{"id":660,"date":"2009-08-19T14:57:11","date_gmt":"2009-08-19T12:57:11","guid":{"rendered":"http:\/\/formschub.de\/blog\/?p=660"},"modified":"2020-07-08T11:19:14","modified_gmt":"2020-07-08T09:19:14","slug":"5857-zeichen-sind-eigentlich-5717-zu-viel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2009\/08\/19\/5857-zeichen-sind-eigentlich-5717-zu-viel\/","title":{"rendered":"5857 Zeichen sind eigentlich 5717 zu viel."},"content":{"rendered":"<p>Als ich am 31. Januar 2008 einen <a href=\"http:\/\/twitter.com\/formschub\">Account<\/a> bei einem sogenannten \u00bbMicrobloggingdienst\u00ab er\u00f6ffnete \u2013 angeregt durch das Blog <a href=\"http:\/\/www.blog-bistro.de\">\u00bbMomente in bis zu 140 Zeichen\u00ab<\/a> \u2013, ahnte ich nichts. Ich schaute mir den flackernden Kurztextstrom eine Zeitlang ratlos an und klickte anschlie\u00dfend mehr als ein halbes Jahr lang wieder ganz woanders im World Wide Web herum.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich, an einem recht k\u00fchlen Abend im September, sandte ich \u2013 vermutlich fr\u00f6stelnd \u2013 meinen ersten <a href=\"http:\/\/twitter.com\/formschub\/status\/922427187\">\u00bbStatus\u00ab<\/a> in die unbekannten Weiten der Twittersph\u00e4re hinein. Ja, ich wagte es sogar, einigen der v\u00f6llig fremden Partikelpoeten zu folgen, was mir anfangs fast unversch\u00e4mt vorkam, ein bisschen so, wie als mitgebrachter Gast auf eine Party zu kommen oder bei einem zuf\u00e4lligen Sitznachbarn verstohlen Privates mitzulesen.<\/p>\n<p>Inzwischen wird Twitter im Fernsehen zitiert. Eine bekannte Zeitung druckt den \u00bbTweet des Tages\u00ab ab. Die Zahl der Mikroblogger, denen ich folge, ist pr\u00e4chtig gestiegen, das Gef\u00fchl, bei Ihnen zu Gast zu sein, l\u00e4ngst angenehm vertraut. Und auch ich darf mich \u00fcber nicht wenige Follower freuen, die inzwischen meine Textschnipsel abonnieren.<\/p>\n<p>Wer Twitter erkl\u00e4rt haben will, kann gerne <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Twitter\">hier<\/a> nachlesen. Was Twitter ist, muss man selbst ausprobieren. Entweder mag man es, oder auch nicht. Ich zumindest finde es toll. Es gibt fantastische, unbedingt lesenswerte Berichte von Twitternutzern dar\u00fcber, wie dieser seltsam anmutende Netzdienst ihr Leben bereichert (z.B. <a href=\"http:\/\/silent-diva.blogspot.com\/2009\/07\/existenz-20-hommage-to-twitter-13.html\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=4576\">hier<\/a>). Und unweigerlich kommt bei der Lekt\u00fcre solcher Hommagen die Frage auf, was eigentlich das eigene Faible f\u00fcr Twitter begr\u00fcndet.<\/p>\n<h4><strong>Hier mein Zehn-Punkte-Loblied auf das faszinierende Zwitscherportal:<\/strong><\/h4>\n<p><strong>1. Twitter geht immer.<\/strong> Wo immer ein Browser oder Client aufrufbar ist \u2013 zu Hause, im B\u00fcro, unterwegs auf dem Handy, beim Warten rund um den \u00d6PNV, morgens, mittags, abends, nachts. Die wenigen Bytes der ultrakurzen Textbeitr\u00e4ge huschen m\u00fchelos durch den \u00c4ther \u2013 und sind mit etwas Disziplin genauso produktivit\u00e4tskompatibel wie der B\u00fcrokaffee, die Pausenzigarette oder der Zwischendurch-Plausch mit netten Kollegen. Wenn Du willst, bist Du nie mehr allein.<br \/>\n<strong><br \/>\n2. Twitter regt das Gehirn an.<\/strong> Virtuose Formulierungen, absurde Wortspiele, spritzige Pointen und das fantastisch gnadenlose 140-Zeichen-Limit \u2013 twittern kann unendlich knifflig, kreativ, herausfordernd und anspruchsvoll sein. Vorausgesetzt, man stellt diesen Anspruch auch an sich selbst. Wer auf die zentrale Frage &#8222;What are you doing?&#8220; antwortet, indem er h\u00e4ppchenweise Banalit\u00e4ten transkribiert, hat Twitter vermutlich (noch) nicht v\u00f6llig verstanden. Merke: Gut gemachter Unsinn ist keiner mehr \u2013 und eine gekonnte Formulierung kuvertiert selbst Belanglosigkeiten zu k\u00f6stlichen Wortpralinen.<br \/>\n<strong><br \/>\n3. Twitter am\u00fcsiert und unterh\u00e4lt.<\/strong> Mit einem permanenten Rauschen an Originalit\u00e4t: Pointen-Pingpong, Meinungen, Diskussionen, Memes und Threads. Wer schlecht drauf ist, Inspiration sucht, TV und Radio \u00fcberdr\u00fcssig ist oder einfach nur Langeweile hat \u2013 Twitter ist ein 24-Stunden-Feuerwerk, gez\u00fcndet von tausenden kreativen Gehirnen.