Autor: Thomas

FotorĂŒckblick 2023

Diese schöne Idee habe ich mir heuer von der Kaltmamsell abgeguckt. Interessant war, dass mir erst im RĂŒckblick auffiel, wie voll mit Reisen und schönen Momenten das Jahr fĂŒr mich im engsten Kreis doch war. Anscheinend hatten die zwei Todesnachrichten am Anfang und am Ende des Jahres und die generelle Krisen- und Katastrophendurchwachsenheit, die gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig alles mit ihrem Endzeitmehltau ĂŒberzog, die FĂŒlle der schönen Erinnerungen schneller verblassen lassen, als mir lieb war. Insofern hielt die RĂŒckschau aufmunternd viel Gutes bereit. Da sowohl ich als auch der Mann theoretisch »von ĂŒberall« arbeiten können, soweit Termine, die persönliche Anwesenheit erfordern, rechtzeitig eingeplant werden, sind bei weitem nicht alle der nachfolgend genannten Reisen »echte« Urlaube gewesen. Aber ein »Homeoffice« in schönen Gegenden abseits des Wohnortes bietet nach Feierabend, in Pausen und an Wochenenden dann doch spĂŒrbar hĂ€ufiger die Möglichkeit, immerhin stunden- oder tageweise urlaubsĂ€hnliche Stimmung aufkommen zu lassen und fĂŒr dieses Privileg bin ich sehr dankbar. Von mir aus kann es 2024 gerne so weitergehen, dann aber auch global wieder deutlich freud- und friedvoller, bitte. Kommt gut rein!

Januar

Februar

MĂ€rz

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

Herdgedanken

Wie eigentlich fast jedes Jahr verbringe ich gemeinsam mit dem Mann den Jahresendurlaub in DĂ€nemark. Mit Anfang 20 hĂ€tte ich mich mit dieser Urlaubsgepflogenheit vermutlich total spießig und langweilig gefunden, aber »die Dinge verĂ€ndern sich, Menschen verĂ€ndern sich, Frisuren verĂ€ndern sich, sogar die Rezepte fĂŒr Eintopf verĂ€ndern sich. Wer kennt die Zukunft?«.* Ich bin vermutlich in einem Alter angelangt, in dem ich manche Vorteile von Gewohnheiten, Routinen, Ritualen, »Traditionen« und Gepflogenheiten mehr zu schĂ€tzen weiß. Sie machen den Kopf frei, weil man sich nicht um alles kĂŒmmern muss, sondern ein grĂ¶ĂŸerer Anteil freier Zeit fĂŒr Erholung verbleibt. Man kennt den Buchungsprozess fĂŒr die Unterkunft, die Reiseroute, das wahrscheinlich zu erwartende Klima am Urlaubsort, die Landschaft und die zum Wandern geeigneten Gegenden ebenso wie die Adressen und Öffnungszeiten der GeschĂ€fte, in denen die Verpflegung besorgt wird. Wenn man zum wiederholten Male im gleichen Ferienhaus logiert (was diesmal ebenfalls zutrifft), kennt man sogar dessen Ausstattung, weiß, wie die Unterhaltungselektronik. der Whirlpool, der Saunaofen und die vorhandenen KĂŒchengerĂ€te bedient werden (es sei denn, die Ausstattung wurde zwischenzeitlich modernisiert), man weiß, welche Töpfe, Pfannen und KĂŒchenwerkzeuge vorhanden sind und zack! – hat man gleich viel mehr Muße, sich im Urlaub mit anderen, entspannenderen Dingen zu beschĂ€ftigen als mit Erkundung, Logistik, Organisation oder GerĂ€tefortbildung. Urlaub an anderen, neuen Orten mache ich lieber in wĂ€rmeren Jahreszeiten, wenn ich ohnehin mehr draußen sein kann und möchte, weniger wetterbedingt auf die Unterkunft und ihre Ausstattung angewiesen bin und es zudem viel mehr Spaß macht, die Gegend und die Versorgungsmöglichkeiten ohne Mantel, Schal und Schirm zu erforschen.

* Zitat der Protagonistin Waltraud im Film »Top Secret« (1984).

In solchen Urlauben beschĂ€ftige ich mich – neben hĂ€uslichem Entertainment auf Buchseiten oder Bildschirmen – ausgesprochen gerne mit Kochen und Backen. WĂ€hrend der normalen Arbeitswochen des Jahres koche und backe ich zwar auch oft und gerne, aber die Rezepte sind einfacher, weniger zeitaufwendig oder mir so gelĂ€ufig, dass ich sie abends nach Feierabend zĂŒgig und aus dem Effeff zubereiten kann. In (winterlichen) Urlauben widme ich mich dann solchen Rezepten wie »Steak and Guinness Pie« oder »Bouillabaisse«. Ich probiere Rezepte aus, bei denen man stundenlang irgendwas kneten, schnibbeln, schmoren, einreduzieren, ausrollen, aufschlagen, marinieren oder aus mehreren separat zubereiteten Komponenten zusammenfĂŒgen muss.

So wurde etwa dieses Jahr der Beschluss gefasst, als Weihnachtsessen am 24. zum ersten Mal »Pulled Pork« selber zuzubereiten. Ich hatte es schon gelegentlich in Burger-Restaurants oder BrauhĂ€usern auf der Karte gesehen, ein-, zweimal probiert und es einmal fertig abgepackt aus dem Supermarkt-KĂŒhlregal gekauft, aber nun interessierte mich doch, wie es selbstgemacht schmecken wĂŒrde. Ich recherchierte also schon vor Abreise ein ansprechendes Rezept, packte kleine abgepackte Portionen der dazu benötigten »besonderen« GewĂŒrze ins ReisegepĂ€ck, besorgte eine »Marinadenspritze« und erkor hausgemachten Waldorfsalat zur Beilage. Das FleischstĂŒck besorgten wir die Tage zuvor beim lokalen Metzger, Äpfel, Sellerie, Zitrone, WalnĂŒsse und Mayonnaise bekamen wir problemlos im Supermarkt und am Nachmittag des 23. machte ich mich an die Vorbereitungen. Das Fleisch wurde sorgsam mit der GewĂŒrzmischung ummantelt, die Marinade an einem Dutzend Punkte rundherum in das BratenstĂŒck injiziert und das Ganze dann, in Frischhaltefolie eingewickelt, im KĂŒhlschrank ĂŒber Nacht zum Durchziehen eingelagert.

Am Weihnachtstag vormittags um 11 Uhr kam das StĂŒck dann in den Ofen. Ich improvisierte etwas und goss die restliche Marinade, mit weiterem Apfelsaft und etwas GemĂŒsebrĂŒhe verrĂŒhrt, in eine daruntergestellte Auflaufform und ließ es dann gut 7 Stunden bei 110 °C Ofentemperatur (ohne Umluft) garen, ab Stunde 4 umhĂŒllte ich das Fleisch mit Alufolie, um die Garung zu fördern und das Austrocknen zu verhindern. Der heraustropfende Saft sammelte sich in der Auffangschale und dieser gesammelte Sud wurde dann um die HĂ€lfte einreduziert und mit Tomatenmark, Zucker und gerĂ€uchertem Paprikapulver zu einer Stegreif-Barbecuesauce verarbeitet, die hervorragend zu der Kombination aus dem zarten, pikant-wĂŒrzigen Fleisch und der frischen Salatbeilage passte.

Am Tag vor Weihnachten verlangte der Mann dann einmal mehr nach Streuselkuchen. Ich hatte einige Wochen zuvor schon (erstmals) einen gebacken, aber der Teigboden war fĂŒr meinen Geschmack nach dem anfĂ€nglich gewĂ€hlten Rezept etwas zu trocken gewesen. Diesmal nahm ich ein neues Rezept, worin dem Hefeteig ein Ei zugegeben wird und das Ergebnis war nun deutlich saftiger und fluffiger. Einzige Notizen fĂŒrs nĂ€chste Mal: die Menge an Zitronenaroma im Teig fĂŒr den Boden noch etwas erhöhen und mindestens anderthalbmal so viel Streuselmasse zubereiten. Man will ja durch die Streuselschicht schließlich nicht den Boden hindurchblitzen sehen.

Und immer wieder, wenn ich Rezepte durchstöbere oder in der KĂŒche gerade »live« etwas zubereite, bin ich jedes Mal aufs neue begeistert und erfreut ĂŒber die Vielfalt, Aromatik, Schönheit und KreativitĂ€t aller Ressourcen, auf die mir dabei zuzugreifen vergönnt ist. Ich stehe im Supermarkt oder mit dem Kochbuch in der Hand, vor dem Foodblog auf dem Display oder in der KĂŒche am Ende einer jahrtausendelangen Kette an Ideen, Errungenschaften, Experimenten, Handelsbeziehungen, Entdeckungen, Warenströmen, Erfahrungen, Überlieferungen und Traditionen, die meine KochtĂ€tigkeit ĂŒberhaupt erst möglich machen. Ich kann das ganze Jahr ĂŒber in GeschĂ€fte oder auf MĂ€rkte gehen, wo ich nahezu jedes Lebensmittel bekomme und noch dazu zwischen Dutzenden Varianten, Preisklassen oder QualitĂ€ten auswĂ€hlen kann (von ökologischen und logistischen Unsinnigkeiten wie z.B. im Dezember frische Erdbeeren anbieten zu mĂŒssen, mal abgesehen). Ich halte oft beim Vorbereiten der Zutaten inne, weil ich mich ĂŒber das Aussehen, ihren Duft oder ihre Haptik freue und ich bin immer wieder fasziniert vom menschlichen Erfindungsreichtum, durch den im Laufe der Zeit aus Naturprodukten essbare GewĂŒrze und Zutaten entstanden oder entwickelt wurden. Ich mag es auch, Lebensmittel beim Verarbeiten anzufassen, ihre Textur und OberflĂ€che mit den HĂ€nden zu spĂŒren. Das trockene Rascheln von Nori-TangblĂ€ttern oder die ganz eigentĂŒmliche, seidig-fettige, brĂŒchige Haptik eines frischen BackhefewĂŒrfels, das Kneten warmen, geschmeidigen Brotteigs, das Zupfen, Hacken und Schneiden frischer, duftender KrĂ€uter, das Mörsern von GewĂŒrzen und sogar das Entbeinen, EntgrĂ€ten oder Tranchieren von Fleisch und Fisch. Der direkte Kontakt mit den Rohstoffen, aus denen ich mein Essen zubereite, ist nicht nur eine direkte sensorische Erfahrung, sondern steigert bei mir auch oft die Achtung vor dem Wert der Produkte, ihrer QualitĂ€t, ihrer Herstellung oder ihren Erzeuger*innen.

NatĂŒrlich zog sich die Entstehungsgeschichte von Zutaten, Gerichten, GewĂŒrzen oder Genussmitteln, wie wir sie heute kennen, ĂŒber sehr lange Zeit hin, aber das macht das Endergebnis aus meiner Sicht nicht weniger faszinierend. In den Streuseln fĂŒr den oben erwĂ€hnten Blechkuchen etwa findet sich Zimt (»Hey, lass mal die Rinde des Baumes da drĂŒben nehmen, sie zermahlen und einen Kuchen damit backen!«) und Vanille (»Was meinst du – wenn wir die Schote dieser Orchidee hier ein paar Wochen trocknen lassen, wĂŒrde das wohl fein gemahlen gut in einen Pudding oder einen Keksteig passen?«). Ich backe oft Brot mit Sauerteig, trinke gerne Bier, liebe sowohl KĂ€se als auch Kimchi und nutze Miso als WĂŒrzzutat – alles Lebensmittel, die durch Fermentation entstehen (»Komm, wir lassen das jetzt mal ein paar Tage oder Wochen im Warmen stehen, bis es Blasen wirft, eine Haut bekommt, total anders riecht, seine Farbe verĂ€ndert oder zu schimmeln beginnt, das schmeckt dann bestimmt hinterher total lecker!«). Und wie genial sind die Endergebnisse der komplizierten Herstellung von Kaffee oder Schokolade! Ich finde das großartig und halte den Kosmos an Ideen und Einfallsreichtum, der in unserem Essen und dem weltweiten Schatz an Rezepten und Zutaten steckt, fĂŒr eine der ganz großen Errungenschaften der Menschheit. Nicht zu vergessen ist dabei, finde ich, dass die Bauern, JĂ€ger, Sammler und Köche, die vor uns lebten, auf diesem langen Weg etliche Opfer gebracht haben mĂŒssen – denn wie sonst hĂ€tten sie z.B. herausfinden und ĂŒberliefern können, welche Pilze oder Beeren essbar sind und welche unbekömmlich oder sogar (tödlich) giftig? Oder wie man Naturprodukte, die in rohem oder unbehandeltem Zustand nicht schmecken, unverdaulich, gesundheitsschĂ€dlich oder lebensgefĂ€hrlich sind – wie beispielsweise Holunderbeeren, Schlehen, Auberginen, grĂŒne Bohnen, Fugu-Kugelfisch oder Hallimaschpilze – so behandeln oder vorbereiten kann, dass aus ihnen trotzdem köstliche und bekömmliche Speisen zubereitet werden können? Ich bin sehr dankbar, dass ich sowas heute nicht selber herausfinden muss, sondern auf die Erfahrung und das Wissen frĂŒherer Generationen zurĂŒckgreifen kann.

