Hummus »Kaizen«

Hummus (arabisch حمص hummus, DMG ḥummuṣ, hebräisch חומוס ‚xumus, deutsch ›Kichererbse‹) ist eine orientalische Spezialität, die aus pürierten Kichererbsen oder Ackerbohnen, Sesam-Mus (Tahina), Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Gewürzen wie Knoblauch und gelegentlich Kreuzkümmel hergestellt wird.

Quelle: Wikipedia

Kaizen (改善, gesprochen mit stimmhaftem S; jap. kai »Veränderung, Wandel«, zen »zum Besseren«; »Veränderung zum Besseren« […]) bezeichnet sowohl eine japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie als auch ein methodisches Konzept, in deren Zentrum das Streben nach kontinuierlicher und unendlicher Verbesserung steht. Die Verbesserung erfolgt in einer schrittweisen, punktuellen Perfektionierung oder Optimierung eines Produktes oder Prozesses.

Quelle: Wikipedia

Wann ich das erste Mal Hummus probiert habe, weiß ich noch ganz genau. Es war im Jahr 1996, mein Umzug nach Hamburg lag gut ein Jahr zurück und es hatte sich Verwandtschaft für einen mehrtägigen Besuch in meinem neuen Wohnort angekündigt: die Oma mit einer guten Freundin und dazu ein Onkel wollten die Sehenswürdigkeiten der Elbmetropole unter meiner Anleitung erleben.
Es galt also, für den Besuch ein ausreichendes Programm mit »Bespaßungen« auszuarbeiten und dazu gehörten natürlich auch diverse Restaurantbesuche. »Italiener« und »Griechen« gab es mittlerweile auch bei Oma und Onkel im Harz, es sollte also schon etwas Besonderes sein. Und außer in ein japanisches (Oma: »Was? Roher Fisch?«) und ein karibisches Restaurant führte uns meine kulinarische Neugier damals auch ins »Saliba«, ein hoch gelobtes syrisches Restaurant, das damals und noch bis 2010 in einer märchenhaft-orientalisch ausgestatteten Location in Hamburg-Bahrenfeld ansässig war.

Die spektakuläre syrische Vorspeisenplatte dort, »Mazza – die Karawane der Köstlichkeiten« genannt, schlug bei den Besuchern ein wie eine Bombe – und auch ich hatte so etwas zuvor noch nicht gesehen oder gegessen. Gut zwei Dutzend kleiner Porzellanschälchen platzierten die Kellner auf dem weißgedeckten Tisch, und dann konnte jeder von allem probieren. Es gab u.a. eingelegte Karotten mit Rosenwasser, Kichererbsenbällchen (Falafel), Petersiliensalat (Tabouleh), Auberginenpüree (Moutabal) – und Hummus, fein-cremig mit nussiger Sesamnote und feinem Kreuzkümmelaroma. Ich war frisch verliebt.

Ein historischer Moment, kurz vor dem ersten Hummusgenuss: mit Oma (v.l.) im Saliba.

Seither hatte ich immer mal wieder meiner Hummusleidenschaft gefrönt, nicht nur wiederholt bei Saliba, sondern auch in anderen orientalischen, syrischen oder libanesischen Lokalen: in Hamburg bislang bei Riads, Beiti, Mazza und Neni, in Berlin bei Qadmous, Kanaan, Mani und Casalot. Den Hummusvogel abgeschossen hat allerdings ein hervorragendes kleines palästinensisches Restaurant in Leipzig: das Shady. Der unglaublich sympathische gleichnamige Chefkoch und Inhaber bietet einfach das allerbeste Hummus an, das ich kenne. So fein und fast sahnig, sesamnussig-köstlich, ich könnte mir ganze Schüsseln davon einverleiben. Das ist seither für mich die Messlatte, auch bei meinen (weiter unten geschilderten) Versuchen, selbst welches zuzubereiten.

