Ein feiner Zug

Ist doch immer wieder schön, wenn Netzrecherchen viel mehr Interessantes erschließen, als ursprünglich gesucht. So geschehen beim »googeln« nach Name und Herkunft der Headlineschrift im Corporate Design des Hamburger Verkehrsverbundes HVV.

Der kursive, leicht techno-artige Font hatte auf Plakaten und Aushängen meine Aufmerksamkeit geweckt, so dass ich neugierig war, ob sich der HVV – wie die Deutsche Bahn – eine exklusive Hausschrift hatte gestalten lassen. Die Antwort: mitnichten. Der Font heißt »Faktos«, ist kostenlos für nichtkommerzielle Verwendung erhältlich und wird in den Werbemitteln des HVV lediglich* mit 115% Zeichenbreite und 14° Neigung zur Kursive verformt.

Vater und Urheber der Schrift ist der gelernte Schriftsetzer Dieter Steffmann aus Kreuztal/Westfalen, der seit mehr als 18 Jahren dem typographischen Hobby frönt, Schriften (insbesondere Fraktur) zu digitalisieren, vorhandene Public-Domain-Fonts nachzubearbeiten (z.B. um deutsche Sonderzeichen zu erweitern) und auf seiner Download-Seite zu veröffentlichen. Dort stehen neben »Faktos« rund 340 weitere Schriften zum Herunterladen bereit.

* Update: Nicht ohne eine gewisse Arroganz im Ton mokiert sich in einem Typografie-Forum ein Kommentator über das Wörtchen »lediglich«, das ich hier nutze. Die intendierte Lesart meiner Argumentation ist: »Hat der HVV eine exklusive Hausschrift? Nein, hat er nicht, sein vermeintlich eigenes Erscheinungsbild beruht lediglich darauf, dass ein Freefont verzerrt wurde.«

Mir ist als Grafik-Designer sehr wohl bewusst, dass es bei den meisten Schriften zu grauenhaften Ergebnissen führt, wenn man sie durch horizontales Skalieren oder Neigen deformiert und entsprechend vermeide ich dies konsequent. Ich bin jedoch der Meinung, dass eher geometrisch konstruierte Fonts mit rechteckigen Formen, wie z.B. Handel Gothic, Bank Gothic oder eben Faktos, dies »besser wegstecken« können, wenn es ihnen doch einmal widerfährt. Weitere Rückschlüsse aus dieser Formulierung zu ziehen, halte ich allerdings für unangemessen.

HVV Faktos
Foto: © HamburgerJung | Bestimmte Rechte vorbehalten

Wiedergeburt einer Göttin?

Wenn es EIN Auto geschafft hat, zur Designikone aufzusteigen, dass ist es zweifellos der Citroën DS. Kaum ein anderes Modell hat bereits am Tage seiner Präsentation (Paris Motor Show 1955) für vergleichbaren Aufruhr gesorgt, unzählige weitere Karosserieformen inspiriert, einen Präsidenten gerettet (Charles de Gaulle) und derart viele stylische Filmauftritte hingelegt.

Am morgigen Donnerstag will Citroën nun Presse und Publikum anlässlich seines 90. Unternehmensjubiläums auf den Champs-Elysées nicht nur einen komplett neuen Markenauftritt vorstellen, sondern auch eine Fahrzeugstudie präsentieren, die eine Neuauflage dieses legendären Gefährts, voraussichtlich 2010, ankündigt. Wie dicht sich dessen Designkonzept am Original bewegt oder mit den Prognosen und Skizzen von Autodesignern übereinstimmt, wird sich morgen zeigen. Vive la Déesse!

Citroën DS

Logokratie

Vom 1. Januar 2010 bis 30. Juni 2011 werden nacheinander Spanien, Belgien und Ungarn für jeweil sechs Monate die Ratspräsidentschaft der EU übernehmen. In Vorbereitung dazu waren Studierende der Fachrichtungen Kunst und Design in jedem Land aufgefordert, Logoentwürfe abzugeben, die für alle drei Nationen geeignet sind.

Über 100 der eingereichten Entwürfe für Belgien konnte bis zum 04. Februar per Web-Voting abgestimmt werden. 5 der belgischen Logos werden von den Besuchern der Website gekürt, weitere 5 durch eine Fachjury. Die in diesem ersten Durchgang präferierten 10 Entwürfe werden mit je 500 Euro prämiert.

Am 12. Februar 2009 wird eine internationale Jury das Logokonzept auswählen, das alle drei Staaten während ihres Vorsitzes repräsentiert. Der endgültige Sieger erhält die Summe von 10 000 Euro.

EU-Logos Belgien
(via twitter/fontblog)

Hot Spots

Die größten Unternehmen, die bekanntesten Marken, die teuersten Sekundenpreise, die kreativsten Agenturen: man muss sich nicht für Football interessieren – die Ausstrahlung des US-amerikanischen Sportevents Super Bowl ist auch ein Medienereignis der Superlative für Werbefans.

Das Magazin Advertising Age hatte für Nachzügler und Interessierte alle 49 Spots aus den Werbepausen des diesjährigen NFL-Finalspiels in einer übersichtlichen Galerie zusammengestellt. (Update: Inzwischen sind die Clips nur noch auf der Website superbowl-ads.com zu sehen.)

Super Bowl 2009

Schauen, nicht klauen!

Inspirationsquelle für Logodesigner: Linksammlung zu über 30 Accounts mit umfangreichen Logogalerien kommerzieller und freier Arbeiten aus aller Welt. (Edit: dieser Beitrag wurde nachträglich bearbeitet und der Link verändert, da die ursprünglich verlinkte Seite nicht mehr existiert.)

»Their life at the cost of ours?«

Mit dieser Frage und drei wunderbar detailreichen Zeichnungen des indischen Illustrators Nishikant Palande setzt die aktuelle Printkampagne des WWF ihre zentralen Ziele Natur-, Umwelt- und Artenschutz in direkten Bezug zur Notwendigkeit eines nachhaltigeren Lebensstils der Industrienationen. Die Kampagne wurde entwickelt von der Agentur Ogilvy Mumbai (Indien). Bleibt zu hoffen, dass die Botschaft im grellbunten Konsumwerbegebrüll die Aufmerksamkeit findet, die sie verdient.

(via adgoodness/Frederik Samuel)

WWF Kampagne
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Schrifthörnchen

So schön viele kostenlos erhältliche Fonts auch sind, so oft ist ihre Verwendung auf nicht-kommerzielle Projekte begrenzt. Das neue Freefont-Portal fontsquirrel konzentriert sich bei seiner sorgsam zusammengestellten Auswahl hochqualitativer Schriften auf solche, die explizit auch für kommerzielle Verwendung freigegeben sind. Und auch wer eigene Gratis-Fonts beisteuern möchte, ist dort herzlich willkommen.

Doch trotz aller Freude über so schöne Freebies: Schriften kann man auch kaufen! Der Mix macht’s.

(via woork)

Fontsquirrel
Artwork: © fontsquirrel