Der zweite große Quell der Gaumenfreude, der mich immer wieder fasziniert und dem ich auch versuche, nachzueifern, sind ungewöhnliche Kombinationen von Zutaten, GewĂŒrzen und Aromen. Eine Ingredienz etwa, in vielen Marinaden, Tunken und Dressings der eingelegten und zu Salaten verabeiteten MeeresfrĂŒchte und Fische, und auch einer Rezeptur aus der lokalen dĂ€nischen FischrĂ€ucherei hier ist – Zucker. In sĂŒĂŸlichen Sud eingelegter Weihnachtshering mit Blaubeeren, Orange und GewĂŒrzen – großartig! Hallo? FISCH UND ZUCKER! Oder Schokolade als Zutat in einem pikanten GeflĂŒgelgericht (Mexiko, »Mole Poblano«). Tomatensuppe oder -sauce mit Vanille. Dunkelbier oder Bitterschokolade mit Chili. India Pale Ale Bier, mit Fichtensprossen gebraut. Erbsensuppe mit Minze. Allein durch ZitrusfruchtsĂ€ure »roh« gegarter Fisch (Peru, »Ceviche«). KĂ€se mit Marmeladen. Gebratener Spargel mit Erdbeeren als Dessert. Wassermelonensalat mit Feta und Rosmarin oder Thymian. Gegrillte Ananas mit schwarzem Pfeffer. Birnen, Bohnen und Speck. Vanilleeis mit KĂŒrbiskernöl, Basilikum-Zitronen-Sauerrahm-Eis oder Birnen-Mandel-Eis mit einem Hauch Gorgonzola. Spinat mit Sesamsauce (Japan, »Horenso no goma ae«). Oder – was mich in einem Hamburger Edelrestaurant mal als Sashimi-Variante total verblĂŒfft hat – die Kombination von frischem Lachs und Kaffeebohnen(!), die ich heute in Form eines selbst gebeizten Lachsfilets mal selber aufgreifen werde. Wer kocht, sollte zwar meiner Meinung nach anfangs auch aus sorgsam befolgten Rezepten lernen, aber darĂŒber hinaus bald anfangen, mutig zu sein, sich mit »Foodpairing« zu beschĂ€ftigen, selber neue, ungewöhnliche Dinge auszuprobieren (vorzugsweise in kleineren Mengen) und das Gewohnte zu hinterfragen. Dazu gehört auch (im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten) im Urlaub, auf Reisen oder zu Hause neue Speisen und Restaurants zu erkunden, um neue oder ungewohnte Zutatenkombinationen zu entdecken. Georgien, Korea, Syrien, Äthiopien, Peru – jede LĂ€nderkĂŒche hĂ€lt unzĂ€hlige Überraschungen bereit. Zwar gibt es auch einige recht eigenwillige landestypische SpezialitĂ€ten, die mich nicht allzu sehr locken (z.B. Island, »Gesengter Schafskopf«), aber Neugier ist trotzdem die grĂ¶ĂŸte Triebfeder meines kulinarischen Interesses. Ich wĂŒrde z.B. gern einmal schwedischen SĂŒrströmming kosten, scheute bisher aber davor zurĂŒck, weil ich dazu eine ganze Dose kaufen (und öffnen!) mĂŒsste, anstatt zunĂ€chst nur ein einzelnes kleines StĂŒck zu probieren. Eigentlich sind auch Grillen oder Heuschrecken Ă€ußerlich nicht allzu verschieden von Krabben und gehören zum selben Stamm der GliederfĂŒĂŸer, insofern wĂŒrde mich durchaus einmal eine Zubereitung daraus interessieren. Ein Bekannter von mir zĂŒchtet MehlwĂŒrmer zu Speisezwecken selbst, wohnte er nicht so weit weg, hĂ€tte ich bestimmt auch die schon mal probiert.

Ich jedenfalls muss immer schmunzeln, wenn ich auf AushĂ€ngen oder in Speisekarten von Restaurants das beliebte Werbemotto lese »Genießen mit allen Sinnen!«.

Denn dann möchte ich fragen: Mit was denn sonst?

Nasenchronik

Gestern erschien in meiner Facebook-Chronik ein schöner Beitrag der Cartoonistin Bettina Schipping (nur sichtbar fĂŒr verbundene FB-Freunde) mit dem Titel »Mutters Duft«. Er war ein bisschen geschrieben wie ein Blogartikel und erzĂ€hlte sehr anschaulich von der besonderen Verbindung, die die Autorin von Jugendtagen an mit dem Parfum Â»Coco« von Chanel hatte und wie dieser Duft, eher unbeabsichtigt, zu »ihrem« Duft wurde. Diesen Bericht habe ich gerne gelesen und er stieß in mir Gedanken an, welche GerĂŒche, DĂŒfte, Parfums fĂŒr mich so prĂ€gend waren, dass ich mich bis heute daran erinnern kann oder ganz bestimmte Orte, Personen oder Situationen eindeutig damit verbinde.

Die frĂŒhesten GerĂŒche, an die ich mich erinnern kann, haben wenig mit Parfum zu tun. Ein Geruch, der zwar etwas speziell ist, den ich aber nie als unangenehm empfand, war der Geruch in den RĂ€umen der Fleischerei meiner Großeltern mĂŒtterlicherseits. Hier war ich als Kind schon von Geburt an mit den Eltern regelmĂ€ĂŸig zu Besuch und ich muss etwa 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein, als ich dieses Aroma bewusst wahrnahm und in meinem GeruchsgedĂ€chtnis abspeicherte: es ist ein Gemisch aus sehr frischem, rohem Fleischgeruch (sicherlich auch tierisches Blut), etwas metallisch, dem Duft verschiedener GewĂŒrze und gewerblichen Reinigungsmitteln. Viele Fleischereien riechen sehr Ă€hnlich, auch aus dem Abluftgitter der Fleischerei »an der Ecke« nahe meiner Wohnadresse in Hamburg weht dieser Geruch ab und zu auf den Gehsteig und ich muss dann sofort an Omas und Opas Laden denken.

Der zweite frĂŒhesterinnerte Geruch ist wesentlich unangenehmer. Schon als Kleinkind litt ich hĂ€ufig, und wohl öfter als ĂŒblich, an vereiterten, entzĂŒndeten Mandeln, so dass der damalige Kinderarzt dazu riet, die allzuoft krĂ€nkelnden Organe »rauszunehmen«. So kam es, dass ich – ebenfalls ungefĂ€hr mit 4 oder 5 Jahren â€“ dazu meinen ersten Krankenhausaufenthalt erlebte. Die AnĂ€sthesie damals, es war Anfang der 1970er Jahre, wurde in der betreffenden Klinik noch mit Äther vorgenommen und der unangenehme medizinisch-sĂŒĂŸliche Geruch, welcher der Gummimaske entströmte, die mir vor dem Eingriff aufs Gesicht gedrĂŒckt wurde, hat sich sehr nachhaltig in mein GeruchsgedĂ€chtnis eingeprĂ€gt. GlĂŒcklicherweise ist er im Alltag kaum irgendwo sonst anzutreffen, so dass mir Flashbacks an diesen Eindruck seither weitestgehend erspart blieben.

Schwieriger an einem konkreten Kindheitsalter festzumachen sind meine Erinnerungen an »echte« DĂŒfte von Parfums oder Kosmetikartikeln, aber es mĂŒssten ebenfalls die 1970er Jahre gewesen sein, in denen ich ihnen begegnete. Mein Vater nutzte nach der Gesichtspflege lange Zeit ein Rasierwasser namens »Tabac Original«, einen Duft, der seit 1959 und bis heute erhĂ€ltlich ist. Ob die Rezeptur und der Duft immer noch dieselben sind, kann ich nicht sagen, vielleicht sollte ich mal in einem GeschĂ€ft eine Geruchsprobe vornehmen und prĂŒfen, ob auch dieses Bouquet mich zurĂŒck in meine Kindheit versetzt. An ein bestimmtes Parfum meiner Mutter aus dieser Zeit kann ich mich nicht erinnern, wohl aber an den Geruch ihrer bevorzugten Haarspraymarke »Elnett«, auch dieses Produkt ist bis heute in fast unverĂ€ndertem Design erhĂ€ltlich. Wie die illustrierte Dame auf der Spraydose pflegte auch meine Mutter damals ihr Haar zu »toupieren«, ehe sie ihre fertige Frisur mit dem Aerosol aus der Dose fixierte. Eine weitere Erinnerung habe ich an den Duft zweier Pflegeprodukte, die damals oft in unserem Badezimmer standen: Das eine war das populĂ€re »Schauma«-Shampoo mit der damals eine zeitlang sehr beliebten Duftnote »grĂŒner Apfel«, das andere war ein Schaumbad, dessen Marke bzw. Name ich nicht mehr erinnere (es war, glaube ich, irgendwas mit »S« am Anfang) [Update: ich habe es tatsĂ€chlich im Netz wiedergefunden, der Badezusatz hieß »Sopree«!] und mit dessen karamellfarbener Kunststoffflasche ich undeutlich die Illustration einiger BlĂŒtenkelche verbinde. Die Duftnote nannte sich »Sandelholz« und auch diesen Duft habe ich bis heute in der Nase. Wenn ich erkĂ€ltet war, rieb mir meine Mutter die Brust mit »Wick VapoRub« ein und auch dieses zu TrĂ€nen reizende und dennoch nicht abstoßende kampferartige Aroma ist bis heute fest in meinem Duftspeicher verankert.

Bei den Omas standen damals im Schlafzimmer und Badezimmer oft Flakons der KaufhausduftwĂ€sser »Nonchalance«, »Tosca« und »4711«, letzteres kann ich noch einigermaßen memorieren, wie die ersten beiden rochen, leider nicht. DafĂŒr habe ich noch den Duft von »Fenjala« in der Nase, das es bei der Oma vĂ€terlicherseits ebenfalls als Badezusatz gab und das dann eben mangels altersgerechter Alternativen auch fĂŒr meine KindervollbĂ€der zur Anwednung kam (manchmal war es tatsĂ€chlich ein Kinderschaumbad namens »Plantschi« vorrĂ€tig, aber hier sehe ich heute nur noch – ohne jegliche Dufterinnerung – dessen typische gelbe Plastikflasche vor meinem geistigen Auge). Die andere Oma hatte neben einem Schaumbad in der Duftrichtung »Latschenkiefer« auch stets eine medizinische Salbe in Anwendung, deren Geruch ich damals als sehr angenehm empfand und sie mir deshalb ab und zu dĂŒnn auf die HĂ€nde auftrug. Die Salbe war hellbraun und halbdurchsichtig (vermutlich eine Rezeptur auf Basis von Wachs oder Vaseline) und hatte einen Duft, der stark an Vanille erinnerte. Ich erinnere mich auch noch an die Farbgebung der flachen kreisrunden Blechdose, in der die Salbe verpackt war. In der Aufsicht war sie halb weiß, halb »himbeerrot«, den Namen des Produkts erinnere ich allerdings nicht mehr (Update: Per Kommentar erhielt ich den netten Hinweis auf den Namen der Salbe, sie hieß PERU-LENICET und ist bis heute erhĂ€ltlich). Jene Oma wohnte damals aus AltersgrĂŒnden im Haushalt von Onkel (Mutters Bruder) und Tante und auch hier waren wir mit der Familie hĂ€ufig zu Besuch. Unter der Treppe, die zu Omas Wohnbereich im ersten Stock fĂŒhrte, gab es ein winziges, nie geheiztes GĂ€steklo. Die Klobrille war insbesondere im Winter eisig kalt, das brotscheibenwinzige Handwaschbecken hatte nur einen Kaltwasserhahn und die Dufterinnerungen, die ich fest mit dieser frostigen Kammer verbinde, waren die GerĂŒche der »Lukiluft«-Raumsprays, die dort bereitstanden. Meist war es die Sorte »Flieder«, aber auch »Zitrone« fand sich ab und zu auf der Fensterbank.

