Am Himmel die Worte

Ein feines Webspielzeug für Typographiefreunde: bei wordle werden eingegebene Textfragmente automatisch zu hübschen Clouds aufbereitet. Fonts, Farben und Layout können per Pulldown-Menü gewählt und zum Teil auch mit zufälligen Variationen versehen werden. Für das maritim-sommerliche Beispiel unten hab ich mal ein paar Zeilen aus einem meiner kürzlichen Amrum-Berichte verwendet. Mit Songtexten und Gedichten funktioniert es aber bestimmt noch besser. Muss ich gleich nochmal ausprobieren …
(schon wieder via Spreeblick)
wordle_Sample

Kopfscherzen

„Mann, hab ich’n Schädel!” – wer kennt ihn nicht, den qualvollen Befindlichkeitstribut beim Erwachen nach manchem allzu geselligen Abend? Wie man einen täglichen (!) Schädel zur lieben Gewohnheit machen und damit obendrein noch Spaß haben kann, zeigt das Bilderblog Skull-A-Day. Auf Initiative der Designagentur Another Limited Rebellion in Richmond, USA, und mit kreativer Beteiligung der Blogleser gibt’s hier jeden Tag ein neues Schädelkunstwerk zu bestaunen – in 2D oder 3D, selbst gestaltet oder abfotografiert. Und damit nicht genug: der morbide veranlagte Designer kann sich noch dazu den handwerklich soliden Totenkopf-Freefont Skullphabet kostenlos herunterladen (Link via fontspace.com).
Skullphabet

Ächz hoch stöhn

Potenz ist in. Nicht nur im Bett, sondern anscheinend auch bei Designern und Werbern – und zwar im mathematischen Sinn. Nach den wochenlangen Diskussionen in Presse und Web um Logo und Slogan der Standortkampagne fürs Ruhrgebiet („Ruhr hoch n” bzw. „Ruhr hoch R”, siehe z.B. die fontblog-Beiträge dazu im März und im Mai), entdecken nun weitere Marketingtreibende die Kraft der erigierten Zahlen für sich. Doch Hochgefühle wecken die Hochzahlen selten. So hat Mariah Carey (sic!) ihre neue CD mit „E=MC²” betitelt, was wohl weniger daran liegt, dass sie neuerdings in Videodrehpausen Einstein liest, vielmehr entdeckte sie in der populären Formel eine komplett neue Bedeutung für ihren ganz eigenen kleinen Kosmos: „Alle sagen mir ja immer, dass ich so superschlau rüberkomme. Also der Titel bedeutet, Emanzipation ist gleich Mariah Carey zum Quadrat!” Ahja.
Aber zurück zu den wirklich wichtigen Dingen. Kondome, zum Beispiel. Heute morgen trieb mir bei einem Ampelhalt das untenstehende Plakat Grübelfalten auf die Stirn. Erst dachte ich an Eiscreme, wegen der Herzform, der langnesigen Farben und des appetitlich anmutenden Folienquaders. Dann jedoch sah ich die Kondomschachteln und die Headline: „LIEB ES² BEWEIS”. Also nicht Eis, sondern ES – und Kondome. Doch was ist ES? Und warum soll ich ES lieben? Eigentlich geht es doch um ER und SIE? Hat es was damit zu tun, dass die beiden ES gerade treiben? Das Foto ist ja schließlich der BEWEIS. Ach, nee: LIEBESBEWEIS! Aber wer beweist wem was – und womit? Ein gedanklicher Interruptus nach dem anderen lähmte mein Hirn. Inzwischen weiß ich immerhin, dass das Kondom so heißt: ES steht für „Extra Sensitive”. Klar, schreit einen ja aus den winzigen Randzeilen der Pariserpäckchen schließlich laut genug an. Aber warum zum Quadrat, zum Teufel? Egal, bleibt ja noch der Abbinder: „LifeStyles | We care more²” Schon wieder ein obskurer Verbal-Exponent. Wir deuteln munter weiter: LifeStyles – offenbar der Hersteller – kümmert sich. Und zwar nicht nur mehr, sondern hoch zwei. Aber worum? Um leicht verständliche Werbung sicherlich nicht. Vielleicht um das ES von vorhin? Um Kondome ohne Löcher? Um die beiden erregten Turteltäubchen? Oder bald um eine neue Plakatkampagne? Letzteres wäre zu hoffen. Echt².
Kondomplakat

