Corona.

Foto: © formschub

Ich hab’s hinter mir. Hoffe ich zumindest. Zwar muss ich ab und zu noch husten, aber das kenne ich auch von herkömmlichen Erkältungen und es gibt sich nach einiger Zeit. An der »Erkältung«, die mich im März 2020 erwischte, war jedoch kaum etwas normal, obwohl mir glücklicherweise ein Klinikaufenthalt oder Schlimmeres erspart blieb. Inzwischen bin ich mir aufgrund der Begleitumstände in meinem persönlichen Umfeld, des Krankheitsverlaufs und dem inzwischen vorliegenden Ergebnis des nachträglichen Antikörpertests so gut wie sicher: es war »Corona« (COVID-19).

Ich habe mich nun mal daran gesetzt, anhand meines Textnachrichtenverlaufs, eigener Erinnerungen, meiner Twitter-Timeline und der Facebook-Chronik, meiner Handy-Anrufliste und meines Browserverlaufs den Hergang meiner ganz persönlichen »Corona-Geschichte« zu rekonstruieren. Es war ein wenig mühsam, die Geschehnispartikel zu sammeln und zusammenzusetzen, aber letztlich funktionierte es erstaunlich gut. Vielleicht kann ja der Eine oder Andere aus diesem »Tagebuch« für sich auch einen Nutzen ziehen.

Was an der folgenden chronologischen Aufzeichnung besonders deutlich wird: weil SARS-CoV-2 ein komplett neues Virus ist, wurden viele Erkenntnisse zum Infektionsverlauf, zu den Symptomen und den organischen Auswirkungen erst nach und nach bekannt – in meinem Fall bei allen drei genannten Beteiligten »zu spät«, um daraus sofort die richtigen Schlüsse ziehen zu können und die Erkrankung an den wenigen anfangs bekannten Symptomen zweifelsfrei zu erkennen.

Für die Zeit vor Beginn dieses Protokolls empfehle ich den Beitrag »Die verlorenen Wochen« auf der Website der Tagesschau. Er beginnt mit folgenden Worten:

»Am 31. Dezember versendet das internationale Frühwarnsystem ProMED eine E-Mail. Es geht um eine unbekannte Lungenentzündung in China. Die Meldung zum neuartigen Coronavirus geht auch nach Berlin ans Robert Koch-Institut.«

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Flashback

Wenn ein Solist zusammen mit einem Orchester in einem klassischen Konzert auftritt, gibt es nach dem eigentlichen Werk bei hinreichend stürmischem Applaus gern eine Zugabe des Solisten oder der Solistin. Ich mag diese Zugaben, denn sie sind oft ganz anders als das zuvor dargebotene Stück. Das vom Veranstalter für den Konzerttermin plakatierte Programm soll die Zuschauer in den Konzertsaal locken, man spielt meist klassische Gassenhauer allseits bekannter Komponisten, in großen Lettern prangen Orchester, Dirigenten und Solisten auf den Aushängen, die Karten müssen raus, das Publikum rein. Das ist auch völlig legitim, es muss sich ja schließlich rentieren und gegen die zu Gehör gebrachten populären Kompositionen, so oft sie auch auf dem Programm stehen, kann man eigentlich auch nichts sagen. Evergreens halt: Bach, Beethoven, Mozart, Tschaikowski.

Die Zugaben hingegen sucht der Solist oder die Solistin selber aus. Vielleicht gibt es zu ihnen eine persönliche Verbindung, sie stehen nicht vorab auf Postern und Plakaten. Vielleicht sind es Stücke, die ihm/ihr etwas bedeuten, Lieblingskomponisten oder Werke mit Bezug zur eigenen Lebensgeschichte. Ich habe oft das Gefühl, dass das musikalische Band zwischen Klassik-Publikum und Solist*in während einer Zugabe intimer und persönlicher wird als beim großen Auftritt davor.

Genauso ging es mir auch kürzlich bei einem Konzert Ende April in der Berliner Philharmonie. Auf dem Programm mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Hannu Lintu standen Bach, Lutosławski und als Hauptwerk das bekannte Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 18 von Rachmaninow. Schöne Stücke, famos gespielt, gerne gehört. Der begeisterte Applaus holte den Solisten, den usbekischen Pianisten Behzod Abduraimov, mehrfach zurück auf die Bühne und schließlich nahm er erneut auf dem Klavierhocker Platz, um eine Zugabe zu spielen.

Nach den ersten Noten bekam ich Gänsehaut und ich merkte, dass ich diese Gänsehaut, zu genau diesem Stück schon einmal hatte und ich wusste auch sofort, wann und wo. Es ist Jahrzehnte her, und am Klavier saß damals C.

Ich hatte C während meines Grundwehrdienstes bei den Sanitätern als »Bundeswehrkumpel« kennengelernt. Er war ein netter Typ mit einem feinen Sinn für Humor und spielte zwei Instrumente: Fagott und Klavier. In der Kaserne hatte er die natürlich nicht dabei, aber während des Kennenlernens war es öfter ein Thema, dass er Musik liebte und auch selbst spielte. Für ihn war klar: nach dem Wehrdienst wollte er Berufsmusiker werden, am liebsten in einem Orchester.

