Sentimental Journey

Ich ahne, das wird ein längerer Eintrag. Aber das Thema „Sentimental Journey. Essen angestaubt”, unter dem Jutta in ihrem Kochblog „1x umrühren bitte” die Bloggergemeinde zur kulinarischen Zeitreise in die Vergangenheit einlädt, ist einfach zu verlockend.
Blog-Event XXXVII - Sentimental journey - Essen angestaubt
Da ich schon immer gern gegessen habe, gießt das Thema über mir ein Füllhorn an Geschmackserinnerungen aus. Die wohl nachhaltigsten Momente wurzeln darin, dass die Großeltern mütterlicherseits eine dörfliche Schlachterei besaßen. Fleisch von der Kuh wurde in Form von Rinderhälften zugekauft, doch die Schweine „wohnten” tatsächlich noch in einem Stall hinter Haus und Schlachterküche und wurden täglich mit Getreide, Viehfutter und Speiseresten gefüttert. Und natürlich irgendwann auch geschlachtet. Ich erinnere mich nicht, als Kind (damals 3–5 Jahre alt) bei einer Schlachtung dabeigewesen zu sein, aber ich habe noch heute den ganz besonderen Geruch in der Nase, der die Küchen- und Verkaufsräume durchzog. Roh, pur, würzig und frisch. So riecht gutes Fleisch, noch am Tage der Schlachtung verarbeitet, man erahnt hindurch tatsächlich noch einen Hauch von Blut, warm und metallisch, umwölkt von Gewürzen und köstlichen Restdüften aus Wurstküche und Räucherofen. Und so schmeckten auch die Fleisch- und Wurstwaren, die von Opa und Onkel nach eigenen Rezepturen selbst hergestellt wurden. Die markanteste Erinnerung habe ich an das „Gehackte”. Herrlich rotes Rindermett, auf dick mit Butter beschmierten, knusprigen Brötchen, außen rösch und innen fluffig-weich, das Ganze bestreut mit den damals noch kugelig-krümligen, gelben Körnchen „Fondor”-Würze aus dem stets bereitstehenden Tischstreuer. Auf den gleichen, leckeren Brötchen schmeckte auch das Schweinemett, sicherlich etwas fetthaltiger als heute, aber mit einem unvergleichlichen Geschmack, dem ich bis heute wehmütig nachhänge. Mit einem Hauch von Knoblauch und eingestreuten, ganzen Senfkörnern. Köstlich.
Fett war ja damals ohnehin noch was Gutes. In der Blutwurst glänzten würfelzuckergroße Speckbrocken, man bestrich sich Brote mit Butter und Schmalz, goss Schinkenspeckwürfel samt ausgelassenem Fett über Kartoffeln und ließ den Fettrand am Kotelett knusprig mitbraten – und es schmeckte, ganz ohne schlechtes Gewissen. Das kam erst später, als die Reflexion übers Essen einsetzte, sich nachpubertär plötzlich Pfunde an den Rippen anzulagern begannen und das allgemeine Gesundheitsbewusstsein wuchs. Heute bevorzuge ich Vollkornbackwaren, ersetze Butter durch Frischkäse und schätze neben Fleisch und Fisch auch die vegetarische (indische) Küche. Aber ich schweife ab …
Neben dem erwähnten Fondor-Gewürz war auch Maggi ein untrennbar mit Kindheitserinnerungen verknüpfter Geschmacksträger. In Suppen ohnehin unentbehrlich, ob Hühner-, Erbsen-, Linsen-, Kartoffel- oder Grüne-Bohnen-Eintopf, der Griff zur gelb etikettierten, eckigen Braunglasflasche mit dem roten Spritzaufsatz war obligatorisch. Aber auch feste Gerichte waren unvollkommen ohne ein paar braune Spritzer der ganz speziellen Aromatinktur: Rosenkohl und Nudelauflauf z.B. werden bei mir auch heute noch mit Maggi gewürzt (Bei anderen Gerichten bevorzuge ich als leidenschaftlicher Hobbykoch inzwischen natürlich raffiniertere Würzmethoden).
Weitere Kindheitsgerichte mit hohem Nostalgiefaktor waren: Mutti’s Gulasch – am liebsten mit den Ufo-förmigen Birkel „Trulli”-Nudeln; Fischstäbchen mit Rahmspinat, Rührei und Speck; Kartoffelpuffer mit Apfelmus; Hühnerfrikassee mit Reis; Eierpfannkuchen mit Heidelbeerkompott; Grießbrei mit Dosenmandarinen; Milchnudeln (eine süße, vanillige Milchsuppe mit Nudeleinlage); Reisbrei mit Zucker und Zimt; paniertes Kotelett mit Erbsen & Möhren aus der Dose, gebratene Leber mit in Butter braun gebratenen Zwiebeln und – ganz profan, aber genauso lecker – Nudelsalat.
Dafür gibt’s auch heute das Rezept (ergibt 1 ansehnliche Schüssel):
250 g Gabelspaghetti
1 Dose Erbsen (400 g Füllgewicht)
250 g Fleischwurst
1/2 Glas Miracel Whip oder Mayonnaise (Kalorienbewusste nehmen 50% Crème fraîche)
2–3 EL Tomatenketchup
Pfeffer aus der Mühle
1 TL Currypulver
ca. 100 ml Milch
Die Nudeln al dente kochen, kalt abschrecken und in einem Sieb abtropfen lassen. Flüssigkeit aus der Erbsendose abgießen und die Fleischwurst in kleine Würfel schneiden. Miracel Whip, Milch, Ketchup, Currypulver und Pfeffer mit einem Schneebesen zu einem leicht dünnflüssigen Dressing verrühren (die Nudeln absorbieren beim Durchziehen noch etwas Flüssigkeit aus dem Dressing). Erbsen, Wurst und abgekühlte Nudeln mit dem Dressing vermengen und einige Stunden durchziehen lassen. Dazu Grillfleisch, Buletten, Wiener Würstchen oder was Kinder sonst noch so mögen.