NatĂŒrlich hatten auch die WohnrĂ€ume von Onkeln, Tanten, Omas und Opas ihren ganz eigenen Geruch, der aber so unspezifisch war, dass ich ihn nicht beschreiben könnte. Nur manche »Ecken« stachen in ihrer Aromatik so charakteristisch hervor, dass sie erinnerbar und beschreibbar sind. Bei den Großeltern vĂ€terlicherseits war dies zum einen das Arbeitszimmer des Opas, das nach Holz und Möbelpolitur, betagten Sitzpolstern, altem Papier aus dem BĂŒcherschrank und einem eigentĂŒmlichen Hauch von BĂŒromaterial roch (Stempelkissen? FarbbĂ€nder? Tinte?). Unter der Treppe im Hausflur fĂŒhrte eine dunkle, verwinkelte Steintreppe hinab in den Heizungskeller, und sowie die SpanplattentĂŒr zu diesem Kellerabgang aufschwang, wurde man von einer Wolke aus Heizölgeruch und leicht feuchtem »Kellermuff« umweht, deren Geruch ich gleichfalls bis heute nicht vergessen habe. Hinten im Vorratskeller, dessen RĂŒckwand direkt an den felsigen Berghang hinter dem Haus grenzte, roch es nach Eingemachtem, nach Kartoffeln, Äpfeln, Staub und feuchtem Gestein und da ich mich wĂ€hrend der Ferien bei dieser Oma schon als Kind ungehindert aus ihren VorrĂ€ten bedienen durfte, um meine ersten improvisierten Koch- und Backversuche zusammenzurĂŒhren, habe ich auch den Geruch nach Mehl, GewĂŒrzen, trockenen KrĂ€utern und anderen trockenen Zutaten aus ihrem KĂŒchenschrank bis heute in der Nase, ebenso den Duft aus ihrer WaschkĂŒche, wenn die KochwĂ€sche in der alten Waschmaschine rotierte. Abends deckte mich die Oma in ihrem kleinen GĂ€stezimmer mit einem monströs voluminösen Federbett zu, das mit duftiger reinweißer BettwĂ€sche bezogen war und dessen Geruch ich bis heute nirgendwo anders je wieder wahrnahm.

A propos »Opas alte BĂŒcher«: einer der gespeicherten GerĂŒche aus frĂŒher Kindheit war ebenfalls in einem BĂŒcherschrank zu Hause. Von meiner Mutter hatte ich ein schon reichlich zerlesenes und vergilbtes Buch mit den klassischen MĂ€rchen der GebrĂŒder Grimm geerbt. Der arg lĂ€dierte Papp-Umschlag war mit »d-c-fix«-Klebefolie umhĂŒllt und so einigermaßen haltbar restauriert worden, leider war dadurch das Original-Cover nicht mehr sichtbar. Das Buch, es muss Ende der 1930er Jahre erschienen sein, war tatsĂ€chlich noch in Frakturschrift gesetzt und mit zahlreichen Aquarellen der Illustratorin Ruth Koser Michaels bebildert (die Illustration zum MĂ€rchen »Gevatter Tod« stand mir noch eindrĂŒcklich vor Augen). An die MĂ€rchen erinnere ich mich noch gut, es waren die ursprĂŒnglichen Versionen mit oftmals sehr grausamen Enden – die »bösen« Protagonist*innen mussten in glĂŒhenden Schuhen tanzen, verstĂŒmmelten sich die FĂŒĂŸe (»Ruckediguh, Blut ist im Schuh«) oder wurden in mit NĂ€geln gespickten FĂ€ssern zur Strafe HĂŒgel hinuntergerollt. Angst bereitete mir das interessanterweise nicht, ich nahm es mit dem Gleichmut des die Welt der BĂŒcher erkundenden Kindes hin. Dieses MĂ€rchenbuch hatte ebenfalls einen ganz eigenen Geruch. Das alte, brĂ€unlich gealterte Papier verströmte einen geheimnisvollen, leicht muffig-staubigen Geruch, dem ich danach auch bei anderen alten BĂŒchern oder in antiquarischen Buchhandlungen wieder begegnete.

Der Ă€ltere Bruder meines Vaters war damals schon sowohl Lehrer als auch Schulleiter und wohnte im selben Dorf wie die Großeltern. Das war praktisch, denn so konnte ich dank seiner Zugangsmöglichkeit in den Ferien immer mal wieder durch das ansonsten menschenleere SchulgebĂ€ude stromern und mich zudem mit BĂŒchern aus der Schulbibliothek fĂŒr meine FerienlektĂŒre eindecken. Und so gehört auch der ganz eigene Duft der verlassenen Schule nach Linoleum, Bohnerwachs, Kreide und Bastelmaterial zu meinen Kindheitserinnerungen. Aus meiner Schulzeit abseits der Ferien habe ich noch den scheußlichen Geruch des mit altem Kreidewasser getrĂ€nkten Tafelschwamm in der Nase und auch das sĂ€uerlich-muffige Odeur der Sport-Umkleide, von dem man unweigerlich im eigenen Turnbeutel ein Quentchen mit nach Hause nahm, hat sich bis heute dort festgesetzt. Riechen Schulen und Umkleiden heute immer noch so?

Neben den GerĂŒchen der Schul- und KlassenrĂ€ume gab es aber auch allerlei GerĂŒche, die ich mit Spielzeugen und Werkstoffen verbinde, mit denen ich mich damals beschĂ€ftigte. Seit jeher hatte ich als Kind gerne »gebastelt« und kann mich heute noch an die DĂŒfte diverser Klebstoffe erinnern, vom eher harmlosen Prittstift ĂŒber den gelbschwarzen Alleskleber-Tubenklassiker UHU, den milchiggelben Pattex-Kleber bis hin zum seltsam marzipanĂ€hnlich duftenden, weiß-pastosen »Pelikanol«-Kleber, den man aus einer Alu-Schraubdose mit einem beigefĂŒgten Pinsel auf die KlebeflĂ€chen auftragen musste. Verschiedene Knetmassen hatten ihren ganz eigenen typischen Geruch, einerseits die leicht fettig anmutende »normale« Knete, andererseits der sĂŒĂŸlichere Geruch der Markenknetmasse »Play Doh« oder das charakteristische Aroma der aus »Fimo« gekneteten und anschließend im heimischen Backofen dauerhaft gehĂ€rteten WerkstĂŒcke. Ebenfalls dem Backofen entströmte der Plastikgeruch des Bastelgranulats »Schmelzolan«, das zu bunten Scheiben verschmolzen und, mit SchnĂŒren zu Girlanden oder Mobiles kombiniert, etliche Fenster damaliger Familienhaushalte zierte. Der Geruch des ersten Chemie-Experimentierkastens. Eine neu gekaufte Schlumpffigur. Frisch angespitzte Buntstifte oder Bleistifte. Das Deckweiß und die FarbnĂ€pfe aus dem »Pelikan«-Schulmalkasten. Edding-Marker. Plakafarbe. Wachsmalstifte. Radiergummis. In den mit Spiel und KreativitĂ€t verbrachten Stunden liegt ebenfalls ein ganzer Kosmos eigener Geruchserinnerungen.

Aus dem elterlichen Zuhause sind bei mir ansonsten nur noch einige spezifische EssensgerĂŒche haftengeblieben, die mich begrĂŒĂŸten, wenn ich aus der Schule heimkam und die Mutter (ehe sie spĂ€ter wieder berufstĂ€tig war) das Mittagessen zubereitet hatte. So war auf Anhieb klar, wenn es FischstĂ€bchen, Eierpfannkuchen, Bohnensuppe (mit Bohnenkraut) oder Kartoffelpuffer gab, oder wenn sie ab und zu einen RĂŒhrkuchen buk.

Ich glaube, viele GerĂŒche und DĂŒfte meiner Jugend gehören bei vielen Kindern – zumindest denen aus meiner Generation – zu einer Art »kollektivem Erinnerungsschatz«. Im Sommer war das der Geruch von Sonnenmilch und Chlor- oder Salzwasser, vielleicht dazu Pommes vom Freibadkiosk, im Winter der Duft von heißem Kakao, wenn man nach stundenlangem Rodeln aus dem Schnee wieder heimkam. Die GerĂŒche beliebter damaliger SĂŒĂŸigkeiten, etwa After Eight, Wrigley Spearmint, Hubba Bubba, Schaumzucker-Erdbeeren, flĂŒssig gefĂŒllte ErfrischungsstĂ€bchen, Butterkekse, Lakritzschnecken oder Kirschlollis. Der Geruch von klarem Zitronensprudel (nicht Sprite!), von »Caro Kaffee« oder Malzbier. Lenor-WeichspĂŒler, Odol Mundwasser, BĂŒgel-SprĂŒhstĂ€rke. Es war der Geruch der 1970er und frĂŒhen 1980er Jahre.

Einige Jahre spĂ€ter musste ich, begleitend zu meinem Studium der »Kommunikationsgestaltung« insgesamt sechs Monate gestalterische Praktika vorweisen, die ich wahlweise auch auf mehrere verschiedene Betriebe aufteilen durfte. Und auch aus dieser Zeit sind DĂŒfte und GerĂŒche in meinem GedĂ€chtnis hĂ€ngengeblieben. Aus der vierwöchigen TĂ€tigkeit in einer Siebdruckerei nahm ich die Aromen von PVC-Folien, Druckfarben und Lösungsmitteln mit. Die Chefin einer kleinen Werbagentur, wo ich drei weitere Monate verbrachte, sprĂŒhte sich vor Kundenterminen regelmĂ€ĂŸig mit »Fendi Donna« ein, ein Parfum, dessen schwarzpfeffrige Note ich als sehr angenehm empfand. Und aus der zweiten Agentur, die mich aufnahm, blieb mir vor allem der Geruch des SprĂŒhklebers in Erinnerung, mit dem ich in einem eigens abgetrennten Verschlag regelmĂ€ĂŸig die großen BlĂ€tter mit Skizzen, EntwĂŒrfen und Layouts auf PrĂ€sentationspappen aufkaschieren musste.

FĂŒr »richtige« Parfums begann ich mich selbst erst zu interessieren, als ich selbst genug Geld verdiente, um mir die vergleichsweise teuren Duftkreationen leisten zu können. Ich glaube, mein erstes eigenes Parfum als frĂŒher »Twen« war »Fahrenheit« von Dior, ein bis heute sehr prĂ€senter Duft in meiner olfaktorischen GedĂ€chtnisbibliothek. Es folgten der Klassiker »Cool Water« von Davidoff und »Nightflight« von Joop!, ein Duft, nach dessen AufsprĂŒhen ich stets sofort mehrfach niesen musste. Im Badezimmer meiner ersten eigenen Wohnung reservierte ich eigens ein glĂ€sernes Regal fĂŒr die angeschafften Flakons, deren Bestand sich bald zu einer regelrechten Sammlung ausweitete. »Tommy« von Hilfiger, die frischwindigen DĂŒfte »L’Eau D’Issey« und »L’Eau par Kenzo«, das wĂŒrzige »Fendi Uomo«, »Acqua di GiĂČ« von Armani, der Unisexduft »cK One«, das veilchenlakritzige »ÈgoĂŻste« und spĂ€ter das elegante »Allure« von Chanel, der Feldflaschenflakon des BOSS-Duftes »Hugo« und etliche andere. Und auch hier gehen die Dufterinnerungen ĂŒber die reine Wahrnehmung der Kopf-, Herz- und Basisnoten hinaus. Mit »Background« von Jil Sander verbinde ich einen sehr romantischen One-Night-Stand und auch das holzige Aroma von »BOSS« ist fĂŒr mich eng und durchaus positiv verknĂŒpft mit einer Art »AffĂ€re«, die zwar etwas lĂ€nger wĂ€hrte, aber dann irgendwann genauso verflog wie der Duft.