Während dieser Zeit lud C einige Freunde aus unserer Sani-Gruppe, darunter auch mich, zu seiner Geburtstagsfeier in sein Elternhaus ein. Die Feier war amüsant und gesellig, man redete, lachte, trank Bier und Wein und ich genoss es einmal mehr, nicht nur während solcher Feiern, sondern auch während der damaligen Dienstzeiten, dass ich mit dem »Abijahrgang« zu Beginn des Sommers eingezogen worden war. Die jungen Mitsoldaten in meiner Einheit waren (vielleicht auch deshalb) allesamt sehr nette und umgängliche junge Männer, glücklicherweise ganz anders als die oft etwas grober geschnitzten Rekruten, von deren destruktiven Exzessen bei Partys oder auf Zugreisen man bisweilen öfter Unschönes zu lesen bekommt.

In Cs Zimmer an der Wand stand das erwähnte Klavier – und wenn der Gastgeber einer Feier Musiker ist, fordert die Gästeschaft natürlich unweigerlich irgendwann eine Kostprobe des musikalischen Könnens. So war es auch an diesem Abend und nach etwas gespieltem sich-Zieren ließ sich C breitschlagen und intonierte »La Campanella« von Liszt – dasselbe Stück, das nun der Klaviersolist als Zugabe im Konzertsaal der Philharmonie ausgesucht hatte. Es hat ein wunderschönes changierendes, flirrend-leichtes Thema und ich konnte es nicht fassen, wie jemand, der direkt vor mir am Klavier saß, diesem schweren massiven Instrument allein mit der Geschicklichkeit seiner Hände solche zauberhaften Klänge entlocken konnte. Hier hatte sie ihren Ursprung: die Gänsehaut, die ich gerade wieder verspürt hatte und allen der damals mit mir applaudierenden Partygäste war klar, dass hier gerade ein junger Künstler mit erheblichem Talent gespielt hatte, einer, der eine glänzende Karriere als Orchestermusiker vor sich hatte.

C hat tatsächlich nach dem Ende der Bundeswehrzeit mehrere Versuche unternommen, sich bei Musikhochschulen zu bewerben, um seinen Traum zu verwirklichen. Nach mehreren gescheiterten Aufnahmeprüfungen gab er das Vorhaben dann auf und studierte Nachrichtentechnik. Ich habe ihn nach der Bundeswehrzeit dann irgendwann aus den Augen verloren.

Und an diesen geplatzten Traum musste ich denken, mit meiner Gänsehaut, während der wunderschönen Zugabe von Behzod Abduraimov, neulich in Berlin.

Sauerteig-Schokobrot mit Haselnüssen

Zutaten
(für einen Laib von ca. 1 kg)

25 g aktiver Roggensauerteig (Starter)
430 g Weizenmehl 550
130 g Roggenvollkornmehl
40 g Backkakao
1 gehäufter EL dunkles Roggenmalz (»Färbemalz«)
2 EL Ahornsirup (oder andere Süße wie Zucker, Honig, Agavendicksaft etc.)
etwa 420 ml handwarmes Wasser
125 g Haselnüsse
1 gestrichener EL Salz

Das Wasser in eine große Rührschüssel geben und den Sauerteig darin auflösen. Die abgemessenen Mengen Mehl, Kakao, Malz und Salz in einer anderen Schüssel trocken miteinander vermengen und die Mischung zu der Sauerteigsuspension geben. Die Zutaten ca. 5 Minuten lang mit einem Handrührer (Knethaken) zu einem homogenen Teig verrühren, zum Schluss kommen die Haselnüsse dazu und werden kurz untergerührt.

Jetzt muss der Teig 18–20 Stunden (je nach Temperatur und Teigaktivität) abgedeckt bei Zimmertemperatur reifen und aufgehen, am Besten vor Zugluft geschützt. Richtig gut wird das Brot, wenn du den Teig während dieser Zeit ca. 3–4 Mal dehnst und faltest.

Nach Ende der Gehzeit (»Stockgare«) gibst du den aufgegangenen Teig vorsichtig auf eine bemehlte Arbeitsfläche und formst ihn zu einem runden Laib, idealerweise mit der Technik des sogenannten »Rundwirkens«.

Anschließend wird der geformte Laib außen gut bemehlt und mit der zuvor obenliegenden glatteren Seite nach unten in einen runden Gärkorb gelegt. Das Ganze wird mit einem Teigtuch oder einer Topfhaube abgedeckt und darf für weitere 1–3 Stunden gehen, bis der Teigling etwa auf die gut anderthalbfache Größe aufgegangen ist (»Stückgare« oder »Endgare«). Wenn du unsicher bist, kannst du auch testen, ob der Laib reif genug zum Backen ist.

Rechtzeitig vorher solltest du den Ofen auf 250°C vorheizen, falls du einen Pizzastein oder Backstein (Schamottstein) besitzt der im Ofen mit vorheizen kann, um so besser.

Hat der Ofen die Endtemperatur erreicht, stürzt Du den Teig aus dem Gärkorb auf ein Stück Backpapier und ziehst es damit auf den Backstein oder das Backblech (beim Backstein kannst du das Backpapier weglassen) und ritzt den gestürzten Laib auf der Oberseite mit einem superscharfen Messer kreuzweise ein. Das alles muss relativ schnell gehen – verbrenne dich nicht, am besten trage Ofenhandschuhe!