Nudelsalat
So sehr ich die Kochkünste meiner Mutter heute noch schätze – mit dem aufkommenden eigenen Interesse am Kochen ging auch ein gewisses Erwachen einher. Denn nach und nach wurde mir bewusst, dass z.B einige Gemüsesorten auf meinem Kinderteller fast immer aus der Konserve kamen. Neben den erwähnten Erbsen & Möhren etwa auch Champignons und Spargel. Auch enthüllten Mutters Küchengeheimnisse ungenierten Zugriff auf Convenience-Zutaten: die viele Tellergerichte umfließenden Soßen wurden meist mit Hilfe von Fertigpulver komponiert, oft bildeten Suppen- und Würzwürfel die Basis für Schmorgerichte und Eintöpfe. Offenbar war noch Mitte der Siebziger Jahre das Angebot an Frischgemüse kaum vergleichbar mit der heutigen Vielfalt, zum Teil war es aber auch der Ernährungszeitgeist jener Zeit, der diese Art des Kochens überhaupt nicht hinterfragte. Ist ja auch egal, es hat geschmeckt, und das war damals die Hauptsache.
Nach dem Mittagessen gab’s dann natürlich oft auch noch Nachtisch: Vanillepudding mit Himbeersirup, Schokoladenpudding mit Sahne, schokoknispeliges „Viennetta”-Eis oder Schattenmorellenkompott. In einem bestimmten Zeitfenster erinnere ich mich auch noch deutlich an verschiedene, zeitsparend zubereitete Instant-Schaumcremedesserts („Majala Traumcreme”) mit Karamel-, Vanille-, Mocca-, Schoko-, Zitronen- oder Mandarinengeschmack. Sehr beliebt bei Familienfeiern war die als Bausatz mit einer Piccoloflasche Rebensaft erhältliche Rotweincreme, deren deutlich alkoholisches Aroma ich allerdings nicht allzu sehr mochte. Eine besondere, erinnerungswürdige Haptik hatte das seltsame Dosendessert „Flair”, bei dem eine kaltschalenartige Fruchtsuppe mit derselben Menge Milch zu einem glibbrigen Schleim verrührt wurde. Auch nicht sonderlich geschätzt.
Von den süßen Desserts zum Naschwerk ist es nur ein kleiner Sprung, das muss jetzt auch noch abgehakt werden. After Eight. Erfrischungsstäbchen. Campino (auf langen Autofahrten). Werthers Echte. Bazooka Joe Kaugummi. Leckmuscheln. Storck Riesen. PEZ. Rolo. Antjes. Ahoj Brause. Toblerone. Moccabohnen. Schaumzucker-Erdbeeren. Lakritzschnecken. Und nicht zu vergessen die reichlich servierten Torten und Kuchen bei Geburtstagen und Verwandtenbesuchen: Frankfurter Kranz, Bienenstich mit Puddingfüllung, Donauwellenkuchen. Und – damit das Thema Fett auch hier nicht zu kurz kommt – „Kalter Hund” aus Keksen und Palmin-Kuvertüre.
Das waren jetzt alles in allem bestimmt an die hunderttausend aufgezählte Kalorien. Ich zumindest habe jede einzelne davon genossen. Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere Leser Parallelen zu eigenen Erinnerungen. Mir hat es jedenfalls großen Spaß gebracht, in den meinen zu kramen.
Guten Appetit weiterhin!

