{"id":9003,"date":"2023-10-25T21:20:55","date_gmt":"2023-10-25T19:20:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=9003"},"modified":"2023-10-26T14:26:44","modified_gmt":"2023-10-26T12:26:44","slug":"portale-gepflogenheiten-und-ein-adoptiertes-a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2023\/10\/25\/portale-gepflogenheiten-und-ein-adoptiertes-a\/","title":{"rendered":"Portale, Gepflogenheiten und ein adoptiertes A"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe gerade die Ello-App von meinem iPhone gel\u00f6scht, denn das gleichnamige Social Network ist anscheinend tot. Da die URL komplett unerreichbar ist, gab es keine M\u00f6glichkeit, meinen dortigen, aber auch schon lange brachliegenden Account aktiv zu l\u00f6schen. Nun ja. Auch von Twitter verabschiede ich mich derzeit auf Raten. <strong>@wortgeburt<\/strong> wurde bereits archiviert, <a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/das-wortgeburt-twitter-archiv\/\">transferiert<\/a> und anschlie\u00dfend gel\u00f6scht, das Tweet-Archiv meines Hauptaccounts <strong>@formschub<\/strong> habe ich vor ein paar Tagen voraussichtlich letztmalig angefordert und heruntergeladen. Ich bin dort zwar noch angemeldet, lese gelegentlich mit und hefte hier und da ein Sternchen an einzelne Tweets, ganz selten retweete ich noch, aber die Luft ist raus, der Spa\u00df ist weg. Die gelegentlichen Besuche hinterlassen ein Bild von irgendwas zwischen einem trotzig besetzten Gallischen Dorf, einer in nostalgischen Pastellt\u00f6nen verbleichenden Geisterstadt und einer misanthropen Kloake. Ein anderes Social Network, das ich so gut wie gar nicht (mehr) nutze, ist XING. Ich war dort mal in einigen User-Gruppen recht aktiv, habe Kontakte zu netten Kunden und Weggef\u00e4hrten gesammelt und gehortet und sogar hin und wieder f\u00fcr meine Jobprojekte einzelne sehr kompetente und nette Freelancer rekrutieren k\u00f6nnen (das ist auch der Hauptgrund, aus dem ich den Account zwecks k\u00fcnftiger Nutzung noch behalte), aber ich k\u00f6nnte nicht aus dem Stegreif sagen, wann ich mich dort zum letzten Mal eingeloggt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Notgedrungen wieder etwas aktiver geworden bin ich daf\u00fcr bei LinkedIn. Im Mai 2023 hatte unsere Agentur ein maritimes Wirtschaftsevent in Hamburg gesponsert und das nahm ich einige Wochen vorher zum Anlass, meinen dort ebenfalls schon vorhandenen schlafenden Account wieder zu reaktivieren. Man will ja nicht den Eindruck einer Karteileiche erwecken, wenn ein Konferenzteilnehmer einem anhand der \u00fcberreichten Visitenkarte hinterherrecherchiert und nur Gestriges vorfindet. Aber was sollte ich dort schreiben? Eine Pr\u00e4senz auf mehreren parallelen Social-Media-Plattformen erfordert ja grunds\u00e4tzlich Antworten auf vielf\u00e4ltige Fragen: Kann mir dieses Netzwerk etwas bieten oder nutzen, \u00bbgeh\u00f6re\u00ab ich dorthin, bin ich dort richtig? Habe ich generell (zus\u00e4tzlich zu meiner Pr\u00e4senz auf anderen Plattformen) die Zeit und die Lust, dort aktiv zu sein, Inhalte zu erstellen, zu konsumieren oder zu teilen, Kontakte zu kn\u00fcpfen oder mit anderen Mitgliedern \u00fcber Likes und Kommentare zu interagieren? Und letztlich: WAS kann oder will ich dort \u00fcberhaupt ver\u00f6ffentlichen? Hat es Sinn, Beitr\u00e4ge von anderen Plattformen zu crossposten, Fremdbeitr\u00e4ge zu teilen oder m\u00f6chte ich selber neuen, eigenen Content kreieren? Wie viel Aufwand, Recherche, Ideen will und kann ich daf\u00fcr investieren? Kann ich Inhalte bieten, die