Vers-uchsweise

22. August 2017 um 11:16

Ich bin kein Literaturübersetzer und es heißt ja, Gedichte zu übersetzen, sei eine der schwierigsten Disziplinen dieser Zunft, aber ich möchte es zumindest einmal versuchen – für eines meiner Lieblingsgedichte. Das Werk stammt von der amerikanischen Schriftstellerin Mary Oliver und trägt im Original den Titel »The Sun«.
 

Die Sonne

Mary Oliver

Erblicktest du jemals
im Leben
etwas Schöneres

als die Sonne,
die allabendlich
ruhig und stetig
gen Horizont sinkt

in die Wolken, auf die Hügel,
in das wogende Meer,
wie sie verschwindet –
und wieder aufsteigt

aus dem Dunkel
jeden Morgen,
auf der anderen Seite der Welt,
so blütenrot,

sich aufschwingend zu ihrer himmlischen Bahn,
eines Morgens etwa, im frühen Sommer,
in strahlender Ferne, so nah –
und empfandest du jemals für etwas
so tiefe Liebe –
glaubst du, weit und breit, in den Sprachen der Welt,
umfasste ein Wort gänzlich
die Freude

die dich durchströmt
wenn die Sonne
dich berührt
und dich wärmt,

wenn du dastehst
mit leeren Händen,
oder wandtest auch du dich
ab von der Welt –

oder ließest auch du
dich blenden
von Macht,
von Besitz?

 

Foto: © formschub.de

Lammköfte im Auberginenbett
mit Sesamsauce und Zitronen-Couscous

26. Juli 2017 um 12:19

Lammköfte

Ich blogge zwar kaum noch, aber ich koche nach wie vor. Diesen »Remix« aus 4 getrennt recherchierten Rezepten habe ich gestern zubereitet und war absolut begeistert. Wenn man alle Zutaten parat hat, ist das Gericht zudem sehr schnell gemacht, da man die Sauce und den Couscous parallel zubereiten kann, während die Köfte im Ofen backen.
Guten Appetit!

Für 3–4 Personen:

Köfte
500 g Lammhack
1 Handvoll fein gehackte Petersilie
2 Knoblauchzehen, durchgepresst
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
1 Ei
2 gestr. TL gemahlener Zimt
3–4 gestr. TL gemahlener Kreuzkümmel
1 Msp. Cayennepfeffer
2–3 gestr. TL Salz
1 Aubergine
Olivenöl

Aubergine in ca. 1×1 cm große Würfel schneiden, den Boden einer Auflaufform damit bedecken und großzügig mit Olivenöl besprenkeln. Backofen auf 200 °C vorheizen.

Alle Zutaten für die Köfte in einer Schüssel gut miteinander vermengen. Aus der Hackmasse 8–10 längliche, wurstförmige Klößchen formen und verteilt auf das Auberginenbett legen.

Die Auflaufform in den Ofen stellen und die Köfte ca. 30–40 Minuten schön braun backen. Falls sie rundum braun sein sollen, nach geraumer Zeit in der Form wenden.

Sesamsauce
150 ml cremiges Tahini (Sesammus)
Saft einer halben Zitrone
1 Knoblauchzehe, durchgepresst
1–2 EL griechischer Joghurt (10%)
Salz, Wasser

Tahini, Knoblauch, Zitronensaft, Salz und Joghurt in einer Schüssel glatt miteinander verrühren. Dann mit lauwarmem Wasser nach und nach auf die Konsistenz von flüssigem Honig verdünnen, ggf. etwas nachsalzen.

Couscous
1 Tasse mittelfeiner Couscous
2 Knoblauchzehen, durchgepresst
1 gestr. TL Kurkumapulver
1–2 TL abgerieben Bio-Zitronenschale
1 Handvoll Koriandergrün, gehackt
Saft einer halben Zitrone
1/2 TL Salz
1 Tasse Wasser (dieselbe Menge wie Couscous)
Olivenöl

Olivenöl in einem Topf erhitzen, den Knoblauch mit dem Kurkuma darin ca. 1 Minute anschwitzen. Wasser, Zitronenschale und Salz hinzugeben und aufkochen. Den Topf vom Herd nehmen und den Couscous einrühren. Ten Topf mit einem Deckel verschließen und den Couscous ca. 5 Minuten quellen lassen. Mit einer Gabel »fluffig« auflockern und Zitronensaft sowie Koriandergrün untermengen. Ggf. mit etwas Salz und Pfeffer nachwürzen.

