Cowsourcing

Aus der Reihe „Twitterer fragen, Follower antworten”, heute: In Hamburg auf der Suche nach dem perfekten Rindersteak. Gerne Bio, vorzugsweise regional – so rief ich in meine Timeline hinein. Geantwortet haben @ottoerich, @frolleinanna, @meta_morfoss, @maekuz und @Sciarazz (mit einem nachgereichten zweiten Tipp).
Getestet habe ich nach dem Besuch aller verfügbaren Websites – aus dem Bauch heraus (hihi) – zunächst die Filiale der 1836 gegründeten Fleischerei Beisser am Klosterstern. Unten meine Beute: eins von zwei „dry aged Club Steaks“ vom rotbunten Schleswig-Holsteiner Niederungsrind. Ambitioniert bepreist, aber erstens gönne ich mir sowas höchst selten und zweitens kriegt man dafür auch exzellente Qualität fürs Geld – beim fachmännischen Braten in der schweren schwedischen Gußeisenpfanne mit anschließender Medium-Ofengarung bei 80 °C spritzte nix, trat kaum Saft aus, schrumpfte nix zusammen und anschließend zerging das Fleisch geradezu auf der Zunge. Ein Genuss!
Allen Tippgebern noch einmal herzlichen Dank, ich habe alle Adressen gebookmarkt und setze die Tests bei nächster Gelegenheit fort.
Steak
Foto: © formschub.de

At least 10 reasons to visit Great Britain (12)

#12 – India Pale Ale. During the last two weeks in Yorkshire and Wales we visited almost a dozen different pubs and tried at least 20 different tap ales. Furthermore, we continuously scoured the beer shelves of the local supermarkets for regional ales and stouts to taste. After all these samples, it was “India Pale Ale” (IPA) from various breweries, e.g. Thornbridge, that tickled my taste buds the most. It’s a beer with a very distinguishing flavour: on the one hand a sweet and flowery, perfume-like taste that reminds of jasmine or lychee, on the other hand a strong, hoppy bitterness, somehow reminiscent of wormwood or herb grapefruit. Delicious!
For the time being, this shall be the last episode of my little blog series about the numerous amenities suggesting a visit to Great Britain. But it’s going to be continued, I’m sure.
P.S. – Falls jemand unter den werten Lesern eine erschwingliche Bezugsquelle für importierte oder hierzulande gebraute India Pale Ales kennt (Online-Shop oder im Raum Hamburg), wäre ich sehr interessiert, davon zu erfahren!
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Photo: © walknbostonSome rights reserved

Flusskrebscocktail „Sverige”

Diese ungewöhnliche Kombination aus Flusskrebsfleisch und geriebenem Käse wurde mir erstmals serviert bei einem köstlichen Menü im Bordrestaurant der schwedischen Fähre „Aurora”, die im Linienverkehr an der Stelle des kürzesten Seeweges auf dem Øresund zwischen Helsingør (Dänemark) und Helsingborg (Schweden) pendelt. Es gelang mir, die Zusammensetzung des dort servierten Rezeptes durch Augenschein und konzentrierte Geschmacksanalyse ziemlich genau nachzuempfinden und seither gehört es zu meinem Standardrepertoire leckerer Cocktailsalate mit Krabben, Shrimps oder Flusskrebsen. Der leichte Salat ist fix zubereitet und gerade jetzt im Sommer durch die frischen Aromen von Zitrone und Dill eine famose Vorspeise.
Für 2–3 Portionen (Vorspeise):
200 g Flusskrebsfleisch
75 g schwedische „Västerbotten”-Käse, ersatzweise Jarlsberg oder milder Appenzeller, grob gerieben
1/2 TL abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone
1 TL Zitronensaft
2 EL gehackter frischer Dill
4 EL Mayonnaise
4 EL Crème fraîche
etwas Milch
Salz, Pfeffer
Mayonnaise, Crème fraîche, Milch, Zitronenschale, Zitronensaft und Dill zu einem glatten Dressing verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Flusskrebsfleisch und geriebenen Käse unterheben, in Portionsschalen füllen und einige Zeit bis zum Servieren im Kühlschrank durchziehen lassen.
Dazu passt Knäckebrot.
Flusskrebssalat_Kaese
Foto: © formschub.de