„Flickr-Teppich”

Edit: Aufgrund dieses Artikels zum Urheberrecht habe ich das Mosaik nachträglich unkenntlich gemacht.

  • Beantworte die zwölf untenstehenden Fragen und gib Deine Antworten bei Flickr ins Suchfeld ein.
  • Such Dir jeweils von der ersten Ergebnisseite ein Bild aus.
  • Kopiere die dazugehörigen Bildlinks in ein passendes Raster beim Mosaic Maker.

Die Fragen:
01. Dein Vorname?
02. Lieblingsessen?
03. Auf welche Schule bist du gegangen?
04. Lieblingsfarbe?
05. Celebrity Crush?
06. Lieblingsgetränk?
07. Traumurlaubsziel?
08. Dein Lieblingsnachtisch?
09. Was willst du werden, wenn du groß bist?
10. Was magst du am meisten am Leben?
11. Ein Wort, das dich beschreibt?
12. Dein flickr-Name.
Flickr-Mosaik
Credits/Links to original images (copyright owners refusing to even see their linked/pixelated images here, please let me know)
1. Vincent Thomas Bridge, 2. Palak Paneer, 3. Hildesheim Hauptbahnhof, 4. DSC00274.JPG, 5. joseph_fiennes-2, 6. Real Ale, Real Stout, 7. capo palinuro, 8. IMG_1169.JPG, 9. I Am, 10. Togetherness Toy, 11. Searching for that Something I’ve Already Found, 12. Skiller Snaper UTI
(von Anke abgeguckt)

Küchenstöckchen (wortreich)

Mit freundlicher Genehmigung von Ami.

1) Kannst du kochen? Wenn ja, kochst Du gerne?
Ich koche sehr gerne und ich denke, aufgrund des „Feedbacks” meiner Esser kann ich sagen, dass ich es inzwischen recht gut kann. Schon mit 6 Jahren brachte ich regelmäßig die Küche meiner Oma durch das wahllose Zusammenrühren ihrer Zutatenvorräte durcheinander („Nun lass ihn doch, er ist doch noch klein.”) Bis vor etwa zehn Jahren war ich sklavischer Rezeptenachkocher, mittlerweile reizt es mich zunehmend, selbst Rezepte abzuwandeln oder zu improvisieren. Gelungene Experimente werde ich hier ab und zu veröffentlichen.

2) Wann isst bei Euch die ganze Familie gemeinsam?

Da ich (noch) nicht mit meinem Lieblingsmenschen in einer gemeinsamen Stadt zusammenwohne, esse ich meistens allein. Am Wochenende wird jedoch immer zusammen gekocht und/oder gegessen. Der Rest der Familie sitzt in Teilmengen nur noch selten im Jahr bei den gegenseitigen Besuchen mit am Tisch. Selten, aber gerne.

3) Was isst Du zum Frühstück?

