{"id":6383,"date":"2022-06-20T19:25:27","date_gmt":"2022-06-20T17:25:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=6383"},"modified":"2022-06-22T14:25:49","modified_gmt":"2022-06-22T12:25:49","slug":"eine-woche-an-der-ostsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2022\/06\/20\/eine-woche-an-der-ostsee\/","title":{"rendered":"Eine Woche an der Ostsee"},"content":{"rendered":"\n<p>Nun sind die Reisewochen vor\u00fcber. Als letzte Etappe nach Regensburg und Berlin war nun \u2013 mal wieder \u2013 Stralsund an der Reihe. Es gab gleich mehrere Gr\u00fcnde, die sch\u00f6ne Hansestadt erneut zu besuchen: Zum Ersten war der Mann gebeten worden, ein Clavichord f\u00fcr das erste Konzert der diesj\u00e4hrigen <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.greifswalder-bachwoche.de\/\" target=\"_blank\">Greifswalder Bachwoche <\/a>(13.\u201319.06.2022) zur Verf\u00fcgung zu stellen. Zum Zweiten w\u00fcrde genau dieses Instrument bei diesem Konzert von unserer Schweizer Trauzeugin gespielt werden, die wir aus diesem Anlass erstmals seit drei Jahren wiedersehen w\u00fcrden. Zum Dritten war sie nicht nur eigens bereits einige Tage fr\u00fcher nach Berlin angereist, um von dort aus mit uns am Wochenende gemeinsam nach Stralsund in eine sch\u00f6ne Ferienunterkunft zu reisen, sondern hatte auch noch zwei Tage nach dem Konzert \u00bbdrangeh\u00e4ngt\u00ab. Zum Vierten hatte der Mann exakt am Datum des Konzerts Geburtstag und zum F\u00fcnften und Letzten folgte am Tag danach unser dritter Hochzeitstag und geheiratet hatten wir am 14. Juni 2019 in \u2013 Stralsund.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abreise am <strong>Sonntag<\/strong> begann etwas unruhig, da das Internet vermeldete, die Stra\u00dfen in der Berliner Innenstadt seien aufgrund gleich zweier Gro\u00dfveranstaltungen fl\u00e4chendeckend gesperrt. Eine davon war die Fahrrad-Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mit zehntausenden angek\u00fcndigten Teilnehmern. Doch der Mann lotste uns geschickt an den rot markierten Strecken auf Google Maps vorbei; seltsamerweise war tats\u00e4chlich auf unserer gesamten Route aus der Stadt heraus sogar auffallend wenig Verkehr. Entweder waren die Berliner aufgrund der eventbedingten Sperrungen vorsorglich gleich reihenweise zu Hause geblieben oder es waren schlicht aufgrund der exorbitanten Treibstoffpreise (trotz \u00bbTankrabatt\u00ab) weniger Autofahrer unterwegs. Und so kamen wir nach rund 3,5 Stunden mit nur einer kleinen Autobahn-Stauumfahrung am fr\u00fchen Nachmittag an unserer Unterkunft an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begr\u00fc\u00dfung gestaltete sich etwas unstimmig, ich nenne solche Momente nach einem Album der Talking Heads gern \u00bbSand in the Vaseline\u00ab. Vor der Unterkunft erwartete uns der Vermieter des Appartements, ein sonnengegerbter ca.-Mittsechziger. Nachdem er beim Einparken den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/tempoherz-1.jimdosite.com\/\" target=\"_blank\">Tempoherz-Aufkleber<\/a> am Heck unseres Wagens gesehen hatte, stieg er recht z\u00fcgig darauf ein. Ob wir auch \u00bbso welche\u00ab seien, die sich f\u00fcr ein Tempolimit stark machten, die Gr\u00fcnen h\u00e4tten \u00bbes\u00ab ja dann bald \u00bbgeschafft\u00ab. Ich versuchte, mit dem Faktenargument zu kontern, dass reduzierte Geschwindigkeit tats\u00e4chlich Sprit spare (laut Bordcomputer hatte unser Skoda Kombi erfreuliche 4,8 l pro 100 km verbraucht), aber mir als Antwort nur ein flapsiges \u00bbSo\u2019n Quatsch!