Mit der Zeit Ă€nderten sich meine Gewohnheiten bezĂŒglich kosmetischer DĂŒfte und ich könnte nicht einmal genau sagen, woran das lag. Das Interesse an komplexen, eigens komponierten Eaux de Toilette ließ nach, inzwischen verwende ich sie eigentlich nur noch, wenn besondere AnlĂ€sse, Veranstaltungen oder Feierlichkeiten anstehen. Stattdessen wuchs seither in meinem Badezimmer die Sammlung an Duschgel-Varianten, die zumeist nur dezent nach einer einzigen oder sehr wenigen, eindeutig identifizierbaren aromatischen Ingredienz duften. VorrĂ€tig sind derzeit u.a. Zimt, Thymian-Rosmarin, schwarzer Pfeffer, Kokos, Hanf, Kaffeebohnen, Schokolade, Maiglöckchen, Honig, Kiefer, Minze, Birkenteer (riecht wie Lagerfeuer!) oder Bergheu. Davon bleibt nach dem Duschen, in Kombination mit einem unparfĂŒmierten Deodorant, genug Duft ĂŒbrig, um hinreichend frisch durch den Tag zu kommen. Gefördert wurde diese Vorliebe zu mehr Dezenz sicherlich auch durch die mit Maske durchlebte Zeit in der Öffentlichkeit wĂ€hrend der Corona-Pandemie. Nie zuvor empfand ich viele Menschen als so ĂŒbermĂ€ĂŸig von DuftwĂ€ssern unterschiedlichster Preiskategorien durchtrĂ€nkt wie direkt nach der RĂŒckkehr zu einem weitestgehend maskenlosen Alltag. Offenbar hatte die Nasenisolation unter dem FFP2-Filter die Empfindlichkeit der Riechzellen gesteigert und das wohl auch bezogen auf die eigene FremdduftintensitĂ€t.

Vielleicht hat meine so entstandene Vorliebe fĂŒr »singulĂ€re« DĂŒfte auch ein bisschen damit zu tun, dass ich den Duft fast aller KĂŒchenkrĂ€uter so sehr mag. Ob Lorbeer, Korianderkörner, Zimt, Ingwer oder Basilikum – seit mittlerweile Jahrzehnten hege und pflanze ich in den BlumenkĂ€sten auf meinem Balkon hauptsĂ€chlich KrĂ€uterpflanzen an, die ich in der KĂŒche verwenden kann. Aber bei jedem Gießen, Eintopfen, Pflegen oder Ernten gehört es fĂŒr mich auch dazu, vorsichtig an einigen BlĂ€ttchen zu reiben und diese herrlichen DĂŒfte von den Fingerspitzen zu inhalieren. Und ich merke, da ich dies schreibe, dass die fĂŒr mich bedeutsamen Aspekte des Themas »KrĂ€uter, GewĂŒrze und Aromen in der KĂŒche« schon wieder genug Gedanken fĂŒr einen eigenen Blogartikel wecken. Malkukken.

(Zum Schluss wie immer die freundliche Einladung, gerne eigene Kommentare, Gedanken, Erinnerungen an DĂŒfte und GerĂŒche hier oder auf Mastodon zu hinterlassen. Mich wĂŒrde sehr interessieren, wie weit zurĂŒckreichend, dominant oder lebendig Euer DuftgedĂ€chtnis ist.)

Edit: Seit ich den Artikel veröffentlicht habe, fallen mir stĂ€ndig noch weitere DĂŒfte und GerĂŒche ein, die ich mit speziellen Momenten verbinde. Eher angenehm: Der Geruch, wenn man im SpĂ€therbst zum ersten Mal die Heizung aufdreht und der Raum fĂŒr einige Stunden nach dem erhitzten Staub riecht, der sich versteckt auf dem Heizkörper abgesetzt hat. Der Geruch, wenn es in einem heißen Sommer lange nicht geregnet hat und ein Platzregen endlich den staubigen Boden klatschnass durchfeuchtet hat. Der Geruch, wenn an einem kalten Wintertag ganz prĂ€sent »Schnee in der Luft liegt«, der dann auch kurz danach fĂ€llt. Frisch gemĂ€hter Rasen oder trockenes Heu. Der Duft beim MandarinenschĂ€len. Wie ein voller Staubsaugerbeutel riecht. Der Geruch aus einem Karton oder einer Truhe, z.B. auf dem Dachboden, mit lange darin aufbewahrten KleidungsstĂŒcken oder Textilien. Die Rauchschwaden einer soeben verloschenen Kerze. Die Aromen von Zuckerwerk, Schmalzkuchen und Imbissgerichten, die auf einem Jahrmarkt durch die Menschenmenge wehen. Ein frisch angezĂŒndetes Streichholz. Nicht so schön: Volle MĂŒlleimer im Hochsommer. Nasser Hund oder Hundekacke unterm Schuh. Übler Mundgeruch bei GesprĂ€chskontakt auf kurze Distanz. Dunkle Beton-UnterfĂŒhrungen, die als Urinal missbraucht wurden. Es ist ein unendliches, ebenso berĂŒhrendes wie abstoßendes, sinnliches Universum.

Der bunte Kosmos erinnerter DĂŒfte (Versuch einer Visualisierung mit dem K.I.-Bildgenerator »Midjourney« und Bildmontage in Photoshop)

Portale, Gepflogenheiten und ein adoptiertes A

Ich habe gerade die Ello-App von meinem iPhone gelöscht, denn das gleichnamige Social Network ist anscheinend tot. Da die URL komplett unerreichbar ist, gab es keine Möglichkeit, meinen dortigen, aber auch schon lange brachliegenden Account aktiv zu löschen. Nun ja. Auch von Twitter verabschiede ich mich derzeit auf Raten. @wortgeburt wurde bereits archiviert, transferiert und anschließend gelöscht, das Tweet-Archiv meines Hauptaccounts @formschub habe ich vor ein paar Tagen voraussichtlich letztmalig angefordert und heruntergeladen. Ich bin dort zwar noch angemeldet, lese gelegentlich mit und hefte hier und da ein Sternchen an einzelne Tweets, ganz selten retweete ich noch, aber die Luft ist raus, der Spaß ist weg. Die gelegentlichen Besuche hinterlassen ein Bild von irgendwas zwischen einem trotzig besetzten Gallischen Dorf, einer in nostalgischen Pastelltönen verbleichenden Geisterstadt und einer misanthropen Kloake. Ein anderes Social Network, das ich so gut wie gar nicht (mehr) nutze, ist XING. Ich war dort mal in einigen User-Gruppen recht aktiv, habe Kontakte zu netten Kunden und WeggefĂ€hrten gesammelt und gehortet und sogar hin und wieder fĂŒr meine Jobprojekte einzelne sehr kompetente und nette Freelancer rekrutieren können (das ist auch der Hauptgrund, aus dem ich den Account zwecks kĂŒnftiger Nutzung noch behalte), aber ich könnte nicht aus dem Stegreif sagen, wann ich mich dort zum letzten Mal eingeloggt habe.

Notgedrungen wieder etwas aktiver geworden bin ich dafĂŒr bei LinkedIn. Im Mai 2023 hatte unsere Agentur ein maritimes Wirtschaftsevent in Hamburg gesponsert und das nahm ich einige Wochen vorher zum Anlass, meinen dort ebenfalls schon vorhandenen schlafenden Account wieder zu reaktivieren. Man will ja nicht den Eindruck einer Karteileiche erwecken, wenn ein Konferenzteilnehmer einem anhand der ĂŒberreichten Visitenkarte hinterherrecherchiert und nur Gestriges vorfindet. Aber was sollte ich dort schreiben? Eine PrĂ€senz auf mehreren parallelen Social-Media-Plattformen erfordert ja grundsĂ€tzlich Antworten auf vielfĂ€ltige Fragen: Kann mir dieses Netzwerk etwas bieten oder nutzen, »gehöre« ich dorthin, bin ich dort richtig? Habe ich generell (zusĂ€tzlich zu meiner PrĂ€senz auf anderen Plattformen) die Zeit und die Lust, dort aktiv zu sein, Inhalte zu erstellen, zu konsumieren oder zu teilen, Kontakte zu knĂŒpfen oder mit anderen Mitgliedern ĂŒber Likes und Kommentare zu interagieren? Und letztlich: WAS kann oder will ich dort ĂŒberhaupt veröffentlichen? Hat es Sinn, BeitrĂ€ge von anderen Plattformen zu crossposten, FremdbeitrĂ€ge zu teilen oder möchte ich selber neuen, eigenen Content kreieren? Wie viel Aufwand, Recherche, Ideen will und kann ich dafĂŒr investieren? Kann ich Inhalte bieten, die nicht in Ă€hnlicher Form oder mit gleicher Thematik schon von ’zig anderen Usern gepostet wurden? Wie »privat« oder wie »beruflich« gebe ich mich auf den verschiedenen Plattformen?

Ich persönlich fĂŒhle mich auf den eher »privaten« Plattformen deutlich wohler als auf primĂ€ren Businessportalen. Ich habe einerseits keine Lust, mich auf Plattformen, auf denen ich tĂ€glich Zeit verbringe, zu verstellen oder mich anders darzustellen, als ich bin. Andererseits habe ich aber auch keine Lust, allzuviel Privates von mir preiszugeben. Seit ich im Internet unterwegs bin, versuche ich, meine privaten und meine beruflichen PrĂ€senzen weitgehend getrennt zu halten. Ich thematisiere auf meinen privaten, informellen Accounts oder in diesem Blog so gut wie nie meine Firma, Kunden oder Agenturprojekte und verlinke auch nicht dorthin. Umgekehrt verweise ich auf Business-Plattformen nicht auf mein Blog oder meine privaten Social-Media-Accounts. Ich mache zwar mit dem iPhone öfter mal Selfies, aber ich poste sie so gut wie nie. Jemand, der mir von meinen privaten Accounts aus hinterherrecherchiert, wird zwar irgendwann Fotos von mir entdecken können, aber ein bisschen Arbeit darf das schon machen. Auf den Business-Accounts bin ich zwar mit Klarnamen und Profilbild prĂ€sent, aber von dort aus fĂŒhren keine breiten beleuchteten Pfade zu Twitter bzw. inzwischen zu Mastodon oder Bluesky.

