{"id":9934,"date":"2024-06-15T15:04:57","date_gmt":"2024-06-15T13:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/?p=9934"},"modified":"2024-06-15T15:06:35","modified_gmt":"2024-06-15T13:06:35","slug":"apothekenanekdote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/2024\/06\/15\/apothekenanekdote\/","title":{"rendered":"Apothekenanekdote"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor etwa 2\u20133 Wochen bemerkte ich an meiner linken Schulter in der N\u00e4he der Achselh\u00f6hle einen rotvioletten Fleck. \u00bbOh, ein Bluterguss\u00ab, dachte ich beil\u00e4ufig, denn ich bin diesbez\u00fcglich extrem empfindlich. Ein leichter St\u00fcber an einer Schrankkante oder eine etwas schwerere Reisetasche mit Trageriemen geschultert und schon erbl\u00fcht an der Kontaktstelle ein vielfarbiges H\u00e4matom. Nach einigen Tagen \u00e4ndert sich dann die Farbpalette von Bordeaux und Purpur \u00fcber Violett- und Blaut\u00f6ne hin zu Olivgr\u00fcn und Braun und dann verblassen die Sto\u00dfmale allm\u00e4hlich. Nicht so diesmal. Das runde Gebilde hielt sich hartn\u00e4ckig und schien sich zudem ganz langsam gelichm\u00e4\u00dfig auszudehnen. Das machte mich misstrauisch und ich suchte im Netz auf seri\u00f6sen Medizinseiten nach Indizien daf\u00fcr, was das wohl sein k\u00f6nnte. Die plausibelste Erkl\u00e4rung mit begleitendem, meinem Ph\u00e4nomen frappierend \u00e4hnlichem Bildmaterial, war eine sogenannte \u00bbWanderr\u00f6te\u00ab nach einem Insektenstich oder -biss (z.B. M\u00fccke oder Zecke), die auf eine beginnende Infektion mit Borrelien hindeutet. Gegen FSME habe ich mich vorsorglich impfen lassen, da ich fast an jedem Wochenende in der Natur herumwandere, aber bei Borrelien ist das leider nicht m\u00f6glich. In meinem entfernten Bekanntenkreis gibt es eine Person mit Fr\u00fchverrentung aufgrund einer zu sp\u00e4t erkannten, eskalierten Borreliose, daher wei\u00df ich: damit ist nicht zu spa\u00dfen. Also galt es, mir hier im Moselland, wo ich derzeit mit dem Mann auf Reisen bin, spontan einen Arzt zu suchen und zu hoffen, ohne Termin zur Begutachtung vorgelassen zu werden. Freitag. Das Wochenende stand vor der T\u00fcr. Ich fuhr in die n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfere Stadt und suchte die erste der zuvor recherchierten Praxen auf. Fehlanzeige. Wartezimmer voll, das Empfangspersonal und die \u00c4rzte sp\u00fcrbar \u00fcber Kapazit\u00e4t. Aber man verwies mich dennoch sehr freundlich an die Praxis im selben Geb\u00e4ude eine Etage h\u00f6her. Dort am Empfang wurde ich tats\u00e4chlich sofort vorgelassen, die MFA erwartete n\u00e4mlich in K\u00fcrze die letzte Abholung von Blutproben durch den Laborkurier und gew\u00e4hrte mir Vortritt, damit eine eventuell zu entnehmende Probe noch eine Chance h\u00e4tte, im Labor anzukommen. Die Gesundheitskarte wurde eingelesen und ich durfte gleich durchgehen. Sehr nett. <\/p>\n\n\n\n<p>Der behandelnde Arzt, der mich sodann in sein Sprechzimmer bat, ein betagtes, vermutlich kurz vor dem Ruhestand stehendes Urgestein, fragte nach meinen Beschwerden und stimmte dann nach Ansicht der Hautverf\u00e4rbung meiner eigenen Vermutung zu. Sowohl an mich gewandt als auch mit einem Finger Daten zur Behandlung in seinen PC eintippend, murmelte er unentwegt vor sich hin: \u00bbDasjan Bild wie aus dem Lehrbuch, keine Frage, schreibichihn\u2019 was auf, Andibjodikum, Blutprobe brauchmanich, isja sonnklar. Amoxicillin oder Doxycyclin, nehmse zehn Tage lang, nee, besser zwei Wochen. Morngsunahms ne halbe, nehmwer die Zweihunderter, die k\u00f6nnse teilen. Wieviel sind\u2019n da in der Packung? Ah, zwanzich, das reicht auf jeden Fall, danach sollten die Biester weg sein&nbsp;\u2026\u00ab. Er erhob sich und geleitete mich zur\u00fcck zum Empfangstresen, wo ich erwartete, ein papierenes Rezept ausgeh\u00e4ndigt zu bekommen, zumal Arzt, MFA und ich direkt neben dem Drucker standen. Doch auf einmal sah mich die Assistentin an und sagte \u00bbWir sind dann fertig.