Schulfrust, Schullust

Ich mag ja kurze Social-Media-Postings, die im Nachhinein entweder aufgrund der sich in den Replys entspinnenden Beiträge oder Diskussionen oder einfach durch das eigene »Gedankenecho« zu dem Thema weiteres Nachdenken dazu anstoßen. So geschehen auch wieder heute. Zuerst las ich auf Mastodon folgendes in meiner Chronik geteilte Posting:

Heute gibt es Zeugnisse. Seid nett zu euren Kindern. Sie werden sich Mühe gegeben haben ❤️

https://troet.cafe/@Tami/111820604936830893

Besonders beim zweiten Satz blieb ich spontan hängen und hörte in meinem Kopf sofort einen berühmten Satz aus irgendeinem TV-Werbespot für Kaffee oder Weichspüler aus den 1970er Jahren: »Mühe allein genügt nicht!«. (Edit: Der Satz stammt von der Werbefigur »Frau Sommer« in einem Spot für Jacobs Krönung Kaffee. Danke an Uwe Sinha für den Hinweis.) Denn während meiner eigenen Schulzeit hatte zumindest ich oft das Gefühl, dass manche Lehrer*innen entweder die Mühe, die ich mir tatsächlich gegeben hatte, nicht sahen bzw. anerkannten oder mir das Unterrichtsfach, das mich eigentlich grundsätzlich interessiert hätte, durch ihre Persönlichkeit und/oder die Art ihres Unterrichts bzw. der Stoffaufbereitung so weit vergällten, dass ich jede Lust verlor, mir überhaupt Mühe zu geben. Als ich eine Weile darüber nachgedacht hatte, postete ich auch einen Beitrag zum Thema:

Rückblickend kann ich sagen, dass für meine »schlechten« Noten während der Schulzeit nur zu ~30% private Umstände oder generelles (und bis heute anhaltendes) Desinteresse an einem bestimmten Unterrichtsfach verantwortlich waren. Die restlichen ~70% rechne ich dem Unvermögen, Unwillen oder mangelnder Motivation meiner damaligen Lehrer an, die es nicht vermochten, mir Dinge begeisternd und nachvollziehbar beizubringen. Das belegen auch Notensprünge nach Lehrerwechsel in einigen Fächern.

https://fnordon.de/@formschub/111821928013309913

Manche Follower pflichteten mir vollauf bei, andere eingeschränkt. Dann kam vom Lehrerfollower @herr_rau eine interessante Rückfrage:

Klingt gut möglich! Professionelle Nachfragen, die erste provokant gemeint, die zweite nicht: 1. Waren für die guten Noten auch zu 70% die Lehrkräfte verantwortlich, oder läuft da die Zuschreibung anders? 2. Waren die Lehrkräfte, die das damals nicht geschafft haben, wenigstens bei anderen in der Klasse erfolgreicher? Wenn ja, kann man den Prozentsatz des Erfolgs überhaupt erhöhen oder ist der am Ende relativ konstant?

https://fnordon.de/@herr_rau/111822372428730979

Als ich über diese beiden Aspekte nachdachte, merkte ich schnell, dass meine Antwort darauf so ausführlich sein müsste, dass sie entweder einen ellenlangen Thread erfordern würde oder einen anderen Kanal – wie diesen hier. Also möchte ich das gerne tun.

Aus meiner Schulzeit sehe ich für bessere oder schlechtere Noten bzw. Leistungen in der Schule rückblickend sechs grobe Einflussfaktoren und die werde ich mal versuchen, nacheinander durchzugehen: 1. der persönliche ggf. wechselhafte Lebensverlauf während der Schulzeit, 2. die etwas permanenteren privaten Umstände sowie das Elternhaus (Bildung, Attitüde, Wohlstand, familiäres Umfeld), 3. die besuchte Schule als solche, 4. die individuellen Fähigkeiten, Talente und Interessen des Schülers, 5. der positive oder negative Einfluss von Klassenkameraden und Schulfreunden und schließlich 6. die Kompetenz, Motivation und Persönlichkeit der einzelnen Lehrer nebst ihrem Unterrichtsstil. Man möge in den Kommentaren auf jeden Fall gerne ergänzen, falls ich etwas vergessen oder selbst nicht erfahren habe.

Bedingt durch die häufigen berufsbedingten (selbstgewählten) Umzüge meines Vaters samt Familie besuchte ich in den ersten 13 Jahren meines Lebens ziemlich viele verschiedene Schulen an den unterschiedlichsten Orten. Eingeschult in einer firmeneigenen Schule des Arbeitgebers meines Vaters in Constantine (Algerien), wo ich das erste und zweite Schuljahr absolvierte, danach nahm ich einige Monate an der Dorfschule bei der Oma väterlicherseits am Unterricht teil, bis die nächste deutsche Wohnadresse der Familie feststand. Weiter ging es in der dritten und vierten Klasse dann in der Grundschule am neuen Wohnort nahe Hildesheim, anschließend Wechsel aufs Gymnasium in Hildesheim-Himmelsthür. Dann wieder Umzug ins Ausland, sechste und siebte Klasse an der DSL, Deutsche Schule Lagos (Nigeria). Anschließend 1979 wieder zurück Deutschland und an das Gymnasium davor. Dort an dieser Schule blieb ich dann, bis ich 1986 mein Abitur machte, Notendurchschnitt 2,1.