Warum mache ich das so? Meine Grunderfahrung auf den privaten Plattformen ist, dass mit mir anders umgegangen wird, wenn mein GegenĂŒber nur wenige persönliche Informationen von mir hat und der Rest des Bildes, das er/sie von mir hat, allein in seinem/ihrem Kopf auf Grundlage des Contents entsteht, den ich produziere. Es bleibt zunĂ€chst im Dunkeln, wie alt ich bin, ob ich mĂ€nnlich, weiblich oder divers bin, wo ich wohne, welchen Beruf oder welche Hautfarbe ich habe usw. Das empfinde ich auch im Falle verbaler Angriffe als Vorteil, denn die UnschĂ€rfe, die ich auf diese Weise aufrechterhalte, bietet weniger AngriffsflĂ€che und beschrĂ€nkt einen Wortwechsel stĂ€rker auf Inhalt und Formulierung der Kommunikation als auf Projektionen, Rollenbilder, Vorurteile oder Erwartungen, denen ich durch eine Preisgabe persönlicher Details den Weg bereiten wĂŒrde. Ich selbst mag das auch bei anderen Usern. Auf Twitter habe ich mal geschrieben, »Twitter ist der tollste Ort, um Gleichaltrige zu treffen, selbst wenn sie Jahre frĂŒher oder spĂ€ter geboren sind als man selbst«. Ich finde es großartig, wenn ich einen Menschen, dem ich online begegne, allein danach beurteilen darf, was er oder sie mir mitteilt. Ich lese die Person und bewerte sie nur auf dieser Grundlage als interessant, amĂŒsant, liebenswert, scharfsinnig, kompetent oder empathisch, ich muss sie nicht sehen oder in eine Kategorie einsortieren, nur weil ich ihre biografischen Details kenne. Ich schaue mir selten Avatarbilder in vergrĂ¶ĂŸerter Darstellung an und mag abstrakte oder illustrative Avatarbilder viel lieber als fotografische Portraits. Auch ein Grund, warum ich auf meinen privaten Accounts seit jeher mit meiner »Ente« unterwegs bin. Die wechselt zwar hin und wieder Thema oder Farbe, aber sie ist mein »Markenzeichen« anstelle eines Gesichtsbildes. Die Ente ist ein friedliebendes Tier. Sie sieht hĂŒbsch und freundlich aus, kann zu Wasser, zu Land und in der Luft unterwegs sein, sie attackiert niemanden, greift keine anderen Tiere an und macht nette GerĂ€usche, die sich im Rahmen von ZimmerlautstĂ€rke bewegen. Das macht sie mir ein wenig Ă€hnlich und vermutlich deshalb als ReprĂ€sentanten auch so anhaltend sympathisch. Auch ich bin ein eher introvertierter, stiller Mensch, suche mir meine wenigen Freunde sorgsam aus, bin wenig risikoaffin, bleibe lieber allein als mich mit der »falschen« Gesellschaft zu umgeben und bin gegenĂŒber Fremden eher schĂŒchtern, was sich aber schnell Ă€ndern kann, wenn gegenĂŒber einer »neuen« Person ein GefĂŒhl der Vertrautheit und des Vertrauens entsteht. Ich höre lieber zu und schweige sehr lange, und wenn ich dann etwas sage, meist erst, wenn ich der Meinung bin, nun genug zu wissen, um etwas Neues beitragen zu können oder weil ich eine Frage habe. Ich formuliere in Wort und Text sehr bedacht, das fĂŒhrt oft zu sehr knappen Äußerungen, was mir bisweilen von Menschen, die mich (noch) nicht so gut kennen, fĂ€lschlicherweise als Arroganz ausgelegt wird, dabei ist meine Intention lediglich, effizient zu kommunizieren und so weit wie möglich MissverstĂ€ndnisse zu vermeiden. Denn ich verbringe viel lieber Zeit damit, interessante GesprĂ€che zu fĂŒhren als darĂŒber zu reden, was ich wie gemeint haben könnte oder eigentlich sagen wollte. »Effizienz ist die edelste Art der Faulheit«, hatte ich irgendwann mal gepostet und das beziehe ich auch ausdrĂŒcklich auf Sprache und Kommunikation. Ich mag keine SchwĂ€tzer und Dampfplauderer und möchte auch selbst keiner sein. Darauf komme ich gleich noch mal zurĂŒck.

Beim Verfassen und Vorbereiten dieses Blogbeitrags stieß ich auf eine unbeantwortete Frage, die mir ein User auf Mastodon schon im Februar stellte und die mir irgendwie durch die Lappen gegangen ist: »Was bedeutet eigentlich Dein Nickname formschub?« Auch das kann ich gerne hier mal beantworten. 2005 oder 2006 wollte ich mich beruflich verĂ€ndern und begann im Rahmen meiner Bewerbungsinitiativen damit, mir meine erste eigene Website zu bauen. Ich wollte dort mein Portfolio als Grafik-Designer prĂ€sentieren und suchte natĂŒrlich zuerst nach einem Namen fĂŒr eine geeignete Domain. Bei der Recherche nach sowohl ungewöhnlichen als auch deutschsprachigen Begriffen rund um das Assoziationsfeld »Gestaltung«, »Formgebung«, »Design« stieß ich auf das im Sportbereich ab und zu genutzte Wort »Formschub« (englische Begriffe fand ich zu prĂ€tentiös, obwohl oder vielleicht gerade weil sie in der Werbe[r]szene sehr populĂ€r sind). Das Wort bezeichnet einen plötzlichen Anstieg der LeistungsfĂ€higkeit von Athleten, wenn sie kurz vor einem Wettkampf noch einmal besonders intensiv und konzentriert trainieren (z.B.: »Ein Trainingslager in Neuß wĂ€hrend der Osterferien brachte fĂŒr Sophia Schmidt einen weiteren Formschub«). Aber ich interpretierte es visuell – als den Schub, den ich der graphischen Form (also dem Design) mit meiner Arbeit geben möchte. Zudem wurde das Wort sowohl im Sport und erst recht darĂŒber hinaus ziemlich selten benutzt, so dass die Domain noch frei war und die generelle Auffindbarkeit im Netz damit begĂŒnstigt wurde. Und da lag es natĂŒrlich nahe, den Namen auch fĂŒr mein erstes Blog auf dieser Domain und die alsbald erstellten ersten und nachfolgenden Social-Media-Profile zu nutzen. Ich glaube, ich habe den Begriff inzwischen recht erfolgreich »gekapert«, wenn ich mir so die aktuellen Suchergebnisse anschaue. 🙂

Ach ja, LinkedIn. Vor ein paar Tagen las ich einen kommentierenden Artikel bei heise.de mit der Überschrift »Wie LinkedIn das neue Facebook – und dann cool wurde​«. Naja. »Cool« ist dort aus meiner Sicht nicht wirklich viel. Aber da ich mich entschieden habe, dort mit einem gewissen Grundrauschen in beruflicher Mission prĂ€sent zu sein, muss ich mir natĂŒrlich auch ĂŒberlegen, womit. Nach einigen Wochen mit teils etwas lĂ€ngeren, aufwendigeren oder rechercheintensiveren BeitrĂ€gen merkte ich, dass mir das auf Dauer zu anstrengend ist, auch im Hinblick auf die ĂŒberschaubare Anzahl der Leser, denn ich bin auch eher zurĂŒckhaltend mit der Praxis des Vernetzens auf Businessportalen. Ich vernetze mich entweder mit Leuten, mit denen ich beruflich vor der Vernetzung persönlich in Kontakt gekommen bin oder mit Menschen, auf deren Erfahrung und Kompetenz ich bevorzugt in meinem Job oder bei einzelnen Projekten zurĂŒckgreife. Und sie mĂŒssen nett sein, sonst wird das nix. Wenn die Chemie nicht stimmt oder AllĂŒren wichtiger als Teamwork sind, bleibt jede (insbesondere kreative) Zusammenarbeit nach meiner Erfahrung weit hinter ihren Möglichkeiten zurĂŒck. Darauf habe ich keine Lust. Andere XING- oder LinkedIn-Mitglieder sehen das anscheinend weniger eng. Mindestens einmal die Woche erhalte ich Nachrichten oder Kontaktanfragen von frappanter Beliebigkeit, etwa »Hey, ich habe gesehen, du atmest auch Sauerstoff und gehörst zur Spezies Homo sapiens – und da dachte ich, wir haben so viel gemeinsam, dass ich mich gern mit dir vernetzen möchte!« Ja. Du. Ich nicht.

Mir fehlt auch das Talent, mich im Voraus wirksam zu verkaufen. Ein Grund, warum ich auch auf Live-Business-Netzwerktreffen sehr selten anzutreffen bin. Beruflicher Smalltalk ist mir ein Graus, insbesondere mit Menschen, denen ich neu begegne. Wenn ich frĂŒhere kreative Arbeiten oder abgeschlossene Projekte prĂ€sentieren kann, die ich selbst mitgestaltet habe, bin ich in meinem Element. Denn dann kann ich ĂŒber etwas sprechen, was ich bereits geleistet habe, ĂŒber eine Aufgabe, die ich gemeistert habe, eine Lösung, die ich fĂŒr ein gestalterisches Problem fand, ĂŒber fachliche Aspekte, mit denen ich mich auskenne. Aber vorab jemanden zu umwerben, mit nichts als einer Visitenkarte und wohlgewandten warmen Worten, das will mir nicht so recht gelingen. Deshalb gehe ich solchen Situationen lieber aus dem Weg – darin sind meine Kollegen wesentlich besser. Und da ich halt kein »SchwĂ€tzer« bin (siehe oben), fehlt mir auch der Drang, mich auf LinkedIn mit meinen beruflichen TĂ€tigkeiten oder Skills permanent selbst darzustellen oder zu feiern. Ich will keine Whitepaper schreiben oder »einen vom Pferd erzĂ€hlen«, doch das erschwert wiederum die Themensuche fĂŒr eigene Postings. Ich möchte den Lesern auf dem Portal zwar Dinge nahebringen, die sie womöglich noch nicht wissen, die interessant sind, die sie amĂŒsieren oder ĂŒberraschen und die sie idealerweise so auf anderen Profilen nicht ebenfalls vorfinden, aber ich mag dabei nicht posen, blenden oder (man)splainen.

Dann kam mir die Idee, eine regelmĂ€ĂŸige Posting-Kategorie zu etablieren, die sich einem Thema widmet, das mich sowohl privat als auch beruflich begeistert: Typographie. Seit einigen Monaten gibt es daher nun auf meinem LinkedIn-Profil die Rubrik »Typographisches FundstĂŒck der Woche« unter dem dafĂŒr erdachten Hashtag #tyfudewo. Als konstanten Stichtag fĂŒr die wöchentlichen BeitrĂ€ge wĂ€hlte ich den Freitag, denn da steht das Wochenende vor der TĂŒr und viele BĂŒromenschen sind an diesem Tag etwas entspannter und feuilletonaffiner als an den Werktagen davor. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte habe ich auf all meinen Wegen und Reisen einen ansehnlichen Foto-Fundus typographischer FundstĂŒcke angehĂ€uft und stĂ€ndig kommen neue hinzu. Damit habe ich genug Stoff auf Jahre hinaus, kann zu einzelnen Motiven kleine Anekdoten oder Hintergrundinformationen liefern, muss mir wenig Gedanken um neue Themen machen, muss nicht lange recherchieren, bin fachlich sattelfest und kann zugleich auch meine eigene berufliche Kompetenz einbringen. Win-win.

Und manchmal finde sogar ich durch eins meiner eigenen Postings noch Dinge heraus, die ich bislang noch nicht wusste. Als ich heute meinen nĂ€chsten LinkedIn-Beitrag fĂŒr Freitag vorbereitete, wĂ€hlte ich ein Foto, das ich vor 15 Jahren in einer Seitenstraße in Berlin geknipst hatte. Ich fuhr damals zufĂ€llig dort mit dem Fahrrad an einem Schaufenster vorbei, durch das man in einen großen leeren Raum sehen konnte. Auf dem Boden darin lag knapp ein Dutzend großer gelber Leuchtbuchstaben, die wohl zuvor zwecks Ausmusterung von einer Fassade oder einem Dach abmontiert worden waren und nun in dieser provisorischen LagerstĂ€tte ihrer Entsorgung zu harren schienen. Auf meiner Festplatte trĂ€gt die Bilddatei den Namen »CIMG3710_Typofriedhof.jpg«. FĂŒr was die Buchstaben einst warben, wusste ich nicht. In der NĂ€he der Fundstelle war ich damals selten unterwegs und erinnerte mich nicht daran, welche Leuchtreklamen die GebĂ€ude in der Gegend trugen.

Heute versuchte ich nachtrĂ€glich, fĂŒr meinen kurzen Posting-Text dann doch noch die Herkunft der gelben Lettern zu erkunden, machte mir aber anderthalb Jahrzehnte nach der Entstehung des Fotos nur wenig Hoffnungen. Doch siehe da: es gab eine Überraschung! Ich stieß nach einigen Recherchen auf einen Beitrag, in dem die abgenommenen Buchstaben ebenfalls erwĂ€hnt wurden. Ein A konnte damals vor der Vernichtung bewahrt werden und wurde in die Sammlung des Berliner Buchstabenmuseums aufgenommen. Und nachdem ich nun den Namen des werbetreibenden Unternehmens kannte – es war das ehemalige Modekaufhaus EBBINGHAUS am Spittelmarkt und einst der grĂ¶ĂŸte Textilfilialist Berlins, fand ich bei Wikipedia ein Foto des GebĂ€udes mit der intakten Beschriftung, wohl kurz vor der Demontage. Das GebĂ€ude wurde kurz darauf abgerissen, vielleicht stand es bereits an dem Tag schon nicht mehr, als ich die ausgemusterten Buchstaben vorfand. Kurios ist, dass die Reihenfolge der abgelegten Buchstaben im obigen Bild sogar noch annĂ€hernd mit derjenigen im ursprĂŒnglichen Namen ĂŒbereinstimmt und hinten an der Wand lehnt tatsĂ€chlich auch das vom Museum adoptierte A.