\u00ab angeboten wurde, sagte ich nur \u00bbIch denke, bei diesem Thema kommen wir nicht zusammen\u00ab und beendete die Diskussion. \u00dcberraschenderweise war die Stimmung zwischen ihm und uns danach keineswegs getr\u00fcbt, er f\u00fchrte uns freundlich durch die R\u00e4umlichkeiten und war auch bei weiteren Begegnungen in den folgenden Tagen ausgesprochen entgegenkommend. Vielleicht ist die nachdr\u00fcckliche Beendigung streittr\u00e4chtiger Gespr\u00e4che tats\u00e4chlich ein gutes Rezept f\u00fcr gegenseitigen Respekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ausladen des Gep\u00e4cks nebst dem mitgebrachten Instrument holten wir in der N\u00e4he noch drei Leihfahrr\u00e4der ab und g\u00f6nnten uns auf der Sonnenterrasse einer Braugastst\u00e4tte an der Hafenpromenade ein Willkommensbier. Das Ziel zum Abendessen danach lag in \u00bbspitting distance\u00ab fast gegen\u00fcber, ein vertrauter, sehr guter \u00bbItaliener\u00ab. Meine Vorspeise beeindruckte mich nachhaltig: eine cremige Kugel Burrata in einem warmen Cherrytomatenragout, gew\u00fcrzt mit Vanille und Basilikum \u2013 so k\u00f6stlich, dass ich mir vorgenommen habe, dieses Gericht in der heimischen K\u00fcche demn\u00e4chst nachzubauen. Wieder in der Unterkunft, feierten wir dann noch zu dritt in des Mannes Geburtstag hinein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Burrata_Bellini_Stralsund-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6386\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Burrata_Bellini_Stralsund.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Burrata_Bellini_Stralsund-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Burrata_Bellini_Stralsund-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Burrata_Bellini_Stralsund-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Aromen vollreifer Tomaten mit Vanille, dazu die zartschmelzende Burrata \u2013 ein Traum!<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am <strong>Montag<\/strong> Morgen, nach einem guten Fr\u00fchst\u00fcck, hatte ich eine Weile zu arbeiten. Der Mann und die Trauzeugin machten sich kurz nach Mittag auf den Weg nach Greifswald, um das Konzert vorzubereiten, ich wollte zwei Stunden sp\u00e4ter mit dem Zug rechtzeitig dazusto\u00dfen. Die Zugfahrt sollte meine erste unter Nutzung des \u00bbNeun-Euro-Tickets\u00ab sein. Ich hatte mich etwas verkalkuliert beim Absch\u00e4tzen der Zeit, die ich f\u00fcr die Fahrradstrecke von der Unterkunft zum Bahnhof ben\u00f6tige und musste nach dem Abstellen des Rades dann ziemlich spurten, um rechtzeitig am Gleis zu sein. Kaum am Platz, fiel mir auf, dass ich den Schl\u00fcssel des Fahrradschlosses nicht bei mir hatte, abgeschlossen hatte ich das Rad auf jeden Fall, aber wohl in der EIle vergessen, den Schl\u00fcssel abzuziehen. Das Rad stand nicht direkt auf dem Bahnhofsvorplatz, sondern etwas abseits in einer schattigen Ecke mit weiteren Fahrradst\u00e4ndern, und so versuchte ich, meine aufkommende Unruhe damit zu beschwichtigen, dass das Rad an dieser Stelle wahrscheinlich in den n\u00e4chsten Stunden keinem Langfinger auffallen w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzertpublikum war \u00bbwohlerzogen\u00ab und lauschte der leisen Kl\u00e4ngen des Clavichords in der Aula der Universit\u00e4t ohne Husten, Rascheln und sonstige Nebenger\u00e4usche. Am besten aus dem naturgem\u00e4\u00df sehr \u00bbbachlastigen\u00ab Programm gefiel mir ein St\u00fcck von Pachelbel mit einigen rasend schnellen Tastaturl\u00e4ufen und einmal mehr beneidete ich Menschen wie unsere Freundin, die ein Instrument derart virtuos beherrschen. Gleich nach Zugabe und Schlussapplaus machte ich mich dann aber doch z\u00fcgig auf die R\u00fcckreise, um nach meinem nachl\u00e4ssig abgestellten Rad zu schauen. Gl\u00fccklicherweise bewahrheitete sich meine Hoffnung und es stand mit im Schloss steckenden Schl\u00fcssel nach wie vor am Bahnhof. Gl\u00fcck gehabt!