{"id":9666,"date":"2024-03-11T10:54:57","date_gmt":"2024-03-11T09:54:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=9666"},"modified":"2024-03-11T17:02:39","modified_gmt":"2024-03-11T16:02:39","slug":"unzusammenhaengendes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2024\/03\/11\/unzusammenhaengendes\/","title":{"rendered":"Unzusammenh\u00e4ngendes"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Dezember besuchte ich in Hamburg-Othmarschen anl\u00e4sslich einer kleinen beruflichen Weihnachtsfeier erstmals das libanesische Restaurant <a href=\"https:\/\/www.restaurant-hala.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bbHala\u00ab<\/a>. Der Initiator und Gastgeber des Abends, der im Westen Hamburgs wohnt, hatte das Lokal vorgeschlagen und aufgrund seiner etwas nebul\u00f6s gehaltenen Bestellung zu Beginn des Abends (\u00bbBringense mal f\u00fcr uns alle eine sch\u00f6ne Mischung kalter und warmer Sachen, die teilen wir uns dann\u00ab) bog sich anschlie\u00dfend der Tisch vor orientalischen K\u00f6stlichkeiten. Zuerst wurden gut drei Dutzend Porzellansch\u00e4lchen mit kalten und warmen Mezze aufgetragen: Hummus, Auberginencreme, Tabouleh-Petersiliensalat, gebratener Blumenkohl mit Sesam-Vinaigrette, Sesammousse mit Porree, Paprika und Mandeln, Labneh mit Walnuss, Minze und Knoblauch, marinierte Rote Bete mit Sesam und Thymian, Champignons mit Harissa und Koriander. Wow, dachten alle, als die Sch\u00e4lchen s\u00e4mtlich ausgekratzt waren, das war ja sehr gut und auch reichlich. Doch nach dem Abr\u00e4umen kamen die Servicekr\u00e4fte dann unerwartet wieder \u2013 mit gr\u00f6\u00dferen Platten und einer Auswahl famoser warmer Hauptgerichte: Riesengarnelen auf Hummer-Estragon-Sauce mit Gem\u00fcse, Lammfilet auf Schafsk\u00e4se-Sauce mit Gem\u00fcse und Zimt-Kardamom-Reis, Entenbrustscheiben auf Aprikosensauce, Makanek-Lammw\u00fcrstchen mit Pinienkernen und mehr. Dazu Wasser und Wein und abschlie\u00dfend tats\u00e4chlich noch ein Dessertpotpourri plus Kardamom-Mokka. Das war ein sehr wohlschmeckender Abend und obwohl ich ganz aus dem Westen dann wieder fast eine Stunde mit dem Nachtbus in mein eher \u00f6stlich gelegenes Viertel unterwegs war, wollte ich mir dieses famose Lokal unbedingt zwecks eines Wiederholngsbesuchs merken. Als nun Anfang M\u00e4rz zwei gute Freunde anregten, kam mir das Hala gleich wieder in den Sinn und als ich nach der Website suchte, entdeckte ich, dass es in Hamburg-Rotherbaum und damit viel n\u00e4her gelegen einen zweiten Ableger namens <a href=\"https:\/\/www.hala-mignon.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bbHala mignon\u00ab<\/a> gab. Also schlug ich dieses vor, traf auf Gegenliebe und reservierte f\u00fcr vergangenen Samstag Abend einen Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lokal ist klein, beim Betreten sieht man zun\u00e4chst nur 4\u20135 Tische und ich dachte \u00bbOh. Gut, dass wir reserviert haben\u00ab. Doch dann f\u00fchrte uns der Wirt eine Treppe hinunter in einen zweiten Gastraum mit ebenfalls 5 Tischen und dort sollten wir den Rest des sch\u00f6nen Abends verbringen. Das Ambiente ist in sch\u00f6nen gedeckten Farben gehalten, petrol, braun, grau und gold, die Akustik ist auch bei voller Besetzung noch angenehm und die kleinen, etwas verschachtelten R\u00e4ume wirken fast wie gem\u00fctliche Wohnzimmer. Der Service war zur Sto\u00dfzeit bisweilen etwas hektisch, aber nie unaufmerksam. Wir alle gemeinsam bestellten \u00bbDas mignon-Men\u00fc\u00ab, bestehend aus Amuse bouche, einem Sortiment kalter Mezze, danach wahlweise entweder ein Hauptgericht oder zwei warme Mezze nach freier Wahl und abschlie\u00dfend eine \u00bbAssemblage aus Baklawa, Cr\u00e8me Br\u00fbl\u00e9e Orange und Maracuja-Sorbet\u00ab. Der Men\u00fcpreis erschien schon vor der Bestellung mit 41 EUR pro Person mehr als gerechtfertigt und das S\u00e4ttigungs- und Zufriedenheitsgef\u00fchl danach best\u00e4tigte dies. Es war ein sehr feiner, k\u00f6stlicher Abend und ich empfehle beide Filialen dieses libaniesischen Restaurants hiermit gerne uneingeschr\u00e4nkt weiter.