Köfte mit Auberginen und Couscous auf Tellern anrichten und mit der Sesamsauce servieren. Als »Topping« passen sehr gut Granatapfelkerne und gehackte Pistazien.

Der Wunsch

6. Januar 2017 um 10:57

Gestern Abend habe ich zwei Folgen einer Dokumentation über Naturgewalten gesehen – Vulkane und Erdbeben. Es ging um Plattentektonik, den Pazifischen Feuerring, Millionen Jahre Erdgeschichte, die im Maßstab nur hauchdünne Erdkruste, Lavakonsistenzen und die Auswirkungen der Kräfte aus dem Inneren der Erde auf ihre Oberfläche und das Leben darauf.

Danach schaute ich vor dem Schlafengehen noch mal bei Twitter und Facebook rein: ein paar Schmunzler, die eine oder andere interessante Tagesmeldung, ansonsten der übliche Brei aus Grabenkriegen, Belanglosigkeiten, Gezeter und Mitmenschenbashing.

Ich glaube, wenn mir heute eine Fee erschiene und mir einen einzigen Wunsch gewährte, müsste ich ziemlich genau, was ich will. Es wäre kein altruistischer Wunsch, kein Ende der Armut, kein Weltfrieden, keine globale Harmonie. Es wäre ein eher egoistischer Wunsch, aber es ginge mir nicht um Geld, Status, Ansehen oder Ruhm.

Ich würde mir wünschen, dass ich einen Tag lang an beliebigen Orten der Welt und mit beliebiger Entfernung von der Erdoberfläche Geschehnisse, die sonst Jahrhunderte, Jahrtausende oder Millionen von Jahren dauern, im Zeitraffer anschauen und dabei auch in der Zeit umherreisen dürfte. Ich würde gern die flüssige Erde in einer Viertelstunde erkalten sehen, wäre dabei, wie kilometerdicke Eiskrusten wie gefrierende Wolken über Kontinente wallten und wieder abtauten. Ich stünde in Landschaften, aus denen in Minuten Gebirgszüge aufgefaltet würden, könnte sehen, wie die Kontinentalplatten über den Globus zögen, sich aneinander rieben, an ihren narbigen Rändern gelegentlich grelle Glutlinien aufflammten, könnte sehen, wie Fluten die Küstenlinien formten, wie Ströme und Ozeane mit den Gezeiten atmeten, wie riesige Wälder ergrünten und wieder verdorrten oder könnte einem Mammutbaum zuschauen, wie er in der Zeit, in der man sonst ein Früstücksei kocht, sich vom Keimling zum viertausendjährigen Waldgoliath emporknorrte. Ich könnte erleben, wie Erdbeben, Vulkane und Sedimente unablässlich das Gesicht der Erde verwandelten, beobachtete Meere, Flüsse und Seen beim Entstehen, Vordringen und Zurückweichen und über all dem spannte sich ein kreisendes Firmament mit den rasenden Bahnen unserer Nachbarplaneten und den gemächlich wechselnden Konstellationen der unzähligen Sterne dahinter. Ich sähe im Nu, wie Wüsten entstünden, wie neue Inseln und Landmassen aufstiegen und wieder untergingen, wie die Erosion Hügel und Berge modellierte und massive Felsbrocken in feinsten Sand verwandelte, könnte beobachten, wie Wasserläufe, Säure gleich, atemberaubende Canyons aus dem Fels ätzten, wäre Zeuge, wie riesige Meteoriten den Planeten torpedierten und die glühenden Wunden in seiner Haut erkalteten und von der Kraft der Elemente allmählich wieder geglättet würden.

Und nach diesen überwältigenden 24 Stunden meiner epochalen Reise würde ich mich vielleicht an ein kurzes, helles Flackern auf der Oberfläche des Planeten erinnern, kurz vor Schluss, an ein Netz von Lichtern und ein flüchtiges Wirbeln, verzweigte Bewegungen, gefolgt von einem Wimpernschlag Trübheit, vielleicht Rauch oder auch Staub und denken: dieses Flackern – das waren dann wohl wir.

Ich glaube, am Abend dieses Tages hätte ich das Gefühl, dass es ein schöner war.

 

Foto: © formschub.de

Lebenszeichen: Weihnachtsküche 2016

25. Dezember 2016 um 14:53

Das Blog liegt brach (solche Phasen gibt’s halt immer mal), aber der Herd keineswegs. Die Rezepte für das diesjährige Weihnachtsessen habe ich nach einigen Basisrecherchen im Netz selbst aus mehreren Rezepten zusammenimprovisiert und möchte sie Euch nicht vorenthalten. Als Fleischbeilage gab’s dazu eine klassisch gebratene Gänsebrust ohne weiteres Chichi. Die Stärkebeilage haben wir diesmal weggelassen, passen würden aber auf jeden Fall Spätzle oder Kartoffelknödel. Fröhliche Festtage!


