Schøne Køstlichkeiten

Wieder aus dem Urlaub zurück, spüre ich immer noch das wohltuende Echo der Natur, der Ruhe und der freundlichen Mentalität der Menschen in Dänemark und Schweden in mir nachklingen. Und auch wieder ihren Sinn für Design. In ganz normalen Supermärkten entdeckte ich Lebensmittel, die mich allein durch ihre klaren, ungewöhnlichen und ansprechenden Verpackungen begeisterten. Hier eine kleine Auswahl:

  1. Als exklusive Außenseiter im Snackregal präsentieren sich die Kartoffel- und Wurzelgemüsechips der Marke Rootfruit: die von einer edlen schwarzen Kartonblende umgebenen transparenten Beutel bieten einen ehrlichen Blick auf Qualität und Menge der eingefüllten Knusperchips. Auch die originellen Gemüsesorten (Blaue Kartoffeln, Pastinaken) machen neugierig auf ungewohnte Geschmackserlebnisse.
  2. Neben den bunten Primärfarbverpackungen der Wettbewerber fallen die Milchprodukte der dänischen Søvind Mejeri (Update: leider nicht mehr erhältlich) in ihren schlichten, schwarz-weißen Verpackungen unweigerlich auf, nicht zuletzt wegen des spannenden Kontrasts zwischen dem ornamentalen Logo und der modernen, organisch-geometrischen Typographie. Milch und Käse kann man offenbar nicht nur mit weidenden Kühen und in Holzzubern rührenden Omas verkaufen.
  3. Die unglaublich leckeren schwedischen Knäckebrotsorten von Vilmas hatte ich ja geschmacklich bereits angepriesen und musste mich auch diesmal ordentlich wieder damit eindecken. Zu loben ist aber auch das Verpackungsdesign: Die rustikalen, zurückhaltenden Kartons aus brauner Wellpappe sind mit kleinen Klebebanderolen versiegelt, die mit appetitlich gestylten Fotos der Brotspezialitäten oder Zutaten locken.
  4. Der 38jährige dänische Spitzenkoch Morten Heiberg kochte bereits am Hofe der dänischen Königin, ehe er mit »Heibergs Dessertcircus« eine eigene Produktlinie auf den Markt brachte. Nun erweitert er sein Sortiment neben Schokolade, Saucen, Marmeladen, Eis und anderen Desserts auch auf Kräuter und Öle. Alles in bester Qualität und in wunderschönen Verpackungen – besonders »angemacht« hat mich das Design der Olivenölflasche.
  5. Raffinierte Gewürze und Öle sind auch die Kernkompetenzen der dänischen Marke Spize (Update: leider nicht mehr erhältlich), die eine ganze Reihe verschiedenster Ingredienzien für den designbewussten Hobbykoch anbietet. Die Optik der stylischen Alu-Gewürzcontainer oder der puristischen Ölflaschen weckt nicht nur Appetit und Neugier, sondern auch das Habenwollen.

Wer Lust hat, die genannten Links zu besuchen, wird merken, dass die Wertschätzung der Hersteller für Design nicht bei ihren Verpackungen endet, sondern sich auch auf deren Websites fortsetzt. Ich jedenfalls habe schon wieder Hunger nach Skandinavien.

Scandinavian Packaging
Photos: © Rootfruit Scandinavia AB (1), Søvind Mejeri A/S (2), Vilmas Knäckebröd AB (3), Heibergs Dessertcirkus A/S (4), Zelected Foods A/S (5).

Kalter Kaffee

Seit 1993 bringt der italienische Espressohersteller Lavazza alljährlich einen kunstvollen, großformatigen Fotokalender heraus. Die Crema der internationalen Fotografie durfte dafür bereits die Produktwelt des bekannten Kaffees inszenieren – Helmut Newton, Ellen von Unwerth, David LaChapelle oder Jean-Baptiste Mondino.

Für 2009 sollte nun Lichtbildikone Annie Leibowitz dem braunen Elixier huldigen. Doch zumindest meine Erwartungen wurden enttäuscht. »I’ve been photoshopped!« schreit jedes Kalenderblatt, die Motive wirken auf mich ebenso leblos wie überladen und spätestens der Teller Spaghetti, der im September/Oktober serviert wird, geht gar nicht mehr. Dann lieber Tee statt Espresso.