<br>Abendessen mit rustikaler, guter K\u00fcche in der bereits gestern besuchten Braugastst\u00e4tte, diesmal aufgrund der Abendfrische jedoch drinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Hochzeitstag, dem <strong>Dienstag<\/strong>, war eine Radtour \u00fcber R\u00fcgen geplant. Eine Herausforderung f\u00fcr unsere Begleiterin, denn sie hatte aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden seit \u00fcber 6 Jahren kein Rad mehr bestiegen, sicherte uns jedoch zu, dass sie \u2013 wenn auch mit bed\u00e4chtigem Tempo \u2013 sich wieder dazu imstande f\u00fchlte. <br>Die Tour begann an der Stralsunder Hafenpromenade mit einer F\u00e4hr\u00fcberfahrt zum R\u00fcgener Anleger \u00bbAltef\u00e4hr\u00ab und von dort aus auf einem ausgewiesenen Radweg, teils mit Schotterstrecken, teils mit betonierten\/asphaltierten Wegen, zur geplanten vorl\u00e4ufigen Endstation, der R\u00fcgener <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/insel-brauerei.de\/\" target=\"_blank\">Insel-Brauerei<\/a>. Bei sommerlichem, aber frischwindigem Wetter kamen wir gem\u00e4chlich voran; unterwegs fiel mir am liegenden Stamm einer gro\u00dfen umgest\u00fcrzten Weide erstmals ein <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeiner_Schwefelporling\" target=\"_blank\">\u00bbSchwefelporling\u00ab<\/a> auf \u2013 ein essbarer Pilz, der von April bis Juni an toten oder absterbenden B\u00e4umen zu finden ist und der durcherhitzt und zubereitet nach H\u00fchnchenfleisch schmecken soll, weshalb er im englischen Sprachraum auch \u00bbchicken of the woods\u00ab genannt wird. Mangels eines Schneidwerkzeugs hobelte ich den stattlichen Fruchtk\u00f6rper mit einer abgelaufenen Kreditkarte vom Stamm, wobei ich noch strauchelte und mir einige leicht blutende Kratzer am Handgelenk zuzog. Aber diesen Preis zahlte ich gerne f\u00fcr diese schon l\u00e4nger erhoffte Pilzfundpremiere. Im Leinenbeutel im Rucksack verstaut, ging es dann weiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Schwefelporling_Ruegen-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6388\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Schwefelporling_Ruegen.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Schwefelporling_Ruegen-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Schwefelporling_Ruegen-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Schwefelporling_Ruegen-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Der schon etwas \u00e4ltere, aber noch genie\u00dfbar weiche Schwefelporling wog mindestens ein Kilo.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste Zwischenstation war die kleine, leider verschlossene <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.ruegenmagic.de\/Kirchen-Ruegen\/kapelle-bessin.htm\" target=\"_blank\">\u00bbKapelle Bessin\u00ab<\/a> aus dem Jahr 1482. Da sich unsere Freundin als professionelle Musikerin mit besonderer Begeisterung Alter Musik aus der Zeit um deren Erbauung widmet, war dies ein sch\u00f6ner und thematisch sehr passender Haltepunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Erfrischung im Biergarten der Insel-Brauerei ging es dann, kr\u00e4ftigem Gegenwind entgegenstrampelnd, \u00fcber gute Radwege, den R\u00fcgendamm und die Altstadt, zwecks wohlverdienter St\u00e4rkung in ein gutb\u00fcrgerliches Lokal am neuen Stralsunder Marktplatz. Ich entschied mich aus einem leicht nostalgischem Gef\u00fchr heraus f\u00fcr \u00bbgebackenen Camembert mit Preiselbeeren\u00ab und \u00bbMatjesfilet in Aalrauch mit hausgemachter Remoulade, Apfelspalten und Bratkartoffeln\u00ab. Wenn schon gutb\u00fcrgerlich, dann richtig.<br>Insgesamt kam bei mir w\u00e4hrend dieses Ausflugs ein echtes \u00bbSommerferiengef\u00fchl\u00ab auf. Sonne, Wind, Meer, Felder voller Mohn und Kornblumen, der Radelfahrtwind im Gesicht \u2013 es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Inselbrauerei_Ruegen-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6394\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Inselbrauerei_Ruegen.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Inselbrauerei_Ruegen-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Inselbrauerei_Ruegen-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Inselbrauerei_Ruegen-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Trinkbares Gold.