Genussprotokoll

Wie immer, seit 7 Jahren, zu Pfingsten in Regensburg. Wie immer, seit 7 Jahren, exzellent gegessen. Wie immer, seit 7 Jahren, in denselben Restaurants. Wir sind sooo langweilig. Gut, dass es sich nicht so anfühlt.
Freitag 10. Juni | Restaurant „Roter Hahn”

  • Sauerampferschaumsüppchen mit Blinis
  • Spargelcremesuppe
  • Rosa gebratene Entenbrust auf Grapefruit und Frühlingslauch mit Walnussgnocchi
  • Pommersches Rinder-Roastbeef mit Grillgemüse und Süßkartoffelgratin

Samstag. 11. Juni | Restaurant „Gänsbauer”

  • Variation von gebratener Jakobsmuschel und Thunfischtartar mit Tomatenmarmelade
  • Kross gebratenes Zanderfilet mit Kaviarschaum an Salat von Radieschen und Frühlingszwiebeln
  • Mit Erdnussbutter glasiertes Filet vom Ibericoschwein mit Marsalasauce, schwarzen Tagliatelle und Birnenchutney

Sonntag, 12. Juni | Restaurant „Roter Hahn”

  • Rinderfilet auf Tomaten-Brotsalat mit Kerbelschmand
  • Kokos-Curry-Suppe mit frittierter Banane
  • Rehrücken mit Rosmarinjus auf einem Pilz-Schnittlauchschmarrn
  • Eismeer-Lachsforelle mit Ingwer-Ananasrelish auf gebratener Wassermelone mit Koriander-Kartoffelpüree

Montag, 13. Juni | Restaurant „Gänsbauer”

  • Vitello Tonato mit Friseesalat und Balsamico-Vinaigrette
  • „Spezialsalat” mit sautierter Gänseleber und Apfelspalten
  • Rosa gebratene Entenbrust an Orangenglace mit Wokgemüse und Fingernudeln
  • Kalbsvögerl in Calvadosrahmsauce, dazu sautierte Pfifferlinge und Erbsenpüree

