Typo-Quiz

Die Namensfindung für eine Schrift ist bestimmt nicht immer eine leichte Aufgabe für einen Fontdesigner. Schließlich hat ihn sein zu benennendes »Baby« sehr lange inspiriert, gequält, beseelt und beschäftigt. Ob es umgekehrt leichter ist?

Bei diesem Quiz geht es um die Identifikation von acht Schriften. Ich gebe acht Sätze vor, in verschiedenen Fonts gesetzt – und in jedem der Sätze fehlt an irgendeiner Stelle genau ein Wort. Das fehlende Wort ist jeweils gleichzeitig der Name der gesuchten Schrift. Beispiel: Der unvollständige Satz »The underground railway in Paris is called.« wäre gesetzt in der Schrift »Metro«. Mal sehen, wer zuerst alle acht Fonts erkennt.

Edit: Alex, der einzige Teilnehmer, hat alles richtig. Glückwunsch, auch wenn’s hier nix zu gewinnen gibt!

Typo-Quiz

Schmeiß weg, das Ding!

Vergesst Photoshop. Coole abstrakte Bilder mühsam mit Brushes und Filtern zu erzeugen, ist out. Es funktioniert – mit etwas Übung – wortwörtlich im Handumdrehen. Das Stichwort heißt Camera Tossing, auf deutsch: wirf Deine Kamera in die Luft, während sie belichtet. Natürlich sollte man gut fangen können, sonst wird’s schnell ein ziemlich kostspieliges Hobby, aber die Ergebnisse sind der Hammer.

Ein virtuoser Anhänger dieser ungewöhnlichen Kunstform ist der Programmierer Jens Ludwig aus Radolfzell-Güttingen. Beim Betrachten seines abstrakten flickr-Fotostreams kommt man völlig drogenfrei auf einen visuellen Trip der besonderen Art. Gerade neulich dachte ich noch: »Meine alte Digicam könnte ich auch langsam mal wegschmeißen.« Aber wieder auffangen ist natürlich umweltfreundlicher.

Camera Tossing
Thumbnails: © Jens Ludwig

Das Große im Kleinen

Fragmente von Schmetterlingsflügeln? Digital gefilterte Satellitenfotos? Mysteriöse Stoffetzen? Alles falsch. Die wunderschöne Fotoserie Cell Images* des Projekts Digital Dendrology der Künstlerin Jordyn Meredith zeigt hauchdünne mikroskopische Querschnitte von – Zweigen. In hundertfacher Vergrößerung enthüllen die eingefärbten, auf schlichtem Weiß fotografierten dendrologischen Präparate faszinierend-filigrane Zellstrukturen von Holz und Rinde. Natur als Kunst. Nur scheinbar unscheinbar – bis man genauer hinsieht.

*(Leider führen die Thumbnail-Links zu den Full-Size-Bildern ins Leere. Manueller Zugriff ist möglich, wenn man im Verzeichnispfad der .jpg-Thumbnails jeweils das Verzeichnis /thumbnails/ durch /images/ ersetzt. Beispiel: Thumbnail / Full-Size-Bild)

Digital Dendrology
Images: © PhyreDesigns | Jordyn Meredith

Wer knackt den Kot?

Wieder mal Werbung, die ich nicht verstehe. Wenn auch nur im Detail. Der oberflächliche Betrachter dieses Citylight-Aushängsels am Hamburger Dammtor mag mutmaßen, es handele sich ganz straight um ein Außenwerbemittel, welches eine außergewöhnliche Ballung von IT-Kompetenz in Niedersachsen propagiert, belegt durch den aktuellen Veranstaltungstermin der CeBIT Hannover. So weit, so gut.

Doch bei näherem Hinsehen fällt dem aufmerksamen wartenden Zugpassagier der vermeintlich fehlerhafte Fleck unterhalb der Headline ins Auge (grüner Pfeil). Dieser entpuppt sich im Closeup mitnichten als Fehler, sondern als eine hübsch auf einem Strohbouquet drapierte Ansammlung von Stoffwechselendprodukten der Spezies Equidae (vulgo: Pferdeäpfel). Was man auch erst mal erkennen muss, da der Haufen derart verschämt winzig wiedergegeben ist, dass er eher der Losung eines Rammlers gleicht. Ich frag mal ganz offen: Was macht die Reittierkacke auf dem IT-Plakat?

Ja, ich habe den Abbinder mit Pferdebezug am Fuß des Plakates gelesen. Aber das macht mich weder schmunzeln noch verstehen. Sind Computer scheiße? Machen Pferde in Niedersachsen überall hin, sogar auf Plakate? Ist die Messe kacke und man sollte lieber zu Hause bleiben? Oder ist das ein geheimer Marketingkotcode und man kann richtig was gewinnen, wenn man drauf kommt? Gerne würde ich noch weiter rätseln, aber, ach, da kommt mein Zug. Shit!

Nachtrag: Niedersachsen informiert über die Kampagne. Stichworte: Jung von Matt, Marketingpreis, Prise Humor. Na dann …

Kotplakat

Kitchen-Kitsch

So aufgeschlossen ich gegenüber allen Verlockungen der modernen Küche bin, so entzückt bin ich immer wieder beim Blättern in Kochbüchern aus den späten Fünfziger und frühen Sechziger Jahren, von denen ich einige gut erhaltene Exemplare auf Flohmärkten erstöbert habe: etwa das »Dr. Oetker Schulkochbuch« – das Standardwerk der Generation meiner Mutter – oder »Kalte Platten« aus der famos betitelten Reihe »Hans Buzengeiger plaudert aus seinen Garnierkursen, Band 2«. Wobei die darin verzeichneten Rezepte eigentlich Nebensache sind.