Winterlicher Rahmwirsing mit Lebkuchengewürz

für 4 Personen

1 Kopf Wirsing, nicht zu groß
1 kleine Zwiebel
100 g Bacon in Scheiben
1 EL Butter
4 EL Olivenöl
250 ml Schlagsahne
2 EL Frischkäse
2 EL Crème Fraîche
3 TL Lebkuchengewürz (Zimt, Orangenschale, Koriander, Piment, Sternanis, Muskatnuss, Nelken)
1 TL Chinesisches Fünfgewürzpulver (Fenchel, Anis, Zimt, Pfeffer, Nelken)
etwas Madeira
Salz
Pfeffer

Grobe Stiele und den Strunk aus dem Kohlkopf entfernen und die Blätter in feine Streifen schneiden (ca. 4 cm x 5 mm). Die Zwiebel und den Bacon fein würfeln. Die Baconwürfel mit 1 EL Olivenöl in einer Pfanne knusprig braun braten und auf Küchenpapier abtropfen lassen. In einem großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen und die Kohlstreifen 5–8 Minuten angaren, dann in ein großes Sieb abgießen und abtropfen lassen.

In demselben Topf Butter und 3 EL Olivenöl erhitzen und die Zwiebel glasig anbraten. Mit einem guten Schuss Madeira ablöschen und 2–3 Minuten weiterdünsten. Schlagsahne, Frischkäse, Crème Fraîche, Lebkuchengewürz und Fünfgewürzpulver hinzugeben, alles gut durchrühren und weitere 3–5 Minuten leicht köchelnd durchziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken (schließlich soll die Masse den gesamten Kohl aromatisieren). Die abgetropften Kohlstreifen und die Baconwürfel hinzugeben und alles gut unterheben. Den Rahmwirsing im Topf abgedeckelt bei schwacher bis mittlerer Hitze noch ca. 10–15 Minuten zuende garen.

Das Kohlgemüse schmeckt am besten, wenn es einen Tag vor dem Servieren zubereitet wird und über Nacht noch schön durchziehen kann.


Black-Beer-Sauce zur Weihnachtsgans

für 4 Personen

1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
150 g Sellerieknolle
Olivenöl
ca. 800 ml kräftiges, schwarzes Stout- oder Black-Porter-Bier (ca. 6% Vol. Alkohol, mit Aromen nach Kaffee, Schokolade, Malz – etwa »Dunkle Macht« von Hopper Bräu oder »Insel Kap Oatmeal Stout« von der Rügener Insel-Brauerei, notfalls gehen auch Guinness oder Köstritzer Schwarzbier, obwohl sie »dünner« und weniger aromatisch sind. Ich habe diesmal 2,5 Flaschen Belhaven Scottish Oak Stout verwendet.)
2 EL brauner Zucker
1 Msp. Piment, gemahlen
1 Msp. Zimt, gemahlen
1 Msp. Cayennepfeffer
50 ml Sojasauce
etwas Madeira
Salz
Pfeffer

Die Knoblauchzehen schälen und in dünne Scheiben schneiden, die Zwiebel und den Sellerie fein würfeln. Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Knoblauchscheiben darin goldgelb ankaramellisieren, dann sofort die Zwiebelwürfel hinzugeben und unterheben, damit der Knoblauch nicht zu dunkel und damit bitter wird. Das Knoblauch-Zwiebel-Gemisch 5–8 Minuten bei etwas reduzierter Hitze glasig andünsten, dann mit Madeira ablöschen und noch 2–3 Minuten weiterköcheln lassen. Das Bier, den Zucker und die Sojasauce hinzugeben und alles bei geöffnetem Topf und geringer Hitze etwa 30 Minuten garen und einkochen lassen. Das Gemüse in dem Biersud mit einem Pürierstab feinst pürieren und die Sauce danach durch ein Sieb streichen, damit grobe Gemüseteilchen ausgefiltert werden und die Sauce wieder schön glatt ist. Mit Piment, Cayennepfeffer, Salz und Pfeffer behutsam abschmecken und ggf. noch eine Weile bis zur gewünschten Konsistenz einkochen lassen.

Auch diese Sauce schmeckt am besten, wenn sie einen Tag vor dem Servieren zubereitet wird und über Nacht noch schön durchziehen kann.