Um Dampf zu erzeugen, kippst du ein halbes Glas Wasser (ca. 100–150 ml) auf den heißen Ofenboden. Die Ofenklappe sofort schließen und die Temperatur auf 200 °C reduzieren. Das Brot für 30 Minuten backen. Jetzt kannst du den Ofen kurz öffnen, um den Dampf abzulassen und bäckst das Brot bei ca. 180 °C noch etwa 25 Minuten weiter.

Das Brot ist fertig, wenn es eine schöne Kruste hat und sich das Klopfen auf die Unterseite hohl anhört.

Fotos: © formschub

Weinblätter-Risotto

Wer kennt es nicht – das Elend mit den fertig abgepackten Lebensmitteln. Vorgestern hatte ich Appetit auf ein Rezept aus einem australischen Kochbuch (Fischfilet-Stücke mit Oliven-Tapenade bestrichen, in Weinblätter gewickelt und in einer Auflaufform 15 Minuten im Ofen gebacken) und musste dafür notgedrungen eine ganze Packung Weinblätter kaufen. Und gestern saß ich dann da mit 200 g Restweinblättern und überlegte, was ich damit zubereiten könnte. Zwar hätte ich Lust gehabt auf gefüllte Weinblätter, aber keine Lust auf das Füllen und Wickeln. Also habe ich das Rezept quasi »dekonstruiert« und ein Risotto mit einem orientalischen Topping daraus gemacht. Wer’s auch mal ausprobieren möchte – bittesehr!

Zutaten
(für 3–4 Personen)

1 Zwiebel oder 2 Schalotten
200 g Risottoreis (Arborio)
800–900 ml Hühnerbrühe
150–200 g eingelegte Weinblätter
1/2 Bio-Zitrone
1 Handvoll glatte Petersilie
100 g Schafskäse / Feta aus Schafsmilch
für eine abrundende Süße: 1–2 TL Honig, Ahornsirup oder Zucker
300 g Lammhack
30 g Pinienkerne
1 TL Zimt
2 TL Ras el-Hanout
Salz
Pfeffer
Olivenöl

Die Pinienkerne auf einem Porzellanteller flach ausbreiten, im Ofen (Heißluft, 160 °C) 20 Minuten goldbraun rösten und abkühlen lassen. Die Zwiebel fein würfeln, die Weinblätter entstielen und in schmale kurze Streifen schneiden, den Schafskäse fein zerkrümeln. Die Schale der Zitrone abreiben und den Saft auspressen. Petersilie fein hacken.

In einem Topf das Olivenöl erhitzen und die Zwiebelwürfel glasig anbraten. Den trockenen Reis zugeben und einige Minuten im heißen Öl mit anrösten. Unter gelegentlichem Rühren in 3–4 Schüben die Brühe zugießen und den Reis darin nach und nach bei schwacher Hitze gar köcheln lassen. Zusammen mit dem letzten Schuss Brühe die Zitronenschale, die zerkleinerten Weinblätter und die Petersilie hinzufügen. Wenn das Risotto cremig-al dente ist, den Schafskäse einrühren und mit Süße, Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Während der Reis kocht, in einer Pfanne mit wenig Öl das Lammhack krümelig braun braten und dabei mit Zimt, Ras el-Hanout, Salz und Pfeffer würzen.

Risotto auf einem Teller etwas breitgestrichen portionieren und jeweils etwas Lammhack und einige Pinienkerne darüber verteilen.

Rezept und Foto: © formschub

Egg Clock Pop

So, es gibt nun bei Spotify auch eine Popmusik-Version der Eierkoch-Playlist.

Es war deutlich schwieriger, Tracks mit genau der passenden Länge zu finden, weshalb ich die Toleranz bei der Spieldauer im Vergleich zu den Klassik-Stücken (±1 Sekunde) auf ±3 Sekunden erhöhen musste. Zudem unterscheidet sich »Mainstream-Pop« auch in der Länge der Titel deutlich von Klassik – gefühlt 90% aller Songs sind unter 4 Minuten lang, deutlich weniger zwischen 5 und 7 Minuten und ab 8 Minuten wird die Luft richtig dünn. Mir blieben nur zwei Auswege: die Einbeziehung von »Extended«-Remixes und zwei Ausflüge ins benachbarte Genre »Ambient/Electronic« (Underworld und Chicane), wo die Tracks naturgemäß etwas länger sind.

Ansonsten gelten dieselben Eierparameter, Titelreihenfolgen und Kochzeit-Richtwerte wie bei den Tabellen der Klassik-Playlist. Enjoy!

