g-trospektive

Mein Lieblingsbuchstabe ist ja eindeutig das kleine g. Ich finde, kaum ein anderes Zeichen inspiriert zeitgenössische Schriftdesigner zu originelleren und fantasievolleren Details. Und sollte ich die Fonts nennen, deren g-staltungen mir am besten gefallen, hätten die Dänen und Schweden mal wieder die Nase ganz vorn. Leider sind viele der gezeigten Schriften exklusive Corporate Fonts und daher nicht käuflich zu haben, während bei den kommerziellen Schriften die restlichen Glyphen für mein Empfinden nicht immer durchgängig das gleiche formale Niveau halten können. Hier einige g-sellen, die mir besonders g-fallen:

g-nial

Erste Reihe: Corporate Font »Via« der dänischen Bahngesellschaft DSB, Corporate Font des dänischen Apothekerverbandes, Corporate Font der dänischen Supermarktkette Super Brugsen, Corporate Font des dänischen Geldinstituts Danske Bank, Freefont »Kontrapunkt« der gleichnamigen Designagentur aus Kopenhagen, Corporate Font des dänischen Campingplatzbetreibers FDM, »Batory« von der schwedischen Typefoundry T4.

Zweite Reihe: Egon, Linefeed, Mercury, Doradani, Anthology, Veriox, Neo Sans (Corporate Font von Kabel Eins), Magma, Magion, CA Blitzkrieg Pop (alle bei myfonts).

Einfach. Gut.

Nach den vielen Gestaltungsunfällen der letzten Wochen, die beispielsweise im fontblog und im Designtagebuch zu recht fassungslos bis ärgerlich kommentiert wurden (Logo-Redesigns von Müller Milch, RWE, Vauxhall, Teutonia u.a.), gab es heute, zumindest für mich, endlich mal wieder etwas zum Freuen. Manchmal entstehen CD-Cover (oder früher auch Plattencover), die so genial sind, dass sie einfach begeistern, ganz egal, ob Musik oder Interpret dem eigenen Geschmack entsprechen. So ging es mir heute beim Anblick des Covers zur neuen, dritten CD von Portishead, »Third«. Ein starkes Stück Design, reduziert auf das absolut Wesentliche, tolle Farben, perfekte Typographie. Ich ziehe meinen Hut – und werde mit Sicherheit auch mal reinhören.

Portishead_Cover

Huldigung der nördlichen Stämme*

Die Beliebtheit der Fonts FF Max, FF Signa und FF Olsen der dänischen Schriftdesigner Ole Søndergaard und Morten Rostgaard Olsen (aka fontpartners) ist zwar schon mal ein Anfang – aber eben nur ein Anfang. Seit meinen ersten Urlaubsreisen nach Dänemark und Schweden verspüre ich eine tiefe Seelenverwandschaft zu skandinavischer Typographie und skandinavischem Grafik-Design. Intelligent. Klar. Genial simpel. Raffiniert und zeitlos. Einfach schön! Ich lief durch Kopenhagen und Stockholm und freute mich über Firmenlogos, Leitsysteme, Bahnhofsanzeigen und Wegweiser. Ich durchstromerte Supermärkte und Kaufhäuser und bewunderte die Verpackungen von Produkten, für die ich überhaupt keinen Bedarf hatte. Darum habe ich heute mal eine kleine Linksammlung zusammengestellt, die vielleicht hilft, die Fangemeinde für skandinavisches Grafik-Design ein bisschen zu vergrößern. Lasst uns die Welt ein bisschen skandinavischer machen und sie wird besser aussehen. Seht selbst:

Adam Bognar – Designer und Fotograf in Malmö, Schweden
Chevychase – Designstudio in Stockholm
DDC – Danish Design Centre, viele Links zu designrelevanten Themenseiten und Designer-Websites aller Disziplinen
e-Types – Strategische Designagentur in Kopenhagen, sehr schlicht
Greatworks – Werbe- und Designagentur in Stockholm
Kontrapunkt – dänische Designagentur in Kopenhagen (kostenloser Font zum Downloaden, auch die Projekt-Cases sind lesenswert!)
MAC Rhino Fonts – Coole Fonts des Schriftdesigners Stefan Hattenbach aus Stockholm (4 Freefonts zum Downloaden!)
Oktan Design – Designstudio mit 10 Büros in ganz Skandinavien
re-public – Grafik- und Kommunikationsdesign-Studio in Kopenhagen
Scandinavian Branding – Designagentur des dänischen Designers Johan Adam Linneballe in Kopenhagen (Herausgeber eines interessanten Buches zu ausgewählten Projekten, bestellbar über die Website)
Suprb – Website des Designers Andreas Pihlström, Stockholm
We Recommend – Schwedisch-Dänische Design-Kooperative in Malmö

Skandinavisch

* Eigentlich ist die Überschrift ein Buchtitel zu einem ganz anderen Thema, aber sie passt hier so gut …

Un-ver-zeih-lich

Wenn mir als Grafik-Designer jemand diese Grußkarte schicken würde, wäre ich wenig geneigt, überhaupt irgendwas zu verzeihen. Weder dem Absender, da er mir ein solches Typographiemassaker zumutet (was auch immer sonst sein Gewissen plagt), noch dem DTP-Slasher, der selbiges verbrochen hat. Abhilfe geschaffen hätte die rettende Kraft der Synonyme: »(I’m) Sorry«, »Pardon« oder von mir aus »Es / tut / mir / leid«. Oder aber ein anderes Kartendesign. Wenn man nicht al-les selber macht …

Zerstueckelt