Guten Appetit!

 

Black Beer

Foto: © formschub.de

Kiosk Empire #06

5. September 2016 um 19:01

Endlich mal wieder ein schönes Fundstück für meine Rubrik »Englisch küsst Deutsch, aber Deutsch will eigentlich nicht«.

Rohr Cleaning Service

Gesehen in Hamburg in der Nähe des EKZ Hamburger Meile

Gratinfluff

25. Februar 2016 um 12:00

Normalerweise bin ich für »gute Vorsätze« zum Jahreswechsel eher nicht so zu haben, aber Anfang 2016 habe ich mal eine Ausnahme gemacht. Der Grund war, dass mich etwas an meinem täglichen Lebenswandel störte, das ich gerne neu justieren wollte. Das Wort »Essgewohnheiten« trifft es ziemlich gut, denn mit der Zeit schleichen sich oftmals – gerade während der Arbeitswoche tagsüber und abends – schlechte Gewohnheiten ein, die schnell zu nicht mehr hinterfragten Automatismen werden. Und wenn man nicht mit einem »Schlankbleibgen« gesegnet ist, machen diese sich auch auf der Waage bemerkbar: Langweilige belegte Kettenbäckerbrötchen zum Frühstück oder als Mittagssnack. Täglich Kekse, Kuchen, Schokoriegel oder Gummibärchen als unbedacht nebenher verzehrte »Nervennahrung« im Büro. Cola oder andere Süßgetränke zum Durstlöschen. Abends der schnelle Anruf beim Bringdienst, um aus Bequemlichkeit mit Pizza, Burgern, Pommes oder Nudeln ohne großen Aufwand den Hunger zu stillen. Zu viel Industrienahrung, zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viele »hohle« Kohlehydrate.

Deshalb steht bei mir seit Anfang Januar eine bewusstere Ernährung mit deutlich reduziertem Zucker- und Kohlehydratanteil und weniger industriell vorverarbeiteten Lebensmitteln auf dem Programm. Eine Folge davon: ich koche wieder mehr selbst. Dazu höre ich auf meine »somatische Intelligenz« und versuche, meinem Appetit und der Verträglichkeit des verzehrten Essens nachzuspüren. Der damit einhergehende moderate Gewichtsverlust (5 kg seit Neujahr) ist dabei ein willkommener Bonus.

Weshalb ich aber eigentlich diesen Blogbeitrag schreibe: Bei der Suche nach einem schmackhaften Ersatz für Béchamelsauce habe ich eine Low-Carb-Rezeptur entdeckt, von der ich so begeistert bin, dass ich sie hier gerne zum Nachkochen weiterempfehlen möchte. Nach dem Backen eines damit übergossenen Auflaufs entsteht eine wunderbar fluffige, an Soufflé erinnernde und würzig durchtränkte Masse, die zu vielen Gemüse-/Fisch-/Fleischaufläufen passt und durch weitere Zutaten (Tomatenmark, Kräuter, Gewürze) sicher auch noch raffiniert variiert werden kann. Hier ist sie:

Low-Carb-»Béchamel« mit Ei, Ricotta und Parmesan

Zutaten (für eine große Auflaufform):

200 ml Gemüsebrühe
200 g Ricotta
150 ml Sahne
3 Eier
Schwarzer Pfeffer
1 Prise Muskatnuss
50 g frisch geriebener Parmesan

Einfach alle Zutaten in einem Messbecher mit einem Schneebesen gut miteinander verquirlen und über den Auflauf gießen und je nach weiteren Auflaufzutaten im Ofen bei 175 °C etwa 30–40 Minuten schön gebräunt überbacken. Auf dem Foto unten hatte ich in die Auflaufform mit Kochschinken umwickelte Lauchstangen gelegt und noch etwas geriebenen Gratinkäse zusätzlich obenauf gestreut.

Porreeauflauf mit Ei-Ricotta-»Béchamel«

Foto: formschub.de

Marinierter Räuchertofu

21. Februar 2016 um 15:28

Bei meinem letzten Besuch im famosen chinesischen Retsaurant Da Jia Le in Berlin hatte ich das Vergnügen, aus der Speisekarte das »Kaltgericht« Nr. 29 – »Geräucherter Toufu mit Koriander« zu probieren und war aus mehrerlei Gründen begeistert. Zum einen hatte mich bislang kaum ein Gericht mit Tofu wirklich für diese Zutat begeistern können, außer vielleicht der zarte, an Eierstich erinnernde Seidentofu, der sich oft als Einlage in japanischer Miso-Suppe wiederfindet. Zum zweiten fügt das feine, aber nicht penetrante Raucharoma dem Tofu eine ganz eigene Note hinzu, die für sich genommen schon zum Experimentieren an weiteren Rezepten inspiriert. Und zum dritten war die servierte Marinade, die den Tofu und das Koriandergrün miteinander verband, ausgesprochen delikat und ließ mich sofort den Plan fassen, dieses Gericht in der heimischen Küche »nachzubauen«.

