{"id":9316,"date":"2024-01-20T14:00:25","date_gmt":"2024-01-20T13:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=9316"},"modified":"2024-01-20T14:14:11","modified_gmt":"2024-01-20T13:14:11","slug":"chocverliebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2024\/01\/20\/chocverliebt\/","title":{"rendered":"Chocverliebt"},"content":{"rendered":"\n<p>Gestern habe ich mich gefreut. Mit der Post kam ein gepolsterter Umschlag aus D\u00e4nemark an. Darin befanden sich zehn Tafeln einer meiner liebsten d\u00e4nischen Schokoladensorten. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich Lebensmittel kaufe, beschwere ich mich nicht immer, wenn ich zu Hause bei der Verarbeitung oder vor dem Verzehr bemerke, dass etwas damit nicht stimmt. Das liegt auch daran, dass ich an der Kasse beim normalen Supermarkteinkauf ein notorischer Bonverweigerer bin. Ich habe schon genug Geraffel im Portemonnaie: Kleingeld (insbesondere die unn\u00fctzen Kupferm\u00fcnzen), Scheine, Abholbelege f\u00fcr die Reinigung oder die \u00c4nderungsschneiderei, die eine oder andere Visitenkarte und nat\u00fcrlich Dutzende Plastikkarten: Kreditkarte B\u00fcro, Kreditkarte privat, Maestrokarte B\u00fcro und privat, Bonuskarte hier, Kundenkarte dort, BahnCard, F\u00fchrerschein, METRO, diesdas. Ich nehme schon gar keine mehr an und hoffe sehnsuchtsvoll, dass die Plastikkartenmafia bald f\u00fcr all diesen Polymerballast eine Digitalisierungsm\u00f6glichkeit bereitstellt. Ich war hochentz\u00fcckt, als ich neulich merkte, dass man an modernen Geldautomaten mit der NFC-Funktion des Handys eine darin gespeicherte Bankkarte zum Geldabheben nutzen kann. Das beschleunigt den inzwischen zwar seltener notwendigen, aber jedesmal enervierend umst\u00e4ndlichen Prozess ungemein. Statt \u00bbPortemonnaie rausholen, Karte rausfieseln, Karte in Schlitz fummeln, die sekundenlangen Videorecorderger\u00e4usche aus dem Automaten abwarten, tippen, w\u00e4hlen, PIN eingeben, Geld rausholen, auf den Auswurf der Karte warten, Karte wieder ins Portemonnaiefach friemeln und es wegstecken\u00ab fallen so die ersten vier und die letzten zwei Schritte beim kontaktlosen Abheben einfach weg. Dit jef\u00e4llt mer. Mitte der Neunziger noch war mein Portemonnaie nur halb so gro\u00df wie jetzt, doch \u00fcber die Jahre musste ich mir beim verschlei\u00dfbedingten Wechsel allm\u00e4hlich immer gr\u00f6\u00dfere Geldb\u00f6rsen kaufen, allein um die wachsende Zahl der Plastikkarten unterbringen zu k\u00f6nnen. Dabei habe ich sowas wie eine Paybackkarte oder Kundenkarten von Schuhgesch\u00e4ften, Imbissen, Drogeriem\u00e4rkten schon immer konsequent abgelehnt. Brauch ich nicht, will ich nicht, kann weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zum Gedankengang. Ich nehme oft keinen Bon an der Kasse mit. Dann stehe ich da zu Hause mit einem Blumenkohlkopf, der sich nach dem Aufschneiden innen braun und matschiggefault pr\u00e4sentiert oder mit einem Netz Mandarinen, in dem sich eine halb verschimmelte versteckt. Dann bin ich meist wenig geneigt, ohne Kassenbon extra noch mal zur\u00fcck zum Laden zu gehen (der auch manchmal weiter weg liegt, wenn ich auf l\u00e4ngeren Wegen durch die Stadt meine Besorgungen machte), dort glaubhaft zu machen, dass die Ware vor Ort gekauft wurde, daraufhin Ersatz oder Erstattung zu fordern und schlie\u00dflich wieder zur\u00fcck nach Hause zu fahren. Meistens entsorge ich das verdorbene Produkt, besorge mir in unmittelbarer N\u00e4he ein neues und gut. Diesen Gleichmut pflege ich aber zumeist nur bei vergleichsweise preiswerten Waren. W\u00fcrde ich bemerken, dass ein teures Biobrath\u00e4hnchen oder ein Glas Edelpesto schon vor dem Kauf dem Verderb anheim fielen, w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich reklamieren. Notfalls auch ohne Bon.