Unter der Woche meistens nichts. Ich komme morgens nur langsam in Gang, und da ich mein Essen möglichst immer mit allen Sinnen genießen möchte, warte ich mit dem Essen, bis alle Sinne wach sind. Meistens ist die erste „Mahlzeit” ein guter Cappuccino to go.
Am Wochenende wird ausgiebig und fein gefrühstückt, meist nicht vor halb elf. Vorzugsweise getoastetes Ökobrot mit hohem Vollkornanteil, darauf Käse, Wurst, Frischkäse (ich empfehle Buko Balance, fettarm und ohne Zusatzstoffe) und selbstgezogene Keimlinge als Topping. Dazu frisch gemahlener Kaffee ausgesuchter Sorten, zubereitet mit dem Perkolator oder der Presskanne. Süßes (Marmelade, Nougatcreme) nur selten, ich bin ab Werk eher kein Süßfrühstücker.

4) Wann, wo und wie esst ihr in der Woche?
Wochentags betrifft mich das, wie gesagt, alleine. In der täglichen Büromittagspause schätze ich leichte Mahlzeiten. Ich meide teiglastige Weißmehlsnacks wie belegte Brötchen oder Baguettes, stattdessen z.B. eine Suppe im Stehbistro, ein Schälchen Antipasti oder etwas „auf die Faust” wie Börek, ein Wrap oder Obst. Gelegentliches (kontrolliertes) Imbissfieber führt mich auch mal zu McDonald’s oder auf eine Currywurst in die Frittenbude. Abends bemühe ich mich um eine abwechslungsreiche Folge aus „kalter Küche” mit belegten Broten und/oder Feinkostsalaten, selbst gekochtem Essen und bestelltem Essen. Eingenommen wird es meist im Wohnzimmer vor dem Fernseher, aber ich bemühe mich trotzdem, sorgfältig zu kauen 😉
Am Wochenende wird gemeinsam gekocht und gegessen; die eben genannten Vorlieben bleiben – da geteilt – nahezu dieselben, ergänzt um gemeinsame Restaurantbesuche.

5) Wie oft geht ihr ins Restaurant?

Recht oft, aber meistens zu überschaubaren Preisen. In Berlin, wo wir ca. alle zwei Wochen weilen, ist das einfacher als dazwischen im relativ teuren Hamburg. Im Schnitt gehen wir so etwa dreimal im Monat essen. Daraus resultierende Tipps finden hier gelegentlich Eingang. Ein zu Weihnachten verschenkter Schlemmerblock für Hamburg soll uns motivieren, Neues auszuprobieren, da der Drang zum Wiederholen des Bewährten dem allzu oft – und lecker – im Wege steht.

6) Wie oft bestellt ihr Euch was?

Auch relativ oft, da sowohl in Berlin und Hamburg die Möglichkeiten in erreichbarer Nähe gut und zahlreich sind. Bestelltes/abgeholtes Essen kommt zudem unserer Affinität zum DVD-Gucken entgegen, da Kochen UND Film mir/uns manchmal zu viel wäre(n). Im Berlin unschlagbar: die Steinofenpizza von Trattoria Libau (no URL) oder Indisches vom Amrit, Mirchi oder Amar. In Hamburg favorisiert: Taverna Kamiros (Griechisch), Tung’s Asia Imbiss (no URL) und Zala (Indisch).

7) Zu 5 und 6: Wenn es keine finanziellen Hindernisse gäbe, würdet ihr das gerne öfters tun?

Och, passiert im Urlaub meist automatisch häufiger, so dass sich alltags das Bedürfnis nach häufigerem Auswärts-Essen eher in Grenzen hält. Zudem macht uns das Kochen selbst viel zu viel Spaß, um es allzu oft anderen zu überlassen.

8) Gibt es bei Euch so was wie “Standardgerichte”, die regelmässig auf den Tisch kommen?
Da fallen mir beim Nachdenken nur wenige „komplette” Gerichte ein: jetzt im Winter z.B. Grünkohl mit Pinkel/Bregenwurst oder Lachssteaks auf dem Spinat-Gorgonzolabett. Meist wiederholen sich regelmäßig eher Menübausteine, die wir immer neu variieren, wie gebratene Entenbrust als Fleischbasis oder Rosmarin-Ofenkartoffeln als Beilage. In Abständen immer mal wieder Appetit bekomme ich auf die Klassiker aus Mutters Kochrepertoire: Hühnerfrikassee, Gulasch, Königsberger Klopse oder Kohlrouladen. Manches kann ich mir inzwischen selber kochen, manches kriegt nur Mutter originalgetreu hin – und macht es dann auf Vorbestellung zum Mitnehmen oder Gedenkschlemmen beim nächsten Familienbesuch.