Insgesamt habe ich seither drei Versuche gestartet, dabei auch Räuchertofu von verschiedenen Herstellern ausprobiert und die Rezeptur mit meinem persönlichen Tofu-Favoriten nach eigenem Geschmack etwas ausgebaut und verfeinert. Die jetzige Version entfernt sich im Aroma ein wenig von dem ursprünglichen Restaurantgericht, sie ist etwas säuerlicher und frischer, aber ich finde das Rezept »finger licking good« und habe gerade eben wieder zwei Packungen Tofu damit zubereitet. Es lohnt sich, die 9 Zutaten dafür extra im Asiashop zu besorgen, denn die Marinade ist das Herzstück des Rezepts. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Zutaten für 1–2 Portionen:

1 Packung (200 g) Taifun Räuchertofu »Klassik«
1 Handvoll frisches Koriandergrün, gehackt

Für die Marinade:

3 EL gute Sojasauce (z.B. Kikkoman)
Saft einer halben Limette
1–2 TL chinesisches Fünfgewürzpulver
1 EL dunkles (geräuchertes) Sesamöl
1 EL helles (naturbelassenes) Sesamöl
1 TL geriebener frischer Ingwer
3 TL Ahornsirup, ersatzweise normaler Zucker
1 EL alter, nicht zu saurer Balsamico
nach Geschmack 1 TL Chiliöl oder 1 Msp. Cayennepfeffer

Alle Marinadenzutaten in einer flachen Schüssel gut miteinander verrühren. Den Tofu in feine Streifen schneiden (ca. 30 x 5 x 5 mm, etwa wie die Wurststreifen in Fleischsalat) und unter die Marinade heben. Das Koriandergrün obenauf geben und alles mindestens eine Stunde im Kühlschrank gut durchziehen lassen. Etwa 20 Minuten vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank nehmen, wenn es nicht zu kalt ist, schmeckt es aromatischer.

Marinierter Räuchertofu

Foto: © formschub.de

Sign oder nicht sign

19. November 2015 um 13:44

»No«

Als kleine Hommage an das schöne Gedicht »Senf drauf« von Max Goldt und inspiriert vom täglichen, ach was, stündlichen Aufschäumen des Internets zu aktuellen Themen und Diskursen kredenze ich heute mal wieder ein paar selbstgetextete Verse:

 
Der Briefkasten voll Werbemist?
Das Wetter dauernd nass und trist?
Start ’ne Petition!

Benzin kostet schon wieder mehr?
Der Kühlschrank ist andauernd leer?
Start ’ne Petition!

Im Radio nur Schlagerdreck?
Merkel nervt, die soll bloß weg?
Start ’ne Petition!

Das geht schnell und kostet nix.
Schau, schon fünfzigtausend Klicks!
Jetzt müssen »die da oben« sehn:
so kann es nicht weitergehn!

Klaus Kleber trägt ne Scheiß-Krawatte?
Zu wenig Schaum im Caffe Latte?
Start ’ne Petition!

Penner stör’n das Straßenbild?
Zu wenig Titten in der BILD?
Start ’ne Petition!

Kinderlärm von nebenan?
Verspätung mit der Deutschen Bahn?
Start ’ne Petition!

Das macht Druck und geht ganz fix.
Geil, schon hunderttausend Klicks!
Jetzt zeigen wir es den Eliten,
das lassen wir uns nicht mehr bieten!

Du denkst, dies ist ein Scheißgedicht?
Was ich schreib’, gefällt dir nicht?
Start ’ne Petition!

Foto: © sboneham on flickr | Licensed under CC BY

Heimat, das sind Menschen.