Schon alleine diese vielen Orts- und Schulwechsel tragen ein gewisses Risiko in sich, dass ein Kind, das häufig aus dem gewohnten Umfeld genommen wird und in ein anderes wechseln muss, dadurch Gefahr läuft, auch schulische Schwierigkeiten zu erfahren. Beste Freunde müssen zurückgelassen werden, neue Kontakte geknüpft werden (was mir nie leicht fiel, ich war ein eher schüchternes Kind), neue Lehrer, neue Schule, alles anders. Auch die Reihenfolge der Unterrichtseinheiten an den verschiedenen Schulen war natürlich alles andere als aufeinander abgestimmt. Manchmal verließ ich die eine Schule, wenn ein Thema gerade angerissen worden war und wechselte an eine andere, wo ich mich mitten in einem Thema wiederfand, dessen Anfang ich versäumt hatte. Im Scherz sagte ich einmal während einer Unterhaltung, das düstere Thema Drittes Reich und Nazizeit hätte ich wohl doppelt so oft wie Gleichaltrige durchnehmen müssen und das spannende Thema Sexualkunde hätte ich dafür mehrmals verpasst, weil es gerade jedes Mal abgeschlossen worden war, als ich an eine andere Schule und in eine neue Klasse kam.

Ich mache meinen Eltern keinen Vorwurf für die häufigen Umzüge, denn die dadurch bedingten Erlebnisse, Erfahrungen und Kontakte möchte ich im Nachhinein keinesfalls missen. Schmerzlich waren die Ortswechsel dennoch. Ich erinnere mich noch gut, dass ich Rotz und Wasser heulte, weil ich meinen besten Freund Frank nach der zweiten Klasse in Algerien zurücklassen musste. Das In-Verbindung-Bleiben war damals nicht so einfach wie es heute online ist und zudem war ich ja damals erst sieben. Aber der Kontakt zu einem meiner späteren Schulfreunde aus der siebten Klasse wurde durch das Internet tatsächlich vor einigen Jahren wieder sporadisch belebt. Würde ich weiter im Netz recherchieren, könnte ich bei hinreichend eindeutigen Namen sicherlich noch weitere Weggefährt*innen von damals wiederfinden. Besondere Probleme in der Schule hatte ich meiner Erinnerung nach aber durch diese unsteten Umstände nicht. Der Bruder meines Vaters war selber Grundschullehrer und nutzte mich schon vor meiner Einschulung im besten Sinne als »Versuchskaninchen«, so dass ich schon mit vier Jahren sehr gut lesen konnte. Unter meinem Zeugnis nach der zweiten Klasse (mit guten Noten) vermerkte der Klassenlehrer damals »Thomas ist ein guter Schüler. Er beteiligte sich nicht immer am Unterricht, der ihn teilweise unterforderte«.

Der zweite Aspekt, der nachweislich Einfluss auf meine schulischen Leistungen hatte, war der Krebstod meines Vaters, als ich vierzehn war. Plötzlich blieb ich mit meiner jungen Mutter (36) und der kleinen Schwester (9) als Halbwaise zurück. Ich weiß nicht, von wie vielen Bekannten und Verwandten ich damals den Satz hören musste »Jetzt bist du der Mann im Haus«. Als würde es nicht reichen, dass der Verlust des Vaters einem Kind komplett den Boden unter den Füßen wegzieht, wird mit einer solchen (wie ich heute weiß, absolut toxischen) Bemerkung zusätzlich ein Anspruch aufgestellt, mit dem kein Kind konfrontiert werden sollte. Ich habe damals versucht, ihn im Rahmen meiner Möglichkeiten als eine Aufgabe zu sehen und das war sicherlich auch ein Grund für einen vorübergehenden Leistungsabfall, etwa ab der 8. Klasse in der Schule. Trotzdem blieb die schlechteste Zeugnisnote, die ich hatte, eine Vier minus. Die Benotung von Klassenarbeiten und Tests mag bisweilen sogar schlechter ausgefallen sein, aber daran erinnere ich mich nicht mehr, abgesehen von einer dunklen Ahnung, dass ich in Mathe mal eine Fünf nach Hause brachte.

Meine Mutter (und zuvor auch mein Vater) hat mich nie für mittelmäßige oder schlechte Noten getadelt oder bestraft. Beide haben versucht, mir zu Hause bei den Aufgaben und beim Lernen zu helfen, zumindest bis meine Mutter dies nach meinem Wechsel aufs Gymnasium nicht mehr leisten konnte, da sie von ihren Eltern nur einen Hauptschulabschluss zugestanden bekommen hatte. Auch gab es im Elternhaus niemals anhaltende Konflikte, die sich auf meine schulischen Leistungen hätten auswirken können und auch finanziell war die Familie, wenn auch nicht »reich«, so doch immer hinreichend gut gestellt, um Unterrichtsmaterialien und die Ausbildung von uns zwei Kindern zu finanzieren. Nach dem Tod meines Vaters war ich selbst für meine Noten verantwortlich und habe das dann in den Jahren danach auch irgendwann wieder ganz gut hinbekommen. Zumindest musste ich keine Klasse wiederholen, obwohl das ja aus heutiger Sicht auch nicht schlimm gewesen wäre. Doch damals sagte man zu den betroffenen Kindern noch »Sitzenbleiber« – allein schon dieses Wort ist ein Stigma. Meine Eltern haben mich stets »machen lassen«, ich konnte meine Leistungskurse in der Oberstufe selber wählen, frei entscheiden, ob ich studieren möchte oder nicht und wenn ja, was und es gab keine Praxis oder Firma, für deren Nachfolge ich vorgesehen gewesen wäre oder anderweitige fachliche oder statusbedingte Erwartungen. Dafür bin ich beiden, insbesondere meiner Mutter, die als plötzlich alleinerziehende Witwe eine unfassbare Stärke aufbringen musste, bis heute sehr dankbar.