Gaensbauer_2011
Foto: © formschub.de

Kalte Tipps für heiße Tage

Jetzt aber fix, heute ist der letzte Tag, an dem es noch erlaubt ist, bei der Aktion „Genussblogger empfehlen die besten Eisläden Deutschlands und der Welt” von nutriculinary mitzumachen. Und dazu habe ich – IMHO – so dies und jenes beizutragen:
1. Eismanufaktur Vanille & Marille, Berlin | 10 von 10 Punkten
Wieder mal war Twitter „schuld” an einer famosen kulinarischen Entdeckung. Es war @HilliKnixibix, die am 21. April 2011 ihre Follower anrief: „Wo gibt’s in Berlin denn das leckerste Eis?”. Eine Frage, die mich als regelmäßigen Berlinpendler sofort aufhorchen ließ. Aufmerksam verfolgte ich die Replies – und wurde von @EdibleSnail bald auf eine heiße kalte Fährte gesetzt: „In der Vanille & Marille Eismanufaktur, Hagelberger Straße 1, xberg! allerleckerstes eis ever und allerbeste sorten …!”
Beim nächsten Besuch in Berlin, die Sonne schien zwar noch zwischen Wolken hindurch, aber sie schien, machten wir uns zu zweit auf in die Hagelberger Straße. Schon von weiten markierte eine etwa 8 Meter lange Schlange qualitätsbewusster Eisfans unübersehbar die Adresse. So konnten wir die Zeit des Anstehens nutzen, um die Liste der tagesaktuellen Sorten zu studieren. Unter drei Kugeln, so befanden wir, lohne sich das Anstehen nicht – und so ließ ich mir den Becher mit Café Noir (Schokolade mit Kaffee und Sherry), Sesam mit karamellisiertem Honig und Zitrone-Zimt befüllen, mein Begleiter wählte Caramel Beurre salé, Marille aus der Wachau und ebenfalls Café Noir. Auf den Parkplatzpollern gegenüber ließ es sich trefflich sitzen und schlecken und die Bewertung ergab Höchstnoten in allen Bereichen: üppige Kugelgröße, gemessen an Qualität und Zutaten ein angemessener Preis (1 EUR/Kugel), feine Cremigkeit ohne Kristallbildung, nicht zu süß und nicht zu sahnig, unglaublich feine und intensive Aromen und – tolle Geschmackskombinationen. Besonders angetan war ich von der ungewöhnlichen Paarung Zitrone-Zimt. Ein Sommeraroma trifft ein Wintergewürz, skeptisches Anlecken, dann jahreszeitenübergreifende Begeisterung. Für mich derzeit eine der besten Eisdielen ever. Und das hier gibt noch einen Pluspunkt dazu.
2. Svaneke Ismejeri & Café, Svaneke, Bornholm (Dänemark) | 9 von 10 Punkten
Die wundervolle dänische Insel Bornholm zählt seit 2008 zu meinen Lieblingsurlaubsorten. Neben der äußerst angenehmen Abwesenheit jeglichen neureich-penetranten Schnöseltums, wie ihm etwa auf Sylt kaum aus dem Weg zu gehen ist, weist das Eiland noch eine Vielzahl weiterer Vorzüge auf: eine überschaubare Größe, die trotzdem nie Langeweile oder Gewöhnung aufkommen lässt, unglaublich abwechslungsreiche Landschaften, traumhafte Ferienunterkünfte, vielfältige Freizeitmöglichkeiten, angenehmes Klima und eine hervorragende lokale Genusskultur mit zahllosen delikaten Inselerzeugnissen: Fleisch, Gemüse, Öle, Senf, Bier, Spirituosen, Marmelade, Lakritze, Karamell, Schokoladen und – Eis. In dem kleinen Hafenort Svaneke an der Ostseite der Insel ist nicht nur eine Brauerei ansässig, die mit ihren köstlichen Bieren den Gaumen erfreut, sondern auch ein feines, erstklassiges Eiscafé, in dem Vibeke Bengtson und Jonas Bohn jeden Tag frisches Eis aus lokalen Rohstoffen produzieren. Sahne und Milch von Jerseykühen, die auf den Inselweiden grasen und feiner Honig aus Ibsker bilden den Grundstoff für die leckeren Milcheissorten, die dann mit Schokolade, Vanille, Bier (!), Lakritze, Mandeln oder einem Hauch von Blauschimmelkäse (!!) aromatisiert werden. Im Fruchteissortiment locken z.B. Sanddorn, Erdbeere, Himbeere, Rhabarber, Apfel. In der selbstgebackenen Waffel oder dem Becher gereicht, kann man sodann auf dem idyllischen Hof vor dem Café oder im rückwärtigen, gemütlichen Garten die cremige Handwerkskunst der beiden Eiskonditoren verzehren. Ein Grund unter vielen, einmal Bornholm zu besuchen.
3. Gelateria und Pizzeria Cuffaro, Berlin | 8 von 10 Punkten