\u00ab \u2013 \u00bbUnd mein Rezept?\u00ab \u2013 \u00bbDas ist schon auf Ihrer Karte. Elektronisch.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Wow. Mein erstes E-Rezept. Und das in einer Praxis, in deren Ambiente, Arzt und Einrichtung sich sogar ein Nadeldrucker noch absolut stimmig eingef\u00fcgt h\u00e4tte. Ich war beeindruckt. Alle Achtung, Herr Lauterbach. Ich behielt die Karte gleich in der Hand, denn im Erdgeschoss des \u00c4rztehauses hatte ich beim Hineingehen bereits eine Apotheke bemerkt. Vielleicht war das verordnete Medikament ja dort vorr\u00e4tig und ich k\u00f6nnte mein digitales Rezept dort gleich einl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Apothekerin nahm nach Hinweis auf das e-Rezept die Karte entgegen und las sie in ihr Terminal ein. Dann dr\u00fcckte sie auf einige Tasten und seufzte. \u00bbDas schon wieder!\u00ab, st\u00f6hnte sie. \u00bbWas denn?\u00ab fragte ich \u00bbHaben Sie das Mittel nicht da?\u00ab \u2013 \u00bbDoch, schon. Ich sehe es hier im System, haben wir vorr\u00e4tig, aber ich kriege Ihr Rezept nicht von der Karte in die Kasse, so kann ich es nicht einbuchen. Aber ich probiere noch mal was anderes. Es gibt da verschiedene Wege, wie das gehen kann.\u00ab&nbsp;Sie tippte auf der Tastatur herum. Eine andere Apothekerin, die nebenstehend die Komplikation mitbekommen hatte, mischte sich ein. \u00bbWiller wieder nich?\u00ab, fragte sie. Die andere nickte. \u00bbWenn du den Eintrag auf der Karte sehen kannst, dann druck den doch aus. Da ist dann ein QR-Code drauf und den kannst du den einscannen. So klappt das dann bei mir meistens.\u00ab \u2013 \u00bbIch guck\u2019 mal\u00ab, sagte die andere und tippte weiter. Sie nahm die Karte aus dem Schlitz heraus und f\u00fchrte sie erneut ein \u00bbDas ist SO umst\u00e4ndlich!\u00ab. Ich teilte ihre Ern\u00fcchterung. \u00bbDa w\u00e4ren wir mit einem Papierrezept schon weiter\u00ab, sagte ich. \u00bbAllemal.\u00ab, antwortete sie, \u00bbAber ich versuche es jetzt noch mal hiermit \u2026\u00ab. <em>*tipp, tipp*<\/em>  \u00bbAh, jetzt geht\u2019s!\u00ab Die Kasse piepte und spuckte einen Beleg aus. Sie \u00fcbergab mir die Tablettenschachtel, die im Hintergrund aus einem Lagerschacht gefallen war und ich zahlte. Elektronisch. Irgendwie hatte ich mir das Einl\u00f6sen meines ersten e-Rezepts moderner vorgestellt. Beil\u00e4ufiger. Eleganter. Reibungsloser. Wieso gibt es hierzulande so viele digitale Prozesse, die entweder zwingend eine Etappe mit einem Papierausdruck ben\u00f6tigen <em>oder<\/em> einen m\u00fchseligen Workaround, den die entnervten Nutzer aus Verzweiflung selbst ausgeknobelt haben <em>oder<\/em> einen Neustart zur elektronischen Zurechtweisung des genutzten Systems? Oder eine Kombination davon?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGute Besserung!\u00ab sagte die Apothekerin zum Abschied.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDanke!\u00ab sagte ich. <br>Mein aufrichtiges \u00bbIhnen auch!\u00ab murmelte ich erst, als ich schon drau\u00dfen war.<br> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video autoplay controls loop muted src=\"https:\/\/www.formschub.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Digitalisierung_480p.mov\" playsinline><\/video><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\"><em>Symbolvideo: Man kann zwar oft <strong>erahnen<\/strong>, wie ein digitaler Prozess aussehen k\u00f6nnte, wenn er gekonnt implementiert worden w\u00e4re, aber angesichts der tats\u00e4chlichen Nutzererfahrung ist das nicht immer leicht.<\/em><\/p>\n<div class=\"likebtn_container\" style=\"clear:both;\"><!-- LikeBtn.com BEGIN --><span class=\"likebtn-wrapper\"  data-identifier=\"post_9934\"  data-site_id=\"5ec2910b6fd08bbb5dd94e1f\"  data-theme=\"heartcross\"  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