Die besuchten Schulen fand ich eigentlich immer okay bis gut. Die Klassenstärken waren zeitweise ziemlich krass, so dass in der Mittelstufe bis zu 36 Schüler in einer Klasse waren. Durch meine Einschulung im Ausland war ich es gewohnt, quasi selber ein »Ausländer« zu sein, wenngleich nicht unter den damaligen Mitschülern, die alle deutschsprachige Eltern hatten, aber im ganz normalen Alltag. Schon in der ersten Klasse hatte ich Französischunterricht. Dass mir das später im selben Fach auf dem Gymnasium nicht zum Vorteil gereichte, laste ich auch einer Lehrerin auf dem Gymnasium an, darauf komme ich später noch einmal zurück. Schon in der Grundschule in Deutschland (1975–1977) erinnere ich mich an zwei Mitschüler mit türkischen Eltern und einen Schüler mit italienischen Eltern, mit dem ich sogar eine Zeit lang befreundet war. Das war »normal« und hatte nach meiner Erinnerung keinerlei Einfluss auf die Klasse oder den Unterricht. In meinen Zeugnissen kann ich schon seit der Grundschule, später vermehrt auch auf dem Gymnasium, hinter einzelnen Fächern bei vermeintlich »verzichtbaren« Fächern Religion, Musik und Kunst ebenso wie bei Physik, Chemie oder Erdkunde, den handschriftlichen Vermerk »n. ert.«, einmal sogar etwas ausführlicher als Stempel »Wegen Lehrermangels nicht erteilt«. Ich kann schlecht beurteilen, ob das auf mich negative Auswirkungen hatte, denn ich kannte es ja nicht anders. Gibt es überhaupt Schüler von damals und heute, die eine komplett mit Lehrkräften versehene Schule besucht haben? Vielleicht hat ja auch dazu der/die eine oder andere einen Kommentar.

An die Klassenräume und sonstigen Räumlichkeiten kann ich mich nur noch undeutlich erinnern. Aber da viele Schulgebäude erst in den 1960ern und 1970ern, also recht kurz vor meiner Schulzeit, gebaut wurden, kann es sein, dass meine vage Erinnerung, es sei alles zumeist recht neu und gut ausgestattet gewesen, korrekt ist. Auf dem Gymnasium waren z.B. Musikraum, Bio-, Physik-, Chemie- und Mathesammlung meiner Erinnerung sehr gut ausgestattet und auch in der Sporthalle herrschte kein Mangel an Turngerät und Requisiten. In der Mathesammlung standen sogar schon in den frühen 1980ern mehrere PCs (Commodore 8032 und VC 20) zur Verfügung. Es gab Overheadprojektoren, Matrizendrucker, zahlreiche ca. 2 × 2 m große zusammengerollte Karten und Schaubilder, die oft an speziellen Ständern entrollt und aufgehangen wurden, zusammensteckbare Anatomiemodelle, ein komplettes menschliches Skelett und so weiter. Aus meiner damaligen Sicht eines Kindes bzw. Jugendlichen könnte ich nicht beklagen, dass diesbezüglich ein Mangel geherrscht hätte.