In Sichtweite zu dem – ebenfalls sehr zu empfehlenden – Wochenmarkt Kollwitzplatz befindet sich dieses unscheinbare kleine Eiscafé (ohne eigene Website) in der Kollwitzstraße 66 in Berlin Prenzlauer Berg. Die angebotenen Leckereien sind am besten „to go” zu verzehren, denn Innensitzplätze gibt es nur eine Handvoll und auch vor dem schmalen Bedientresen stehen im Sommer nur vier kleine Klapptische, an denen man seine Pizza oder sein Eis anders als im Stehen verzehren könnte. Nichtsdestotrotz beherbergt die Auslage ein rundes Dutzend äußerst schmackhafter Eissorten, die sich allesamt zum Probieren empfehlen. Das Sortiment in den stählernen Containern verzichtet auf Extravaganz und Aromaexperimente – Mango, Cookies und Zimt sind hier schon das Höchste der Gefühle –, aber Geschmack, Konsistenz, Süße und Cremigkeit sind hervorragend und die Preise berlinerisch bodenständig (80 Cent/Kugel). Was will man mehr?
4. Gelateria Venezia, Regensburg | 8 von 10 Punkten
Und noch eine Urlaubsentdeckung, wenn auch diesmal innerhalb des Landes. Aus kulturellen Gründen besuche ich seit einigen Jahren die schöne Domstadt Regensburg, und zwar alljährlich zu Pfingsten. Dann lockt das Musikfestival Tage Alter Musik hunderte Klassikfreunde an die Donau, wo bei meist schönem Feiertagswetter sowohl hochklassige Konzerte als auch die famose örtliche Gastronomie die Hauptanziehungspunkte touristischer Besucher darstellen. In den Konzertpausen bieten die verzweigten Wege und Gässchen der historischen Regensburger Innenstadt vielfältige Möglichkeiten zum Bummeln, Shoppen und Genießen. Der Drang zu Letzterem führte mich und meine Begleitung im Jahre 2000 erstmals in die Glockengasse 1 zur dort am Rande des Haidplatzes gelegenen Gelateria Venezia, die mit ihrer reichhaltigen Auslage vorbeiflanierenden eisaffinen Passanten das Wasser in den Mund treibt. Für die konservativen Genießer sind alle eisdielentypische Sorten vertreten, Freunde der gemäßigten Avantgarde können ihre Waffel mit Kompositionen wie „Bianco e Nero” (Sahneeis mit Schokoladencreme meliert), geröstete Mandel oder Erdbeer-Joghurt aufpeppen. Und wer vom Eis dann Durst bekommen hat, findet in Regensburg genug zünftige Biergärten, um auch diesen auf genussvolle Art wieder zu löschen. Aber das sind dann wieder andere Empfehlungen.
5. Eiscafé Il Gelato, Hamburg | 7 von 10 Punkten
Auch in meiner Wohn- und Arbeitsstadt überkommt mich manchmal die Lust auf ein gepflegtes Speiseeis. Bei der Durchfahrt mit dem Fahrrad entdeckte ich in der Dorotheenstraße 182 im Stadtteil Winterhude dieses außergewöhnlich sortenreiche Hamburger Eiscafé. Etwa 30 Sorten befinden sich ständig im Verkauf, vom fruchtigen Grapefruitsorbet über sahniges, mit großen dunklen Schokobrocken gespicktes Straciatella (m.E. die „Visitenkarte” eines guten Gelatiere) bis hin zu außergewöhnlichen Sorten wie Zeder (zitronig-tannennadelartiges Aroma), Maroni (Esskastanie), Erdnuss, Ingwer (ebenfalls mit Dunkelschokoladensplittern), Pflaume oder Marzipan. Jede bisher probierte Sorte konnte mich (und andere) bisher überzeugen, die Aromen schmecken so, wie sie heißen (das ist nicht immer so, versucht mal, mit geschlossenen Augen eine unbekannte Sorte zu erraten!), das Eis ist gleichfalls nicht zu süß und mit 1 EUR pro ansehnliche Kugel angemessen kalkuliert. Squisito!
Update 01 – 06.06.2011: Fortuna war mir hold und ich wurde tatsächlich als Gewinner des Eisgutscheins ausgelost, worüber ich mich sehr freue. Natürlich wird der Gutschein bei meinem Favoriten-Eisladen „Vanille & Marille” in Berlin verschleckt werden. Heiß genug ist es ja derzeit.
Am vergangenen Wochenende testeten wir aus der nutriculinary-Liste den für Hamburg gelisteten Tipp „Eisliebe”, Eppendorfer Weg 170 im Stadtteil Hoheluft und können uns der Empfehlung nur anschließen. Aus 12 Sorten konnten wir wählen und entschieden uns für Schokolade, Othello (Kokos mit Schokoladensplittern), Gianduja, Pampelmuse, Crème Brûlée und Mandelkrokant. Ich vergebe 7,5 von 10 Punkten – und war dort bestimmt nicht zum letzten Mal!
Update 02 – 27.09.2011: Obwohl der Sommer kein richtiger Sommer war (ungeachtet der abweichenden Meinung von Statistikern und Meteorologen), so gab es doch reichlich Gelegenheiten zum Eisessen. Und so möchte ich für die goldenen Herbsttage mit Schleckeignung noch einen Neuzugang für Hamburg vermelden: Delzepich Eis in Hamburg-Winterhude, benannt nach einem früheren lokalen Milchhändler. Täglich werden hier während der Saison aus frischer Landmilch vom Bauern Kruse und natürlichen Zutaten etwa ein halbes Dutzend Sorten leckeres, sahnefreies Eis gekocht. Ich habe probiert und kann Delzepichs Slogan nur zustimmen: „Pures Glück“ – 8 von 10 Punkten.
Svaneke_Ismejeri
Foto: © formschub.de