Wegsehenswürdig

Das Design Tagebuch berichtet heute von den gelungenen Städteillustrationen für die acht Host Cities der UEFA EURO 2008. Das erinnerte mich spontan an meine letzten Autobahnfahrten, auf denen mir viele der braunen Schilder am Wegesrand mit ihren stilisierten Darstellungen von Kulturdenkmälern oder Sehenswürdigkeiten grafisch unangenehm aufgefallen sind. Im Fachjargon heißen sie „Unterrichtungstafeln“ und auf einer ihnen eigens gewidmeten Website ist zu erfahren, dass die Gemeinden für Beantragung, Erstellung und Gestaltung hauptverantwortlich sind. Aufstellung und Motiv müssen zwar von der Straßenbaubehörde genehmigt werden, aber dass dort Grafik-Designer arbeiten, ist nicht nur aufgrund der Qualität der Motive eher unwahrscheinlich. Es gibt keine einheitlichen stilistischen Richtlinien zur Gestaltung dieser Schilder, und selbst die wenigen Vorgaben (braune Farbe, Schrift in DIN-Antiqua) werden in vielen Entwürfen nicht befolgt oder verändert. Auch wie viele Schilder es deutschlandweit gibt, ist unbekannt, da keine zentrale Behörde dafür zuständig ist. Ich finde es schade, dass an derart prominenten Stellen mit so lieblos bis unprofessionell erstellten Motiven in völlig uneinheitlichem Stil geworben wird. Die klumpigen Äffchen unten sind da nur ein noch harmloses Beispiel von vielen weiteren Gestaltungmissgriffen. (Edit: auf dieser Seite gibt es auch noch ein paar Exemplare zu besichtigen.)
Das Wikipedia-Projekt „Unterrichtungstafeln” fordert Teilnehmer dazu auf, Fotos der Tafeln hochzuladen, um eine möglichst komplette, kategorisierte Bildersammlung zu erstellen. An den wenigen bereits eingestellten Motiven kann man es aber schon deutlich sehen: uneinheitliche Formensprache, wechselnde Typographie und nur wenige gelungene Bildkompositionen. Dagegen haben es die Gastgeberstädte der UEFA EURO 2008 richtig gut.
Unterrichtungstafel

Für Topfgucker

Wer gerne kocht und isst und sich im Web darüber informiert oder selbst auslässt, freut sich, wenn Rezepte, Tipps und Produkte mit hübschen Fotos angerichtet serviert werden können – das Auge isst schließlich mit. Doch wehe, Bilder von anderen Webseiten werden einfach für eigene Zwecke gemopst und veröffentlicht. So mancher (Food)-Blogger musste schon böse Erfahrungen mit Abmahnungen machen und dies teuer bezahlen. Für alle, die den Abmahnwahn und kompliziertes Copyrightgewurstel satt haben, gibt es nun das Foodbilder-Blog Kochbuchfotos mit freien Foodfotos ausschließlich unter Creative-Commons-Lizenz. Jeder, der eigene schöne Foodfotos der Netzgemeinde zur Verfügung stellen möchte, kann den Bilderpool mit Links und Bilddateien erweitern, und jeder, der eines der Motive für eigene, nichtkommerzielle Zwecke nutzen möchte, kann dies unter Beachtung der jeweiligen Lizenzierung kostenlos tun. Eine tolle Initiative und absolut unterstützenswert!
(via einfach persoenlich)
Zitrusfruechte
Foto: Public Domain | via kochbuchfotos.de

Morgens halb zehn in Japan

Wieder was Abgefahrenes mit Essen bei Flickr entdeckt: „Charaben” (jap. kyaraben oder キャラ弁, eine Abkürzung für „Character Bentō”) nennen sich liebevoll garnierte Lunchpakete für Schul- und Kindergartenkinder, deretwegen manch engagierte japanische Mutter morgens sogar extra früher aufsteht. Meist bilden die kunstvollen Dekorationen beliebte Comic- oder Mangafiguren nach. Eine wahre Meisterin dieser Kunst ist das Flickr-Mitglied luckysundae, deren Kreationen nun sogar in einem Buch zum Thema vertreten sind. Rund 50 Fotos der essbaren Schöpfungen gibt es in ihrer Flickr-Galerie zu bestaunen. Welches Kind will da noch eine Leberwurststulle als Schulbrot?
Charaben_luckysundae