Beim Thema meiner Interessen und Talente stand schon immer Sport an letzter Stelle und darin hatte ich auch zumeist die schlechteste Note, meistens irgendwas zwischen drei und vier. Schon in der ersten Klasse fand ich es doof, dass die Jungen so oft Fußball spielen mussten. Bereits den Sportunterricht in den ersten beiden Jahren in der algerischen Schule erinnere ich als nach Geschlechtern aufgeteilt. Da es aber nur eine Lehrkraft gab, konnte oder wollte diese nur eine der beiden Gruppen betreuen und das waren dann zumeist die fußballspielenden Jungs. Die Mädchen durften derweil am Spielfeldrand auf den dortigen kleinen Bäumen herumklettern und oft genug gelang es mir, mich dem Fußballspiel zu entziehen und ich gesellte mich zu ihnen. An den Sportunterricht in der deutschen Grundschule erinnere ich mich nicht sehr deutlich, höchstens an Schlaglichter wie blaue Turnmatten, Medizinbälle, vielleicht Spiele wie Völkerball oder Brennball. Meinen Freischwimmer machte ich, indem ich mich die geforderte Zeit lang im Schwimmbecken auf dem Rücken treiben ließ, anscheinend war das nicht verboten, denn nach dem Sprung vom »Einer« erhielt ich tatsächlich das Abzeichen. Sportlicher Ehrgeiz war mir seit jeher fremd. Ich sah keinen Sinn darin, mich mit anderen Kindern in Zeit, Kraft oder Leistung zu messen, ich hasste es, auf der Aschenbahn zu laufen, weit zu springen oder zu werfen (und versagte auch jedesmal kläglich). Die Bundesjugendspiele waren mir ein Graus, als ich einmal in der Sportumkleide eine unausgefüllte Siegerurkunde fand, trug ich selber meinen Namen ein und malte einen Stempel und eine Unterschrift darunter. Das war mein Siegermoment. Später auf dem Gymnasium führte der Sportunterricht sogar vorübergehend zu Schulangst und Magenschmerzen. Der Schwimmlehrer hatte verkündet, dass nur diejenigen Jungs (auch hier getrennter Sportunterricht) im Zeugnis eine Note besser als fünf bekämen, die mindestens einmal vom »Dreier« springen würden. Mein massives Widerstreben gegenüber diesem Zwang führte dazu, dass ich tatsächlich versuchte, »krank« zu werden, indem ich Dinge ausprobierte, die ich im Familienkreis als angeblich schlecht für die Gesundheit wahrgenommen hatte. So aß ich z.B. einmal Unmengen Kirschen und trank anschließend glasweise Wasser, weil man davon angeblich Bauchschmerzen bekäme. Hat nicht geholfen, ich zögerte meinen Sprung Woche um Woche so lange wie möglich hinaus. Am Ende kam ich nicht darum herum, stürzte mich von dem schwindelnd hohen Turm in den nassen Abgrund und trotz des Applauses der Klassenkameraden kam keine Freude ob dieser Überwindung auf und meinen damaligen Sportlehrer verachte ich noch heute dafür. Auch Geräteturnen fand ich furchtbar, Barren, Bock, Reck, Ringe, Pferd, Sprungbretter und obenauf ledergepolsterte Kletterkisten – für mich alles Requisiten der Unlust und des Scheiterns.

Später in der Oberstufe gab es dann die Möglichkeit, halbjahresweise zwischen einzelnen Sportarten zu wählen und ich sah das als eine Chance, weiter auszuloten, ob ich nicht wenigstens für einzelne Disziplinen Begeisterung aufbringen könnte. Ich probierte Hallenhockey, Basketball, Rudern, Badminton (das war okay) und Handball. Aber verordneter oder mit Verbissenheit und zum Zwecke von Sieg oder Wettbewerb betriebener Sport und ich sind nie wahre Freunde geworden.

Anders war es bei Kunst und Deutsch, damit hatte ich von Anfang an keine Schwierigkeiten und hatte meist – von einigen Lehrer*innenpersönlichkeiten und spezifischen Schullektüren abgesehen – sogar Spaß am Unterricht. Da ich schon vor der Schulzeit eine Leseratte war und mir wohl dadurch ein intuitives Gefühl für Ausdruck, Sprache, Interpunktion und Orthographie aneignen konnte, kam ich in Deutsch über die gesamte Schulzeit mit guten bis sehr guten Noten nach Hause. Ich schrieb seitenweise lange Aufsätze, hatte kein Problem mit Diktaten und konnte gut und flüssig vorlesen. In Kunst konnte ich meinen Gestaltungsdrang auch in der Schule ausleben, den ich ohnehin zu Hause mit Block und Tuschkasten, Bunt- und Filzstiften sowie einem unbändigen Basteldrang pflegte. Die Möglichkeit, auf meinem Gymnasium sogar einen Kunst-Leistungskurs wählen zu können, ist sicherlich mit für die recht gute Abinote verantwortlich. Und seit 1995 verdiene ich mit gestalterischer Arbeit als Grafik-Designer meinen Lebensunterhalt, womit ich sogar eins meiner Talente zum Beruf machen durfte.

Bei den anderen Sprachen war mir Englisch am nächsten, vielleicht auch, weil ich es während des zweiten Auslandsaufenthaltes der Familie in Nigeria auch als Landessprache im Alltag sprechen musste. Spanisch und Latein hatte ich nicht gewählt und mit Französisch wurde ich unter anderem aufgrund der Lehrer*innen nie wieder richtig warm. Ab der 10. Klasse etwa hatte ich das Glück, hervorragende Englischlehrer wählen zu können, die mein Interesse an dieser Sprache auch durch ihre Themenwahl und Unterrichtsweise förderten.