9) Hast Du schon mal für mehr als 6 Personen gekocht?
Ja, einmal Bouillabaisse für 9 Personen und einmal ein völlig misslungenes Chili con Carne (siehe Frage 20) für sieben. Horror. Muss ich nicht haben. Sechs Gäste reichen völlig und sind mit etwas Erfahrung okay zu bewirten.

10) Kochst du jeden Tag?
Um Gottes Willen, nein. Nicht mal vor Wut. Wäre mir logistisch (jeden Tag frisch einkaufen) zu aufwendig, oder ich bin abends zu faul/zu fertig dazu. ich versuche aber, bewusst auf meinen Appetit zu hören, weil ich glaube, dass der Körper intuitiv nach dem verlangt, was er braucht. Und manchmal sind das eben Schnittchen oder ein halbes Grillhendl vom Imbiss.

11) Hast Du schon mal ein Rezept aus dem Kochblog ausprobiert?
Nein, ist aber Zufall. Ich suche und nutze oft Rezepte aus dem Internet, häufig bei chefkoch.de, im Netzkochbuch oder von Tim. Ansonsten wird gegoogelt, bis die Kochmuse mich küsst. Kann also demnächst auch mal in einem Blog passieren. Viel zu selten gucke ich in meine kiloweise vorhandenen Kochbücher.

12) Wer kocht bei Euch häufiger?
Das hat sich völlig von selbst sehr ausgewogen eingerichtet. Am meisten Spaß macht es zusammen, wobei ich am liebsten einen eigenen Gang alleine zubereite oder mich komplett um einen ganzen Menübaustein (z.B. Beilage) kümmere als zu zweit in einem Topf zu rühren.

13) Und wer kann besser kochen?
Schwer zu sagen. Eigentlich auch beide gleich gut. Ich glaube, ich bin der experimentierfreudigere Part, was neue oder ungewöhnliche Rezepte angeht. Aber das ist kein Qualitätskriterium.

14) Gibt es schon mal Streit ums Essen?
Nö. Höchstens mal anfänglich unterschiedliche Vorstellungen, die sich aber bislang immer per Kompromiss oder Alternative in Einklang bringen ließen. Essen ist etwas viel zu Schönes und Vielfältiges, als dass ich darüber streiten wollte.

15) Kochst du heute völlig anders, als Deine Mutter/Deine Eltern?
Ja. Ich bin fast geneigt, zu sagen „Wir hatten das ja früher alles nicht”, obwohl ich weder in der DDR aufgewachsen bin noch einen Krieg miterleben musste. Tatsächlich habe ich aber durch meine Urlaube, die Medien und das generell wachsende Angebot an Rezepten, Restaurants und Zutaten 70–90% dessen, was ich heute esse (und koche), erst nach meinem 18. Lebensjahr kennengelernt. Allem voran die Länderküchen: asiatisch, indisch, italienisch, syrisch, mexikanisch, portugiesisch, spanisch. Ein Entdeckungsprozss, der sich übrigens bis heute fortsetzt, auch durch meine Neugier, z.B. auf „vergessene” oder exotische Gemüse wie Pastinaken, Kardy, Süßkartoffeln, Kochbananen usw. Und ich freue mich auf alles, was ich noch nicht kenne.

16) Wenn ja, isst Du trotzdem gerne bei Deinen Eltern?
Ja. Siehe Frage 8.

17) Bist Du Vegetarier oder könntest Du Dir vorstellen vegetarisch zu leben?
Nein. Dazu gibt es einen Beitrag in diesem Blog, der die Frage, glaube ich, ganz gut beantwortet.

18) Was würdest Du gerne mal ausprobieren, an was Du Dich bisher nicht rangewagt hast?
Ravioli mit leckerer Füllung selber machen, Brot backen, Gänsebraten. Aber eher des vermeintlich hohen Aufwandes wegen als aus Angst vor dem Misslingen.