Bildquelle: Wikipedia | Foto: Rafigonzalez (Public Domain)

Und so werden GebÀude abgerissen und weichen neuen Bauwerken, genauso wie Social-Media-Portale verwaisen oder degenerieren und andere ihren Platz einzunehmen versuchen. Und ich habe durch die Aufbereitung eines kleinen LinkedIn-Beitrags eine 15 Jahre alte Geschichte zuende erzÀhlt bekommen. Der thematische Bogen in diesem Beitrag war vielleicht heute reichlich weit gefasst, aber irgendwie, finde ich, passte es dann doch wieder ganz gut zusammen.

Bricks

Neulich hatte ich am Vorabend einer lĂ€ngeren Zugreise zu Hause brav erst ein Backup meines iPhone 12 mini gemacht, sodann ein Update aller zu aktualisierenden Apps und anschließend nochmals ein Backup. So sah ich mich zusĂ€tzlich zum mitgefĂŒhrten GepĂ€ck und Proviant gut vorbereitet auf meine Fahrt.

Als ich schon in der U-Bahn saß, fiel mir noch ein, dass ich die in der Wohnung installierte IP-Kamera wĂ€hrend meiner Abwesenheit einschalten könnte und rief die dazugehörige App auf dem Handy auf. Und just als ich den kleinen virtuellen Schalter zur Aktivierung der Kamera berĂŒhrte, wurde mein Display schwarz. Ich tippte darauf. Nichts. Ich wischte nach oben, nach unten und zur Seite. Stumm und dunkel. Ich drĂŒckte die einzigen verfĂŒgbaren mechanischen Tipptasten an der Seite des GerĂ€ts – einzeln, gemeinsam, sowohl lĂ€nger als auch kĂŒrzer. Keine Reaktion. »Aah-ja.«, hörte ich eine Loriot-Stimme in meinem Kopf sagen. Ich war jetzt nicht unbedingt panisch, obwohl mein Bahnticket auf dem Handy gespeichert war, denn ich könnte die BuchungsbestĂ€tigung und somit das Ticket auch noch auf dem eingesteckten Klapprechner abrufen und konnte unterwegs zur Not auch von selbigem Nachrichten und Mails versenden oder ein Telefonat fĂŒhren, aber doof war das schon irgendwie.

Es war aber garnicht mal der ungelegene Zeitpunkt dieser Dysfunktion, der mich wurmte, sondern die »Kategorie« dieses Defekts. Wenn ein GerĂ€t, das nahezu frei von mechanisch-haptischen Bedienelementen ist, ein fast komplett verkapseltes, nahezu nahtloses GehĂ€use besitzt, Ă€hnlich dem Monolithen in Kubricks »2001«, einen derartigen kompletten Funktionskollaps erleidet, lĂ€sst einen dies auf eine andere Art hilflos zurĂŒck wie beispielsweise eine Autopanne oder ein kaputter Toaster, finde ich.

Meine erste Begegnung mit dieser Art von Funktionsverweigerung hatte ich mit meinem ersten CD-Autoradio. Ich hatte es als ersten Preis bei einem Designwettbewerb im Auftrag der Firma Blaupunkt an meiner Hochschule gewonnen. Wir sollten frei und ohne gestalterische Vorgaben die Vorder- und RĂŒckseite einer sogenannten »KeyCard« gestalten, mit der sich das GerĂ€t vor Diebstahl schĂŒtzen ließ, denn es funktionierte nur, wenn diese Karte zuvor in einen Slot des Radios eingesteckt wurde. Damals befand sich auch die Ära der »Telefonkarten« auf ihrem Höhepunkt, mit denen man bargeldlos(!) in Telefonzellen(!!) Anrufe tĂ€tigen konnte und so war auch die KeyCard ein durchaus hippes Accessoire und mein Entwurf sollte in limitierter Auflage real in Serie gehen. Ich war natĂŒrlich stolz wie Bolle, sowohl ĂŒber diesen frĂŒhen »Ruhm« als auch ĂŒber die elektronische PrĂ€mie fĂŒr meinen kleinen Mexiko-KĂ€fer. Doch nach einigen Jahren begann das GerĂ€t zu meutern. Es weigerte sich immer hĂ€ufiger, die in den Schlitz auf der Vorderseite des Radios geschobenen CDs nach dem Hörgenuss wieder auszuwerfen. Vermutlich gab es im Inneren eine oder mehrere Gummiwalzen, welche die Disc ein- und auswĂ€rts beförderten und diese waren nun abgenutzt oder mit reibungsmindernden Ablagerungen verschmutzt, was auch immer. Die CDs blieben immer hĂ€ufiger drin und kamen anfangs nur nach lĂ€ngerem Verweilen beim der nĂ€chsten Autofahrt heraus, dann irgendwann immer seltener. Kein Stakkatotippen auf der Auswurftaste half, kein Gegenboxen oder RĂŒtteln. Zwar gab es neben dem CD-Schlitz auch damals schon ein winziges Loch, in das sich zwecks mechanisch initiiertem Auswurf eine aufgebogene BĂŒroklammer oder Ă€hnliche dĂŒnne und stabile Hilfsmittel einfĂŒhren ließen, aber die hatte ich erstens anfĂ€nglich natĂŒrlich nicht so ohne weiteres dabei und zweitens war auch diese »Lösung« weder in der Anwendung noch ihrer Wirkung sonderlich hilfreich. Ich hatte einen »Brick« im Auto.

NatĂŒrlich baute ich das Teil aus und prĂŒfte, ob es irgendwelche Optionen gab, das GehĂ€use zu öffnen, um wenigstens sehen zu können, was kaputt war, ungeachtet der Möglichkeit, dies selbst beheben zu können. Aber die gab es nicht. Ich probierte dann noch einmal, nach erfolgreichem Auswurf eines steckengebliebenen Mediums den Einsatz einer »Reinigungs-CD«, die man mit einem Reinigungsalkohol benetzen konnte und die dann im GerĂ€t rotierend und gleitend fĂŒr die SĂ€uberung von Linsen und Transportrollen sorgen sollte, aber auch deren Effekt war nur von kurzer Dauer. Von da an hörte ich notgedrungen erstmal nur noch Radio beim Fahren.

Bevor mir die BerufstĂ€tigkeit einen Großteil meiner tĂ€glichen BastelkapazitĂ€ten raubte, war ich ein recht neugieriger und auch in Teilen erfolgreicher Erkunder und Reparateur bei allen Arten technischer Fehlfunktionen. Ich reparierte schon als Teenager meinen damals sehr hippen orangefarbenen Astrosound-Cassettenrecorder, fand nach dem Aufschrauben dessen mĂŒrben Antriebsriemen gerissen vor und – Jahre vor dem Serienstart von »McGyver« – ersetzte ihn einfach durch einen passenden Haushaltsgummiring. Mutters »Krups 3 Mix« wurde ebenso erfolgreich repariert, es blieb zwar nach dem Auseinanderbauen und Zusammenschrauben ein seltsam geformtes Plastikteil ĂŒber, aber er quirlte wieder wie neu. Auch an meinem KĂ€fer erledigte ich bis zum Ende meines Studiums etliche, auch grĂ¶ĂŸere Reparaturen selber: Ölwechsel, Austausch von ZĂŒndkerzen, Verteilerkappe, ZĂŒndkabel, Heizbirnen und DrahtzĂŒge der sehr eigenwilligen KĂ€fer-Heizung, Reifenwechsel, GlĂŒhbirnen in Scheinwerfern – am Tresen der Werkstattmitarbeiter des örtlichen VW-HĂ€ndlers war ich nahezu Stammgast und studierte oft genug neugierig mit ihnen auf einem klobigem SichtgerĂ€t die auf Mikrofilm hinterlegten Explosionszeichnungen des Modells, um die Teilenummer des technischen Relikts ausfindig zu machen, das ich gerade ausgebaut hatte und das es zu erneuern galt.

Jahre spĂ€ter in Hamburg erzĂ€hlte mir ein befreundeter Fotograf, als wir auf das Thema zu sprechen kamen, dass er seinen CitroĂ«n in die Werkstatt bringen mĂŒsse, wenn ein LĂ€mpchen an Scheinwerfern oder RĂŒckleuchten defekt sei, das könne er gar nicht mehr selber erledigen. »Die mĂŒssen den halben KotflĂŒgel ausbauen, um da ranzukommen«, sagte er.

Das ist dann wieder ein anderes Thema. Denn ich finde, es gibt nochmal einen feinen Unterschied zwischen einerseits technischen GerĂ€ten, die aufgrund ihrer Konstruktion oder ihres Designs nicht erkennen lassen, was kaputt ist, so dass man keinerlei Anhaltspunkt zu Ursache oder Behebungsmöglichkeiten des Defekts bekommt und andererseits technischen GerĂ€ten, die so konstruiert sind, dass man sie im Falle eines Defekts entweder nicht selbst bzw. nur in einer (teuren) Fachwerkstatt, oder ĂŒberhaupt nicht reparieren kann, was dazu fĂŒhrt, dass man sie ausmustern bzw. wegwerfen muss – eine Unsitte des Kapitalismus, die ganz besonders fragwĂŒrdig und verantwortungslos ist. Die erstgenannte Kategorie erscheint immerhin ein bisschen weniger vorsĂ€tzlich, denn wenn ein GerĂ€t nun mal ĂŒber nichts weiter als ein Touch-Interface und zarte Tipptasten verfĂŒgt, diese jedoch inaktiv sind, dann gibt es nichts mehr sanft zu touchen, elegant zu wischen oder diskret zu tippen. Das ist nicht nur funktional, sondern auch emotional frustrierend, denn in mancher Stresssituation hĂ€tte man gern Hebel, Tasten, Klappen, Scharniere, Deckel oder Regler, die man aufgewĂŒhlt maltrĂ€tieren kann. Der Zorn oder der Stress ob der Funktionsverweigerung suchen ein Ventil, man möchte hĂ€mmern, klopfen, treten und Dinge beim Ausrasten wieder einrasten hören. Stattdessen wird man von einem aalglatten schwarzen GehĂ€use angeschwiegen, das diese Optionen komplett verweigert. Dem echauffierten, emotional verwaisten User bleibt somit nur, sich entweder wieder abzuregen oder das komplette Teil in Rage in eine Ecke zu pfeffern. Dies ist hochgradig unbefriedigend und beinhaltet gerade bei grĂ¶ĂŸeren GerĂ€ten zudem die Gefahr betrĂ€chtlicher KollateralschĂ€den an Mensch und Ambiente.

Ich will ja gar nicht krĂŒckstockfuchteln oder lamentieren. Ich bin leidenschaftlicher SciFi-Fan und hĂ€tte mir damals nicht trĂ€umen lassen, dass ich mal einen Minicomputer, Ă€hnlich einem Star-Trek-»Tricorder« in der Hosentasche tragen wĂŒrde, der quasi das FliewatĂŒĂŒt meines Alltagsmanagements darstellt und Kamera, Internet, E-Mail, Musik, Videos, Einkaufslisten, Bahntickets, Übersetzungshilfen, Terminkalender etc. pp in sich vereint. Und ich wische, touche und tippe gerne! Solange es funktioniert. Aber wenn ich dann von einem temporĂ€r oder dauerhaft defekten GerĂ€t dieser Bauweise »ausgesperrt« werde und wie ein Gast auf der Hoteltoilette vor dem bewegungsgesteuerten Wasserhahn eine erfolglose und zunehmend verĂ€rgerte Aktivierungschoreographie performen muss, wĂŒnsche ich mir schon manchmal durchschaubarere GerĂ€te wie meinen Astrosound-Cassettenrecorder zurĂŒck.

Ach ja: Mein iPhone funktionierte ĂŒbrigens nach etwa zehn Minuten schwarzen Schweigens wieder ganz normal, als ob nichts gewesen wĂ€re.

Bildmotiv K.I.-generiert via »Midjourney«

Hier.