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"9668\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9668\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_1.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_1-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_1-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_1-900x900.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gef\u00fcllte Aubergine mit Rinderhack, Joghurt-Minz-Sauce und Basmati-Reis<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"9667\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9667\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_2.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_2-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_2-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_2-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/hala_2-900x900.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lammfilet auf Schafsk\u00e4se-Sauce mit Mandel-Gem\u00fcse und (separat serviertem) Zimt-Reis<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Bei der morgendlichen Bartpflege bzw. -schur dachte ich so, wie gro\u00dfartig ist es doch, dass der K\u00f6rper imstande ist, die ganzen Materialien und Stoffe, die ihn ausmachen und die er zur Aufrechterhaltung der Lebens- und Wachstumsfunktionen ben\u00f6tigt, bei einer angenehmen Temperatur von lediglich 37 \u00b0C und normalen atmosph\u00e4rischen Bedingungen selbst herzustellen. Hormone, Enzyme, Proteine, Sekrete, Zellen, Haare, N\u00e4gel, Magens\u00e4ure, Gallensaft. Alles ohne Gluthitze, Zischen, Dampfen, sch\u00e4dliche Abfallstoffe oder giftige D\u00e4mpfe in kritischen Mengen \u2013 das ist schon ziemlich genial. Wenn man bedenkt, welche extremen Reaktionsbedingungen in der Industrie zumeist vonn\u00f6ten sind, um Kunststoffe, Chemikalien, Medikamente, oder Baustoffe herzustellen, dann bin ich doch dankbar, eine so dezente und ger\u00e4uscharme Chemiefabrik sein zu d\u00fcrfen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Am Sonntagnachmittag stand ein sch\u00f6nes kompaktes Konzert in der Elphi auf dem Programm: Das NDR Elbphilharmonie Orchester spielte das \u00bbHarfenkonzert\u00ab op.74 von Reinhold Gli\u00e8re und die Sinfonie Nr. 7 von Sergej Prokofjew. Zusammen eine gute Stunde ohne Pause, danach ist man jetzt im M\u00e4rz \u00bbnoch im Hellen\u00ab wieder drau\u00dfen und kann den kaum angebrochenen Abend dann noch ausgiebig anderweitig beschlie\u00dfen. Wir sa\u00dfen auf bew\u00e4hrten guten Pl\u00e4tzen in der ersten Reihe im obersten Rang der Etage 16, von dort hat man einen sch\u00f6nen, wenn auch steilen Blick hinunter auf das Orchester, die Solisten und den Dirigenten. Die Pl\u00e4tze befinden sich aber auch auf gleicher H\u00f6he mit dem gro\u00dfen trichterf\u00f6rmigen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bPGewB8bSl0\">Schallreflektor<\/a>, der in der Mitte des Saals von der Decke herabh\u00e4ngt. Die Unterseite besteht aus einer mit den typischen, organisch strukturierten Akustikkacheln der Elphi-Wandverkleidungen beschichteten Kalotte, die Oberseite ist mit einer elastischen Stoffh\u00fclle bespannt, die sich bogenf\u00f6rmig nach oben zur Aufh\u00e4ngung verj\u00fcngt. Und genau auf dieser Stoffh\u00fclle liegen seit geraumer Zeit zwei l\u00e4ngliche rote W\u00fcrste, die dort offenbar nicht hingeh\u00f6ren. Meine erste Assoziation w\u00e4hrend des Konzerts, bei dem ich diese Fremdk\u00f6rper entdeckte, war \u00bbDa hat ein Zuschauer von seinem Platz aus zwei angebissene BiFi auf das Ding geworfen\u00ab. Von weitem sehen die Objekte tats\u00e4chlich ein bisschen aus wie Landj\u00e4ger, Mettenden oder wie auch immer man solche Wurstsnacks nennt. Inzwischen (ich hatte bislang leider kein Opernglas dabei) denke ich, es sind Fragmente einer dicken roten Gummidichtung, wie auch immer die dorthin gelangt sein m\u00f6gen. <br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/elphi-bifi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9671\" srcset=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/elphi-bifi.jpg 1024w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/elphi-bifi-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/elphi-bifi-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/elphi-bifi-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/elphi-bifi-900x900.