Sommerfrische

Es ist kurz nach zwei nachmittags. Heute ist bei mir in der Küche seit den Morgenstunden mindestens einer von zwei Backöfen in Betrieb. Um 8:30 habe ich den »großen« Ofen auf 250 °C vorgeheizt, um mein wöchentlich fälliges Brot darin zu backen, zur gleichen Zeit kam der kleine Heißluftofen in der Mikrowelle dazu, um darin für mehrere Stunden bei 50 °C einen selbst fermentierten Tee zu trocknen. Die Küche ist also gerade ordentlich aufgeheizt. An kühleren Tagen mag das angenehm sein, bei der aktuellen Hitzewelle wären ein paar Grad weniger durchaus willkommen. So wie gestern Abend, zum Beispiel. Mangels Kochlust am heißen Herd, aber bei nichtsdestotrotz vorhandenem Appetit, wurde spontan ein Okroschkazubereitungsbeschluss gefasst.
Ein was?

Die kalte iberische Gemüsesuppe Gazpacho kennt wohl inzwischen jeder, man kann sie preiswert aus saisonalem sommerlichem Gemüse selbst zubereiten oder in der schickverpackten Literflasche für ein paar Euro mehr fix und fertig in Bioqualität kaufen, das bleibt jedem selbst überlassen. Weniger bekannt als Gazpacho ist ihre russische Kusine Okroschka – eine leichte und eher grüne kalte Suppe, die an heißen Tagen ebenfalls sehr erfrischt. Wie bei Gazpacho gibt es dafür unzählige Rezeptvarianten, ich habe mir online ein vielversprechend klingendes ausgesucht und es, an meinen Geschmack angepasst, variiert:

Okroschka

Zutaten
für 2–4 Personen (ergibt etwa 5 große Teller)

2 große festkochende Kartoffeln
3 Eier
1 Bund Frühlingszwiebeln
1 Sträußchen Dill (ca. 8–10 Stängel)
5–6 große Radieschen
1 große Salatgurke
250 g Fleischwurst
1 Becher (500 g) Buttermilch
1 Becher (500 g) Kefir
Salz
1 EL Thai-Fischsauce
300–400 ml sehr kaltes Wasser oder Mineralwasser mit Kohlensäure
nach Geschmack etwas Essig, Zitronen- oder Limettensaft

Zubereitung
Zuerst – am besten einige Stunden vor der eigentlichen Zubereitung – in einem ausreichend großen Topf etwas leicht gesalzenes Wasser aufsetzen und mit den zwei Kartoffeln darin zum Kochen bringen. Nach etwa 20–25 Minuten die angepickten Eier ebenfalls ins kochende Wasser legen und für 9–10 Minuten mitkochen. Die Eier abschrecken und zusammen mit den Kartoffeln abkühlen lassen, beides gern auch vor der Verwendung noch für eine Zeitlang in den Kühlschrank legen.

Die Frühlingszwiebeln (Weiß und Grün) in sehr feine Ringe schneiden, den Dill (ohne dicke Stiele) fein hacken. Beides in einen großen Topf oder eine Schüssel geben und mit einem Kartoffelstampfer für mehr Aroma etwas mürbe stampfen. Dann die restlichen Zutaten in kleine Würfel (ca. 5 x 5 mm) schneiden: die geputzten Radieschen, die geschälte und entkernte Gurke, die gepellten Eier. Die Würfel aus den gepellten Kartoffeln und der Fleischwurst können etwas größer geschnitten sein. Alles zusammen in den Topf geben, mit 4–5 Prisen Salz würzen und gut durchmengen.

Zum Schluss die Buttermilch, Kefir und Fischsauce hinzugeben, mit dem Wasser aufgießen und mit weiterem Salz und ggf. Essig/Zitronen-/Limettensaft abschmecken. Wenn Platz für den Topf ist, kann die Suppe vor dem Servieren auch noch eine halbe Stunde im Kühlschrank durchziehen. Dazu passt leicht angetoastetes dunkles Roggenbrot.

Es lohnt sich übrigens, im Bereich der osteuropäischen, skandinavischen und orientalischen Küche nach weiteren Rezepten für kalte Suppen zu suchen. Es gibt eine persische Variante mit Joghurt, Gurke, Walnüssen, Kräutern und Rosinen, in Litauen kommt gerne mal Rote Bete mit hinein, in Georgien nimmt man frische Kräuter und es gibt Varianten mit Spinat und Sauerampfer oder nur Sauerampfer (den kann man derzeit prima selbst wild ernten).

Vielleicht gibt es ja sogar im Rezepteschatz eine mir bislang unbekannte »urdeutsche« Variante einer kalten Suppe – vielleicht mit Bier als Grundlage, mit Sauerkraut(saft), auf Rübenbasis oder mit Salatblättern. Wer Links zu solchen und weiteren sommerfrischen Suppenrezepten hat, kann sie gerne im Kommentarbereich posten.

Update: Das Thema »kalte Suppen« ist so ergiebig, dass ich hier gern ein paar appetitliche, raffinierte oder ungewöhnliche Links poste, die ich inzwischen beim weiteren Stöbern im Netz entdeckt habe:

(Danke an Andy für die Links zu den russischsprachigen Rezepten)

Foto: © formschub

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