Vor fast genau acht Jahren schrieb ich hier im Blog einen Artikel zum Thema »Heimat«. Darin stellte ich fest, dass ich rein geografisch kaum einen Ort aus meiner Biografie benennen könnte, der fĂŒr mich einer »Heimat« entspricht. Heimat sind fĂŒr mich eher Orte und Lebenssituationen, in denen ich von Menschen umgeben bin, mit denen mich Sympathie, Freundschaft oder Liebe verbinden.

Derzeit befinde ich mich im Urlaub in Schweden. Ich habe dieses Land und seine Menschen schon öfter besucht, gelegentlich verbunden mit einem oder wenigen Tagen in einer Stadt wie Stockholm, Malmö, Helsingborg oder Göteborg, aber meistens fĂŒr eine oder zwei Wochen in einem Ferienhaus, möglichst etwas abgelegen und naturnah, im Wald und/oder an einem See. So ist es auch diesmal wieder, die aktuelle Unterkunft liegt in der Region VĂ€rmland an einem See in der NĂ€he des Ortes Sunne. Jeden Tag wandern wir hier zwischen 5 und 10 Kilometer durch Wald und Berge, der Mann und ich. Manchmal streife ich auch fĂŒr eine Stunde mal alleine in der Umgebung im Wald herum, das habe ich schon als Kind in den Harzferien bei der Oma gerne gemacht. Es ist wunderbar still hier, die nĂ€chste Straße liegt 100 Meter entfernt und ist nur sehr sporadisch befahren, der Abstand zu den nĂ€chsten Nachbarn ist Ă€hnlich groĂŸĂŒgig. Nur drei HĂ€user stehen hier, inklusive unserem, außerhalb einer Ortschaft, bis zum nĂ€chsten »grĂ¶ĂŸeren« Ort (gut 2.000 Einwohner) sind es knapp 8 Kilometer.

Ich habe schon etliche Orte bereist, einige als vorĂŒbergehendes Zuhause (als Kind mit den Eltern jeweils zwei Jahre in Algerien und Nigeria), einige wĂ€hrend mehrwöchiger Urlaube und manche nur fĂŒr Kurzreisen (zumeist StĂ€dte). Im Jahr 2012 hatte ich mal eine Google-Karte erstellt, auf der meine Reiseziele in Europa mit Pins markiert waren. Transatlantikreisen reisen habe ich seit meiner Schulzeit nur drei unternommen: 1992 nach Chicago, 1996 nach New Orleans und 1998 nach New York (beruflich, leider kaum mit Gelegenheit zur Erkundung der Stadt). Vergleichbar weite oder noch weitere Fernreisen habe ich nicht unternommen.

Es gibt kaum ein Reiseziel, das ich im Nachhinein nicht gerne besucht hĂ€tte. Es war immer neu, schön, interessant oder aufregend, woanders zu sein. Ich bin ein neugieriger Mensch und sauge neue, ungewohnte EindrĂŒcke begeistert auf. Dazu muss ich nicht zwingend beliebte oder spektakulĂ€re Locations aufsuchen, manchmal ist ein Bummel durch eine Markthalle, ĂŒber einen Basar oder Wochenmarkt oder durch die GĂ€nge eines großen Supermarkts an einem fremden Ort genauso spannend wie die Besichtigung von SehenswĂŒrdigkeiten. Generell meide ich Orte, an denen sich Touristen drĂ€ngen, weil dort ein Panorama, ein Bauwerk oder andere pittoreske Brennpunkte zu bestaunen sind. Tausende von Menschen fahren dorthin, um in ihrer Reisechronik vermerken zu können, »dagewesen« zu sein, tausende Menschen machen von denselben Standpunkten aus dieselben Fotos, nur Variationen bei Jahreszeit, Wetter und mitgeknipsten Personen machen ihre Bilder unterscheidbar. Touristische SehenswĂŒrdigkeiten sind die Gassenhauer der meisten Reisenden. Genauso wie z.B. in den meisten Konzerthallen der Welt jahraus, jahrein die immer gleichen Werke der immer gleichen klassischen Komponisten auf dem Programm stehen: Bach, Mozart, Beethoven, Tschaikowsky, Chopin, Vivaldi usw. Keine Frage, die genannten KĂŒnstler haben geniale Werke geschaffen und es bereitet auch Freude, sie anzuhören. Aber die PopularitĂ€t ihrer Werke drĂ€ngt Dutzende anderer, ebenso famoser Komponisten und Werke ins Abseits und damit in die Vergessenheit, die es verdient hĂ€tten, ebenso hĂ€ufig auf den Programmen der großen Orchester zu stehen, wie etwa John Field, Wilhelm Stenhammar, Erich Wolfgang Korngold, Howard Hanson, Frederic Mompou, Frederick Delius oder George Enescu, deren Entdeckung meine eigene Musikwelt sehr bereichert hat. Und ganz Ă€hnlich verdrĂ€ngen die von Touristen ĂŒberrannten SehenswĂŒrdigkeiten als »Must Sees« viele unbekanntere Orte, Panoramen, GebĂ€ude und Monumente und werden, wie Marlene Dietrich einmal auf sich bezogen sagte, »zu Tode fotografiert«. Ich hatte einmal den Gedanken, dass unaufhörlich oft gespielte MusikstĂŒcke ĂŒberall auf der Welt mit jeder AuffĂŒhrung und Wiedergabe eine Spur leiser werden sollten, ohne dass es dafĂŒr ein technisches oder physikalisches Gegenmittel gĂ€be – ganz so, als ob sie sich abnutzen wĂŒrden. Irgendwann wĂ€ren sie dann (fĂŒr eine gewisse Zeit) unhörbar leise, egal ob von CD, Magnetband, MP3 oder als Live-AuffĂŒhrung, so dass sich die Menschen, die Lust auf schöne klassische Musik haben, zwangslĂ€ufig mit anderen vorhandenen Werken und Komponisten befassen mĂŒssten. Analog könnten totfotografierte und ĂŒberbesuchte Touristenattraktionen auf Film, Video und in digitalen Bilddateien fortwĂ€hrend immer blasser und blasser abgelichtet werden, so dass man zwar hinfahren und sie live ansehen könnte, fotografieren mĂŒssten die Reisenden jedoch andere Motive. Zwar nur ein Gedankenexperiment, aber eins, das die Menschen womöglich motivieren könnte, wieder neugierig zu werden und sich selber auf die Suche nach unentdeckten schönen Dingen zu begeben, welche zwar nicht neu, aber genauso z.B. erlebenswert sind. Wer weiß.

Neugier ist einer der Haupt-Antriebe fĂŒr mich, zu reisen und wann immer möglich, sind selbstbestimmte TagesablĂ€ufe ein Muss. Ich bin kein Typ fĂŒr Busreisen, Kreuzfahrten oder Reisegruppen, wo ich inmitten einer Gruppe oder gar grĂ¶ĂŸeren Schar Mitreisender an eine Route oder ein Verkehrsmittel gebunden bin, wo die AblĂ€ufe der Reisetage, Zeiten und Orte fĂŒr AusflĂŒge oder Stunden-Slots fĂŒr »Freizeit« oder die tĂ€glichen Mahlzeiten vorgegeben sind. Ich mag keine ĂŒberfĂŒllten ZĂŒge, Schiffe, Flugzeuge oder Hotels, sondern möchte im kleinstmöglichen Kreis mit angenehmen und »pflegeleichten« geschĂ€tzten Menschen meine Ferien verbringen. Unangenehme, aber unvermeidliche Phasen der An- und Abreise mit Schlangestehen oder Warten sowie notwendige Zeitabschnitte mit Fortbewegung oder Unterbringung inmitten grĂ¶ĂŸerer Menschengruppen versuche ich, auf ein Minimum zu reduzieren. Am Ziel der Reise wĂŒnsche ich mir Autonomie, Stille, Genuss und auch etwas Komfort, der nicht unbedingt »luxuriös« sein muss. Dazu genĂŒgen bequeme Betten, eine gut ausgestattete KĂŒche zur Selbstverpflegung nebst allen Utensilien zum Zubereiten und Servieren, eine stabile und schnelle Internetverbindung und einige gemĂŒtliche Sitzecken draußen oder drinnen zum Entspannen, Filme schauen, lesen oder Musikhören. Ich möchte schlafen, so lange ich will und anschließend trotzdem noch, ohne RĂŒcksicht auf örtliche Buffet-Öffnungszeiten, ausgiebig frĂŒhstĂŒcken können. Ich möchte selbst in GeschĂ€ften oder auf MĂ€rkten einkaufen können, dabei vielleicht lokale, mir unbekannte Köstlichkeiten entdecken und meinen tĂ€glichen Speiseplan nach Angebot und Appetit zusammenstellen. Ich möchte Tage mit Muße und Ruhe verbringen, wenn mir danach ist. Wenn ich unternehmungslustig bin, möchte ich – auch spontan â€“ selbstgeplante AusflĂŒge machen und wenn ich einfach nur in der Natur wandern oder Zeit an einem (gerne wenig besuchten) Badestrand verbringen möchte, sollte auch das möglich sein, ohne auf eine vorgegebene Agenda RĂŒcksicht nehmen zu mĂŒssen. Ich möchte selbst entscheiden, wann ich mich, z.B. bei einem Stadtausflug, in grĂ¶ĂŸeren Trubel und unter Menschen begebe und wann ich mich in eine ruhige und ungestörte Umgebung zurĂŒckziehen will. Luxus bedeutet fĂŒr mich, mich ohne Fremdbestimmung erholen und etwas unternehmen zu können und dabei das jeweilige Maß an GerĂ€usch und Geselligkeit selbst bestimmen zu können.

Die schon erwĂ€hnte Neugier(de) – eigentlich gefĂ€llt mir das deutsche Wort ĂŒberhaupt nicht, weil da das unsympathische »Gier« drinsteckt, ich finde das englische »curiosity« viel netter – umfasst jedesmal alles, was mir am Zielort begegnet. Zwar werden die Hin- und RĂŒckreise, die Unterkunft, eventuelle wichtige Einkaufsmöglichkeiten vor Ort und einige wenige Anlaufstellen wie ein erstes Restaurant, ggf. ein Bahnhof fĂŒr AusflĂŒge oder, falls die Unterkuft etwas abgelegener liegt, die nĂ€chstgrĂ¶ĂŸere Ortschaft vorab recherchiert, aber das meiste andere, WochenmĂ€rkte, Ausflugsziele, Wanderrouten, Einkaufszentren, FußgĂ€ngerzonen, am liebsten erst vor Ort erkundet. Nach der Ankunft nehme ich mir möglichst bald gerne einige Stunden Zeit, um einfach ziellos in der Gegend herumzustromern, die Nachbarschaft der Unterkunft zu erkunden, egal, ob in einer Stadt oder mitten im Wald. Ich will wissen, wie sich das Urlaubsziel anfĂŒhlt, wie es aussieht, wie es riecht. Ich möchte wissen, was draußen wĂ€chst, wo die Straßen, Wege und Trampelpfade hinfĂŒhren, wie die Sprache, der Dialekt oder der Akzent der Leute klingen, auch wenn ich ihre Sprache nicht oder kaum beherrsche. Ich möchte wissen, wie die Menschen aussehen, wie sie gekleidet sind, wie ihr Alltag auf der Straße ablĂ€uft, wie ihre HĂ€user gebaut sind, wie die Pflanzen in ihren GĂ€rten aussehen, was auf ihren Balkons steht, was man von außen beilĂ€ufig durch die Fenster ihrer Wohnungen sehen kann. Ich beobachte den Verkehr, die FußgĂ€nger, die Radfahrer, studiere Straßenschilder, Wegweiser, Beschriftungen und Leuchtreklamen, betrachte Werbeplakate und Schaufenster, besuche kleine und große GeschĂ€fte und stöbere im lokalen Warensortiment. Besonders Markthallen finde ich großartig. Am beeindruckendsten waren fĂŒr mich bislang die in Florenz, in Kopenhagen, in Budapest und in Malmö. Das Treiben der Marketender und Kunden, die unzĂ€hligen Lebensmittel und Delikatessen und – die GerĂŒche! Wie viele DĂŒfte und GerĂŒche habe ich im Kopf aus Urlauben mit nach Hause genommen und werde jedesmal an den Ort ihrer Wahrnehmung zurĂŒckkatapultiert, wenn mir zu Hause irgendwo zufĂ€llig ein Anklang daran begegnet. Der Duft frisch gebackenen Fladenbrotes oder knuspriger Pizza, der leicht metallische Geruch frischen Fleisches, die Aromen von KĂ€se, von gerĂ€uchertem Fisch oder WĂŒrsten, gerade geröstete Kaffeebohnen, Putzmittel, Parfum, Überbackenes, Kandiertes, Gebratenes, die DĂŒfte von Schnittblumen und GewĂŒrzen, der trockene Geruch von Kleidung, Tuchwaren und Teppichen. Ich gehe wie ein Schwamm durch die neue Umgebung und sauge alles auf, was durch meine Sinnestore passt. Nach Möglichkeit und Budget mĂŒssen die SpezialitĂ€ten all dieser FĂŒlle natĂŒrlich auch verkostet und ausprobiert werden. Das ist Reisen fĂŒr mich.

