagnertempels waren auch so Erlebnis genug. <\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden gebuchten Konzerte im Rahmen der \u00bbTage Alter Musik\u00ab, beide in der Regensburger Dreieinigkeitskirche, brachten wie in vergangenen Jahren betagte Werke auf frische und neue Weise zu Geh\u00f6r. Zum ersten Konzert (Nr. 3) am Samstag Vormittag hei\u00dft es in der Ank\u00fcndigung:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00bbObwohl wir von J.S. Bach mindestens f\u00fcnf Konzerte f\u00fcr Solo-Orgel kennen, sind von ihm keine Orgelkonzerte mit Orchesterbegleitung \u00fcberliefert. Der belgische Organist\u00a0<strong>Bart Jacobs<\/strong>\u00a0hat nun (\u2026) mehrere solcher Konzerte rekonstruiert und er wird sie mit dem Br\u00fcsseler Barockorchester\u00a0<strong>Les Muffatti<\/strong>\u00a0auf der gro\u00dfen Bachorgel der Dreieinigkeitskirche auff\u00fchren. In 18 von seinen mehr als 200 Kantaten hat Bach die Orgel als obligates Soloinstrument in Arien, Chorpassagen und Sinfonias verwendet. Auf der Grundlage dieser Kantatens\u00e4tze und diverser Instrumentalkonzerte erklingen die von Bart Jacobs rekonstruierten Orgelkonzerte, wie sie Bach 1725 anl\u00e4sslich eines Konzerts in Dresden in der Sophienkirche auf der damals neuen Silbermann-Orgel aufgef\u00fchrt haben k\u00f6nnte.\u00ab<\/p><cite>www.tagealtermusik-regensburg.de<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich war \u00fcberrascht, wie gut Orgel (speziell das Instrument in dieser Kirche) und das von Streichern dominierte Orchester zusammenpassten. Der Klang der Saiteninstrumente schwirrte wie ein Schwarm Schmetterlinge \u00fcber einem warmen, karamelligen Fundament, das die Orgel darunterlegte. Unerkl\u00e4rlicherweise war das Konzert nur etwa zur H\u00e4lfte besucht, aber auch das lie\u00df sich zugunsten von mehr Abstandsm\u00f6glichkeiten zu den anderen Besuchern als Infektionsschutzpluspunkt verbuchen. Es gefiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Konzert (Nr. 15) am Montag Nachmittag erklang das selten zu h\u00f6rende Blasintrument <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zink_(Musik)\" target=\"_blank\">Zink<\/a>, das interessanterweise nicht, wie der Name andeuten k\u00f6nnte, aus Metall, sondern aus Holz (fr\u00fcher auch Elfenbein) besteht. Dazu schreibt das Programm:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00bbDer franz\u00f6sische Zinkvirtuose\u00a0<strong>Adrien Mabire<\/strong>\u00a0und sein mit erlesenen franz\u00f6sischen S\u00e4ngern und Instrumentalisten besetztes Ensemble\u00a0<strong>La Guilde des Mercenaires<\/strong>\u00a0(Die S\u00f6ldnergilde) begeben sich in diesem Konzert auf eine Reise nach Venedig, um die musikalischen Wurzeln Giovanni Gabrielis zu erkunden, der hier 1557 geboren wurde, hier wirkte und hier 1612 starb. Dabei treffen sie auf die Entstehung einer typisch venezianischen Musizierpraxis, die Kunst der Mehrch\u00f6rigkeit.\u00ab<\/p><cite>www.tagealtermusik-regensburg.de<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mit viel Spielfreude und gro\u00dfem K\u00f6nnen spielte sich das Ensemble durch das von geistlichen Texten gepr\u00e4gte, sehr melodische Programm und bekam am Ende gro\u00dfen Applaus. Die Zugabe f\u00fcgte dann noch einen am\u00fcsanten Aspekt hinzu, indem die S\u00e4nger in zwei Gruppen geteilt wurde, die auf sehr gegens\u00e4tzliche Weise einen in dieser Komposition angelegten \u00bbS\u00e4ngerwettstreit\u00ab miteinander ausfochten. Das Etikett \u00bbAlte Musik\u00ab schreckt wom\u00f6glich viele Menschen ab, sich derlei einmal anzuh\u00f6ren \u2013 so manches klingt nach fast 700 Jahren frischer als manche erst Jahrhunderte sp\u00e4ter komponierte Musik. Mein Alte-Musik-Anspieltipp: die <strong>\u00bbSonata Representativa\u00ab<\/strong> (entstanden um 1670) des Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber \u2013 ein rund 10min\u00fctiges Potpourri kurzer St\u00fccke, in denen mit historischen Instrumenten Tierstimmen von Nachtigall, Kuckuck, Frosch, Henne und Hahn, Wachtel und Katze imitiert werden. Sehr experimentell, witzig und \u00fcberhaupt nicht \u00bbangestaubt\u00ab!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine kleine \u00dcberraschung ergab sich dann noch, als eine Message von zwei guten Berliner Freunden auf dem Handy eintraf \u00bbViele Gr\u00fc\u00dfe aus Regensburg!\u00ab. Rein zuf\u00e4llig hatten die beiden (unabh\u00e4ngig von uns und dem Musikfestival) \u00fcbers Wochenende dasselbe Reiseziel gew\u00e4hlt und so kam es rund 500 km s\u00fcdlich von unseren \u00fcblichen Treffpunkten in Berlin zu einem unerwarteten Wiedersehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten waren die Tage in Regensburg von Freitag bis Montag ein angenehm sommerliches Puzzle aus Ausschlafen, ausgiebig Fr\u00fchst\u00fccken, kleinen Wanderungen wie z.B. zur <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/twitter.com\/formschub\/status\/1533847098185113603?s=20&amp;t=79GzF35uzrNrXBR-RmG3Xg\" target=\"_blank\">Spitze<\/a> der Donauflussinsel <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unterer_W%C3%B6hrd\" target=\"_blank\">Unterer W\u00f6hrd<\/a>, Stadtbummeln, Eisessen, reichlichem \u2013 aber nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfigem \u2013 Biergenuss und vielen kleinen Momenten die mich in diesen wenigen Tagen ausgesprochen reichlich mit Urlaubsgef\u00fchlen durchstr\u00f6mten. Und so half auch das leicht regnerische Wetter am Dienstag, dem Abreisetag, den Abschied etwas weniger wehm\u00fctig zu empfinden. Ich freue mich jetzt schon auf die n\u00e4chste Regensburgreise \u2013 hoffentlich gleich wieder n\u00e4chstes Jahr. <br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Regensburg_blau-gelb-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6356\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Regensburg_blau-gelb-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Regensburg_blau-gelb-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Regensburg_blau-gelb-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Regensburg_blau-gelb-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Regensburg_blau-gelb-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Regensburg_blau-gelb.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die \u00bbblau-gelbe Stunde\u00ab auf dem R\u00fcckweg von der Leihfahrrad-Abgabe am Vorabend der Abreise.<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_6353\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2022\/06\/10\/regensburgreise-ii\/\"  data-item_title=\"Regensburgreise (II)\"  data-item_date=\"2022-06-10T15:16:00+02:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.59\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vier Tage Regensburg sind schon wieder um. 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