Auch bei den Naturwissenschaften gab es eine Melange aus Interesse und lehrerbedingten Einflüssen. Grundsätzlich war ich schon früh ein naturwissenschaftlich interessiertes Kind. Etliche Bände der Buchreihe WAS IST WAS standen in meinem Bücherregal, u.a. zu den Themen Dinosaurier, Weltall, Vulkane, Planeten. Ich führte zu Hause Experimente aus einschlägigen Jugendbüchern durch, streifte andauernd durch die Natur und den Wald, studierte Pflanzen und Tiere und versuchte, ihre Namen zu lernen, leierte Großeltern und Eltern all ihr Wissen über Blumen, Bäume, Kräuter und Pilze aus den Rippen und bekam etwa mit 12 Zugriff auf ein Abonnement der populärwissenschaftlichen Magazins »P.M.«, das ich mehrere Jahre lang las. Einmal zu Weihnachten bekam ich von den Eltern einen Elektronikbaukasten und pflügte noch am Heiligabend mit meinem Vater fast durch das gesamte Anleitungsbuch, bis meine Mutter dem Experimentiermarathon aufgrund der Einbuße an festlicher Gemütlichkeit Einhalt gebot. Durch einen Bekannten meines Vaters bekam ich etwa im gleichen Alter allerlei ausgemusterte Requisiten für ein eigenes kleines Chemielabor im elterlichen Keller geschenkt: Reagenzgläser, Kolben, Spiritusbrenner, Dosierlöffel, Ständer, Chemikalien und sogar eine kleine handbetriebene Zentrifuge. Zu dieser Zeit, man glaubt es heute kaum, war es einem Teenager auch noch ohne Weiteres möglich, in bestimmten Apotheken ungehindert Chemikalien zu kaufen: Salzsäure, Schwefelsäure, Wasserstoffperoxid, Natriumhydroxid, Kaliumpermanganat, Kupfersulfat, gelbes Blutlaugensalz, Kaliumnitrat. Man musste mur wissen, welche Apotheken im Wohnort experimentierfreudigen Schülern zugeneigt waren und die Werkstoffe ohne Arg herausgaben. Unter gleichgesinnten Schulkameraden wurden die Adressen dieser »Chemikaliendealer« bereitwillig geteilt. Es war für kleine Chemiker eine ebenso goldene wie aus heutiger Sicht unglaubliche Zeit. Was habe ich alles ausgefällt, angezündet, destilliert, umgewandelt, nachgewiesen und synthetisiert! Ester waren etwa ein großes Faszinosum: man gießt einige Substanzen zusammen, erhitzt sie und plötzlich riecht es aus dem Reagenzglas nach Apfel oder Banane. Zauberei. Auch für diese Leidenschaft gab es etliche für Jugendliche verfasste Bücher im Handel, die ich natürlich besaß, ebenso mehrere Chemiebaukästen.

Eher gleichgültig stand ich den Fächern Religion, Sozialkunde, Werte & Normen, Geographie gegenüber. Ich konnte mich mit den Inhalten arrangieren und mir durch mein Sprachtalent und eine gute Auffassungsgabe sogar lehrerunabhängig zumeist okaye Zensuren »erlabern«. Geschichte empfand ich lehrerbedingt größtenteils als absolut langweilig, öde Jahreszahlen, tote Leute, doofe Kriege, die zum Teil alle gefühlt kurz nach den Dinosauriern stattfanden, Feldherrn, Grenzkonflikte – dieses Fach enthielt für mich nie wirklich Leben, auch wenn ich einiges an Wissen mitnahm, das mir vielleicht heute zugute kommt.

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die schulischen Leistungen hatten bei mir mindestens zwei Schulfreunde, die mein Interesse an Chemie und Mathematik/Informatik befeuerten. Bei meiner Schwester war es zu Beginn der Pubertät genau umgekehrt, sie schloss in der Schule einige Freundschaften, die mit dafür sorgten, dass ihr Interesse an der Schule sowie ihre Leistungen eine Weile drastisch nachließen, so dass meine Mutter schließlich genötigt sah, einen Schulwechsel zu veranlassen und diesen schlechten Einfluss zu unterbinden. Der erste meiner Freunde sog mich mit seinem Interesse in die Welt der Chemie. Er hatte am Gymnasium einen guten Draht zu einem der »coolen« Chemielehrer aufbauen können und über ihn die Erlaubnis bekommen, nach der Schulzeit an Nachmittagen Zugang zur Chemiesammlung zu erhalten, um dort unbeaufsichtigt (!) eigene Experimente durchzuführen. Und ich durfte mit hinein. Es ging immer alles gut, manchmal qualmte oder stank es ein wenig, aber niemand kam zu Schaden. Auch so etwas ist heute undenkbar, aber es beflügelte mein Interesse an der Chemie und den wundersamen Vorgängen in dieser Disziplin.

Der zweite Schulfreund war in Mathe ein »Nerd« und stand immer etwas außerhalb der Klassengemeinschaft. Aus Geldgründen musste er oft die Kleidung seiner zwei älteren Brüder auftragen und so führte schon seine etwas unmodische, manchmal zu kleine oder kurze Kleidung zu Skepsis oder Spott. Aber intellektuell war er ein Naturtalent, in Mathe und Physik Spitzenreiter bei der Notenbewertung und auch sein feiner Humor fand in mir ein gleichklingendes Echo. Zu dieser Zeit war der »Rubik’s Cube« gerade der heiße Scheiß und er fand tatsächlich einen Weg, sich theoretisch einen Lösungsalgorithmus für dieses Puzzle zu erarbeiten. Allein davor hatte ich höchsten Respekt. Wie der Chemiefreund hatte auch dieser Klassenkamerad einen guten Kontakt zu einem der Mathelehrer und erlangte durch diesen einen fast uneingeschränkten nachmittäglichen Zugang zur Mathesammlung, in den ich einbezogen wurde. Und so konnte ich mich etwa ab der 8. Klasse an den ersten klobigen PCs autodidaktisch mit der Programmiersprache BASIC auseinandersetzen, etwa zur gleichen Zeit bot die Schule im Rahmen einer Projektwoche einen Einführungskurs »Personal Computer« am Commodore VC 20 an und 1982 kaufte ich mir dann meinen ersten eigenen Computer, einen Sinclair ZX Spectrum, auf dem ich nicht nur spielte, digital gestaltete oder BASIC-Programme schrieb bzw. seitenlang aus Computermagazinen abtippte (!), sondern bald sogar kleine Programme in der prozessoreigenen Maschinensprache schrieb – etwas, das inzwischen wieder komplett verschüttet ist und nur in Form meiner gelegentlichen, auch berufsbedingten Beschäftigung mit selbst beigebrachten HTML- oder Javascript-Kenntnissen überlebt hat. Der Mathefreund bekam von seinen Eltern etwa zeitgleich einen TI-99/4A und so konnte ich trotz der modellbedingten Geräteinkompatibilität mit ihm zusammen auch zu Hause dieser neuen Leidenschaft nachgehen. Ich denke, in beiden Fällen – Chemie und Computer – wären dieses brennende Interesse und der Spaß am Lernen und Ausprobieren ohne diese Freundschaften nicht zustande gekommen.

