Kategorie: Von der Tageskarte

Kaum passiert, schon gebloggt

Hello, Miss Leading!

Man isses ja schon gewöhnt, dass hierzulande alles, was modern und trendy klingen soll, aufs Abenteuerlichste eingeenglischt wird. So wird der profane Infotresen zum »Service Point«, das Bahnhofsklo zum »WC-Center« und so weiter. Von mir aus, sollnse. Lächerlichkeit scheint schon lange kein Ausschlusskriterium mehr bei derartigen Wortkreationen zu sein. Aber manchmal wird’s dann doch peinlich, z.B. wenn ein großes deutsches Versandhaus in seinem Online-Sortiment einen halbhohen Herrenstiefel als »Booty« (dt.: Hintern) anpreist. Kein Schuh für den englischen Muttersprachler. Verborgener ist da schon das Amusement im Firmennamen des Erlebnis-Geschenkservices »MYDAYS«, sofern er wörtlich ins Deutsche übersetzt wird. Spaß und Abenteuer, jaja, wird besonders Frauen begeistern.

Aber sponge over, kann ja mal passieren.

Neu im Witzregal

Der Klimawitz. Heute das erste Mal bewußt wahrgenommen bei der Firmenweihnachtsfeier im Hamburger Quatsch Comedy Club. Comedienne Vera Deckers malt sich aus, wie sie dereinst als Oma vor ihren Enkeln aus dem Nähkästchen plaudert:

»Wir hatten ja nicht viel, damals. Wir konnten uns nicht einfach mal nach Australien beamen in Urlaub, wie Ihr. Wir mussten ja noch nach Holland fahren. Das gab’s damals ja noch.«

Frisörosophie

Beim Zappen ins »Philosophische Quartett« angesichts der eigentümlichen Haartracht des Gastgebers Peter Sloterdijk gefragt, wie wohl der Smalltalk mit dem Hairstylisten klingt, wenn der Herr Philosoph mal beim Friseur sitzt …

Philosoph: »Es ist doch so, dass bereits die simultanen Psychologien des Unbewußten das Konzept einer ganzheitlichen Wissenschaft der Handlungen des weltkonstituierenden Bewußtseins unterminierten, und erst recht gebaren die Errungenschaften der Computertechnologie und der wirtschaftlichen Globalisierung ein innovatives Universum an Fakten, die einem nicht bewußtseinsbezogenen Daseinskonzept unterliegen.«

Friseur: »Mein Reden, die ganze Technik heutzutage, alles nur noch elektronisch. Ich bin ja frooh, dass hier bei uns alles noch mitter Hand gearbeitet wird. Da muss man ja zwangsläufig psychosomatisch werden. Bisschen Wachs rein?«

Binsensuppe

Schon mal bemerkt oder darauf geachtet, wie oft in alltäglichen Unterhaltungen Redewendungen aufs Abenteuerlichste miteinander verquickt werden? Am beliebtesten sind Mixturen aus inhaltlich verwandten Formulierungen. Hier ein paar der schönsten Mischlinge, die mir bis heute zu Ohren kamen:

  1. »Da liegt der Hase begraben!« (Remix aus »Da liegt der Hund begraben« und »Da liegt der Hase im Pfeffer«)
  2. »Mund-zu-Mund-Propaganda« (Remix aus »Mundpropaganda« und »Mund-zu-Mund-Beatmung«)
  3. »Das Handtuch ins Korn werfen« (Remix aus »Das Handtuch werfen« und »Die Flinte ins Korn werfen«, man kann auch noch »… an den Nagel hängen« mit reinquirlen)
  4. »Das rosarote vom Ei« (Remix aus »rosarot« und »Das Gelbe vom Ei«)
  5. »Knaxus Knasus« (Remix aus »Kasus Knaxus« mit sich selbst)
  6. »Einen Stein im Feuer haben« (Remix aus »Einen Stein im Brett haben« und »Ein Eisen im Feuer haben«)

Ich nehme gerne weitere Remixe meiner Leser in die obige Liste auf. E-Mail genügt!