Es heißt »erleben«. Nicht »erlabern«.

Silence

Nach (genossenen) Filmen, Konzerten, Theaterstücken, Lesungen, hätte ich oft gern eine Schweigeviertelstunde, in der die Welt um mich herum die Fresse hält. Keine ausgelutschte Rausgehmusik vom Band, keine Balalaikaklampfer vorm Konzerthaus, keine Trailer im Foyer und kein sofortiges sezierendes Geschwätz. Nur das Echo des eigenen Empfindens. Wenigstens einen Moment lang. Ansonsten laufe ich Gefahr, dass das, was ich höre oder sage, das wahre Gefühl des Erlebten überdeckt oder ersetzt, wie eine Anekdote, deren launiges Erzählen das tatsächliche historische Geschehen Schicht um Schicht bis zur Unkenntlichkeit übermalt.

Aber ich bekomme sie selten, diese stillen fünfzehn Minuten.

Photo: © Sam_Carpenter1974 on Flickr | Licensed under Creative Commons