Welchen Einfluss nun hatten die Lehrer auf mein Engagement, meine Leistungs- und Lernbereitschaft, meine Motivation, mein Verständnis des Stoffs und nicht zuletzt auf meine Noten? Die Lehrer, die ich rückblickend als am unangenehmsten in Erinnerung behalten habe, machten aus meiner Sicht etliche Fehler. Nicht all diese Fehler kann ich ihnen persönlich anlasten. Auch sie haben eine Ausbildung gehabt, die sie prägte, waren bisweilen stress- oder altersbedingt demotiviert, ihrem gewählten Beruf oder der Unbarmherzigkeit mancher pubertärer Schüler nicht gewachsen (ich erinnere mich noch gut an eine weinende Referendarin, die mir leid tat) und sicher auch mit einer Klassenstärke von 30 Schülern oder mehr zum Teil überfordert. In zwei Situationen bekam ich aufgrund vermeintlicher Unaufmerksamkeit von einer Lehrerin (Grundschule, Deutschland) und einem Lehrer (sechste Klasse, Nigeria) eine »Kopfnuss« verpasst. Absolutes No-go, damals vielleicht ab und zu üblich oder geduldet, aber das ist schon mal der erste Grund für eine nachträgliche Disqualifikation, insbesondere, wenn es keine Möglichkeit gab, sich als Kind für den vermeintlich zu bestrafenden Sachverhalt zu rechtfertigen. Danach kamen Lehrer, die ich als (zu) streng empfand, die im Unterricht auch manchmal herumschrien, die Druck ausübten, um Leistung zu fordern und die Aussicht auf schlechte Noten als Zwangsinstrument einsetzten (s.o. »Sprung von Dreier«). Es folgen Lehrer, die sich offenkundig kein Mühe bei ihrer Unterrichtsvorbereitung gaben oder eine einmal vor Jahren vorbereitete Unterrichtseinheit augenscheinlich Jahr für Jahr in jeder neuen Klasse unverändert, lieblos, blutleer, uninspiriert und stoisch herunterzuleiern, ohne jeden spürbaren Anspruch, in ihren Schülern Interesse, Spaß oder Wissbegierde zu entzünden. Die negative Strahlkraft dieser Art pädagogischer Gleichgültigkeit prägte mich enorm. Ich war nie ein »Streber«, das waren für mich die Mitschüler*innen, die sich immer ganz nach vorne, nahe ans Lehrerpult setzten, die mit dem Arm wedelten und mit den Fingern schnippten, wenn sie sich meldeten, die nie die Hausaufgaben vergaßen, die niemals nebensitzende und in Prüfungsbedrängnis befindliche Mitschüler aus Solidarität halfen oder sie mal abschreiben ließen, die ihr Federmäppchen bei Klassenarbeiten wie eine Barriere zwischen sich und dem Nebenplatz aufbauten. Aber es gab Lehrer, die solche Schüler zu ihren Lieblingen erkoren und sie spürbar bevorzugt behandelten. Auch solche Pädagogen betrachte ich im Nachhinein als nicht vorbildlich. Die Französischlehrerin, die bei mir nachhaltig den Unterricht und jede Chance auf Freude am Erlernen dieser Sprache trübte, ließ manchmal Sprüche ab wie »Also, wenn Sie nicht mal das [z.B. aufgesagtes Konjugieren eines Verbs] zustande bringen, dann weiß ich nicht, was Sie hier am Gymnasium überhaupt verloren haben«. Setzen, werte Dame, ungenügend.

Umgekehrt erinnere ich mich noch gut an Lehrer, die das Gegenteil erreichten. Diejenigen, die ein individuell vorhandenes Talent oder Interesse in einem Schüler oder einer Schülerin erkannten – oder ein Defizit beim Verständnis in diesem Fach – und dann persönlich darauf eingingen. Im Englischunterricht (etwa 10. Klasse) fragte der Lehrer, an welchen Themen wir Interesse hätten und so kam es, dass wir auf Englisch eine Unterrichtseinheit über die Sprache und psychologische Wirkung von Werbung (z.B. anhand der Lektüre von Vance Packards »The Hidden Persuaders«) und eine über die tiefenpsychologische Interpretation von Märchen (z.B. »Snow-White and Rose-Red«) durchnahmen. So kam zur Ebene des Erlernens der Sprache noch eine weitere, hochinteressante hinzu, was die Motivation für mich unglaublich förderte. Als ich in der Oberstufe bei meinem Lieblings-Englischlehrer den gewünschten Leistungskurs belegen konnte, sollten wir eine selbstgewählte Lektüre besprechen und ein Referat dazu halten. Ich wählte als Horrorfan Bram Stokers »Dracula« in der Originalfassung von 1897 und auch hier beflügelte mich diese Wahlmöglichkeit innerhalb der Aufgabenstellung enorm. Solchen Lehrern bin ich dankbar.