London Delights

Für ein paar Tage durfte ich es mal wieder tun – einen privaten Kurztrip (in geschätzter Begleitung) in die britische Hauptstadt unternehmen. Das Wetter dort war trüb und kalt, aber trocken, so dass meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Erkunden der Stadt per pedes und Tube, nichts im Wege stand. Eigentlich war ich willens, ein wenig zu shoppen, doch zur Form- und Farbgebung der aktuellen Herrenoberbekleidung und Schuhmode im Angebot der aufgesuchten Geschäfte fand ich diesmal keinen rechten Zugang (teils auch nicht zur Preisgestaltung, aber das kennt man ja von London). Zudem bot das graue Wetter wenig fotogenes Licht für schöne Schnappschüsse, weshalb auch das Fotografieren nahezu unterblieb. Fündig wurden meine Konsumsensoren in der Haushaltswarenabteilung des legendären Warenhauses Harrods, wo ich für meine ganz in grün ausgestattete Küche einen farblich passenden Zwiebelhacker der Firma Zeal und einen patenten Wechselsparschäler von Joseph Joseph erstand. Kochwerkzeug, und noch dazu so schönes, kann ich eigentlich immer gebrauchen.
A propos Küche: Essen und Trinken mussten wir natürlich auch auf unserer Reise. Von vergangenen Aufenthalten in London gab es zwar noch genug „Stammlokale” (z.B. Browns), die wir auch diesmal wieder hochzufrieden besuchten, aber auch ein paar neue Adressen beeindruckten uns nachhaltig:
Die mit drei Niederlassungen in der Stadt vertretene Pub-Kette The Draft House, die sich der Vielfalt globaler Bierkultur verschrieben hat und in einem sehr geschmackvollen Ambiente je Filiale etwa 20 Fassbiere und 30 Flaschenbiere aus aller Welt ausschenkt (wir besuchten diejenige am südlichen Ende der Tower Bridge). Für Bierfreunde auf jeden Fall ein lohnenswerter Ort!
Die zweite Entdeckung war das karibische Restaurant Mango Room, nicht ganz so zentral, aber dafür nur wenige Meter entfernt von der Tube-Station Camden Town gelegen und somit bequem mit der schwarzen Northern Line erreichbar. Und wieder einmal wurde das Vorurteil widerlegt, es gäbe in London keine hervorragenden und trotzdem preiswerten Restaurants. In dem nicht zu großen, gemütlich eingerichteten Lokal hat man durch die verglaste Fassade einen schönen Ausblick auf die belebte Kentish Town Road. Der Service war freundlich und hoch aufmerksam und das Essen war delikat – denn wenn ein Fan gebratener Entenbrust nach dem Genuss der Roast Honey and Ginger Duck Breast with Sweet Potato Crisps and Juniper Berries Jus diese zur besten jemals genossenen kürt, dann will das schon was heißen. Ich entschied mich für die Platter of Sea Bass, Grilled Tiger Prawns and Scallops with Papaya Sambale and Fried Cassava und wurde ebenfalls nicht enttäuscht. Besonders angetan war ich von den frittierten dicken Stäbchen Cassava (Maniok), so ganz anders als Pommes Frites: leichter, fluffiger, trotzdem knusprig und ausgesprochen lecker. Wurde sofort auf der To-Nachkoch-Liste vermerkt.
Damit London schließlich nicht gleich wieder kulinarisch verblasst, kamen ins Heimgepäck zum Schluss noch zwei kleine, typisch britische Melton Mowbray Pork Pies zum Aufbacken aus der unvergleichlichen Harrods Food Hall. Soeben, vor dem Verfassen dieses Blogbeitrags habe ich sie genossen – und damit sofort meinen Wunsch wiederbelebt, eine dieser köstlichen Pasteten einmal selbst zuzubereiten. Schon beim letzten London-Besuch hatte ich mir zu diesem Zweck ein opulentes Kochbuch gekauft, aus dem ersichtlich wurde, dass man sich für die Zubereitung entweder einen Tag Urlaub nehmen oder ein halbes Wochenende aufbringen muss – auch wenn das unten eingebundene, sehr anschauliche Video den Herstellungsprozess in nur 10 Minuten zu zeigen vermag. Das ist wahres Slow Food.
Ach, London, Du schmeckst mir jedes Mal wieder.