Viel faszinierender sind die Bebilderung und die Typographie: Schwungvolle handgezeichnete Schreibschriften, stilvolle Illustrationen auf Frontispiz oder Kapiteltrennseiten und fantastisch-bonbonbunte Foodfotos. Ziel der »Foodstylisten« jener Zeit (falls es dieses Berufsbild schon gab) schien es zu sein, Essen jenseits der Grenze des Essbaren zu inszenieren, entweder kitschig überdekoriert oder mit fast geometrischer Strenge.

Freunde dieser kulinarisch-fotografischen Opulenz werden auch bei flickr fündig: der komplette Bilderpool »Vintage Cookbooks« widmet sich dem (foto)grafischen Andenken der Kochbücher unserer Mütter und Großmütter. Einige der ergiebigsten und besten Galerien finden sich in den Fotosets der Mitglieder Charm and Poise, amy_b und Be the HBIC. Die Flickr-Seite drmvm widmet sich dem Spezialthema »Partybuffets« und weitere Retro-Küchenfotos außerhalb dieses Bilderpools findet man auch bei Pinterest. Ich glaube, ich muss auf jeden Fall bald mal wieder zum Flohmarkt.

Eieruhr
Foto: Kalte Platte »Eieruhr« aus dem o.g. Kochbuch von Hans Buzengeiger

Ein feiner Zug

Ist doch immer wieder schön, wenn Netzrecherchen viel mehr Interessantes erschließen, als ursprünglich gesucht. So geschehen beim »googeln« nach Name und Herkunft der Headlineschrift im Corporate Design des Hamburger Verkehrsverbundes HVV.

Der kursive, leicht techno-artige Font hatte auf Plakaten und Aushängen meine Aufmerksamkeit geweckt, so dass ich neugierig war, ob sich der HVV – wie die Deutsche Bahn – eine exklusive Hausschrift hatte gestalten lassen. Die Antwort: mitnichten. Der Font heißt »Faktos«, ist kostenlos für nichtkommerzielle Verwendung erhältlich und wird in den Werbemitteln des HVV lediglich* mit 115% Zeichenbreite und 14° Neigung zur Kursive verformt.

Vater und Urheber der Schrift ist der gelernte Schriftsetzer Dieter Steffmann aus Kreuztal/Westfalen, der seit mehr als 18 Jahren dem typographischen Hobby frönt, Schriften (insbesondere Fraktur) zu digitalisieren, vorhandene Public-Domain-Fonts nachzubearbeiten (z.B. um deutsche Sonderzeichen zu erweitern) und auf seiner Download-Seite zu veröffentlichen. Dort stehen neben »Faktos« rund 340 weitere Schriften zum Herunterladen bereit.

* Update: Nicht ohne eine gewisse Arroganz im Ton mokiert sich in einem Typografie-Forum ein Kommentator über das Wörtchen »lediglich«, das ich hier nutze. Die intendierte Lesart meiner Argumentation ist: »Hat der HVV eine exklusive Hausschrift? Nein, hat er nicht, sein vermeintlich eigenes Erscheinungsbild beruht lediglich darauf, dass ein Freefont verzerrt wurde.«

Mir ist als Grafik-Designer sehr wohl bewusst, dass es bei den meisten Schriften zu grauenhaften Ergebnissen führt, wenn man sie durch horizontales Skalieren oder Neigen deformiert und entsprechend vermeide ich dies konsequent. Ich bin jedoch der Meinung, dass eher geometrisch konstruierte Fonts mit rechteckigen Formen, wie z.B. Handel Gothic, Bank Gothic oder eben Faktos, dies »besser wegstecken« können, wenn es ihnen doch einmal widerfährt. Weitere Rückschlüsse aus dieser Formulierung zu ziehen, halte ich allerdings für unangemessen.

HVV Faktos
Foto: © HamburgerJung | Bestimmte Rechte vorbehalten

Wiedergeburt einer Göttin?

Wenn es EIN Auto geschafft hat, zur Designikone aufzusteigen, dass ist es zweifellos der Citroën DS. Kaum ein anderes Modell hat bereits am Tage seiner Präsentation (Paris Motor Show 1955) für vergleichbaren Aufruhr gesorgt, unzählige weitere Karosserieformen inspiriert, einen Präsidenten gerettet (Charles de Gaulle) und derart viele stylische Filmauftritte hingelegt.

Am morgigen Donnerstag will Citroën nun Presse und Publikum anlässlich seines 90. Unternehmensjubiläums auf den Champs-Elysées nicht nur einen komplett neuen Markenauftritt vorstellen, sondern auch eine Fahrzeugstudie präsentieren, die eine Neuauflage dieses legendären Gefährts, voraussichtlich 2010, ankündigt. Wie dicht sich dessen Designkonzept am Original bewegt oder mit den Prognosen und Skizzen von Autodesignern übereinstimmt, wird sich morgen zeigen. Vive la Déesse!

Citroën DS