Nacht der Löwen 2008 in Hamburg

Zurück aus dem Urlaub und gleich wieder voll rein in die Werberszene – bei der »Nacht der Löwen« im TUI Operettenhaus. Auf dem Programm: die Prämierung und Vorführung ausgewählter Arbeiten aus internationalen Kreativschmieden mit den goldenen, silbernen und bronzenen »Cannes Lions«-Awards des alljährlichen Werbe(film)festivals. Neben den ideenreichen Preisträgern gibt sich Hamburgs Medienvolk ein Stelldichein. Hier steht so manches Klischee, das angesagte TV-Soaps vom ausgeflippten Style der coolen Agenturtypen zeichnen, als fleischgewordene Realität an der Bar: pomadig glänzende Männerzöpfe, aufgespritzte Ballonlippen, camouflage-gemusterte Herrensakkos, somnambul zerwuschelte Hauptstadtfrisuren, breitschwarz-eckige Designer-Hornbrillen. Alles da, alle dabei. Gehört aber irgendwie auch dazu, wie Kugeln und Lametta am Tannenbaum.

Wie auch immer, die begleitenden Kollegen waren sämtlich gut drauf, die Häppchen lecker, die Getränke kühl und die prämierten Ideen, fand ich, größtenteils ihre Trophäen wert. Und da eine fast dreistündige Revue nur minutenlanger Clip- und Bildprojektionen unweigerlich zum Härtetest fürs Kurzzeitgedächtnis wird, habe ich mir zu meinen persönlichen Favoriten gleich Notizen gemacht. Hier sind sie:

1. Imagefilm »Musik im Blut« für das Konzerthaus Dortmund.
Fantastische Bilder, perfekt dazukomponierte Musik, geniale Postproduktion – eine simple, aber konsequent und visuell wegweisend umgesetzte Idee.

2. Werbespot »Tentacle« für den Dunkelziffer e.V. gegen sexuellen Missbrauch von Kindern.
Ein düsterer, eindringlicher Film mit subtilen, perfekt umgesetzten CGI-Effekten, verstörenden Sounds und erstklassigen, optimal besetzten Darstellern.

3. Werbespot »Full of lovely stuff« für das Automodell Skoda Fabia.
Liebevoll-nostalgische Autowerbung der anderen Art, mit einer langsam enthüllten Pointe, vielen netten Details und dem perfekten Soundtrack: ‚My Favourite Things‘ von Julie Andrews.

4. Werbespot »Touch« für die Bonbonmarke »Skittles«.
Für mich der Lacher des Abends, mit einer bonbonbunten Neuinterpretation der Legende von König Midas und einem verblüffend ähnlichen Morgan-Freeman-Lookalike.

Noch mehr Gewinner, Infos, Bilder und Clips rund um die Cannes Lions bietet die offizielle Website, für die allerdings eine (kostenlose) Registrierung erforderlich ist.

Cannes_Lions_2008
Red_Ink
Logo: © Cannes Lions | Foto: © Jutta Rotter / PIXELIO

Spielkram

Seit jeher habe ich geglaubt, dass frickelig-komplexe, kristalline Techno-Artworks nur mit mehrjähriger Ausbildung zum 3-D-Cyber-Art-Designer oder in nächtelanger Photoshop-Kleinarbeit entstehen können. Der Online Image Generator viscosity beweist: es geht auch einfacher. Quick and dirty zwar und ohne Oberflächenschnickschnack, aber im Ergebnis annähernd genauso »fancy«.

Das Prinzip ist simpel und genial: ein Streifenmuster, definiert durch 200 horizontal angeordnete Anfasspunkte, kann per »Zufallspinsel« oder exakter Platzierung jedes einzelnen Punktes beliebig verzerrt werden. Die Farbflächen ergeben sich aus den Verbindungen in der geänderten Punkmatrix. Farben, Pinselparameter usw. sind frei konfigurierbar und das fertige Werk ist als Pixelbild downloadbar. In der Usergalerie wird eindrucksvoll deutlich, was – über anfängliches wildes Herumschwurbeln hinaus – mit diesem Tool alles machbar ist. Coole Sache, das.

