Heiß und fettig

Da bloggt man mal gefühlt drei, vier Tage lang nix – und zack! ist ein ganzer Monat rum. Passiert ist genug, aber irgendwie fehlten mir Lust und Muße, darüber zu bloggen. Egal, das Internet füllt sich auch mal eine Weile ohne mich.
Doch gestern gab es mal wieder einen schönen Impuls im Blog von Isabel Bogdan aka Isabo. Sie hat mit einem Aufruf die schöne Tradition des „Gedichtwettbewerbs” wieder aufleben lassen. Wobei, „Wettbewerb“ ist eigentlich das falsche Wort, es geht nicht ums Gewinnen, ums toller, besser, witziger sein, sondern ums Mitmachen. Und da das Thema „Gastronomie” mir ja bekanntermaßen auch an Herz und Magen liegt, hab ich mich gerne daran beteiligt.
Feine Küche ist was Tolles. Ein Abendessen im Reinstoff, im Le Compagnon oder im Gänsbauer (alle selbst besucht) lässt den Gaumen jedes Feinschmeckers jauchzen. Aber ab und zu schmecken auch Junkfood, Imbissfritten oder die – aufgrund schwindender Weitergabe mütterlicher Kochgeheimnisse an die nachwachsende, von einer industrielleren Esskultur geprägte Generation – immer seltener werdende „Hausmannskost“ (abgesehen mal davon, dass ich diese Bezeichnung ziemlich dämlich finde, weil ein Hausmann inzwischen etwas ganz anderes ist und die Gerichte unfairerweise denjenigen bezeichnen, für den gekocht wird, anstatt verdientermaßen diejenige, von der es gekocht wurde). Denn wohl jeder „Foodie”, der meiner Generation (1967) entstammt und noch ein kochendes Elternteil – meist die Mutter – sein eigen nennt, wird die Frage kennen, die unweigerlich vor den gelegentlichen Familienbesuchen erörtert wird: „Was magst du denn essen, wenn du kommst?” – Ich wette, die Antworten meiner Altersgenossen sind in weiten Teilen deckungsgleich: Rouladen oder Kohlrouladen, Gulasch mit Nudeln, Hühnerfrikassee, Eintopf (Bohnen, Linsen, Erbsen), Königsberger Klopse, Braten mit Rotkohl und Knödeln … alles, was man im Elternhaus mit Genuss verspeist hat, sich aber mangels Rezeptkenntnis oder aus Scheu vor dem oft nicht unbeträchtlichen Aufwand nie selber zubereiten würde.
Also: ein Lob auf alle kochenden Mütter, ihre Rezepte und die guten Landgasthäuser!
Und hier mein Gedicht, zu dem Isabos Aufruf mich inspirierte:
Ode an die Hausmannskost

Kommse rein und seinse Gast,
ruhnse aus von all der Hast,
wählnse aus und haunse rein,
trinkense ’nen Schoppen Wein.
Unser Koch kocht heiß und deftig,
statt fad schmeckt’s bei uns eher kräftig,
Kalorien solln andre zählen,
und sich mit Diäten quälen.
Große Teller, kein Chichi,
Salat wär nur ein Alibi.
Soße, Fleisch und gute Butter,
alles schmeckt noch wie bei Mutter.
Frikassee, Kotelett, Rouladen,
Gulasch, Nudeln, Schweinebraten,
Pommes, Rotkohl, Currywurst,
statt Selters löscht ein Bier den Durst.
Oh, der Teller schon geleert?
Ist noch Luft? Vielleicht Dessert?
Apfelstrudel? Sahnetorte?
Selbstgebacken – ohne Worte.
Hat’s geschmeckt? Das hört man gerne.
Solches Lob glänzt mehr als Sterne.
Gönn dir, was im Angebot ist,
hungern kannste, wennde tot bist.

Hendl
Foto: © formschub.de | Mehr Fotos bei flickr

2 Kommentare

  1. Ja, solche Hausmannskost – herrlich. Bei mir gab’s das allerdings eher bei der Oma – und bis heute koche ich, wenn der Februar gar zu grau ist, Kohlrouladen und Hühnersuppe. Mit fetter Brühe wie von Oma. Große Klasse. Ein Stückchen Kindheit.

    1. Ohne Fett ging ja damals ohnehin nichts. In Butter gebraten, mit ausgelassenem Speck serviert, mit Sahne verfeinert … und Fleisch und Wurst schmeckten mit dem höheren Fettanteil auch besser. Ich vermisse manche dieser Geschmackserinnerungen sehr.

Kommentare sind geschlossen.