nicht in \u00e4hnlicher Form oder mit gleicher Thematik schon von \u2019zig anderen Usern gepostet wurden? Wie \u00bbprivat\u00ab&nbsp;oder wie \u00bbberuflich\u00ab&nbsp;gebe ich mich auf den verschiedenen Plattformen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich pers\u00f6nlich f\u00fchle mich auf den eher \u00bbprivaten\u00ab&nbsp;Plattformen deutlich wohler als auf prim\u00e4ren Businessportalen. Ich habe einerseits keine Lust, mich auf Plattformen, auf denen ich t\u00e4glich Zeit verbringe, zu verstellen oder mich anders darzustellen, als ich bin. Andererseits habe ich aber auch keine Lust, allzuviel Privates von mir preiszugeben. Seit ich im Internet unterwegs bin, versuche ich, meine privaten und meine beruflichen Pr\u00e4senzen weitgehend getrennt zu halten. Ich thematisiere auf meinen privaten, informellen Accounts oder in diesem Blog so gut wie nie meine Firma, Kunden oder Agenturprojekte und verlinke auch nicht dorthin. Umgekehrt verweise ich auf Business-Plattformen nicht auf mein Blog oder meine privaten Social-Media-Accounts. Ich mache zwar mit dem iPhone \u00f6fter mal Selfies, aber ich poste sie so gut wie nie. Jemand, der mir von meinen privaten Accounts aus hinterherrecherchiert, wird zwar irgendwann Fotos von mir entdecken k\u00f6nnen, aber ein bisschen Arbeit darf das schon machen. Auf den Business-Accounts bin ich zwar mit Klarnamen und Profilbild pr\u00e4sent, aber von dort aus f\u00fchren keine breiten beleuchteten Pfade zu Twitter bzw. inzwischen zu Mastodon oder Bluesky. <\/p>\n\n\n\n<p>Warum mache ich das so? Meine Grunderfahrung auf den privaten Plattformen ist, dass mit mir anders umgegangen wird, wenn mein Gegen\u00fcber nur wenige pers\u00f6nliche Informationen von mir hat und der Rest des Bildes, das er\/sie von mir hat, allein in seinem\/ihrem Kopf auf Grundlage des Contents entsteht, den ich produziere. Es bleibt zun\u00e4chst im Dunkeln, wie alt ich bin, ob ich m\u00e4nnlich, weiblich oder divers bin, wo ich wohne, welchen Beruf oder welche Hautfarbe ich habe usw. Das empfinde ich auch im Falle verbaler Angriffe als Vorteil, denn die Unsch\u00e4rfe, die ich auf diese Weise aufrechterhalte, bietet weniger Angriffsfl\u00e4che und beschr\u00e4nkt einen Wortwechsel st\u00e4rker auf Inhalt und Formulierung der Kommunikation als auf Projektionen, Rollenbilder, Vorurteile oder Erwartungen, denen ich durch eine Preisgabe pers\u00f6nlicher Details den Weg bereiten w\u00fcrde. Ich selbst mag das auch bei anderen Usern. Auf Twitter habe ich mal <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/x.com\/formschub\/status\/20431167190728704?s=20\" target=\"_blank\">geschrieben<\/a>, \u00bbTwitter ist der tollste Ort, um Gleichaltrige zu treffen, selbst wenn sie Jahre fr\u00fcher oder sp\u00e4ter geboren sind als man selbst\u00ab. Ich finde es gro\u00dfartig, wenn ich einen Menschen, dem ich online begegne, allein danach beurteilen darf, was er oder sie mir mitteilt. Ich <em>lese<\/em> die Person und bewerte sie nur auf dieser Grundlage als interessant, am\u00fcsant, liebenswert, scharfsinnig, kompetent oder empathisch, ich muss sie nicht sehen oder in eine Kategorie einsortieren, nur weil ich ihre biografischen Details kenne. Ich schaue mir selten Avatarbilder in vergr\u00f6\u00dferter Darstellung an und mag abstrakte oder illustrative Avatarbilder viel lieber als fotografische Portraits. Auch ein Grund, warum ich auf meinen privaten Accounts seit jeher mit meiner <a href=\"https:\/\/fnordon.de\/@formschub\/109913544521640119\">\u00bbEnte\u00ab<\/a> unterwegs