Humor ist aus meiner Sicht ebenfalls ein wichtiger Sympathiefaktor bei Lehrern. Auf die komplett spaßbefreiten Lehrmaschinen, die ich in einigen Pädagogen wahrnahm, welche sich hinter einer unpersönlichen, verbissenen Attitüde verschanzten, die wohl aus ihrer Sicht Autorität, Kontrolle oder Kompetenz vermitteln sollte, hätte ich gut verzichten können. Diejenigen, mit denen man lachen konnte, die regelmäßig in den Schülerzeitungen als amüsante »Sprüchelieferanten« auftauchten, die ihre Leidenschaft für ihr Unterrichtsfach auch mit Witz zum Ausdruck bringen konnten, empfand ich als wesentlich erinnernswerter, angenehmer und motivierender. (Schüler zur Chemielehrerin: »Machen wir heut ’nen Versuch? Machen wir heut ’nen Versuch? Machen wir heut ’nen Versuch?« – Chemielehrerin: »Na klar machen wir heut ’nen Versuch, wir gucken uns an, wie du gestreckt durch die Oberlichter fliegst, wenn du nicht aufhörst zu nerven.«). Gut erinnere ich mich auch an eine amüsante Notiz des LK-Englischlehrers am Blattrand einer Klausur, wo ich wohl unbewusst mal wieder ins »Labern« verfallen war: »Eben, eben – Sie sagten es bereits!«. Beim Lernen lachen zu dürfen kann eine wunderbare Motivation sein.

Ich könnte noch viel mehr zu diesem Thema aus dem Nähkästchen plaudern, aber ich glaube, nach diesem Rundumschlag habe ich genügend Details und Erfahrungen aufgezählt, um die anfangs gestellten zwei Fragen, zumindest aus meiner Sicht, beantworten zu können:

  1. Waren für die guten Noten auch zu 70% die Lehrkräfte verantwortlich, oder läuft da die Zuschreibung anders?
    Hier fällt mir eine ähnlich geschätzte prozentualen Zuordnung schwer, aber tendenziell: ja. Die Lehrer, denen es gelang, ihren Unterricht sowohl mit einem klassenweiten als auch mit einem individuellen Blick auf die Schüler durchzuführen, die Schwächen, Stärken, Interessen und Talente erkannt haben, darauf reagiert haben oder darauf einzugehen vermochten, konnten eine bessere oder sogar gute Benotung fördern. Bei den Fächern, in denen ein/e Schüler*in ohnehin gut »allein zurechtkommt«, weil eine grundlegende Begabung oder Wissbegierde für das Fach vorhanden sind, ist das aber vermutlich nicht so bedeutsam wie in gegenteiligen Fällen. Aber generell würde ich sagen: ein »guter« Lehrer gemäß meiner o.g. Definition dürfte wohl spürbar häufiger auch zu besseren Noten bei den Schülern führen. Einfach deshalb, weil solch ein Pädagoge einen Schüler eher motivierend mitreißt als autoritär vor sich hertreibt.
  2. Waren die Lehrkräfte, die das damals nicht geschafft haben, wenigstens bei anderen in der Klasse erfolgreicher?
    Zum Teil. Sicher gab es auch Lehrer, die einzelne Schüler positiv oder negativ »auf dem Kieker« hatten (s.o. »Streber«) und ihre Günstlinge bewusst oder unbewusst mehr gefördert haben als andere. Und es gab andererseits auch Lehrer, bei denen bzgl. einzelner Schüler*innen »die Chemie einfach nicht stimmte« oder die im Gegenteil mit ihnen auf einer Wellenlänge waren. Auch wenn es unprofessionell anmuten mag, kann m.E. eine solche Differenz bei Temperament oder Charakter den Draht zwischen Lehrer und Schüler sicher ebenfalls spürbar beeinflussen und sich auch auf die Noten auswirken. Schwierig zu beurteilen ist, was geschieht, wenn ein Schüler mit einer natürlichen Begabung für ein Fach von einem »schlechten« Lehrer betreut wird. Dann ist es ja denkbar, dass der Lehrer die Noten dieses Schülers kaum oder gar nicht zu beeinträchtigen vermag. Ich hätte mir z.B. bei dem erwähnten Mathenerd-Freund nicht vorstellen können, dass er an einen Mathelehrer hätte geraten können, der überhaupt imstande gewesen wäre, ihm objektiv gerechtfertigt eine schlechte Note zu geben. Es gab natürlich auch immer andere Schüler in meiner Klasse, die von Lehrern, die ich persönlich nicht mochte, gute Noten bekommen haben. Denn würde ein »schlechter« Lehrer bei allen Schülern unweigerlich auch zu schlechten Noten führen, erschiene das wohl auch statistisch irgendwann auffällig und der Pädagoge dürfte sich für sein Unvermögen zu rechtfertigen haben, den ihm anvertrauten Schülern gute Leistungen zu entlocken.