2005 war der nicht ganz so prominente holländische Fotograf Erwin Olaf für die Umsetzung des Kalenders verantwortlich. Auch seine Lavazza-Bildwelten sind sicher Geschmackssache, aber sein z.T. grenzwertig-morbides Web-Portfolio finde ich atemberaubend.

Erwin Olaf Door
Ein Motiv Erwin Olafs aus der Serie »Paradise Portraits« am Eingang der Vrije Academie, Werkplaats voor beeldende Kunsten, Den Haag
Photo: © roel1943 | Some rights reserved

Design Diary

Der eine heißt Achim und bloggt von Hannover aus, der andere heißt Armin und schreibt aus New York. Wer als Gestalter das Design Tagebuch gern und täglich liest, findet bei Brand New ein lesenswertes Äquivalent jenseits des atlantischen Tellerrands. Im Zeitalter der Globalisierung bleibt es zwar nicht aus, dass beide Autoren gelegentlich über dieselben Design-Relaunchs berichten, aber eben jeder aus seinem Blickwinkel und somit auf jeden Fall einen virtuellen Besuch wert.

Brand New

What if?

Google-Recherchen führen einen oft auf wundervolle Nebenstraßen: Die Designer-Community Worth1000.com veranstaltete im Frühjahr 2008 (bereits zum sechsten Mal) einen Wettbewerb, der dazu aufrief, Anzeigen für heutige Produkte im »Vintage-Look« umzusetzen. Wie wäre 1930 für eine Wii-Konsole geworben worden? Oder 1958 für ein MacBook Pro? Interessantes Gedankenspiel – und tolle Ergebnisse.

Next Stop: Mansfield Park

Nochmal Fonts. Schöne handschriftliche darunter sind selten (oder teuer), aber nicht immer. Die deutsche Autorin Pia Frauss hat neben ihrem »ahistorischen« Roman »TAURIS oder Catterinas Entjungferung« auch ein rundes Dutzend wunderschöner historischer Fonts erschaffen oder nachempfunden, darunter auch »Jane Austen« – eine Interpretation der eleganten Handschrift der bekannten angelsächsischen Autorin. Für privaten Gebrauch werden die Schriften gratis zur Verfügung gestellt, kommerzielle Nutzer werden gebeten, pro Schrift 21,00 EUR Lizenzgebühren zu zahlen, dies erlaubt dann allerdings auch die Nutzung auf bis zu 100 (!) Computern.

Aktuell ist der Font auf den Jubiläumsplakaten der Hamburger Hochbahn zu ihrem 100jährigen Bestehen zu sehen (hoffentlich korrekt lizensiert), wo er gestalterisch einen schönen Akzent setzt. Der Gedanke an historische deutschsprachige Manuskripte Jane Austens im Hochbahn-Archiv zum Thema Signalbedienung hat aber auch etwas für sich.

Jane Austen Hochbahn

Festliche Freefonts

Na? Schon Ideen für Weihnachtsgeschenke? Womöglich schon was gekauft? Oder lieber was Selbstgebasteltes schenken?

So langsam wird es Zeit, sich Gedanken zu machen. Das kann duchaus auch typografisch geschehen, denn die kommenden Wochen des Jahres sind die Zeit der Einladungen, Adventskalender, Grußkarten, Geschenkanhänger und Gutscheine. Und die wollen nicht nur treffend getextet, sondern auch stilvoll gestaltet sein – warum nicht mit originellen, zur Saison passenden Fonts? Hier ein paar meiner diesjährigen Favoriten. Weitere stimmungsvolle Links und Empfehlungen nehme ich gern in den Kommentaren entgegen.

Festfonts
Von oben nach unten:
Christmas on Crack von David C. Lovelace (via dafont)
Big Bloke BB von Blambot Comic Fonts (via fontspace)
Monbijoux von Billy Argel (via 1001fonts)
Santa’s Big Secret von Blambot Comic Fonts (via fontspace)
Fontdinerdotcom Sparkly von Font Diner (via fontspace)