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der <strong>Mittwoch<\/strong> begann mit einem Abschied: unsere Freundin und Reisegef\u00e4hrtin musste Stralsund verlassen und zur\u00fcck nach Hause fahren. Der Mann brachte sie vormittags zum Bahnhof und so hatten wir den Rest des Tages dann \u00bbnur noch\u00ab allein zur Verf\u00fcgung. Wir beschlossen, abends mal nicht ausw\u00e4rtig essen zu gehen, der Mann besorgte Spargel und Schinken und wir bereiteten alles f\u00fcr einen geselligen Zuhauseabend mit Heimkino vor. Am Nachmittag machten wir noch eine kleinere Wanderung auf R\u00fcgen auf der Halbinsel Wampen, durch Wald und \u00fcber Feld bis zur K\u00fcste und beschlossen den Ausflug (nat\u00fcrlich!) mit einem Bier im Freien. Serientipp, auch im Kontext der aktuellen Konfliktlage Europas und der Ukraine mit Russland: die norwegische Serie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Occupied_%E2%80%93_Die_Besatzung\" target=\"_blank\">\u00bbOccupied\u00ab<\/a> \u00fcber eine russische Besatzung des Landes durch Russland aufgrund von Differenzen zur Versorgung mit Gas und \u00d6l \u2013 hochaktuell, spannend und mit nervenzehrenden Cliffhangern der Folgen. Zum Zeitpunkt dieses Blogbeitrags vollst\u00e4ndig abrufbar in der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/RC-021466\/occupied-die-besatzung\/\" target=\"_blank\">arte Mediathek<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hauptgang mit Spargel bereitete ich noch den tags zuvor geernteten Schwefelporling zu, mit Zwiebeln angebraten und im Ofen 20 Minuten weitergebacken. Von dem gut 1 kg schweren Pilz blieb am Ende nach dem Putzen noch gut die H\u00e4lfte \u00fcbrig, denn da er schon etwas \u00e4lter war, gab es im Inneren bereits einige zu feste Bereiche, die minder gut schmecken sollen und daher sortierte ich sie aus. Geschmacklich war der Rest aber ausgesprochen schmackhaft. F\u00e4nde ich erneut einen solchen Pilz, w\u00fcrde ich beim n\u00e4chsten Mal ausprobieren, ihn tats\u00e4chlich anstelle des H\u00fchnerfleisches zu einem indischen H\u00fchnercurry zu verarbeiten. \u00bbChicken of the Woods Korma\u00ab oder so.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite bemerkenswerte Wanderung w\u00e4hrend dieser Tage fand am <strong>Donnerstag<\/strong> statt. Mit dem Rad fuhren wir gut 9 km zum \u00bbP\u00fctter See\u00ab, wo der fu\u00dfl\u00e4ufige Teil der Tour begann. Laut Wandernavi des Mannes sollten wir eine Weide \u00fcberqueren, die wir zwar umz\u00e4unt und mit einem Gittertor verschlossen vorfanden, das sich aber mit einer Klinke problemlos \u00f6ffnen lie\u00df. Nach 100 Metern bemerkten wir etliche Rinder beim Grasen, die neugierig in unsere Richtung sahen, darunter auch einige imposante pechschwarze Stiere mit durchaus beeindruckenden, langen und spitzen H\u00f6rnern, die uns beim etwas bangen Entlangschleichen dicht am Zaun des Gel\u00e4ndes dauerhaft und misstrauisch musterten. Ich wei\u00df nun ziemlich sicher, wo das Wort \u00bbstieren\u00ab seinen Ursprung hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wanderroute ging gleicherma\u00dfen urw\u00fcchsig weiter. Am Ende der Weide mussten wir \u00fcber einen niederliegenden Zaunabschnitt und durch ein Brennesselareal steigen (mit langen Hosen, gl\u00fccklicherweise), dann setzte sich der Weg fort \u00fcber einen beidseitig von Wasser und Schilf begrenzten Damm. Wir \u00fcberkletterten umgest\u00fcrzte B\u00e4ume, suchten Durchg\u00e4nge zu wegsamen Pfaden an dicht bewachsenen Waldr\u00e4ndern, sahen unheimliche, knorrige Baumriesen, umgingen ein gro\u00dfes Getreidefeld und entdeckten eine quadratmetergro\u00dfe Stelle dicht bewachsen mit vollreifen Walderdbeeren, die uns zu einem ausgiebigen Snack verf\u00fchrte. Auf der gesamten Strecke begegneten wir keinem einzigen Mensch, obgleich wir etliche wilde Wege mit schwachen erkennbaren Fahrrinnen bewanderten, die wohl gelegentlich Nutzfahrzeuge befuhren. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter wp-block-embed-twitter\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\"><p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Vorbei am seelenfressenden Baum im Stephen-King-Wald. <a href=\"https:\/\/t.co\/eVmVh9azBY\">pic.twitter.com\/eVmVh9azBY<\/a><\/p>&mdash; Lockdown der Herzen (@formschub) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/formschub\/status\/1537483506770751488?ref_src=twsrc%5Etfw\">June 16, 2022<\/a><\/blockquote><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n<\/div><figcaption>Live-Berichterstattung aus der Wanderwildnis.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg versuchten wir, die erneute Querung der Viehweide vom Anfang m\u00f6glichst zu vermeiden und fanden einen schmalen Trampelpfad, der allerdings von fast mannshohen Gr\u00e4sern beinahe zugewuchert war. An den Fahrr\u00e4dern angelangt, zeigte sich die \u00bbErnte\u00ab: unz\u00e4hlige Zecken, vor allem auf der Hose. Da ich vorangegangen war, hatte ich die meisten abgestreift und entfernte noch vor dem Zur\u00fcckradeln ein rundes Dutzend von meiner Kleidung, im weiteren Verlauf des Tages weitere f\u00fcnf bis sechs und in den Tagen bis zur Abreise musste sogar die stets mitgef\u00fchrte Zeckenpinzette noch einige Male zum Einsatz kommen. Wohlweislich hatte ich mich, im Herbst 2021 beginnend, 3fach gegen FSME impfen lassen und da eine Zecke zun\u00e4chst gut 24 Stunden auf dem K\u00f6rper des Wirts umherkrabbelt, bis sie den idealen Bissplatz gefunden hat und selbst nach dem Festsetzen noch gut 48 Stunden vergehen, bis ggf. Borrelioseerreger in die Saugwunde gelangen, ist bei rechtzeitiger Selbstuntersuchung und Entfernung der Blutsauger das Risiko f\u00fcr Infektionen vergleichsweise gering. <\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Unbill war das jedoch erneut eine Wanderung mit \u00bbSommerferiengef\u00fchl\u00ab. Oft streifte ich als Kind allein oder mit Freunden durch die Natur, fing Kaulquappen, beobachtete Tiere, sammelte Pilze und Pflanzen, naschte Beeren oder erkundete wild zugewachsene Pfade. Dieser Tag war einer, der solche Erinnerungen wieder aufleben lie\u00df.<br>F\u00fcrs Dinner \u2013 nach dem obligatorischen Wanderbelohnungsbier \u2013 w\u00e4hlten wir ein vertrautes Lokal mit feinerer K\u00fcche als in den Tagen zuvor und ich genoss zwei k\u00f6stliche G\u00e4nge \u2013 was genau es war, habe ich in der F\u00fclle der (kulinarischen) Eindr\u00fccke dieser Tage inzwischen leider schon wieder vergessen und auch das obligatorische Tellerfoto ist an diesem Abend irgendwie unter den Tisch gefallen. Aber gut war\u2019s, so weit reicht die Erinnerung noch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag<\/strong>, der vorletzte Stralsundtag, war wieder etwas geruhsamer. Ausschlafen, fr\u00fchst\u00fccken, etwas arbeiten und am Nachmittag nochmals Aufbruch nach R\u00fcgen zu einer Wanderung entlang des \u00bbGelben Ufers\u00ab, einer am Meer aufragenden Sand-Steilwand, in der zahllose Schwalben nisten. Die gr\u00f6\u00dfte Strecke des Weges kann man aber am steinigen Strand am Fu\u00dfe der Wand zur\u00fccklegen. Beim Gehen auf den lose \u00fcberienanderliegenden gro\u00dfen Steinen muss man sehr konzentriert darauf achten, wohin man tritt, aber am Strand finde ich das sogar toll \u2013 unebene Wegstrecken durch Wald und Flur zwingen dazu, permanent auf den Weg zu schauen, obwohl es ringsum viel Interessanteres zu sehen g\u00e4be. Bei einer Strandwanderung ist aber genau das, was direkt vor den F\u00fc\u00dfen liegt, das Interessanteste: Muscheln, Tang, Strandgut, bizarr geformte oder buntge\u00e4derte Steine. Auch an wegsameren Str\u00e4nden schaue ich beim Gehen eigentlich am liebsten auf die angeschwemmte kleinteilige Welt, die zu meinen F\u00fc\u00dfen liegt. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch an diesem Abend wurde \u00bbzu Hause\u00ab&nbsp;gegessen: Auf dem Gel\u00e4nde der Insel-Brauerei (man ahnt, wozu) bietet auch ein R\u00e4ucherfischladen frische Ware zum Kauf an und mit einer T\u00fcte Kartoffeln zum Backen aus dem benachbarten Hofladen und einem improvisierten Frischk\u00e4sedip wurde daraus sp\u00e4ter ein vorz\u00fcgliches Mahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den vergangenen, zwar sommerlichen, aber nicht allzu warmen Tagen hielten am <strong>Samstag<\/strong> dann auch endlich w\u00e4rmere Temperaturen Einzug in der Region. Ich war etwas fr\u00fcher aufgestanden, um ein terminlich pressierendes Programmheft f\u00fcr ein Konzert zu gestalten und nach dem Fr\u00fchst\u00fcck schlug der Mann vor, man k\u00f6nne heute doch einmal einen Badestrand aufsuchen. Die Sonne lockte die Menschen in Scharen ins Freie und die \u00fcbervollen Stra\u00dfen, Parks und Str\u00e4nde in und um Stralsund riefen nach einer Alternative mit weniger Gewimmel. Und erneut sollte diese sich auf R\u00fcgen finden. Ausgehend vom kleinen K\u00fcstenort Lauterbach (hallo, Karl!) wanderten wir durch das \u00fcberaus idyllisches Waldgebiet \u00bbGoor\u00ab auf dem \u00bbPfad der Mu\u00dfe und Erkenntnis\u00ab zu einem winzigen, menschenleeren Sandstrand, auf dessen flachem Wasser Schw\u00e4ne paddelten und das genau die richtige Temperatur f\u00fcr eine Erfrischung nach dem zur\u00fcckgelegten Weg hatte. Erfahrungsgem\u00e4\u00df sind Str\u00e4nde an Seen, Fl\u00fcssen und Meeren oft um so sp\u00e4rlicher besucht, je weiter entfernt die n\u00e4chste Autoparkm\u00f6glichkeit liegt. Und so best\u00e4tigte sich diese Beobachtung auch hier. Perfekt!<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem naturnahen Bade ging es dann zur\u00fcck, den schmalen K\u00fcstenweg entlang, zur\u00fcck in den Ort. Unterwegs konnte ich von einigen Strandkiefern noch zwei Handvoll junge gr\u00fcne kleine Kiefernzapfen sammeln, die ich, in Zucker eingelegt, zu einem aromatischen \u00bbHonig\u00ab verarbeiten wollte. Nach dem (\u00dcberraschung!) folgenden Tourenbier besuchten wir erneut das italienische Lokal vom ersten Abend (Burrata!) und beschlossen dann \u00bbchillend\u00ab den letzten Abend in der Unterkunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Abreise am <strong>Sonntag<\/strong>, letzte Mitbringsel-Eink\u00e4ufe in diversen lokalen Gesch\u00e4ften und eine weitgehend reibungslose Autofahrt zur\u00fcck nach Berlin. Unterwegs stieg die vom Bordcomputer gemessene Au\u00dfentemperatur zusehends. Waren es in Stralsund am Vormittag noch frische 18 \u00b0C, erh\u00f6hte sich dies bis zum Eintreffen in Berlin auf satte 37 \u00b0C. Nach dem Halt an einem reichlich betonierten Rastplatz kurz vor dem Ziel zeigte der Temperaturmesser sogar rekordverd\u00e4chtige 40,5 \u00b0C. Das Ausr\u00e4umen des Gep\u00e4cks nach der Ankunft war dann auch eine ziemlich schwei\u00dftreibende Angelegenheit. Doch offensichtlich hatten wir exakt den Peak der Hitzewelle getroffen, denn schon am sp\u00e4teren Nachmittag k\u00fchlte die Luft in der Hauptstadt wieder auf angenehmere 23 \u00b0C ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Akklimatisieren (im wahrsten Sinne des Wortes) sorgte ein Spaziergang nach der langen Fahrt noch f\u00fcr etwas Bewegung. Und am Ziel, dem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/strassenbraeu.de\/\" target=\"_blank\">Stra\u00dfenbr\u00e4u-Ausschank<\/a>, stie\u00dfen wir dann noch einmal auf den hinter uns liegenden wundersch\u00f6nen Ostseeurlaub an. <br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"686\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Strandidyll_Ruegen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6403\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Strandidyll_Ruegen.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Strandidyll_Ruegen-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Strandidyll_Ruegen-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Strandidyll.<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_6383\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2022\/06\/20\/eine-woche-an-der-ostsee\/\"  data-item_title=\"Eine Woche an der Ostsee\"  data-item_date=\"2022-06-20T19:25:27+02:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.59\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun sind die Reisewochen vor\u00fcber. 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