19) Kochst Du lieber oder findest Du Backen spannender?
Ich favorisiere eindeutig das Kochen. Da ich schon auf geringe Mengen Kuchen, Torte und Kekse mit sofortiger Gewichtszunahme reagiere, werde ich den Teufel tun und das Zeug auch noch selber herstellen 😉

20) Was war die größte Misere, die Du in der Küche angerichtet hast?
Wie in Frage 9 gesagt, ein völlig missratenes Chili con Carne, das ungefähr um den Faktor 1000 zu scharf war. Ich hatte extra dafür Freunde, teils von außerhalb, eingeladen und dann erwies sich das servierte Essen als ABSOLUT ungeniessbar. Scham! Schmach!! Schande!!! Selbst die mikroskopischen Mengen, die einzelne Gäste (und ich) tatsächlich herunterwürgen konnten, brannten tags darauf „zum zweiten Mal”. Grund dafür war ein Original mexikanisches Rezept mit einer Mengenangabe von 25 g Chili pro vier Personen. Was ich nicht wusste: dass es in Mexiko zahllose verschiedene Chilisorten gibt, von höllenscharf bis babymild, und eine der milderen war gemeint. Tja. Ich war jung, als Koch noch unerfahren, scherte mich nicht drum und nahm einfach 25 g handelsübliches Supermarktchili.
Wir haben dann Pizza bestellt.

21) Was essen Deine Kinder am liebsten?
No kids, no answer.

22) Was mögen Deine Kinder überhaupt nicht?
Hätte ich Kinder, würde ich sie versuchen, zu Neugier, Offenheit und Selbstkritik zu erziehen. Dann erledigen sich anfängliche Aversionen mit der Zeit meist von selbst. War zumindest bei mir so (z.B. bei rohen Tomaten).

23) Was magst Du überhaupt nicht?
Auch dies habe ich ungefragt schon in einem anderen Blogbeitrag beantwortet.

Puh. So viel habe ich noch nie am Stück geschrieben. Da ich zurzeit in meinem Bekanntenkreis der einzige regelmäßige Blogger bin, bleibt das Stöckchen jetzt erstmal unverteilt hier liegen. Erstmal. Aber Spaß gemacht hat’s trotzdem.
Ergänzung: Nach einem freundlichen Wink von Mark (Hippie-Sachen.de) werfe ich das Stöckchen jetzt an ihn weiter. Mit Vergnügen.

Abgeschmeckt

Drei Dinge, die ich als Kind gerne gegessen habe, die heute aber völlig an mir vorbeigehen:
1. Dosenravioli
2. Scheibletten
3. Schokoküsse

Drei Dinge, die ich als Kind gehasst habe, die dann irgendwann doch einen festen Platz auf meinem Speiseplan gefunden haben:
1. Tomaten
2. Muscheln
3. Kaffee

Drei Dinge, die ich heute wie damals nicht runterkriege:
1. Alle Innereien, außer Leber
2. Sülze im weitesten Sinne
3. Weichgekochte Eier
4. (Bonusbeitrag) Karpfen Blau

Drei geliebte Dinge, die seit Kindertagen unwiederbringlich aus den Lebensmittelregalen verschwunden sind:
1. Hausgemachtes Thüringer Mett aus metzger-eigener Schlachtung
2. Miami Flip von Langnese
3. Tomaten-Schmelzkäse-Ecken

Drei Leckereien, die ich gern viel früher als geschehen für mich entdeckt hätte:
1. Pastinaken
2. Rote-Bete-Chips
3. Gefüllte Zucchiniblüten

Dreimal Nervennahrung, ohne die das Leben echt ärmer wäre:
1. Eiscreme, idealerweise vom guten Italienischen Eisdealer
2. Edel-Bitterschokolade, z.B. Hachez Cocoa de Maracaibo 55%
3. Guter Cappuccino, frisch aus der Maschine

Drei Länderküchen, denen ich mich genussvoll blind ergebe:
1. Indisch
2. Italienisch
3. Syrisch/Libanesisch

to be continued …