Meinem geschätzten LK-Englischlehrer jedenfalls habe ich Jahre später, als ich im Job einmal vor der Aufgabe stand, für einen Kunden der damaligen Werbeagentur im Rahmen einer Werbekampagne einige Cartoonfiguren zu zeichnen, ein kleines Denkmal gesetzt, in dem ich ihn als Vorbild für eine der Figuren nahm.

Er war einer von den Guten.

5 Kommentare

  1. Aah und dann Hildesheim Himmelsthür, hier waren wir manchmal Schlittschuhlaufen und als ich in der Oberstufe in Hildesheim zur Schule ging (Friedrich-List) hatte ich dort auch Schwimmunterricht.
    Ich bin durch mein (nicht abgeschlossenes) Lehramtsstudium irgendwie befangen. Habe von einem Pämi (pädagogischer Mitarbeiter betreute unsere Schulpraktika) ein Bild bekommen in dem ein Lehrer Schüler wie nasse Säcke hinter sich herzieht, weiß es aber nicht mehr so recht einzuordnen. Ich hab tatsächlich nur Erinnerungen an „fiese“ Lehrer, die uns vor versammelter Klasse an der Tafel vorführten, solche, die immer bei Referaten einschliefen, andere, die quasi unvorbereitet das Lehrbuch durchackerten *gääähn* und die, die ich mochte waren zumindest fair und irgendwie transparent und da hatte ich dann auch Lust aufs Fach. Schule war überwiegend langweilig und/oder machte mir Angst.
    Ich mochte aber die ausserunterrichtlichen Aktivitäten und blieb zumindest in der Realschule jeden Nachmittag für mindestens eine AG dort. Stabspiele, Chor, Gitarre, englisch, französisch, Hörspiel, wir buken Amerikaner, um uns die Ausflüge für den Schüleraustausch zu finanzieren, veranstalteten Autowaschaktionen und Basare, nahmen zwei Schulschalplatten auf, es gab jedes Jahr einen musischen Wettbewerb für den wir viel im Musikraum übten, es gab Theaterfahrten und Sonderzüge mit denen die ganze Schule samt Eltern und Ehemaligen zum Beispiel ins Sauerland fuhr… Unterricht war überwiegend frontal, eine assistant teacher aus England überraschte mit „modernen“ Methoden und die neue Französischlehrerin begann die nachmittagliche AG mit Entspannungsübungen bei denen wir uns erstmal auskichern mussten vor Ungewohntheit.
    Schon erstaunlich, dass ich in der Berufsschule überhaupt überlegte Lehrerin wär genau mein Ding!

    1. Wow. Ich bedanke mich für alle ungewöhnlich ausführlichen Kommentare zu diesem Beitrag und die interessante Einblicke in Eure eigene Schulzeit sowohl damals als Lernende als auch heute als Lehrende!

  2. Sagenhaft. Die Beantwortung der zwei Ausgangsfragen verblasst am Ende vor der ausführlichen und aufregenden persönlichen Schulgeschichte, aber wenn sie mit zu diesem Blogeintrag führten, dann war das ein Glück.

    Ich bin ziemlich zeitgleich mit dir, aber ohne Schul- oder Landeswechsel, in die Schule gegangen. (Aber es gab gelegentlich Schüler, die auftauchten, ein Jahr blieben, dann wieder weiterzogen, und einen guten englischen Akzent aus dem Ausland mitbrachten.) Chemiekasten, Elektronikbaukasten, Was-ist-was-Bücher waren auch meine Begleiter. Kaliumpermanganat und Glyzerin, und Salzsäure aus der Drogerie. Die richtig harten Sachen habe ich nie gemacht, kannte aber den Namen, wo es alles gab, sogar Phosphor. Wilde Zeit. Keine Bibliothekserinnerungen? Die Bibliothek spielte bei mir eine große Rolle. Pflichtunterricht ist bei uns am Gymnasium nie ausgefallen, also so mit Stempel im Zeugnis oder auch nur reduzierter Stundenzahl; an der Grundschule weiß ich das nicht.

    >Diejenigen, mit denen man lachen konnte, die regelmäßig in den Schülerzeitungen als amüsante »Sprüchelieferanten« auftauchten
    Hm. Die mochte ich nie besonders, oder damals vielleicht schon, und nur heute nicht mehr, weil ich sehr viel Lustiges und Witziges sage und das nie in der Schülerzeitung auftaucht, und dort immer noch die gleichen platten Sprüche stehen wie schon immer. Aber das schätzt das Publikum wohl.

    Ob ein guter Lehrer zu besseren Noten führt und ein schlechter nur deshalb nicht, weil das statistisch auffallen würde udn die Noten deshalb stochastisch unauffällig, aber willkürlich verteilt werden… ich bin da skeptisch. Aber es gibt bessere und schlechtere Lehrkräfte, keine Frage. Dennoch, für selbst die schwächsten, die ich gesehen habe, gibt es immer noch den einen Schüler oder die andere Schülerin, die genau bei dieser Lehrkraft am besten lernt.

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