Viscosity

Wettbewerbe, Wettbewerbe

Wer jetzt nicht im Urlaub ist, hat vielleicht gute Chancen, als einer der wenigen Hiergebliebenen bei laufenden Designwettbewerben zu punkten. Das Magazin w&v und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) rufen dazu auf, eine Wort-/Bildmarke für die Initiative »Vision Zero« zu entwickeln. Sie besteht in dem löblichen Ziel, baldmöglichst »Null Verkehrstote« auf deutschen Straßen vermelden zu können. Noch bis spätestens Freitag, den 15. August 2008, nehmen die Ausrichter kreative Entwürfe entgegen, der Gewinner erhält ein Anerkennungshonorar in Höhe von 3000 Euro, das auch die Abgeltung der Nutzungsrechte der Wort/Bildmarke umfasst. Interessante Hintergrundinformationen zur länderübergreifenden »Vision Zero« liefert eine ansprechende PDF-Broschüre der schwedischen Verkehrsbehörde Trafikverket.

Die Druckerei Stuerken aus Bremen ruft zum zweiten Mal auf zum Kalender-Design-Wettbewerb »Battle of Print«. Eingeladen sind alle Kreativen, in ideenreichen Entwürfen zum Thema »Höhen & Tiefen« ihre Fantasie spielen zu lassen. Ob (typo)grafisch, illustrativ oder fotografisch, was zählt, sind Idee, Qualität und eigener Stil. Zwölf der eingereichten Arbeiten werden von einer Jury in den »Battle of Print«-Kalender 2009 aufgenommen und zusammen mit allen Einsendungen im Rahmen einer Ausstellungsparty am 18. September 2008 gewürdigt. Bis spätestens 25. August können Entwürfe im Format DIN A3 eingereicht werden. Kohle gibt’s nicht, aber Ruhm und Publicity. Für mehr Informationen bitte hier klicken.

Wettbewerbe August 2008
Abbildungen: © Druckerei Stuerken | geralt / PIXELIO

Da geht’s lang!

Schon mal was von »Supernova«, »Fine Line«, »FoldOver«, »Global Expansion«, »Loops«, »Jawbreakers«, »Strobe«, »Nimbus«, »Stitch«, »Colorblind«, »Amoeba«, »Facets«, »Doodles«, »Flourish« und »Fibrous« gehört? Nicht? Dann wird’s aber höchste Zeit – zumindest für Artdirektoren und Grafik-Designer. Denn so heißen die brandaktuellen Logo-Design-Trends 2008, wie jedes Jahr aufgespürt und mit vielen repräsentativen Beispielen versehen von logolounge.com. Und nicht vergessen: Inspiration geht vor Imitation! 😉

Trends
(via Sprechblase)

Sparphabet

Angespornt durch einen Beitrag im Fontblog über den Wettstreit der Fonts mit den meisten Vektor-Ankerpunkten, habe ich mal versucht, mit möglichst wenigen auszukommen – ohne Rücksicht auf Schönheit oder optimierte Lesbarkeit. Et voilà: 68 Ankerpunkte für das komplette Versal-Alphabet. »Frugal« scheint mir ein passender Name für die genügsame Studie. Less points, anybody?

Update: Das Bild wurde aktualisiert. Ich hatte in der ersten Version übersehen, dass A und N gleich aussahen, was aber ohne zusätzliche Ankerpunkte behoben werden konnte.

Frugal

Runde Sache

Durch diese schicken Bierdeckel, die im idyllischen Berliner Gartenlokal Floriansgarten (Update: inzwischen geschlossen) auslagen, wurde ich gestern auf die französisch-niederländische Low-Cost-Airline transavia aufmerksam. Ein gelungenes Corporate Design, das mir auch deshalb gefällt, weil es rein zufällig einige meiner persönlichen Lieblingsfarben benutzt. Abgerundete, geometrische Retro-Fonts wie »Bauhaus« und »Blippo« sind anscheinend bei Erscheinungsbildern zur Zeit wieder schwer en vogue, wie auch der jüngste Relaunch von airberlin und das neue CD der Stadt Belfast zeigen. Mal sehen, wie weit der Trend trägt.

transavia Bierdeckel