bin. Die wechselt zwar hin und wieder Thema oder Farbe, aber sie ist mein \u00bbMarkenzeichen\u00ab anstelle eines Gesichtsbildes. Die Ente ist ein friedliebendes Tier. Sie sieht h\u00fcbsch und freundlich aus, kann zu Wasser, zu Land und in der Luft unterwegs sein, sie attackiert niemanden, greift keine anderen Tiere an und macht nette Ger\u00e4usche, die sich im Rahmen von Zimmerlautst\u00e4rke bewegen. Das macht sie mir ein wenig \u00e4hnlich und vermutlich deshalb als Repr\u00e4sentanten auch so anhaltend sympathisch. Auch ich bin ein eher introvertierter, stiller Mensch, suche mir meine wenigen Freunde sorgsam aus, bin wenig risikoaffin, bleibe lieber allein als mich mit der \u00bbfalschen\u00ab Gesellschaft zu umgeben und bin gegen\u00fcber Fremden eher sch\u00fcchtern, was sich aber schnell \u00e4ndern kann, wenn gegen\u00fcber einer \u00bbneuen\u00ab Person ein Gef\u00fchl der Vertrautheit und des Vertrauens entsteht. Ich h\u00f6re lieber zu und schweige sehr lange, und wenn ich dann etwas sage, meist erst, wenn ich der Meinung bin, nun genug zu wissen, um etwas Neues beitragen zu k\u00f6nnen oder weil ich eine Frage habe. Ich formuliere in Wort und Text sehr bedacht, das f\u00fchrt oft zu sehr knappen \u00c4u\u00dferungen, was mir bisweilen von Menschen, die mich (noch) nicht so gut kennen, f\u00e4lschlicherweise als Arroganz ausgelegt wird, dabei ist meine Intention lediglich, effizient zu kommunizieren und so weit wie m\u00f6glich Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden. Denn ich verbringe viel lieber Zeit damit, interessante Gespr\u00e4che zu f\u00fchren als dar\u00fcber zu reden, was ich wie gemeint haben k\u00f6nnte oder <em>eigentlich<\/em> sagen wollte. \u00bbEffizienz ist die edelste Art der Faulheit\u00ab, hatte ich irgendwann mal gepostet und das beziehe ich auch ausdr\u00fccklich auf Sprache und Kommunikation. Ich mag keine Schw\u00e4tzer und Dampfplauderer und m\u00f6chte auch selbst keiner sein. Darauf komme ich gleich noch mal zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Verfassen und Vorbereiten dieses Blogbeitrags stie\u00df ich auf eine unbeantwortete Frage, die mir ein User auf Mastodon schon im Februar stellte und die mir irgendwie durch die Lappen gegangen ist: \u00bbWas bedeutet eigentlich Dein Nickname <strong>formschub<\/strong>?\u00ab Auch das kann ich gerne hier mal beantworten. 2005 oder 2006 wollte ich mich beruflich ver\u00e4ndern und begann im Rahmen meiner Bewerbungsinitiativen damit, mir meine erste eigene Website zu bauen. Ich wollte dort mein Portfolio als Grafik-Designer pr\u00e4sentieren und suchte nat\u00fcrlich zuerst nach einem Namen f\u00fcr eine geeignete Domain. Bei der Recherche nach sowohl ungew\u00f6hnlichen als auch deutschsprachigen Begriffen rund um das Assoziationsfeld \u00bbGestaltung\u00ab, \u00bbFormgebung\u00ab, \u00bbDesign\u00ab stie\u00df ich auf das im Sportbereich ab und zu genutzte Wort \u00bbFormschub\u00ab (englische Begriffe fand ich zu pr\u00e4tenti\u00f6s, obwohl oder vielleicht gerade <em>weil<\/em> sie in der Werbe[r]szene sehr popul\u00e4r sind). Das Wort bezeichnet einen pl\u00f6tzlichen Anstieg der Leistungsf\u00e4higkeit von Athleten, wenn sie kurz vor einem Wettkampf noch einmal besonders intensiv und konzentriert trainieren (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.schattenblick.de\/infopool\/pannwitz\/presse\/ppspo361.html\" target=\"_blank\">z.B.:<\/a> \u00bbEin Trainingslager in Neu\u00df w\u00e4hrend der Osterferien brachte f\u00fcr Sophia Schmidt einen weiteren