Doch trotz des immer vorhandenen Interesses fĂŒr Land und Leute fĂŒhlen sich manche Orte, Reiseziele oder Urlaube fĂŒr mich unterschiedlich an. In manchen LĂ€ndern bleibe ich immer der Reisende. Ich bin zu Gast und fĂŒhle mich zu Gast, ich bin Besucher, Beobachter, Zuschauer. Die Unterkunft ist perfekt, das Wetter hervorragend, alle Unternehmungen laufen nach Plan, das Essen schmeckt köstlich, die EindrĂŒcke sind ĂŒberwĂ€ltigend, neu und interessant, die Landschaften und Bauwerke atemberaubend, die einheimischen Menschen sind freundlich, hilfsbereit und famose Gastgeber und doch bleibt immer eine hauchdĂŒnne Barriere zwischen mir und meiner Urlaubsumgebung spĂŒrbar. Als wĂ€re ich in einem Zug oder einem glĂ€sernen Fahrzeug wie dem »Papamobil« unterwegs, vieles ist und bleibt mir fremd, obwohl es mich fasziniert, mir gefĂ€llt oder mich beeindruckt. Ich nehme viel wieder mit nach Hause, habe Dutzende Fotos gemacht, schöne Erlebnisse gehabt, vortreffliche Speisen gekostet, tausend neue Dinge gesehen, bin netten Menschen begegnet und doch bleibt es eine Reise, von der ich wieder »nach Hause« zurĂŒckkehre.

In Skandinavien und insbesondere in Schweden ist das etwas anders. Wenn ich hier bin, habe ich das GefĂŒhl, ich sei bereits vor meinem allerersten Besuch schon einmal hier gewesen und auch, als wĂ€re ich den Menschen hier auf seltsame Weise verbunden. Wenn ich alleine durch den Wald gehe, ist es zwar still, aber ich höre die BĂ€ume und Felsen flĂŒstern »willkommen zurĂŒck!«. Auch der Wind, der durch die BĂ€ume streicht oder das Rauschen eines kleinen Waldbaches sagen »da bist du ja wieder!«. Ich fĂŒhle mich nicht wie in einem fremden Land, sondern wie in einem Ur-Zuhause, wandere nicht als Beschauer umher, sondern bin an einem Ort angekommen, der sich anfĂŒhlt, als gehörte ich dorthin. Es fĂŒhlt sich an wie ein Einrasten, als spĂŒrte ich ein »Klick« und fĂŒgte mich an einem Platz ein, der genau der richtige fĂŒr mich ist.

Mich wĂŒrde interessieren, ob das nur mir so geht oder ob auch andere an manchen Orten, egal ob im Ausland oder in »ihrem« Inland, ein Ă€hnliches GefĂŒhl oder vergleichbare Unterschiede bei der Wahrnehmung ihrer Reiseziele haben.

NĂ€chstes Jahr, wenn nichts dazwischen kommt, Schweden, komme ich wieder.

Ferien in Sagrotan

Eine schöne Urlaubswoche in Schweden liegt hinter mir und ich werde nachtrĂ€glich auch bestimmt dazu noch etwas bloggen. Es ist jedesmal eine Wohltat, weit weg vom GroßstadtlĂ€rm, nah an der Natur, zwischen Seen, Bergen und inmitten unfassbar weiter WĂ€lder dieses Land zu bereisen. Entsprechend haben der Mann und ich auch von unserem einsam gelegenen Ferienhaus in der Provinz VĂ€rmlands lĂ€n zahlreiche AusflĂŒge zu Wanderungen durch die schöne Landschaft unternommen.

Im Urlaub bin ich der Chauffeur. Da ich selbst kein eigenes Auto mehr besitze, hĂ€lt mich das in Übung, ich mache es gerne und der Mann kann mich lotsen und die Fahrten genießen. Win-win. Auf einer der Touren fuhren wir an einem der typischen blau-weißen Wegweiserschilder vorbei, auf dem ich auf den ersten Blick den Ortsnamen SAGROTAN zu lesen glaubte. TatsĂ€chlich hieß es jedoch SEGOLTAN, wie sich an der nĂ€chsten Abzweigung erwies. Witzig, ein Ort der heißt wie ein Putzmittel, dachte ich und ging in Gedanken andere Markennamen in diesem Segment durch, um zu schauen, ob es in Schweden noch weiteres Potenzial fĂŒr solcherlei Verwechslungen gĂ€be. Und tatsĂ€chlich, etliche reale Produkte aus deutschen DrogeriemĂ€rkten könnten ohne weiteres schwedische Orte bezeichnen. Und umgekehrt habe ich allein in einer Liste aller Dörfer und StĂ€dte in VĂ€rmlands lĂ€n spontan fast fĂŒnfzig Ortsnamen ausmachen können, nach denen man durchaus werbewirksam neue Putz- oder Reinigungsmittel benennen könnte. Faszinierend.

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es hier ĂŒberall so schön sauber aussieht.

  • ALMAR
  • ASP
  • BLAXMO
  • FJALL
  • FORS
  • GAMBOL
  • GATAN
  • GRAV
  • HVISSLE
  • JONSONA
  • KARR
  • KIL
  • KLAXAS
  • KOLSTAN
  • LAXVIK
  • LERHOL
  • LIAN
  • LOVAS
  • MALMA
  • MYRA
  • NAST
  • NEVA
  • OBYN
  • PARSBOL
  • RADA
  • RAXED
  • RINNA
  • RULLAN
  • SALLOM
  • SAXAN
  • SEGOLTAN
  • SKAL
  • SMADAL
  • SNARKIL
  • SOLLOM
  • SORBY
  • SULVIK
  • TAPPAN
  • TJARN
  • TORP
  • TORTAN
  • TVETA
  • UPRAN
  • VANG
  • VIK
Hintergrundbild von Bara Karall auf Pixabay

Blögchen, wechsel dich!

Letzten Samstag bekam ich einen Schreck. Als ich mich als Admin ins WordPress-Backend meines Blogs einloggen wollte, ging nichts mehr. Der vermeintliche Login-Prozess dauerte ewig, am Ende wurde lediglich eine Fehlermeldung eingeblendet: »502 Proxy Error – The proxy server received an invalid response from an upstream server. The proxy server could not handle the request. Reason: Error reading from remote server«. Uff.

Die gute Nachricht: Das Blog war abseits des Login-Fehlers im Netz fehlerfrei aufrufbar. Die schlechte Nachricht: Das letzte Backup war einige Monate her (KEIN MITLEID!). Also suchte ich nach Berichten und Tipps in Foren, Blogs und auf Hilfeseiten, was die Ursache sein könnte. Am Abend zuvor hatte ich noch vor dem Einschlafen mit dem mobilen WordPress-Client vom Bett aus einen Beitragskommentar freigegeben und beantwortet, doch auch dieser App war nun jeder Login-Zugriff verwehrt. Über Nacht hatten keine protokollierten Updates von Plugins, der PHP-Version oder WordPress selbst stattgefunden. Es blieb ein RĂ€tsel. Die Recherche ergab, dass oftmals Plugins fĂŒr diese Fehlermeldung verantwortlich sind und es gab auch Tipps, wie ich alle oder einzelne Plugins mittels eines FTP-Clients – der glĂŒcklicherweise eingerichtet vorhanden war und auch funktionierte – deaktivieren und so systematisch prĂŒfen konnte, wo der ÜbeltĂ€ter zu vermuten war. Inzwischen war auch eine E-Mail aus dem Backend eingetroffen, die zwar nochmals fĂŒr Herzklopfen sorgte mit Betreff und Einleitung (»Deine Website hat ein technisches Problem« / »ein Plugin oder ein Theme hat einen fatalen Fehler auf deiner Website verursacht«) , aber auch zwei wichtige Hinweise zur Fehlerbehebung enthielt, nĂ€mlich den Namen des Plugins sowie einen Login-Link, der Zugriff auf das WordPress-Backup im »Wiederherstellungsmodus« ermöglichen sollte. Und das klappte!

Ich beschloss daraufhin, nicht nur das vermeintlich fehlerhafte Plugin zu deaktivieren bzw. zu ersetzen, sondern das Blog insgesamt einer GeneralĂŒberholung zu unterziehen: alle Plugins auf KompatibilitĂ€t prĂŒfen, nicht (mehr) benötigte abzuschalten und zu entfernen bzw. durch neue oder besser bewertete zu ersetzen, die PHP-Version zu aktualisieren und das jĂŒngste Update des WordPress-Core selbst zu installieren. Doch auch mein Backup-Plugin »BackWPup« wies nun Fehlfunktionen auf. Trotz der bis zum Ende durchgefĂŒhrten Backup-Prozedur wurden bei mehreren DurchgĂ€ngen und mit unterschiedlichen Backup-Konfigurationen zwischen 9.000 und 20.000 »Warnungen« ausgegeben: »Trying to access array offset on value of type bool«. Also auch dieses Plugin ausgetauscht. Das neue, »UpdraftPlus« lief anstandslos, na also. Nach dem Schreck erschien es mir sinnvoll, ein Backup-Schema mit regelmĂ€ĂŸigen Sicherungsintervallen einzurichten und schließlich funktionierte alles wieder fehlerfrei. Hurra!

Dennoch wollte ich es dabei nicht bewenden lassen. Die Anzahl der Plugins könnte noch weiter verringert werden, mein schon etwas betagtes Theme »Treville« auf eine neuere, komfortabler zu handhabende Generation umgestellt werden und das Design einem behutsamen »Facelift« unterzogen werden. Also, auf ans Werk!

Als ich den »Look« des Blogs kritisch betrachtete, war ich damit insgesamt immer noch recht zufrieden. Mein Farbschema, die gewĂ€hlten Schriften, die vom »EXPO2000«-Logo inspirierte Headergrafik, das Seitenlayout – eigentlich war das immer noch »ich«, obwohl dieser Look bereits seit November 2012 im Einsatz ist. Ein gutes Zeichen, also beschloss ich, das Design nur minimal zu aktualisieren und ansonsten dabei zu bleiben.

Da die Arbeit mit HTML und CSS nicht mein tĂ€glich Brot ist und meine Kenntnisse darin begrenzt sind, suche ich beim »Blogbasteln« recht oft UnterstĂŒtzung auf Seiten wie mdn web docs‘ CSS reference oder W3Schools, bislang auch stets mit Erfolg. Diesmal beschloss ich, versuchsweise zusĂ€tzlich ChatGPT zur PrĂŒfung und Optimierung meiner selbstgebastelten Codeschnipsel hinzuzuziehen. Das klappte im Prinzip auch sehr gut, lediglich bei der SchlussprĂŒfung der lokalen Schrifteinbindung baute mir die K.I. einen ziemlich groben Fehler bei der Auszeichnung der »Fallback-Schriften« in den CSS-Code ein, der zwar anfangs plausibel aussah, aber bei der Anwendung zum kompletten Versagen des Stylesheets fĂŒhrte. Erst mithilfe menschlicher Ratgeber via Mastodon konnte ich den Lapsus wieder ausmerzen.

Jetzt sieht alles so aus, wie es aussehen soll, funktioniert (der ersten PrĂŒfung nach) fehlerfrei, auf dem neuesten Stand mit einem neuen WordPress-Theme und gut gesichert mit einem periodischem Backup-Plan. Ich hoffe, meinen Besuchern und Lesern gefĂ€llt’s.

Ausschnitt einer deutschen Originalzeichnung fĂŒr die »Lustigen TaschenbĂŒcher«, selbst geknipst im Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach (Saale).