25. August 2015 um 11:41

Hallo, mein Name ist Thomas, ich bin jetzt 48 Jahre alt und kenne keinen Ort, kein Dorf, keine Stadt, die ich als meine »Heimat« bezeichnen würde. Ich kenne Leute in meiner Familie, meinem Freundeskreis, unter Kollegen, bei denen dies anders ist – und ich vermute, das hängt sehr damit zusammen, wie und wo man aufgewachsen ist. Ich glaube, Heimat ist ein Gefühl, das sich durch das lange Verweilen an einem Ort (z.B. dem der Geburt oder Kindheit) verfestigt und durch häufige Ortswechsel, wie etwa Reisen oder Umzüge, auflöst. Ich lebe jetzt seit über zwanzig Jahren in Hamburg, weil ich hier einen tollen Job habe, weil ich die Stadt mag, weil das »Naturell« ihrer Bewohner dem meinen sehr ähnlich ist und weil ich hier Freunde habe. Ja, ich fühle mich hier zu Hause. Aber ich könnte genausogut in Berlin, Leipzig, Stockholm, London, Amsterdam, Dublin oder Kopenhagen leben, um nur einige Städte zu nennen, die mir auch sehr gut gefallen.

Das Gefühl, keine geographische Heimat zu haben, hat seinen Ursprung in meiner Kindheit. Meine Großeltern kommen aus dem Südharz, aber auch sie wurden teilweise durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs dorthin verschlagen. Meine Eltern wurden zwar dort geboren, aber noch bevor ich das Licht der Welt erblickte, zogen sie (mit mir als Fötus im »Gepäck«) bereits das erste Mal um und so sollte ich im März 1967 rund 200 km vom Ort meiner Empfängnis geboren werden: in Friedberg, nördlich von Frankfurt/Main, wo mein Vater sein Studium absolvierte. Ich erinnere mich nicht mehr an meine ersten Lebensjahre in Hessen, ich habe nur Fotos von mir als pausbäckiges Kleinkind, die in jener Zeit aufgenommen wurden, aber meine Mutter erzählte mir, ich hätte im Zuge meiner sprachlichen Prägung sehr schnell das nachgestellte »Gell?« angenommen und als Kleinkind so quasi schon etwas vom hessischen Lokalkolorit assimiliert.

Der nächste Umzug, es muss um 1970 herum gewesen sein, führte uns zurück an den Rand des Harzes, nach Seesen, wo mein Vater seinen ersten Job nach dem Studium annahm. An diese Zeit habe ich tatsächlich rudimentäre Erinnerungen. Eines der Nachbarskinder, mit denen ich spielte, hieß Holger und von den Kinderspielen auf dem Innenhof trage ich noch heute ein »Souvenir« in Form einer haarlosen Narbe am Hinterkopf bei mir – ich war bei einer nicht sonderlich schlauen Variante des Fangenspielens – mit einer Spieldecke über dem Kopf – die Kellertreppe hinuntergefallen.

1972. Schon wieder umziehen. Diesmal nach Himmelsthür bei Hildesheim. Ich erinnere mich an Heckenrosen vor dem Haus, einen Spielkameraden namens Dirk, an Rosinenbrötchen vom umliegenden Bäcker. Da war ich fünf – und bekam eine Schwester.

1974 suchte mein Vater gezielt nach einer Anstellung im Ausland. Deutsche Ingenieure waren gesuchte Fachkräfte in aller Welt, die bei Bau- und Maschinenbautätigkeiten in vielen Regionen ihre Kenntnisse einbrachten und diese Jobs wurden gut bezahlt. Für die Kinder der »Auswanderer« stellten manche großen Firmen sogar eigene Kindergärten und Schulen auf die Beine. Und so hieß es 1975 erneut: umziehen! Diesmal übers Mittelmeer, ins französischsprachige Algerien, nahe der Stadt Constantine, die schon damals mehrere 100.000 Einwohner zählte. Es gab zwar ein eigens für die Facharbeiter der Firma errichtetes Wohngebiet, doch dieses war keineswegs wie ein Ghetto umzäunt. Unsere Nachbarn waren Algerier, in deren Haus waren wir gelegentlich spontan zu Gast. Meine Eltern erzählten uns oft, wie fasziniert die Nachbarn und auch andere Einheimische von den weißblonden Haaren waren, die meine Schwester und ich zu dieser Zeit hatten. Von Algerien habe ich noch Erinnerungen an den Geschmack des selbstgebackenen Fladenbrotes der Nachbarsfamilie, an einen kleinen Bach jenseits der Straße, in dem Süßwasserkrabben, Frösche und Kaulquappen lebten, an Ausflüge in die Sahara, an Datteln, frisch von der Palme gepflückt und gegessen und an das Einkaufen in den wuseligen Basaren der Stadt, wo es nach Hammelfleisch, Brot, Abwasser und Gewürzen roch und an unsere junge Haushaltshilfe, Fatima, die außerhalb des Hauses immer schwarz verschleiert sein musste, und an ihre mit Henna rot gefärbten Handflächen. Schon in der ersten Klasse hatte ich Französischunterricht, Madame Adas hieß meine Lehrerin und einer meiner besten Freunde hieß Ulrich. Es zerriss mir das Herz, als seine Eltern wieder aus der Nachbarschaft fortzogen mussten, zurück nach Deutschland oder in ein anderes Land, keine Ahnung. Mit 6 ist man noch zu jung für eine Brieffreundschaft, aber ich weiß noch: ich habe geweint.