Titel 1–12: Eier aus dem Kühlschrank (ca. 7 °C)

KonsistenzGröße SGröße MGröße LGröße XL
weichTitel 1 (4:00)Titel 2 (4:30)Titel 3 (4:56)Titel 4 (5:30)
wachsweichTitel 5 (6:00)Titel 6 (6:38)Titel 7 (7:22)Titel 8 (8:13)
hartTitel 9 (8:15)Titel 10 (9:05)Titel 11 (10:06)Titel 12 (11:06)

Titel 13–24: Eier mit Zimmertemperatur (ca. 20 °C)

KonsistenzGröße SGröße MGröße LGröße XL
weichTitel 13 (3:03)Titel 14 (3:22)Titel 15 (3:45)Titel 16 (4:11)
wachsweichTitel 17 (5:03)Titel 18 (5:34)Titel 19 (6:12)Titel 20 (6:54)
hartTitel 21 (7:16)Titel 22 (8:01)Titel 23 (8:55)Titel 24 (9:57)

Die tatsächliche Spieldauer der einzelnen Titel weicht zumeist um ±3 Sekunden von der empfohlenen Kochzeit ab.

(Hinweis: Die unten eingebettete und oben im Text verlinkte Playlist spielt die Titel nur für angemeldete Spotify-Nutzer in voller Länge aus.)

Foto: © formschub

Egg Clock Baroque

Die Suche nach dem ultimativen Gargeheimnis für das perfekt gekochte Ei ist wohl mindestens so alt wie der Eierbecher. Der eine mag sein Ei hart mit krümeligem Dotter, der andere liebt es »wachsweich«. Gourmets kochen es im Sous-vide-Wasserbad bei exakt 64,5 ºC zwischen 45 Minuten und 60 Minuten als japanisches »Onsen-Ei« und Loriot meinte, eine Hausfrau habe es im Gefühl, wenn das Ei weich sei (ihr Gatte war bekanntermaßen anderer Meinung). Wahre Eierkoch-Nerds können sogar die Temperatur ihres Frühstückseies nebst Durchmesser oder Gewicht vor dem Kochen ermitteln und mit diesen Werten anhand einer Formel die Kochzeit bis zum gewünschten Gargrad – gemessen anhand der Dotter-Innen-Endtemperatur – ausrechnen. Die Wege zum perfekt gekochten Ei sind so individuell wie die subjektiven Vorlieben bei dessen Verzehr.

Ich persönlich mag mein Ei am liebsten mit vollständig koaguliertem Eiweiß (schon als Kind hasste ich den weißen »Glibber«, der nach zu kurzem Kochen das Dotter umgab), das Eigelb darf am Rand gerne hellgelb gegart sein, sollte aber möglichst noch einen großtenteils flüssigen Kern haben. Meine Faustregel für den favorisierten Ei-Endzustand lautete bisher: 7 Minuten und 30 Sekunden Kochzeit bei einem Ei mit Größe M (laut Packungsaufdruck), bei Zimmertemperatur gelagert und gemessen ab dem Moment, wenn es ins sprudelnd kochende Wasser gelegt wird.

Mit einer Spieldauer von 7 Minuten und 43 Sekunden liegt der erste Satz »Allegretto« des Violinkonzerts Es-Dur von Franz Benda auf der CD »Concerti« (Accent ‎ACC 24215, 2009) ziemlich dicht an dieser Faustregel, wie der Mann kürzlich herausfand. Und tatsächlich kam das gekochte Ei, nachdem es vom Ensemble »Il Gardellino« in seinem brodelnden Wasserbad damit befiedelt wurde, einem perfekten Ergebnis bemerkenswert nah. Das brachte mich auf die Frage, ob es – neben mechanischen Kurzzeitweckern, Sanduhren, digitalen Timern, Stoppuhren und ähnlichem Zeitmessgerät – nicht auch schon eine »Eierkoch-Playlist« gibt, mit der jeder – je nach seiner persönlich präferierten Verzehrkonsistenz, der Eiergröße und der Lagertemperatur – sein Ovulum ganz einfach während der Spieldauer des passenden Musikstücks garen kann. Natürlich erfordert auch diese Idee eine gewisse Vereinfachung der Ausgangsparameter Größe/Gewicht und Temperatur, aber nach einer kurzen Recherche war ich sicher: es geht.

Die geeignete Basis für die benötigte »Eierkochmatrix« entdeckte ich auf der Website philognosie.net, die sich seit 2001 das Ziel setzt, praktisch nutzbares Wissen aller möglichen Themengebiete auf seriöser Grundlage zu sammeln und aufzubereiten. Unter der Überschrift »Perfekte weiche und harte Eier kochen« finden sich dort zwei Tabellen: eine für Eier aus dem Kühlschrank (ca. 7 °C) und eine für Eier, die bei Zimmertemperatur gelagert wurden (ca. 20 °C). Die Eier sind jeweils in vier Gewichtsklassen sortiert: S (bis 53 g), M (>53–63 g), L (>63–73 g) und XL (>73 g) und als Kochziele sind »weich«, »wachsweich« und »hart« verfügbar. Macht pro Tabelle zwölf empfohlene Zeitangaben, bei zwei Tabellen also 24 Kochzeitempfehlungen.