Inzwischen gibt es Hummus auch in vielen Supermärkten abgepackt im Kühlregal zu kaufen, es ist vom unbekannten exotischen Gericht zum gesunden Trendsnack geworden – es gibt sogar Listen mit Locationtipps speziell für Hummusliebhaber. Leider haben die meisten abgepackten Hummi (Hummusse? Hummen? Hummae?) mit der Qualität in Restaurants nicht viel gemein, das liegt oft schon an der (zu) langen Liste an Zutaten und Zusätzen, wie Verdickungsmittel, Stabilisatoren oder Konservierungsstoffen. Abgepackter, fertiger Hummus, allem voran der beige Mörtel, der in vielen arabischen Supermärkten unter diesem Etikett in Dosen verkauft wird, ist in der Mehrzahl der Fälle deutlich zu sauer. Klar, (Zitronen)säure ist ein Konservierungsmittel, aber wenn sie alles andere totschlägt, ist das zu konservierende Mus trotzdem bereits schlecht, schon bevor es verdirbt.

Fertighummus kann darüber hinaus viel bei der Konsistenz falsch machen, oft ist es zu fest, zu körnig, mehlig oder leicht schleimig. Es kann zu viel Knoblauch enthalten, oder zu viele Gewürze, es kann nach Sägemehl schmecken oder einfach nur muffig. Mein Fazit: je »haltbarer« verpackt Fertighummus (in Dosen oder Gläsern) angeboten wird, desto eher würde ich sagen: besser Finger weg!

Bessere bis gute Erfahrungen hatte ich mit Hummus aus dem Kühlregal, das frischer zubereitet und daher auch mit deutlich kürzerer Haltbarkeit angeboten wird. Geschmacklich positiv zu erwähnen sind u.a. das Fertighummus der Restaurantmarke NENI am Tisch und das Hummus der Marke Garden Gourmet (letzteres allerdings leider aus dem umstrittenen Hause Nestlé).

Will man wirklich alle Inhaltsstoffe und Zutaten, die Würzung und die Konsistenz selbst bestimmen und steuern, dann bleibt nur eins: selbermachen. Auch das habe ich inzwischen dutzendfach probiert.

Aber was braucht man zum Hummusmachen? Auf jeden Fall Kichererbsen, ohne sie geht es nicht. Bei meinen Selbstmachversuchen startete ich – der »Convenience« halber – zunächst mit Kichererbsen aus der Dose. Ich bilde mir aber im Vergleich ein, dass man das Metall der Dose bis ins fertige Hummus hinein schmecken kann, deshalb stieg ich ziemlich bald um auf Kichererbsen aus dem Glas, die es mittlerweile sogar in Bio-Qualität günstig im Supermarkt gibt.

Bei den weiteren Zutaten scheiden sich die Geister. Es gibt Rezepte noch und nöcher im Netz, manchmal verraten sogar für ihr Hummus gerühmte Restaurants wie das Berliner »Kanaan« ihr Rezept dafür, aber DAS Hummusrezept ist schwer zu finden. Olivenöl rein – yay or nay? Wieviel Knoblauch, wenn überhaupt? Wieviel Salz? Mehrere Gewürze oder nur Kreuzkümmel? Zitronensaft ja, aber in welcher Menge? Zum Verdünnen pures Wasser oder »Aquafaba« (das aufgefangene Kochwasser bzw. der Konservensud der Kichererbsen)? Viele Fragen, viele Meinungen. Ich selbst hatte bei meinen Versuchen immer wieder Fehler bei der Zubereitung gemacht oder war mit dem Ergebnis nicht zufrieden, mein Hummus war nicht cremig genug (zu kurz püriert oder die Kichererbsen nicht weich genug gekocht), es schmeckte ein Gewürz oder eine Zutat zu stark heraus (zu viel Knoblauch, zu viel Kreuzkümmel, zu viel Zitrone) oder der Tahin-Geschmack war nicht optimal (zu bitter, zu stumpf, zu ölig, falsches Fabrikat). Alleine kam ich nicht weiter.

Am 15. Juni 2020 fragte ich Twitter:

Der beste Tipp unter den vielen (sehr hilfreichen) Replys kam vom User @giardino in Form eines Links zu einem Hummus-Artikel im Blog »Ringelmiez«. Die drei dort notierten »drei Geheimtipps für perfekten Hummus« haben mich meinem Hummustraum deutlich näher gebracht.