Formschub\u00ab). Aber ich interpretierte es visuell \u2013 als den Schub, den ich der graphischen Form (also dem Design) mit meiner Arbeit geben m\u00f6chte. Zudem wurde das Wort sowohl im Sport und erst recht dar\u00fcber hinaus ziemlich selten benutzt, so dass die Domain noch frei war und die generelle Auffindbarkeit im Netz damit beg\u00fcnstigt wurde. Und da lag es nat\u00fcrlich nahe, den Namen auch f\u00fcr mein erstes Blog auf dieser Domain und die alsbald erstellten ersten und nachfolgenden Social-Media-Profile zu nutzen. Ich glaube, ich habe den Begriff inzwischen recht erfolgreich \u00bbgekapert\u00ab, wenn ich mir so die aktuellen Suchergebnisse anschaue. \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja, LinkedIn. Vor ein paar Tagen las ich einen kommentierenden <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/meinung\/Kommentar-Wie-LinkedIn-das-neue-Facebook-und-dann-cool-wurde-9335806.html\" target=\"_blank\">Artikel bei heise.de<\/a> mit der \u00dcberschrift \u00bbWie LinkedIn das neue Facebook \u2013 und dann cool wurde\u200b\u00ab. Naja. \u00bbCool\u00ab ist dort aus meiner Sicht nicht wirklich viel. Aber da ich mich entschieden habe, dort mit einem gewissen Grundrauschen in beruflicher Mission pr\u00e4sent zu sein, muss ich mir nat\u00fcrlich auch \u00fcberlegen, womit. Nach einigen Wochen mit teils etwas l\u00e4ngeren, aufwendigeren oder rechercheintensiveren Beitr\u00e4gen merkte ich, dass mir das auf Dauer zu anstrengend ist, auch im Hinblick auf die \u00fcberschaubare Anzahl der Leser, denn ich bin auch eher zur\u00fcckhaltend mit der Praxis des Vernetzens auf Businessportalen. Ich vernetze mich entweder mit Leuten, mit denen ich beruflich <em>vor<\/em> der Vernetzung pers\u00f6nlich in Kontakt gekommen bin oder mit Menschen, auf deren Erfahrung und Kompetenz ich bevorzugt in meinem Job oder bei einzelnen Projekten zur\u00fcckgreife. Und sie m\u00fcssen nett sein, sonst wird das nix. Wenn die Chemie nicht stimmt oder All\u00fcren wichtiger als Teamwork sind, bleibt jede (insbesondere kreative) Zusammenarbeit nach meiner Erfahrung weit hinter ihren M\u00f6glichkeiten zur\u00fcck. Darauf habe ich keine Lust. Andere XING- oder LinkedIn-Mitglieder sehen das anscheinend weniger eng. Mindestens einmal die Woche erhalte ich Nachrichten oder Kontaktanfragen von frappanter Beliebigkeit, etwa \u00bbHey, ich habe gesehen, du atmest auch Sauerstoff und geh\u00f6rst zur Spezies <em>Homo sapiens<\/em> \u2013 und da dachte ich, wir haben so viel gemeinsam, dass ich mich gern mit dir vernetzen m\u00f6chte!\u00ab Ja. Du. Ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir fehlt auch das Talent, mich <em>im Voraus<\/em> wirksam zu verkaufen. Ein Grund, warum ich auch auf Live-Business-Netzwerktreffen sehr selten anzutreffen bin. Beruflicher Smalltalk ist mir ein Graus, insbesondere mit Menschen, denen ich neu begegne. Wenn ich fr\u00fchere kreative Arbeiten oder abgeschlossene Projekte pr\u00e4sentieren kann, die ich selbst mitgestaltet habe, bin ich in meinem Element. Denn dann kann ich \u00fcber etwas sprechen, was ich bereits geleistet habe, \u00fcber eine Aufgabe, die ich gemeistert habe, eine L\u00f6sung, die ich f\u00fcr ein gestalterisches Problem fand, \u00fcber fachliche Aspekte, mit denen ich mich auskenne. Aber <em>vorab<\/em> jemanden zu umwerben, mit nichts als einer Visitenkarte und wohlgewandten warmen Worten, das will mir nicht so recht gelingen. Deshalb gehe ich solchen Situationen lieber aus dem Weg \u2013 darin sind meine Kollegen wesentlich