<br \/>\n<strong><br \/>\n4. Twitter hilft bei der Frustkompensation.<\/strong> Akute Kleinigkeiten und \u00c4rgernisse, die nerven und sofort raus wollen, werden spontan und ungefiltert getwittert. Das Echo der Follower folgt unmittelbar: aufmunternde Worte, Beistand, Anteilnahme, Hilfe. Twitter bietet Raum f\u00fcr Gef\u00fchle mit kurzer Halbwertszeit, die f\u00fcr Blogs und Foren zu schnellebig sind, aber hochrelevant f\u00fcr die eigene Stimmungsbalance. Die Rund-um-die-Uhr-Mikrolebenshilfe.<br \/>\n<strong><br \/>\n5. Twitter hilft bei Alltagsproblemen.<\/strong> Selektiver als Google, netter als Nachschlagen, billiger als Hotlines. Haushalt, Shopping, Ausgehen, Urlaub, Kochen, Filme, Technik, Tierhaltung \u2013 die Vielfalt der Themen ist grenzenlos, die geteilten Erfahrungen bringen hundertfachen Nutzen. Die Twittergemeinde ist ein gigantischer Organismus, der schon \u00fcberall war, unendlich viel wei\u00df, enorm viel erlebt hat und sich verdammt gut auskennt.<br \/>\n<strong><br \/>\n6. Twitter motiviert.<\/strong> Putzen, Steuererkl\u00e4rungen, Arbeit. Andere machen es vor, der Drang zu eigenem Handeln w\u00e4chst. Selbst hartn\u00e4ckige Prokrastinaten, behaupte ich, k\u00f6nnen sich dem Tatendrang, der Aktivit\u00e4t, der Emsigkeit und den Erfolgsmeldungen aus ihrem Gefolge nicht ewig verschlie\u00dfen. Es muss etwas geschehen. Es wird etwas geschehen.<br \/>\n<strong><br \/>\n7. Twitter kn\u00fcpft Kontakte.<\/strong> Der Magnetismus zwischen Followern und Gefolge lebt von Sympathie, Seelenverwandtschaft, gemeinsamen Interessen oder beruflichen Schnittmengen. Man trifft Humorzwillinge und Gesinnungsgenossen, geografische Nachbarn und Freizeitsympathisanten. Aus Dialogen und DMs werden Einladungen, Verabredungen, \u00bbTwittagessen\u00ab, Treffen, Events, Flashmobs oder Parties. Soziale Vereinsamung sieht anders aus.<br \/>\n<strong><br \/>\n8. Twitter macht schlau.<\/strong> Wissen, Links und Informationen in Echtzeit. Aktueller als Nachrichtenagenturen, Fernsehen, Radio und Presse. So klug wie eine Enzyklop\u00e4die, so erfahren wie tausend Leben. Nat\u00fcrlich ist Vorsicht geboten \u2013 was ist glaubhaft, wahr und authentisch? Aber ohne die F\u00e4higkeit, Informationen zu filtern, zu verifizieren und zu vergleichen, ist das Internet ohnehin unbenutzbar. Das gilt auch f\u00fcr den Chor der hier gezwitscherten \u00bbFakten\u00ab.<br \/>\n<strong><br \/>\n9. Twitter best\u00e4rkt.<\/strong> Faven und faven lassen \u2013 der kleine Kick f\u00fcrs gute Gef\u00fchl. Es macht Spa\u00df, aus dem endlosen Strom des Wissens- und Merkw\u00fcrdigen die funkelndsten, wertvollsten Nuggets herauszulesen und sie den pers\u00f6nlichen Favoriten hinzuzuf\u00fcgen. Und ebenso erfreulich ist es, eigene Textrosinen unter den Favoriten der Freunde und Follower wiederzufinden.<br \/>\n<strong><br \/>\n10. Twitter lebt.<\/strong> Jede Sekunde neu. Immer anders. Endlos. Unersch\u00f6pflich. Als ich nach einer Inspiration f\u00fcr meinen nahenden 1000. Tweet suchte, stie\u00df ich auf ein Zitat von Oscar Wilde \u00fcber die Zigarette \u2013 und leicht umgetextet, traf es genau diesen Punkt: <em>\u00bbTwitter ist das vollendete Urbild des Genusses: Es ist k\u00f6stlich und l\u00e4\u00dft uns unbefriedigt.\u00ab<\/em><br \/>\nDanke, Oscar. Genau so ist es.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/duck_crossing_sign.jpg\" alt=\"Duck Crossing\" \/><br \/>\n<em>Photo: \u00a9 <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/vickisnature\/3090427805\/\">Vicki\u2019s Nature<\/a> | <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/2.0\/deed.de\">some rights reserved<\/a><\/em><\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_660\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2009\/08\/19\/5857-zeichen-sind-eigentlich-5717-zu-viel\/\"  data-item_title=\"5857 Zeichen sind eigentlich 5717 zu viel.\"  data-item_date=\"2009-08-19T14:57:11+02:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.59\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich am 31. 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