Nun musste ich »nur noch« 24 Musiktitel ausfindig machen, deren Spieldauer möglichst exakt den Angaben in den Tabellen entsprechen. Von Franz Benda kommend, entschied ich mich, auf dem Feld der Barockmusik zu bleiben (mit Haydn und Mozart als »Ausreißer« der Wiener Klassik) – sie ist frühstückstauglich, kompatibel mit dem Musikgeschmack einer recht breiten Bevölkerungsgruppe, relativ unabhängig von musikalischen Trends, trotz ihres kompositorischen Anspruchs melodiös und gefällig und es gibt eine unglaubliche Auswahl an Werken, Stücken und Aufnahmen. Der Rest war »Handarbeit«: Ich suchte mir ein gutes Dutzend bekannter und weniger bekannter Komponisten heraus, scrollte durch endlose Tracklistings, pickte Stücke mit einer möglichst genau passenden Spieldauer (±1 Sekunde) heraus und brachte sie pro Tabelle in eine sinnvolle Reihenfolge. Und hier ist sie: die Spotify-Playlist »Eierkochklassik«.

Update: es gibt inzwischen auch eine Popmusik-Version der Playlist.

Ich freue mich über Eure Erfahrungsberichte beim Ausprobieren!

Titel 1–12: Eier aus dem Kühlschrank (ca. 7 °C)

KonsistenzGröße SGröße MGröße LGröße XL
weichTitel 1 (4:00)Titel 2 (4:30)*Titel 3 (4:56)Titel 4 (5:30)*
wachsweichTitel 5 (6:00)*Titel 6 (6:38)*Titel 7 (7:22)Titel 8 (8:13)
hartTitel 9 (8:15)Titel 10 (9:05)Titel 11 (10:06)*Titel 12 (11:06)

Titel 13–24: Eier mit Zimmertemperatur (ca. 20 °C)

KonsistenzGröße SGröße MGröße LGröße XL
weichTitel 13 (3:03)Titel 14 (3:22)*Titel 15 (3:45)Titel 16 (4:11)
wachsweichTitel 17 (5:03)Titel 18 (5:34)*Titel 19 (6:12)Titel 20 (6:54)*
hartTitel 21 (7:16)Titel 22 (8:01)Titel 23 (8:55)Titel 24 (9:57)*

Die tatsächliche Spieldauer der mit * markierten Titel weicht um ±1 Sekunde von der empfohlenen Kochzeit ab.

(Hinweis: Die unten eingebettete und oben im Text verlinkte Playlist spielt die Titel nur für angemeldete Spotify-Nutzer in voller Länge aus.)

Minst 10 skäl att resa till Sverige (10)

#10 Die Schweden

In den bisherigen neun Beiträgen habe ich viel geschrieben über schwedische Sprache, Infrastruktur, Architektur, Essen, Trinken und Design. Was aber natürlich auf jeden Fall noch Erwähnung finden muss, sind die Menschen, die für all diese sehens-, probierens- und erlebenswerten Dinge verantwortlich sind – und für fast alles andere hier: die Schweden.

Ich habe die einheimischen Menschen in Schweden bei meinen bisherigen Urlaubsreisen immer als sehr offen, freundlich, hilfsbereit, naturverbunden und authentisch erlebt. Nach mehreren Aufenthalten in derselben Unterkunft fühlte es sich schon fast wie ein »Nachhausekommen« an, wenn ich im südschwedischen Ormeshaga mit dem Auto um die letzte Kurve bog und unser »Stammvermieter« uns von seinem Aufsitzmäher aus zuwinkte, während er dem Rasen am Seeufer hinter dem Haus eben noch einen frischen Schnitt verpasste. Ich kenne die Schweden als ebenso zurückhaltende wie gesellige Menschen. Sie sind keine Schwätzer, aber trotzdem kommunikativ und kontaktfreudig. Sie schätzen die Einsamkeit in der Natur ebenso wie Gesellschaft und Geselligkeit. In den langen dunklen Herbst- und Wintermonaten hat die Behaglichkeit zu Hause im Kreise von Freunden und Familie einen hohen Stellenwert. Was der Däne als »hyggelig« bezeichnet, nennt der Schwede »mysig«.

Neben der sympathischen Bevölkerung hat Schweden zahlreiche kluge und kreative Köpfe hervorgebracht, die weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt sind. Etwa die Erfinder und Wissenschaftler Anders Jonas Ångström, Jöns Jakob Berzelius, Anders Celsius, Victor Hasselblad, Carl von Linné und Alfred Nobel (historisch üblicher Männerüberschuss inklusive). Und fast jeder kennt die schwedischen Schriftsteller*innen Astrid Lindgren (u.a. Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Madita, Die Brüder Löwenherz und Ronja Räubertochter), Selma Lagerlöf (Nils Holgersson), Sven Nordqvist (Pettersson und Findus) oder Gunilla Bergström (Willi Wiberg), die seit Jahrzehnten Millionen Kinder begeistern. Erwachsene Leser können sich von den Krimis aus der Feder von Arne Dahl, Håkan Nesser, Henning Mankell, Stieg Larsson, Per Wahlöö oder Liza Marklund fesseln lassen oder zu klassischen Werken von August Strindberg, Per Olov Enquist oder – auch hier – Selma Lagerlöf greifen.