Insbesondere der Ringelmiez-Tipp Nr. 2, »Kichererbsen schälen«, bringt qualitativ unglaublich viel, aber macht auch händisch unfassbar viel Arbeit. Für das Schälen von ursprünglich 250 g selbst gekochten Kichererbsen – jede Erbse einzeln zwischen Daumen und Zeigefinger aus dem glasigen Häutchen rausdrücken – brauchte ich etwa eine Dreiviertelstunde, im Volksmund eine »Arbeit für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat«. Die Mühe lohnt sich zwar, aber es geht noch viel einfacher!

Unter dem Namen »Chana Dhal« gibt es in indischen Supermärkten, Asia-Supermärkten oder großen Reformhäusern/Biomärkten fertig geschälte, halbierte Kichererbsen zu kaufen. Das ist für mich, nach meinem jüngsten Versuch, der perfekte Rohstoff für das ultimative selbstgemachte Hummus!

Die beiden anderen Ringelmiez-Tipps (Kichererbsen selber einweichen und kochen sowie die Reihenfolge des Mischens der Zutaten) sind ebenso hilfreich, und ich habe dazu noch eine besondere Würzung ausprobiert, nämlich das »Hummus Gewürz« des deutschen Food-Start-ups »Just Spices«. Es bringt eine schöne, für mich perfekt ausbalancierte Gewürznote in das fertige Hummus. Und last not least habe ich inzwischen von der libanesischen Marke Al Yaman auch das beste Tahin-Sesammus für mich gefunden, es ist eine Empfehlung des Kochbuchautors und Kochs Yotam Ottolenghi und man kann es in vielen Online-Shops zu einem fairen Preis bestellen.

Fürs erste bin ich damit am Ziel des für mich derzeit besten Do-It-Yourself-Hummus-Rezepts angekommen. Was noch bleibt, ist, vor meiner nächsten Reise nach Leipzig zu Shady eine Portion zuzubereiten und sie heimlich im Restaurant mit dem dort bestellten Hummus zu vergleichen. Und danach finden sich bestimmt wieder einige Verbesserungsschritte, die ich nach der »Kaizen«-Philosophie auf dem Weg zu einem NOCH besseren Hummus-Ergebnis weitergehen könnte. Mal sehen.

Hummus

Zutaten
für eine große Portion (3–4 Personen)

250 g getrocknete, geschälte Kichererbsen (Chana Dal)
2 EL Backpulver
1 Knoblauchzehe, geschält und grob gehackt
3 Prisen Hummusgewürz (»Just Spices«)
7 EL gutes Tahin (Al Yaman)
2 Prisen Salz
14 EL (150–200 ml) des Kichererbsen-Kochwassers
Saft einer Zitrone

Zubereitung
Kichererbsen in einem Sieb abspülen und in einer Schüssel oder einem Topf mit 1 EL Backpulver und gut mit Wasser bedeckt, für mindestens 12 Stunden einweichen lassen. Anschließend das Einweichwasser weggießen, die Kichererbsen in einem Topf gut 3 cm mit Wasser bedecken, erneut 1 EL Backpulver hinzufügen und auf kleiner Flamme für 1½–2 Stunden sehr weich kochen (Achtung: das kann währenddessen stark schäumen!). Die Kichererbsen sind gut, wenn sie sich zwischen Daumen und Zeigefinger leicht zerdrücken lassen. In einem Sieb abgießen (1 große Tasse Kochwasser auffangen!) und nochmals evtl. anhaftenden Schaum abspülen.

In einem Mixer den Zitronensaft, Tahin und 5–6 EL des Kochwassers zu einer cremigen Masse mischen. Die gekochten Kichererbsen, Knoblauch, Salz und Hummus-Gewürz zugeben und ca. 2–4 Minuten auf höchster Stufe pürieren. Durch löffelweise Zugabe von weiterem Kochwasser die Konsistenz bis zur gewünschten Cremigkeit steuern. (Tipp: Hummus dickt beim »Durchziehen« noch etwas ein. Es ist also okay, wenn es direkt nach dem Pürieren eine Idee zu flüssig erscheint – das gibt sich während der Ziehzeit!)

Einige Stunden oder über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen. Mit gutem Olivenöl beträufeln und wahlweise mit Za’atar, Sesamkörnern, gerösteten Pinienkernen oder Sumach bestreut servieren.

Foto: © formschub