Fakten, Fakten, Faktos

Vor rund sechs Jahren hatte ich hier einen Blogartikel über die Hausschrift »Faktos« des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) verfasst. Da ich immer bemüht bin, bei Berichten die verdienten Urheber zu nennen, hatte ich dies mittels Netzrecherche auch hier unternommen – musste jedoch nun aufgrund eines freundlichen E-Mail-Hinweises des Designerkollegen Philip Lammert feststellen, dass die im Netz am häufigsten genannte Quelle nicht zwangsläufig die »rechtmäßige« ist. Das möchte ich hiermit korrigieren.

Philip hatte recherchiert, dass statt des zunächst genannten Schriftsetzers Dieter Steffmann der amerikanische Designer Cory Maylett aus Salt Lake City der verantwortliche Schriftgestalter ist. Die »Faktos« findet sich sowohl auf seiner Bēhance-Seite als auch auf seiner Website wieder, allerdings ohne Angaben zum Entstehungszeitraum oder Link zum kostenlosen oder käuflichen Herunterladen der Schrift.

Ich habe daraufhin Kontakt mit Cory Maylett aufgenommen und ihn dahingehend befragt und erhielt eine sehr freundliche Antwort inklusive eines extra aufgrund meiner Nachfrage eingerichteten Links zum Gratis-Download des Original-Fonts, dem man seine 24 Jahre, wie ich finde, nach wie vor nicht ansieht. Hier ein Auszug aus der E-Mail des Schriftgestalters:

Hi Thomas,

Thank you for tracking me down. Yes, I’m the designer of Faktos, and yes, others have pirated it, called it their own, produced new variants and illegally posted copies on the Internet. I designed and released the font in Postscript Type 1 format way back in 1991. Due to the many pirated versions floating around, I no longer expect any reimbursement for using Faktos, but hardly a month goes by that I don’t see it used somewhere. I haven’t even made it available on my website for several years.

Your note, though, prompted me to set up a download page and post newly compiled TrueType and OpenType versions of the font there.
The direct address is http://maylett.net/faktos.

For what it’s worth, I hadn’t opened the font file for, probably, 15 years until today.
(…)
The character set isn’t as large as it should be, and there are many refinements I’d make if I were building it today. Perhaps someday I’ll get around to doing just that. In the mean time, the only official (and legal) version of the font can be downloaded from the link above.

Thanks again for the note. I greatly appreciate you wanting your blog link to lead to the right place.

Cory Maylett

Ich freue mich ebenso über den netten Hinweis von Philip wie über die Antwort von Cory Maylett und möchte hiermit allen interessierten Lesern die Möglichkeit zum Download der Original-Schrift weiterreichen. Wer je viel Arbeit in die Entwicklung oder Kreation einer Idee, eines Textes, eines Designs oder anderer kreativer Leistungen gesteckt hat, weiß, welchen Wert die Nennung und Würdigung der Urheber für deren Arbeit und für sie selbst hat, selbst wenn – wie hier – nicht einmal Geld für die Nutzung ihres »Produkts« gefordert wird. Sie verdienen es einfach.

U-Bahnhof Hamburg Jungfernstieg
Foto: © Ingolf on flickr | Licensed under Creative Commons

Timelapsus

Als bekennender Fan der Serie »Fringe« gucke ich mich gerade mit wachsender Begeisterung durch die zweite Staffel, in der es nach zahlreichen mysteriösen Vorkommnissen, Indizien und Andeutungen nun tatsächlich zur unerfreulichen Konfrontation zweier paralleler Universen kommt.

In der Episode 16, die nach dem Sohn des Protagonisten Dr. Walter Bishop, »Peter«, benannt ist, geht es während einer ausführlichen Rückblende um bedeutungsvolle Ereignisse, die sich im Jahre 1985 zugetragen haben. Das inspirierte die Macher der Serie zu der schönen Idee, bei dieser Folge den regulären Vorspann durch eine spezielle Version im Stil der 80er Jahre zu ersetzen. Statt der neuzeitlichen (grenz)wissenschaftlichen Trendthemen werden die damaligen eingeblendet, der Grafikstil, Computeranimationen und die Science-Fiction-Schrift Amelia aus dem Jahre 1967 sorgen für eine stilechte Retro-Optik.

Wäre da nicht die Nennung der drei Serienerfinder am Schluss der Titelsequenz. Die sorgt nämlich bei Typographiefans für einen kleinen Sprung im Raum-Zeit-Kontinuum: es ist die Verdana, die zwar als Computerschrift speziell für Microsoft entworfen wurde, allerdings erst 1996 – elf Jahre nach 1985. Mysteriös …


Screenshot content: © FOX Broadcasting Company,
published for non-commercial documentary purposes

Typophile Grüße

Durch einen freundlichen Hinweis via Twitter wurde ich auf meinen fleißigen Hobbyzwilling Jens Arne Männig aufmerksam gemacht, der wie ich mit seiner Kamera typographische Fundstücke sammelt und sie – übersichtlich in Kategorien gegliedert – auf seiner Website präsentiert. Historisches, Kunstvolles, Skurriles. Ich empfehle nachdrücklich einen Besuch der Galerie, winke freundlich über den Letternzaun und freue mich schon auf die nächsten Trophäen!

Typofunde_Maennig
Screenshot mit freundlicher Genehmigung von Jens Arne Männig.

Schon wieder …

Das wird ja fast schon langweilig. Aber nur fast. Das Typographie-Portal Typographica hat letzte Woche retrospektiv seine Schriftfavoriten 2011 gekürt. Und unter den ausgewählten Fontschätzchen funkelt mich eines schon wieder ganz besonders verführerisch an: Dane.

Warum? Ratet mal. Der Name kommt sicher nicht von ungefähr, stammt doch die Kopenhagener Typefoundry PlayType selbst aus dem Mutterland des »Danish g«. Und somit wartet auch der lokalpatriotisch benannte, klare und unprätentiöse Font – neben zahlreichen feinen Details an seinen anderen Glyphen – wieder mit diesem ganz speziellen Formschmankerl am Minuskel-g auf. Eine dänische Helvetica, könnte man fast sagen. Von mir aus kann’s gern zum Trend werden, ich schwärme ja schon seit Jahren dafür.

Dane_Sample
Font sample via PlayType | Composing: © formschub