Was wäre die Popmusik ohne die schwedischen Superstars Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid von ABBA? Aber auch die Acts Europe, Roxette, Ace of Base, Army of Lovers, Robyn, The Cardigans, Rednex, Mando Diao, Lykke Li und Fever Ray stammen aus Schweden, ebenso wie die Solokünstler Neneh Cherry, Dr. Alban, Sophie Zelmani und Anna Ternheim. Nicht ganz so populär, aber auf jeden Fall hörenswert sind auch meine persönlichen »Geheimtipps« Stina Nordenstam, Lisa Ekdahl und Jonathan Johansson. Wer klassische Musik liebt, sollte erwägen, einmal Hugo Alfvén, Wilhelm Stenhammar oder Kurt Atterberg sein Ohr zu leihen und beim Jazz »made in Sweden« geben vor allem Esbjörn Svensson, Nils Landgren und Monika Zetterlund den Ton an. Ihre Jazz-Kolleginnen Alice Babs, Bibi Jones und Anita Lindblom wandten sich – ähnlich wie Nana Mouskouri und Caterina Valente – vom Jazz später eher Pop bzw. Schlager zu und machten ab den 60er Jahren dort Karriere.

Das Kino! Auch hier kommen etliche Protagonisten aus Schweden, wie Zarah Leander, Greta Garbo, Anita Ekberg, Ingrid Bergman und Max von Sydow als Leinwandstars der »alten Garde«, in neueren Produktionen begegnen wir Dolph Lundgren, Noomi Rapace, Katia Winter, Peter Stormare, Stellan Skarsgård, Bill Skarsgård, Alexander Skarsgård, Alicia Vikander, Pernilla August, Lena Endre, Hanna Alström, Fares Fares und Michael Nyqvist. Als Regisseure (wieder leider hauptsächlich Männer) haben sich Ingmar Bergman, Lasse Hallström, Tomas Alfredson und Olle Hellbom international einen Namen gemacht, als Musikvideo-Regisseur setzte Jonas Åkerlund zahlreiche Popstars in Szene.

Und natürlich muss auch noch eine Schwedin genannt werden, die zwar weder Musik komponiert oder interpretiert noch zu Filmschaffenden, literarischen Autor*innen oder Wissenschaftler*innen zählt, aber trotzdem seit ihrem »Skolstrejk för klimatet« im August 2018 weltweit in aller Munde ist: Greta Thunberg.

Uff – so viele Namen. Zum Schluss möchte ich noch ein paar Film- und Serien-Empfehlungen schwedischen Ursprungs loswerden, die ich auch gerne mal mit »ins Urlaubsgepäck« nahm und dann im Land ihres Entstehens angeschaut habe:

  • Serie: Jordskott – Die Rache des Waldes
  • Serie: Real Humans – Echte Menschen (Äkta människor)
  • Serie: Die Brücke – Transit in den Tod (Broen), Koproduktion DNK/SWE/DEU
  • Film (Horror): So finster die Nacht (Låt den rätte komma in)
  • Film (Komödie): Ein Mann namens Ove (En man som heter Ove)
  • Film (Komödie): Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann)
  • Film (Komödie): Kops
  • Film (Komödie): Kitchen Stories (Salmer fra kjøkkenet), Koproduktion NOR/SWE
  • Film (Komödie): Jalla! Jalla!
  • Film (Komödie): Verschwörung im Berlin-Express (Skenbart – en film om tåg)

Damit endet diese kleine Blogserie mit »Werbung« für dieses schöne Urlaubsland und vielleicht konnte ich ja den einen oder anderen dazu anregen, auch einmal (wieder) eine Auszeit hier zu verbringen. Ich jedenfalls komme auf jeden Fall wieder.

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Foto: © formschub

Minst 10 skäl att resa till Sverige (9)

#09 Lokale Mikrobrauereien und die »Systembolaget«-Geschäfte

Wer mir bei Facebook, Swarm oder Untappd folgt, wird bemerken, dass ich seit rund 10 Jahren an nahezu jedem Aufenthaltsort oft und gern die Gelegenheit nutze, lokale Craft-Beer-Pubs aufzusuchen und die dort gezapften Biere zu verkosten. Ebenso gerne suche ich in örtlichen Supermärkten oder Spirituosengeschäften nach interessanten Biersorten, die ich zu Hause erst dem Kühlschrank und anschließend mir selbst einverleiben kann. So auch dieses Jahr in Schweden.

Es ist übrigens ein sich hartnäckig haltender, aber inzwischen überholter Mythos, dass Alkohol in Schweden unfassbar teuer, ja sogar unerschwinglich sein soll. Korrekt ist, dass man alkoholhaltige Getränke mit mehr als 3,5% Vol. innerhalb Schwedens ausschließlich in den staatlich lizenzierten Geschäften namens Systembolaget erwerben kann. Alternativ ist es Schweden inzwischen auch gestattet, Alkoholika in anderen EU-Staaten per Mailorder zu bestellen, allerdings fällt für den Käufer darauf die (höhere) schwedische Alkoholsteuer an.

Durch inzwischen geänderte EU- und Zollbestimmungen sowie die teilweise Liberalisierung des Marktes haben sich jedoch die Preise für Bier, Wein, Sekt und Schnaps (öl, vin, bubbel och snaps) in den letzten zwei Jahrzehnten recht weit dem Niveau in Deutschland angenähert. Eine gute Flasche Rotwein ist im Systembolaget für umgerechnet etwa 8 EUR erhältlich, einen feinen Whisky bekommt man für 40–60 EUR und eine Flasche Craft Beer liegt um die 3 EUR – alles Preise, die auch in deutschen Läden fällig werden.