besser. Und da ich halt kein \u00bbSchw\u00e4tzer\u00ab bin (siehe oben), fehlt mir auch der Drang, mich auf LinkedIn mit meinen beruflichen T\u00e4tigkeiten oder Skills permanent selbst darzustellen oder zu feiern. Ich will keine Whitepaper schreiben oder \u00bbeinen vom Pferd erz\u00e4hlen\u00ab, doch das erschwert wiederum die Themensuche f\u00fcr eigene Postings. Ich m\u00f6chte den Lesern auf dem Portal zwar Dinge nahebringen, die sie wom\u00f6glich noch nicht wissen, die interessant sind, die sie am\u00fcsieren oder \u00fcberraschen und die sie idealerweise so auf anderen Profilen nicht ebenfalls vorfinden, aber ich mag dabei nicht posen, blenden oder (man)splainen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam mir die Idee, eine regelm\u00e4\u00dfige Posting-Kategorie zu etablieren, die sich einem Thema widmet, das mich sowohl privat als auch beruflich begeistert: Typographie. Seit einigen Monaten gibt es daher nun auf meinem LinkedIn-Profil die Rubrik \u00bbTypographisches Fundst\u00fcck der Woche\u00ab unter dem daf\u00fcr erdachten Hashtag #tyfudewo. Als konstanten Stichtag f\u00fcr die w\u00f6chentlichen Beitr\u00e4ge w\u00e4hlte ich den Freitag, denn da steht das Wochenende vor der T\u00fcr und viele B\u00fcromenschen sind an diesem Tag etwas entspannter und feuilletonaffiner als an den Werktagen davor. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte habe ich auf all meinen Wegen und Reisen einen ansehnlichen Foto-Fundus <a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2022\/08\/01\/die-welten-hinter-den-buchstaben\/\">typographischer Fundst\u00fccke<\/a> angeh\u00e4uft und st\u00e4ndig kommen neue hinzu. Damit habe ich genug Stoff auf Jahre hinaus, kann zu einzelnen Motiven kleine Anekdoten oder Hintergrundinformationen liefern, muss mir wenig Gedanken um neue Themen machen, muss nicht lange recherchieren, bin fachlich sattelfest und kann zugleich auch meine eigene berufliche Kompetenz einbringen. Win-win.<\/p>\n\n\n\n<p>Und manchmal finde sogar ich durch eins meiner eigenen Postings noch Dinge heraus, die ich bislang noch nicht wusste. Als ich heute meinen n\u00e4chsten LinkedIn-Beitrag f\u00fcr Freitag vorbereitete, w\u00e4hlte ich ein Foto, das ich vor 15 Jahren in einer Seitenstra\u00dfe in Berlin geknipst hatte. Ich fuhr damals zuf\u00e4llig dort mit dem Fahrrad an einem Schaufenster vorbei, durch das man in einen gro\u00dfen leeren Raum sehen konnte. Auf dem Boden darin lag knapp ein Dutzend gro\u00dfer gelber Leuchtbuchstaben, die wohl zuvor zwecks Ausmusterung von einer Fassade oder einem Dach abmontiert worden waren und nun in dieser provisorischen Lagerst\u00e4tte ihrer Entsorgung zu harren schienen. Auf meiner Festplatte tr\u00e4gt die Bilddatei den Namen \u00bbCIMG3710_Typofriedhof.jpg\u00ab. F\u00fcr was die Buchstaben einst warben, wusste ich nicht. In der N\u00e4he der Fundstelle war ich damals selten unterwegs und erinnerte mich nicht daran, welche Leuchtreklamen die Geb\u00e4ude in der Gegend trugen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CIMG3710_Typofriedhof.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9007\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CIMG3710_Typofriedhof.