Image: © luckysundae (via flickr)

g-trospektive

Mein Lieblingsbuchstabe ist ja eindeutig das kleine g. Ich finde, kaum ein anderes Zeichen inspiriert zeitgenössische Schriftdesigner zu originelleren und fantasievolleren Details. Und sollte ich die Fonts nennen, deren g-staltungen mir am besten gefallen, hätten die Dänen und Schweden mal wieder die Nase ganz vorn. Leider sind viele der gezeigten Schriften exklusive Corporate Fonts und daher nicht käuflich zu haben, während bei den kommerziellen Schriften die restlichen Glyphen für mein Empfinden nicht immer durchgängig das gleiche formale Niveau halten können. Hier einige g-sellen, die mir besonders g-fallen:
g-nial
Erste Reihe: Corporate Font „Via” der dänischen Bahngesellschaft DSB, Corporate Font des dänischen Apothekerverbandes, Corporate Font der dänischen Supermarktkette Super Brugsen, Corporate Font des dänischen Geldinstituts Danske Bank, Freefont „Kontrapunkt” der gleichnamigen Designagentur aus Kopenhagen, Corporate Font des dänischen Campingplatzbetreibers FDM, „Batory” von der schwedischen Typefoundry T4.
Zweite Reihe: Egon, Linefeed, Mercury, Doradani, Anthology, Veriox, Neo Sans (Corporate Font von Kabel Eins), Magma, Magion, CA Blitzkrieg Pop (alle bei myfonts).

Spiel ohne Grenzen

Ich kann weder Russisch noch Japanisch, erahne mit Mühe, was Schweden und Dänen schreiben, beherrsche nur die Grundzüge des Französisch und merke, dass mir selbst auf Englisch noch ein paar Vokabeln fremd sind. Aber diese weltweiten Blogs und Linktipps zum Thema Design sind auch ohne tiefergehende Sprachkenntnisse einen Blick wert:

Ms Rix Design Heaven
Design-Blog von Line Rix aus Kopenhagen.

Etoday
Russisches Lifestyle-Ezine mit vielen Designbeiträgen.

Hovbergs Blog
Blog von Börje Hovberg aus Västerås, Schweden.

Feber
Redaktionelles schwedisches Lifestyle Blognetzwerk mit Schwerpunkt Design.

FormFiftyFive
Design-Blog von Glenn Garriock and Jack Daly aus Edinburgh.

re-public
Blog der Designagentur re-public aus Kopenhagen.

Ytlig
Designblog, Forum für Design, Kunst und Fotografie aus Schweden.

Design Observer
Gemeinsames Designblog der Designer William Drenttel und Jessica Helfand (Winterhouse Studio/Falls Village, Connecticut) sowie Michael Bierut (Pentagram/New York).

FFFFOUND!
User bookmarken sehenswerte Bilder und herausragendes Design, ein Projekt initiiert von Multimediagenie Yugo Nakamura aus Tokio.

DYT – Design You Trust™
Tägliches Design-Ezine, Community und Blog in einem, gegründet von Dmitri Utkin, weltweit tätig als Designer und Creative Director, u.a. in Moskau und New York.

visual evasion
Blog und Portfolio des Grafik-Design-Freelancers Jérémie Werner aus Strasbourg, Belgien.

Design Sojourn

Blog eines Industriedesigners unter dem Pseudonym Design Translator, der seinem Job u.a. in Singapur, Sydney und China nachgeht.

Designlinks

100 days of breakfast

Witziger Fotostream bei flickr, inspiriert durch eine Fotoserie des Fotografen Jon Huck: 100 Tage lang hat User evansent jeden Morgen sich selbst und sein Frühstück portraitiert. Wirkt besonders gut mit dem Browserplugin Piclens, das jede Flickr/Google-Bildergalerie durch Darstellung in cooler iPhone-Optik adelt.

100 Days of Breakfast

Ganz und gar nicht museal

Was gibt’s heutzutage noch umsonst? Schöne Schriften! Ganz legal und zudem ausgesprochen formschön: der in Arnheim/NL lebende Typedesigner Jos Buivenga stellt auf seiner Freefont-Seite exljbris unter anderem den neuen Font Museo zum kostenlosen Download (via myfonts) zur Verfügung. Spenden sind willkommen.

museo_sample.jpg