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Beim Konzertgenuss geht es zwar in erster Linie um Musik, aber diese Dinger lenken mich trotzdem ab, vermutlich in erster Linie, weil ich \u00fcber ihren Ursprung und die Beschaffenheit gr\u00fcble, ob die Objekte schon anderen im Publikum oder vom Hauspersonal aufgefallen sind, ob und wie sie an dieser Stelle \u00fcberhaupt erreichbar w\u00e4ren, um sie zu beseitigen usw. Ein bisschen geht es mir \u00fcbrigens auch so bei Besuchen in der Deutschen Oper Berlin. Ich schaue regelm\u00e4\u00dfig hoch zu den tellerf\u00f6rmigen gl\u00e4sernen <a href=\"https:\/\/maps.app.goo.gl\/1sC3Rc4QrYtkzyPo6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bbLampenschirmen\u00ab<\/a> um die h\u00e4ngenden Leuchtk\u00f6rper, welche den Zuschauerraum vor und nach der Vorstellung erhellen und frage mich, ob auf diesen, anscheinend \u00fcber Jahrzehnte zugestaubten und inzwischen milchig-tr\u00fcben Scheiben, die obendrauf vermutlich ebenso schwer erreichbar sind wie die Hamburger BiFi-Kalotte, nicht endlich mal jemand Staub wischen k\u00f6nnte und warum ein Innenarchitekt \u00fcberhaupt auf die Idee kam, solch schwer erreichbare gl\u00e4serne Lampenteller in einer Oper zu verbauen, obgleich ihnen unweigerlich die Verstaubung dr\u00e4ut. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schwierig. Da sitze ich in einem der teuersten und modernsten Konzerth\u00e4user des Landes, unter mir auf der B\u00fchne entfaltet sich die ganze Pracht menschlichen musischen Schaffens \u2013 und ich stiere auf eine Gummiwurst. Ich f\u00fchle mich erinnert an den Loriot-Klassiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Nudel\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bbDie Nudel\u00ab<\/a>, oder an den bekannten Monty-Python-Sketch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Dirty_Fork\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00bbThe Dirty Fork\u00ab<\/a>, in dem ein Restaurantgast eine klitzekleine Verunreinigung auf seiner Gabel entdeckt. Ich muss an Nachrichtensprecher denken, die bedeutsame Meldungen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verlesen, aber deren Worte stumpf verhallen, weil sie einen Fitzel Spinat zwischen den Z\u00e4hnen haben, der all diese Ereignisse nebens\u00e4chlich erscheinen l\u00e4sst. Ich f\u00fcrchte, wenn ich demn\u00e4chst von einem Elphibesuch berichte und gefragt werde, was denn auf dem Programm gestanden h\u00e4tte, dass ich dann nur mit leerem Blick sagen kann \u00bbWurst\u00ab.<\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_9666\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  data-lang=\"de\"  data-show_dislike_label=\"true\"  data-share_enabled=\"false\"  data-counter_frmt=\"period\"  data-tooltip_enabled=\"false\"  data-i18n_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_after_like=\"gern gelesen\"  data-i18n_after_dislike=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_like_tooltip=\"gern gelesen\"  data-i18n_dislike_tooltip=\"gefiel mir nicht\"  data-i18n_unlike_tooltip=\"\u2764\ufe0f entfernen\"  data-i18n_undislike_tooltip=\"\u274c entfernen\"  data-i18n_popup_close=\"schlie\u00dfen\"  data-i18n_popup_text=\"Danke f\u00fcr Deine Bewertung!\"  data-style=\"\"  data-unlike_allowed=\"\"  data-show_copyright=\"\"  data-item_url=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2024\/03\/11\/unzusammenhaengendes\/\"  data-item_title=\"Unzusammenh\u00e4ngendes\"  data-item_date=\"2024-03-11T10:54:57+01:00\"  data-engine=\"WordPress\"  data-plugin_v=\"2.6.60\"  data-prx=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-admin\/admin-ajax.php?action=likebtn_prx\"  data-event_handler=\"likebtn_eh\" ><\/span><!-- LikeBtn.com END --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dezember besuchte ich in Hamburg-Othmarschen anl\u00e4sslich einer kleinen beruflichen Weihnachtsfeier erstmals das libanesische Restaurant \u00bbHala\u00ab. 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