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CIMG3710_Typofriedhof-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CIMG3710_Typofriedhof-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute versuchte ich nachtr\u00e4glich, f\u00fcr meinen kurzen Posting-Text dann doch noch die Herkunft der gelben Lettern zu erkunden, machte mir aber anderthalb Jahrzehnte nach der Entstehung des Fotos nur wenig Hoffnungen. Doch siehe da: es gab eine \u00dcberraschung! Ich stie\u00df nach einigen Recherchen auf <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/marionbrasch.de\/2019\/11\/21\/die-buchstabensammler\/\" target=\"_blank\">einen Beitrag<\/a>, in dem die abgenommenen Buchstaben ebenfalls erw\u00e4hnt wurden. Ein <strong>A<\/strong> konnte damals vor der Vernichtung bewahrt werden und wurde in die Sammlung des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.buchstabenmuseum.de\/\" target=\"_blank\">Berliner Buchstabenmuseums<\/a> aufgenommen. Und nachdem ich nun den Namen des werbetreibenden Unternehmens kannte \u2013 es war das ehemalige Modekaufhaus EBBINGHAUS am Spittelmarkt und einst der gr\u00f6\u00dfte Textilfilialist Berlins, fand ich bei <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Ebbinghaus_am_Spittelmarkt_.jpg\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a> ein Foto des Geb\u00e4udes mit der intakten Beschriftung, wohl kurz vor der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/aus-der-mode-1813165.html\" target=\"_blank\">Demontage<\/a>. Das Geb\u00e4ude wurde kurz darauf <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bild.de\/regional\/berlin\/wird-plattgemacht-4582814.bild.html\" target=\"_blank\">abgerissen<\/a>, vielleicht stand es bereits an dem Tag schon nicht mehr, als ich die ausgemusterten Buchstaben vorfand. Kurios ist, dass die Reihenfolge der abgelegten Buchstaben im obigen Bild sogar noch ann\u00e4hernd mit derjenigen im urspr\u00fcnglichen Namen \u00fcbereinstimmt und hinten an der Wand lehnt tats\u00e4chlich auch das vom Museum adoptierte A.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"819\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ebbinghaus_Gebaeude-1024x819.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9008\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ebbinghaus_Gebaeude-1024x819.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ebbinghaus_Gebaeude-300x240.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ebbinghaus_Gebaeude-768x614.jpg 768w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ebbinghaus_Gebaeude.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bildquelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Ebbinghaus_am_Spittelmarkt_.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wikipedia<\/a> |&nbsp;Foto: Rafigonzalez (Public Domain)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und so werden Geb\u00e4ude abgerissen und weichen neuen Bauwerken, genauso wie Social-Media-Portale verwaisen oder degenerieren und andere ihren Platz einzunehmen versuchen. Und ich habe durch die Aufbereitung eines kleinen LinkedIn-Beitrags eine 15 Jahre alte Geschichte zuende erz\u00e4hlt bekommen. Der thematische Bogen in diesem Beitrag war vielleicht heute reichlich weit gefasst, aber irgendwie, finde ich, passte es dann doch wieder ganz gut zusammen.<\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_9003\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2023\/10\/25\/portale-gepflogenheiten-und-ein-adoptiertes-a\/\"  data-item_title=\"Portale, Gepflogenheiten und ein adoptiertes A\"  data-item_date=\"2023-10-25T21:20:55+02:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.59\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gerade die Ello-App von meinem iPhone gel\u00f6scht, denn das gleichnamige Social Network ist anscheinend tot. 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