Zurück nach Deutschland kamen wir 1975, es war wieder in der Nähe von Hildesheim. Eine neue Schule, neue Freunde, eine neue Wohnung. Auch einige meiner Mitschüler hatten offenbar Umzüge hinter sich, da waren zum Beispiel Mario aus Italien und zwei türkische Jungs, zweieiige Zwillinge, ihre Namen weiß ich nicht mehr. Zwei Jahre lang besuchte ich eine ganz normale Grundschule in Deutschland. Dann abermals: umziehen!

1977 nahm mein Vater erneut einen Job im Ausland an. Wieder Afrika, diesmal allerdings viel näher am Äquator. Nigeria hieß unser neues Ziel. Hier gab es eine übergreifende Deutsche Schule für die Kinder zugewanderter Arbeiter, aber es waren auch einige einheimische Kinder in den Klassen, meine Mathelehrerin war mit einem Nigerianer verheiratet, die Frau eines Kollegen meines Vaters und Nachbarn in unserem Wohnhaus, war Äthiopierin, ihre Kinder, Rodney und Colette, unsere Spielkameraden. Im Garten wuchsen Zuckerrohr, Papayas und Bananen, wenn wir als weiße Exoten zum Einkaufen oder bei Wochenendausflügen in ausschließlich von Schwarzen bewohnte Orte kamen, strömten oft Scharen von Kindern herbei und riefen »Oibo! Dash me!« (Weiße! Schenkt mir was!). Dass viele Einheimische nicht viel Geld hatten und die ausländischen Arbeiter im Vergleich merklich wohlhabender waren, äußerte sich nicht nur in diesen kleinen Aufläufen, sondern auch in gelegentlichen Überfällen und Einbrüchen auf Weiße bzw. in deren Wohnungen. Auch Bekannten unserer Familie passierte dies, wir aber hatten Glück. Ich vermisste oft ganz banale Lebensmittel, die in Deutschland jeden Tag verfügbar waren: Mortadella, Schnittkäse oder Äpfel (dazu gibt es auch schon einen früheren Blogeintrag). Meine Oma ging derweil in Deutschland alle 14 Tage für mich zum Kiosk und kaufte für mich das neue YPS-Heft. Nur zweimal im Jahr maximal hatten wir einen freien Heimflug auf Firmenkosten nach Deutschland, die große Kiste YPS, die dann auf mich wartete, war jedesmal ein großes Highlight. Ich schloss neue Freundschaften, ging hier zwei Jahre zur Schule. 1979 zogen wir zurück nach Deutschland.

Das nächste Auslandziel war schon geplant: Venezuela. Anfang der Achtziger sollte es losgehen, der Arbeitsvertrag meines Vaters war schon unterzeichnet. Dann die Diagnose aus heiterem Himmel: Krebs. Kaum ein Jahr später war mein Vater tot, mit nur 37 Jahren. Ich war 14. Von nun an blieben wir eine lange Zeit in Deutschland.

Was geblieben ist von diesen vielen, oft schmerzhaften, aber auch unglaublich bereichernden Ortwechseln und Umzügen, ist die Gewissheit, dass ich überall leben könnte, wohin mich Menschen begleiten oder wo ich auf Menschen treffe, die ich mag, an denen mir etwas liegt, die mir verbunden sind, die mir Nähe geben. Heimat ist kein Ort, es ist ein Gefühl, eine Konstellation aus Geborgenheit, Zuversicht, Wohlbefinden und Freundschaft, vielleicht auch Liebe. Und es sind immer Menschen. Ohne sie kann kein Ort eine Heimat sein.