Video: © Videojug

Dufter Jefährte

Le_Compagnon_Karte
Etwas Besonderes sollte es sein. Dabei nicht übermäßig kostspielig und in Berlin. Aus Anlass des partnerschaftlichen Jahrestages mit dem Lieblingsmenschen hatte ich die schöne Aufgabe, einen gebührenden Restaurantbesuch in der Hauptstadt zu organisieren. Wenn möglich, mal was Neues.
Ich kletterte also ins Internet und recherchierte. Vier Lokale kamen in die engere Auswahl. Das Hugos schied trotz der fantastischen Speisekarte aus, da es meinen finanziellen Rahmen definitiv sprengt. Das Grünfisch, dessen Name nicht auf Anhieb die dort gebotene sizilianische Küche verrät, kam auf die Warteliste für den nächsten adäquaten Anlass, ebenso das Balthazar, dessen Kreationen eine interessante Fusion aus westlicher und asiatischer Küche verheißen. Meine Wahl fiel auf das Le Compagnon, in Ku’dammnähe, doch hinreichend weit um die Ecke in einer kleinen Seitenstraße gelegen. Drei Gründe sprachen dafür: die mundwässernde Karte, die sehr fairen Preise und – ich kann als Grafik-Designer eben nicht aus meiner Haut – das edle und sehr gelungene Logo mit dem goldenen Gabelkrönchen. Den Tisch reservierte ich noch spät abends online und am nächsten Tag wurde mir per telefonischem Rückruf die Reservierung bestätigt.
Am Sonntag vor Nikolaus war es dann soweit. Als wir fröstelnd von der beschneiten Straße aus das Restaurant betraten, wurden wir aufs Freundlichste empfangen, unserer Garderobe entledigt und zu einem schönen Tisch am Fenster geleitet. Der in gelb und warmen Holztönen eingerichtete, indirekt beleuchtete Gastraum bietet vielleicht gerade mal 24 Personen Platz, aber – wie sich zeigen sollte – wäre mehr kaum zu bewerkstelligen, denn mehr Gäste könnten kaum so aufmerksam und persönlich bedient werden, wie wir es erfahren durften.
Am Nebentisch hatten zwei ältere, offenbar gutsituierte Paare mit der Speisenauswahl begonnen und wurden vom Küchenchef und Inhaber Christian Schulze dabei intensiv beraten: Herkunft der Zutaten, Wissenswertes zu den verwendeten Fleisch-, Fisch- und Gemüsesorten, kompetente Weinberatung – unterstützt durch einen eigens hinter dem Tresen hervorgeholten Weinatlas – keine Frage blieb offen. Wir gaben uns hingegen weniger beratungsbedürftig und wählten nach einem eingehenden Blick in die Karte die Fünf-Gänge-Version des aktuellen Dezembermenüs (möglich wären auch 3, 4 oder alle 6 Gänge), wobei es dem Gast obliegt, welche der Gänge er bis zur gewünschen Anzahl kombiniert. Wir verzichteten vorausschauend auf das Dessert und ließen uns statt Wein ein Bayreuther Bio-Weizenbier einschenken.
Vor dem eigentlichen Menü gab es zum Gaumenvorglühe reichlich Bonusspezereien aufs Haus: zunächst ein Körbchen mit dreierlei hausgebackenem Brot – ein Weißbrot, ein dunkleres, mit leicht lebkuchiger Würzung und Foccacciawürfel –, dazu ein Schälchen tiefgrünes Olivenöl, meergesalzene Butter und eine Wildkräuter-Crème-Fraîche. Als erster offizieller Gruß aus der Küche folgte eine kleine Portion lauwarmer Kalbfleischsalat mit Rote Bete, sehr dezent komponiert, ein schöner Start. Doch die Küche grüßte weiter: der nachfolgende Teller Kürbiscremesuppe mit einer Einlage aus Entenfilet und Entenleber ließ erahnen, was mit den „richtigen” Gängen auf uns zukommen sollte: ein Festmahl.
Hier die komplette Menüfolge des Dezembermenüs
inklusive des von uns ausgeschlagenen Desserts:

  • Terrine von Zander und Kaisergranat mit Kürbis-Wasabicrème an Kartoffelmeeresalgensalat
  • Champagnersenfsuppe mit Rehfilet
  • Handgetauchte Jakobsmuschel mit Steckrüben und Weihnachtsgewürzen
  • Seeteufel auf asiatisch mariniertem Rotkohl mit Rucola-Buttersauce
  • Rosa gebratene Brust und confierte Keule von der Challansente mit Hagebuttenjus, dazu getrüffelte Schwarzwurzeln
  • Nougateisparfait mit süßer Rote Bete Mousse und Zwergorangenragout