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend eines fr\u00fcheren D\u00e4nemarkurlaubs nun, hatte ich in einem dortigen Supermarkt eine Schokoladensorte entdeckt, deren Beschreibung sich spannend las, so dass ich eine Testtafel kaufte. 70% Kakogehalt, das entsprach schon mal meiner Grundvorliebe f\u00fcr dunkle Schokolade. Bio war sie, das ist ebenfalls begr\u00fc\u00dfenswert. Und \u00bbCoffee\u00ab stand auf der Packung, das fand ich zun\u00e4chst zwar erst nicht so interessant, weil Kaffee als Schokoladenzutat gerne mal nur als in die Schokolade ger\u00fchrte Fl\u00fcssigzutat, als Aroma oder in irgendwelchen pastos-vertr\u00fcffelten F\u00fcllungen daherkommt, was ich alles nicht so gerne mag. Doch auf der R\u00fcckseite stand \u00bb\u00d8KOLOGISK M\u00d8RK CHOCOLADE MED FORMALET KAFFE\u00ab, also \u00bbBIO-BITTERSCHOKOLADE MIT GEMAHLENEM KAFFEE\u00ab (10%, das ist nicht ohne). Und diese Angaben machten mich neugierig, denn der Kaffee schien hier sensorisch noch sp\u00fcrbar als feines Granulat beigef\u00fcgt zu sein. Spannend. Mochte ich doch schon immer gerne die herben schokolierten ger\u00f6steten Kaffeebohnen, die man in manchen Restaurants zwecks Rechnungsvers\u00fc\u00dfung beigelegt bekommt und die so sch\u00f6n krachen beim Zerbei\u00dfen. Und tats\u00e4chlich fiel der Test des herben Naschwerks ausgesprochen angenehm aus. Feine, nicht zu s\u00e4uerliche dunkle Schokolade, die beim Schmelzen im Mund die feinen Kaffeepartikel freisetzte. Vor der Abreise nahm ich einige Tafeln mit zur\u00fcck nach Deutschland und so hielt ich es auch bei den seither folgenden Urlauben in D\u00e4nemark. Auch beim letzten Jahresendurlaub 2023\/24 in der N\u00e4he von N\u00f8rre Nebel in Westj\u00fctland, dem Ort, wo mein Mitnehmseleinkauf in der Filiale der Marktkette \u00bbSuper Brugsen\u00ab\u00a0erfolgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder zu Hause, verschenkte ich von den vier mitgebrachten Tafeln zwei an einen Freund, der w\u00e4hrend des Urlaubs meinen Wohnungsschl\u00fcssel verwahrt hatte, die anderen beiden behielt ich. Kurz darauf erhielt ich von dem Beschenkten ein Foto geschickt, mit der Schokolade stimme etwas nicht. Bei beiden Tafeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9318\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_01.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_01-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_01-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Daraufhin pr\u00fcfte ich auch meine beiden Packungen. Und es war bei mir genauso. Die Tafeln waren innerhalb der Alufolienverpackung l\u00e4ngs um etwa 20% \u00bbzusammengerutscht\u00ab (was man bereits von au\u00dfen sehen und ertasten konnte) und wiesen auf der Oberfl\u00e4che Bl\u00e4schen und einen hellen Belag auf, als seien sie in der Packung leicht geschmolzen, h\u00e4tten sich verformt und w\u00e4ren dann wieder erkaltet. Ich wusste, dass ich die Schokolade nach dem Kauf, auf allen Transportwegen und bei jeder Lagerung trocken und k\u00fchl verwahrt hatte. Au\u00dferdem war es seltsam, dass die L\u00e4ngsrichtung der Verformung bei allen Tafeln identisch und seltsamerweise quer zur senkrecht aufgestellten Regalpr\u00e4sentation im Supermarkt verlief. Sehr wahrscheinlich hatte die Ware also vor dem Einr\u00e4umen ins Ladenregal bereits derart gelitten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9319\" style=\"aspect-ratio:1.7777777777777777;width:900px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_02.