Heute lebe ich in Hamburg, dem »Tor zur Welt«. Ich finde es gut, dass dieses Tor zu beiden Seiten hin geöffnet ist, dass in meinem Viertel, in Barmbek, Geschäfte und Menschen aus zahllosen Ländern ansässig sind und dass ich in der Stadt auf Touristen und Einwohner aus allen Kontinenten treffe. Es spielt keine Rolle, ob sie hierhergezogen sind, hier geboren wurden, als Touristen zu Besuch, nur auf Zeit, des Jobs wegen oder aus Herzensangelegenheiten, ob sie bald wieder fortziehen oder Geflüchtete sind. Ich finde es selbstverständlich, dass meine Bekannten und Freunde Namen wie George, Nese oder Ario tragen und dass ich in meinem Job bisher unter anderem Serkan, Mehran, Monique, Jo, Poul Erik, Ngoc Minh und Ufuk begegnet bin. Diese Vielfalt ist ein unendlicher Reichtum – und ich möchte nie wieder so arm sein, wie diejenigen, die sich ihr verweigern.

Ich unterstütze die Initiative #BloggerFuerFluechtlinge und würde mich freuen, wenn auch einige meiner Blogleser sich mit einer Spende am Fundraising des Projekts beteiligen.

 

Blogger für Flüchtlinge

Wer auf seiner Seite ebenfalls ein Banner der Aktion einbinden möchte, kommt per Klick auf das Bild zum Blog tollabea.de, wo diese schöne visuelle Umsetzung enstand und in vielen Varianten frei zum Download bereitsteht.

»Pesto Mojo Verde«

8. August 2015 um 15:04

Bei Besuchen in diversen Tapas-Restaurants ebenso wie bei meinen bislang zwei Urlaubsreisen auf die schöne Kanaren-Insel La Palma kam ich an der Spezialität »Papas Arrugadas con Mojo« nicht vorbei. Für dieses »Arme-Leute-Essen« werden ausgesucht kleine Kartoffeln in stark mit Meersalz versetztem Wasser so lange gekocht bzw. anschließend noch im abgegossenen Topf abgedampft, dass die Schale eine runzlige Struktur bekommt und mit einer Schicht aus kristallinem Salz bedeckt ist. Die dazu gereichte(n) Sauce(n), »Mojo« genannt, gibt es in »rojo« (rot) und »verde«, sie werden kalt püriert, bestehen aus Olivenöl, Knoblauch, Paprika, Kräutern und Gewürzen, können in verschiedenen Schärfegraden angerührt werden und sind eigentlich iberische Verwandte der berühmten Frankfurter »Grie Soss« bzw. des italienischen Pesto. Der Unterschied zu Pesto besteht im Wesentlichen im Fehlen des Nuss- und Käseanteils (Pinienkerne, Parmesan) – und da dachte ich mir heute: Wieso probiere ich nicht mal aus, wie eine Mojo schmeckt, das man mit passenden Zutaten der spanisch-kanarischen Küche zu einem »echten« Pesto ergänzt? Hier mein Rezept für den – wie ich finde – sehr gelungenen ersten Versuch:

Zutaten (als Dip für 3–4 Personen):

150–200 ml gutes Olivenöl
1 Bund glatte Petersilie, gewaschen und entstielt
1 Bund Koriandergrün, gewaschen und entstielt
8 kleine milde grüne »Bratpaprika«, entkernt, entstielt und halbiert
1 kleine Knoblauchzehe
80–100 g gereiften, etwas härteren Manchego-Käse, fein gerieben
100 g geschälte (blanchierte) Mandeln
Saft einer kleinen Zitrone
1 Zweig Thymian
1 TL Tabasco (nach Geschmack und gewünschter Schärfe)
1/2 TL Kreuzkümmel
1 Prise Zucker
Salz und Pfeffer

Die Kräuter mit dem Öl, der Paprika, Mandeln, Zitronensaft und Gewürzen im Mixer auf höchster Stufe zu einer feinen Masse pürieren und mit Salz, Zucker und Pfeffer abschmecken. Dabei nicht zu viel Salz nehmen, denn der Käse enthält ja auch welches. Die pürierte Masse in eine Schüssel umfüllen und den geriebenen Käse unterheben. Im Kühlschrank einige Stunden gut durchziehen lassen.

Dazu gibt’s heute bei uns die erwähnten »Papas Arrugadas«, Quark und geräucherte Lachsfilets.

Beim nächsten Mal werde ich ausprobieren, wie sich der Geschmack verändert, wenn die Bratpaprika tatsächlich vorher gebraten und die Mandeln in einer Pfanne leicht angeröstet werden. Ich vermute, dadurch wird das Pesto etwas weniger grün und frisch, sondern durch die Röstnoten etwas kräftiger und herzhafter.

¡Que aproveche!

Pesto Mojo Verde

Foto: © formschub.de