Ich kann gar nicht auf alle Details dieses herrlichen Menüs eingehen, nur so viel: es war perfekt, wunderschön angerichtet, ohne Chichi zubereitet und absolut delikat. Meine persönlichen Highlights waren die Champagnersenfsuppe und die getrüffelten Schwarzwurzeln in der Beilage des letzten Ganges. Das ist Feinschmeckerküche, die mich gleichermaßen beseelt wie mit Neid erfüllt, dass ich selbst als Hobbykoch derartiges wohl nie zustande bringen werde. Die Rechnung am Ende des Abends war zwar, wie erwartet, nicht ohne, doch umgerechnet belief sich jeder der fünf Gänge auf gerade mal 13 Euro – ein mehr als faires Preis-Leistungs-Verhältnis.
Am Nachbartisch wurde während der dreieinhalb vertafelten Stunden ebenso genussvoll gespeist und getrunken, es wurden 30 Jahre alte Erinnerungsfotos herumgereicht und die Konversation der beiden Paare ließ vermuten, dass sie ihr langjähriges Bekanntschaftsjubiläum feierten. Unweigerlich kam mir Loriots Sketch vom „Kosakenzipfel” in den Sinn, wo ein Treffen aus demselben Anlass in heftigem Streit um das unfair geteilte Dessert endet. Doch heute gab es keinen Zwist, keine Unstimmigkeiten, weder am Nachbartisch noch an dem unsrigen, sondern nur rundherum wohligen Genuss und das gute Gefühl, für diesen Anlass genau die richtige Wahl getroffen zu haben. Das Logo hatte nicht zu viel versprochen.
Weitere Gästerezensionen zum Le Compagnon gibt’s bei Qype.
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(Die Bildqualität dieses funzeligen Handyschnappschusses von Gang Nr. 5 repräsentiert ziemlich genau das Gegenteil von dessen famosem Geschmack.)
Fotos: © formschub.de

Es lebe der Lebkuchen!

Im Supermarkt liegen die Adventssüßigkeiten ja bekanntlich schon seit Ende August rum. Und spätestens seit heute greift wohl wieder fast jeder bei Kaffee, Tee oder einfach zwischendurch zu Dominosteinen, Printen, Spekulatius oder Lebkuchentalern. Einerseits schön, die vertrauten Geschmäcker der Advents- und Weihnachtszeit alle Jahre wieder auf der Zunge zu spüren, andererseits – wäre es nicht mal Zeit, die altbekannten Rezepte für Weihnachtsgebäck mit zeitgemäßen Innovationen zu „pimpen”? Genau das dachten sich zwei Köche und ein Konditor aus Nordbayern und riefen das Projekt Tres Aromas ins Leben: Arnd Erbel, Freibäcker aus Dachsbach und Andree Köthe und Yves Ollech vom Sternerestaurant Essigbrätlein in Nürnberg. Sie widmeten sich dem klassischen Elisen-Lebkuchen und kreierten mit Gewürzen und Zutaten, die man auf Anhieb eher nicht darin vermutet, drei famose Aromavariationen, die den traditionellen Geschmack des Gebäcks in ganz neue Sphären befördern. Ich habe die „Tres Aromas” dieses Jahr zum zweiten Mal auf dem Bunten Teller und möchte sie dort nicht mehr missen:

  • Tres Aromas „Olive Noir” mit herben Taggiasco-Oliven
  • Tres Aromas „Oriental” mit Safran, Curry, Ingwer und Chili
  • Tres Aromas „Verde” mit Kaffirlimettenschale, Lorbeer und Thymian

Mein persönlicher Favorit ist die Kreation „Verde” mit ihrem intensiven, aber nicht aufdringlichen Aroma der Kaffirlimette, das der südostasiatischen Küche entstammt. Ein rundum gelungenes Geschmacksexperiment!
Tres_Aromas
Screenshot: © tresaromas.de

Sattvent, Sattvent …

Alle Jahre wieder, so auch dieses Jahr, möchte ich meinen foodaffinen Bloglesern die schon fast traditionelle Vorweihnachtsaktion „Ganz(s) weihnachtlich” der Gastroinitiative „Hamburg kulinarisch” ans Herz an den Gaumen legen. 48 Restaurants sind es diesmal, die aus diesem Anlass spezielle weihnachtlich inspirierte Menüs komponiert haben und ihren Gästen seit 11. November und noch bis zum 23. Dezember servieren. Ich hatte bereits das Vergnügen, im von mir gern besuchten Mövenpick Restaurant am Hamburger Sternschanzenpark eins davon zu genießen:

  • Mousse von Büffelmozzarella, Serranobrösel, kandierte Tomate, gebeiztes Heilbutt-Tatar, Saiblingskaviar, Rote Beete, Garnelensalat, Melone, getrocknete Aprikose, Mandelschaum
  • Gänsebrust und das Keulenfleisch im Brickteig gebacken, Miniknödel, Kerbelknollenpüree, Backapfel, Feigenrotkraut, Kaffeejus
  • Fourme d’Ambert Birne, Zwetschgen-Marzipan-Tarte, Mascarpone-Maronenmousse mit Fruchtbrotcroûtons

(Preis: 65,00 EUR für zwei Personen inklusive einer Flasche Wein)
Besonders verzückten mich die Büffelmozzarellamusse auf dem Vorpeisenteller und die Kombination aus Gänsekeulenfleisch im Brickteig, Feigenrotkraut, Kaffejus und Kerbelknollenpüree beim Hauptgang (bis dato wusste ich nicht mal, dass Kerbel Knollen hat). Die Köche im alten Wasserturm bewiesen erneut nicht nur ihr exzellentes Gespür für spannende Aromakompositionen, sondern beherrschten auch wieder das Spiel mit den Konsistenzen der Zutaten perfekt. Auch der Service war, wie ich ihn mag: ebenso aufmerksam wie unaufdringlich. Für den genannten Preis kann man kaum mehr erwarten. Ich jedenfalls bin spätestens jetzt in Weihnachtsstimmung.
Ganzs_weihnachtlich_2010
Photo: © Jo Naylor | Some rights reserved

Genussreise nach Regensburg

Bei fast durchgehend herrlichstem Frühsommerwetter (siehe Foto beim gestrigen Eintrag) verbrachte ich ich in angenehmster Begleitung – nicht zum ersten Mal – die Pfingsttage in Regensburg. Und dort ließen wir es uns richtig gut gehen: Im gemütlichen, von Kastanien-, Ahorn- und Lindenbäumen beschatteten Innenhof des Biergartens Goldene Ente schäumte köstliches Weltenburger Bier aus Deutschlands ältester Klosterbrauerei (seit 1050) im Halbliterkrug, beim rustikalen, seit 1135 bestehenden Historischen Wurstkuchl war ein „Kipferl” mit frisch gegrillten Würstln im Brötchen ein Muss und bei der hervorragenden Gelateria Venezia (Glockengasse 1) warteten 30 famose Eissorten darauf, verkostet zu werden.
Am Abend gaben wir Bewährtem (siehe hier und hier) den Vorzug: die Restaurants Gänsbauer (etwas edler) und Roter Hahn (unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis) – letzteres gleich an drei Abenden – verwöhnten uns auf gewohnt hohem Niveau mit ihren raffinierten Küchenkreationen. Ich denke, unser Dinnerprotokoll der vier Abende spricht da für sich:
Roter Hahn

  • Spargelcremesuppe
  • Schwertfischfilet in Aromaten gebraten mit Mango-Korianderkompott auf grünem Spargel und Zitronen-Kartoffelpüree
  • Selleriecremesuppe mit Tempuragemüsespieß (siehe Foto)
  • Schweinefilet im Parmamantel auf Kartoffel- Rosenkohlgröstl und Pinienkernen (siehe Foto)
  • Carpacchio von Pulpo und Garnelen mit Chillimayonaise und Ruccolasalat
  • Filet vom Zackenbarsch gratiniert mit Spinat auf Muschel- Tomatenpasta
  • Cappuccino von braunen Champignons mit Tandorispieß
  • Hirschrücken mit Wacholderjus auf gebratenen Pilzen dazu Haselnussknödel
  • Rinderfilet unter der Bergkäsekruste auf zweierlei Bohnengemüse und Kartoffelgratin

Gänsbauer

  • Variation von Spinat und Rote Beete mit Jakobsmuschelragout
  • Gebratene Poulardenbrust auf Waldpilzrahm an Püreeduett von Erbsen und Karotten
  • Karree vom Lamm mit Rosmarinsoße und karamellisiertem Chicoree, dazu Kartoffelstroh

So, und jetzt muss ich erstmal dringend ein paar Kilometer mit dem Fahrrad umherfahren, bevor ich wieder irgendwas esse.
Selleriesuppe
Schweinefilet
Fotos: © formschub.de