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_02-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_02-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Man kennt es, dieses peinliche Gef\u00fchl, wenn man jemandem etwas fertig Verpacktes schenkt oder ihn\/sie in ein Lokal einl\u00e4dt und anschlie\u00dfend entpuppt sich das Geschenk als besch\u00e4digt, unbenutzbar oder ungenie\u00dfbar oder der Gastronomiebesuch verl\u00e4uft geschmacklich oder anderweitig katastrophal \u2013\u00a0alles au\u00dferhalb des eigenen Verschuldens, aber trotzdem f\u00fchlt man sich irgendwie mitverantwortlich und mitbesch\u00e4mt. Deshalb beschloss ich auch ohne Bon und trotz der 350 km entfernten Bezugsquelle jenseits der Landesgrenze, einen h\u00f6flichen Reklamationsversuch zu starten. Ich durchlief zun\u00e4chst die Reklamationsprozedur auf der Website, deren Adresse auf der Verpackung angegeben war, die schwedische Mutterfirma \u00bbCoop\u00ab, welche die Produkte dieser Marke herstellt und\/oder vertreibt und f\u00fcgte auch Fotos bei. Man antwortete schnell und h\u00f6flich aus Schweden, dass f\u00fcr Reklamationen in D\u00e4nemark der jeweilige Supermarkt der korrekte Ansprechpartner sei und auf der Website der Supermarktkette konnte ich tats\u00e4chlich im Nu eine spezifische Mailadresse f\u00fcr genau diese Filiale ausfindig machen. Ich kopierte meinen (englischen) Beschwerdetext in eine Mail, h\u00e4ngte die Bilder der entstellten Tafel an und wiederum erhielt ich schon am n\u00e4chsten Werktag eine Antwort, direkt vom Marktleiter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbthank you for your complain and the photos.<\/p>\n\n\n\n<p>I just took a few samples from differents packages, and the result is unfurtunately the same as the choclate in the pictures.<\/p>\n\n\n\n<p>I would be happy to sent you some new packages, but for now i will make a request to Coop Danmark about full quality control of this product in Coop Danmark. When i have new and fresh products in the shop i will sent you a package with new choclate.<\/p>\n\n\n\n<p>I hope the solution will be fine for you :)\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich dankte freundlich, dass das in der Tat fine for me sei und erwartete nun eine ein- bis mehrw\u00f6chige Pause f\u00fcr die angek\u00fcndigte interne Pr\u00fcfung. Doch schon vier Tage sp\u00e4ter traf das Entsch\u00e4digungspaket bei mir ein \u2013 mit zweieinhalbmal so viel Schokolade, wie ich urspr\u00fcnglich gekauft hatte. Gl\u00fccklicherweise liegt das MHD hinreichend weit sp\u00e4t in diesem Jahr und ich bin zudem von etlichen Menschen umgeben, die (dunkle) Schokolade ebenfalls sch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war eine Serviceerfahrung, wie ich sie liebe. Und einmal mehr mag ich sie wieder insgesamt sehr, die D\u00e4nen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"9321\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_03.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9321\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_03.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_03-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_03-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_03-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_03-900x900.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_04.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"9320\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_04.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9320\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_04.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_04-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_04-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_04-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/schokomakel_04-900x900.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/figure>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_9316\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2024\/01\/20\/chocverliebt\/\"  data-item_title=\"Chocverliebt\"  data-item_date=\"2024-01-20T14:00:25+01:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.59\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern habe ich mich gefreut. 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