Hochwertige Produkte unterscheiden sich (…) nicht besonders vom deutschen Preisniveau. Champagner kostet in Schweden ungefähr so viel wie in Deutschland. Gute Weine und hochwertige Craftbiere sind sogar günstiger als in Deutschland. Das liegt an der Marktmacht und an den Mengen, die der schwedische Monopolhandel Systembolaget erzielt.

Quelle: www.schweden-tipp.de

Mein Eindruck ist sogar, dass der exklusive Verkauf der meisten alkoholhaltigen Getränke in den staatlichen Geschäften einen Vorteil hat: die Betreiber stellen ihr Sortiment offensichtlich auch nach Qualität zusammen, sie »kuratieren« sozusagen die Auswahl der Produkte, die sie in ihren Filialen anbieten. Das führt dazu, dass man in den Systembolaget-Läden überdurchschnittlich viele gute Weine, Biere und andere hochwertige oder besondere Alkoholika vorfindet. Es gibt zwar auch »gewöhnlichere« Marken, aber übergreifend scheint dort der Gedanke, Alkohol im wahrsten Sinne des Wortes als »Genussmittel« statt zum »Komasaufen« zu verkaufen, zu dominieren. Ich habe schon manchmal in den schwedischen Geschäften internationale Weine oder Spirituosen entdeckt, die ich später in Deutschland nach der Rückkehr aus dem Urlaub online »nachgekauft« habe, weil sie mir so gut geschmeckt haben.

Ein anderes »Highlight« der Systembolaget-Filialen ist, dass sie auch oft die Produkte von Produzenten aus ihrer Region in das Sortiment aufnehmen, die man schon einige Kilometer weiter nicht mehr in den Regalen vorfindet. So wird man z.B. auf Biere oder Brände aufmerksam, die man ohne intensive Netzrecherche nach lokalen Anbietern von Bier oder anderen Spirituosen gar nicht entdeckt hätte.

Nur eine kleine Auswahl der Biere aus Emmaboda.

So geschehen z.B. im Systembolaget des südschwedischen Städtchens Emmaboda mit gerade mal 4.800 Einwohnern: im Bierregal des Ladens fand sich ein gutes Dutzend Craft-Bier-Sorten der örtlichen »Emmaboda Bryggeri«, die sofort zur Verkostung im Warenkorb landeten – und uns nicht enttäuschten. Vom Vor-Ort-Besuch bei der Karlskrona Mikrobryggeri hatte ich ja bereits in Beitrag #07 dieser Serie berichtet. Wir hätten auf unserer Urlaubsroute vom Ankunfts-Fährhafen zur Unterkunft (Göteborg – Karlskrona) noch etliche Brauhäuser und Biere, z.B. von Bryggeri Skeppsgossen, Sad Robot, Spike, Vega, Naked Rabbit oder Nättraby Kvartersbryggeri testen können. Aber so ein Urlaub ist ja leider erfahrungsgemäß immer zu kurz.

Foto: © T. Bregenzer

Minst 10 skäl att resa till Sverige (8)

#08 Die lokalen Lebensmittel und Spezialitäten

Was wäre ein Urlaub ohne den Genuss der Leckereien, die typisch für das Reiseziel sind? – Ich würde sagen: trist und freudlos. Beim Essen bin ich seit jeher ein neugieriger Mensch. Im Restaurant bestelle ich gerne das Gericht, das ich als einziges von der Karte noch nicht kenne, so geschehen zum Beispiel mit Bries (ganz okay) oder Nattō (muss ich nicht nochmal essen). Ich freue mich immer, wenn ich neue ess- oder trinkbare Schätze aus der Natur zum Selberernten entdecke, wie den Fichtenreizker (letztes Jahr massenhaft in Dänemark gefunden, ganz famoser Pilz!) oder Giersch (dieses Jahr zum ersten Mal gepflückt, genialer Petersilienersatz!). Und die Supermärkte in Urlaubsländern sind mein Eldorado. Ich stromere grundsätzlich erstmal durch alle Gänge, schaue mir die Aromen der Zahncremes an, schnuppere an ungewöhnlichen Duschgels, erkunde die Gewürzregale, inspiziere die Obst- und Gemüseabteilung oder flaniere entlang der Kühltheken mit Käse, Wurst und Fischprodukten. Was unbekannt und interessant klingt, wird probiert. Und so habe ich im Laufe der Jahre auch in Schweden einige Spezereien entdeckt, die für mich seither obligatorisch zum Urlaubsspeiseplan gehören:

  • Dill: Wie in Finnland, Norwegen oder Russland verwenden auch die Schweden in ihren Rezepten oft und reichlich Dill. Das ist jetzt zwar kein besonders exotisches Kraut, aber wenn man in einem schwedischen Supermarkt im Sommer den Dill entdeckt, merkt man schon den Unterschied zu den robust bepreisten, eingeschweißten 25-g-Miniportionen zarter Blättchen, die in deutschen Gemüseabteilungen feilgeboten werden – hier steht er in kräftigen Sträußen mit gelbgrünen Blütenständen parat und wird gerne zum Einlegen von Fisch, für die Zubereitung von Flusskrebsen, Salaten oder für die berühmte, süßliche Senf-Dill-Sauce (Hovmästarsås) zum gebeizten Gravad Lax serviert.
  • Streich- oder Frischkäse mit Pfifferlingen: Abgesehen davon, dass dieser köstliche Sommerpilz natürlich auch gerne frisch gesammelt von mir verarbeitet und zubereitet wird, gibt es auch im Supermarkt delikate Produkte, in denen er enthalten ist. Ein langjähriger Favorit ist der streichbare Schmelzkäse »Kantarellost«, den man in ungekühlten (!) Regalen der Geschäfte finden kann. Im Kühlregal – wenngleich als finnisches Importprodukt – gibt es alternativ noch eine schmackhafte Frischkäsezubereitung namens »Creme Bonjour Kantarelli«.
  • Västerbottensost: dieser pikante schwedische Käse aus der nordöstlich gelegenen gleichnamigen Region Västerbottens län ist mein schwedischer Lieblingskäse und in Deutschland nach meiner Erfahrung kaum zu bekommen. Er hat eine recht krümelige, spröde Konsistenz und einen angenehm würzigen Geschmack. Die Besonderheit bei seiner Herstellung ist, dass die Rohkäsemasse mehrmals hintereinander erwärmt und wieder abgekühlt wird, was auch für den besonderen Geschmack verantwortlich sein soll. Auf frisch getoastetem Roggenbrot mit etwas Butter – einfach mumsig!
  • Der Blauschimmelkäse Castello Black: Die Marke an sich mit ihrer azurblauen Verpackung ist vielen sicher aus deutschen Lebensmittelgeschäften bekannt. Eher seltener bis gar nicht findet man dort die schwarz verpackte Variante mit Schafsmilchanteil in der Zubereitung. Ich ziehe dessen noch etwas kräftigeren, runderen Geschmack der »normalen« Sorte vor, der Hersteller meint, das Aroma enthalte »… dezente Noten von frischem Apfelsaft, Roggen und Lakritz«. Vortrefflich!
  • Besondere Knäckebrotsorten: Ein Brot, das Vegetarier eher meiden sollten, ist das PALT Tunnbröd der Firma Mjälloms. Seine dunkle, rotbraune Farbe verdankt es nicht etwa einer besonders langen Backzeit, hohen Temperaturen oder einer speziellen dunklen Mehlsorte, sondern dem Gehalt an getrocknetem Blutprotein, der das Brot auch besonders eisenreich macht. Muss man mögen, ich finde, man schmeckt es nur ganz dezent heraus, wenn man es nicht weiß, kommt man nicht drauf, aber ich esse es hin und wieder sehr gerne.
    »Harmloser« sind da die »Rosemary Knäckebröd Sticks« der schwedischen Firma Vilmas: schmale, knusprige Knusperbrotscheiben, mit einer ganz leichten Süße von Honig und Sirup im Teig, bestreut mit Salzkristallen und getrockneten Rosmarinnadeln. Gibt’s anscheinend nur in Schweden – leider!
  • Produkte aus skandinavischem Wild: Wer ab und zu gerne Wildfleisch genießt, wird in Schweden auch oft bei kleinen lokalen Anbietern fündig. In der Göteborger Markthalle Saluhallen bekommt man am Stand von Nobelius Vilt etliche Köstlichkeiten aus Rentier-, Elch- oder Wildschweinfleisch angeboten. Vieles ist zart geräuchert, besonders gewürzt und zumeist aus eigener Produktion. Auf Wunsch werden die abgewogenen Waren sogar vakuumiert eingeschweißt und dadurch besser transporttauglich.
    In der Nähe unseres Urlaubsortes in diesem Jahr entdeckten wir in dem Ort Vissefjärda die Målatorps Viltrökeri (Update: Februar 2022: inzwischen leider geschlossen), die in ihrem kleinen Hofladen ebenfalls Wildfleisch und -wurstwaren aus eigener Produktion verkauft. Auch dieser Einkauf wurde gut konserviert verpackt – das Probieren steht noch im Laufe dieser Woche aus …
  • Sürströmming: Das ist eine der wenigen schwedischen Spezialitäten, an die ich mich bislang noch nicht herangewagt habe. Die im Netz veröffentlichten, kontroversen Geschmacksprotokolle der zahlreichen nichtschwedischen Sürströmming-Tester – ob schriftlich oder als Videoclips – reichen von »brechreizerregend« bis »unvergleichlich köstlich«. Erhältlich ist diese besondere Konserve, u.a. vom Hersteller Oskars, mit milchsauer vergorenem, intensiv stinkendem Hering in fast jedem schwedischen Supermarkt, insbesondere nach Beginn der jährlichen neuen Saison Ende August (also jetzt). Was mich abhält, sind aber weniger Abscheu oder Skepsis vor dem zu erwartenden Aroma als vielmehr die gängigen Dosengrößen zwischen 300 und 500 Gramm. Ich möchte einfach kein Lebensmittel kaufen, von dem ich womöglich nach dem Kosten bei »Nichtgefallen« den Großteil wegwerfen müsste. Böte man mir hingegen auf einem Markt oder an einem Probierstand die Möglichkeit, ein einzelnes Filet zu kosten, würde wohl – wie so oft – meine Neugier siegen.

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