Zeitreise

Kurzreise nach Regensburg anlässlich der Tage Alter Musik – zwei exquisite Matinéekonzerte standen auf dem Programm: The Baltimore Consort und Piffaro. Fast vierhundert Jahre alte Musik, so frisch und lebendig interpretiert, als wäre sie eben erst komponiert.

Tagsüber machte es das warme Pfingstwetter dann ebenso verlockend wie unausweichlich, zum Zwecke der Flüssigkeitsaufnahme regelmäßig lokale Biergärten aufzusuchen. Sieger der breit gefächerten Verkostung bayerischer Braukunst: das Schwarzbier der Passauer Brauerei Innstadt. Kräftig, malzig, brotig, lecker. Die Brauerei ist seit 1318 aktenkundig, also nochmal 300 Jahre älter als die zuvor gehörte Musik. So macht eine Reise in die Vergangenheit Spaß. Weitere Kandidaten im Biertest waren Andechser Hell, Innstadt Hell, Kneitinger Dunkel, Thurn und Taxis Weißbier und Spital Dunkel. Prost!

Innstadt_Schwarzbier

Little Genius

Was wohl im Kopf dieses begabten kleinen Künstlers vorging? Hat das Kind heimlich »Die Vögel« aus Papis DVD-Schrank geguckt? Wächst hier ein Thronfolger von Stephen King oder H.R. Giger heran? Flächen- und Farbkomposition sind auf jeden Fall galerietauglich. Ein junges Talent, das gefördert werden sollte.

Vogeltod

(Gesehen in Hamburg-Winterhude)

g-trospektive

Mein Lieblingsbuchstabe ist ja eindeutig das kleine g. Ich finde, kaum ein anderes Zeichen inspiriert zeitgenössische Schriftdesigner zu originelleren und fantasievolleren Details. Und sollte ich die Fonts nennen, deren g-staltungen mir am besten gefallen, hätten die Dänen und Schweden mal wieder die Nase ganz vorn. Leider sind viele der gezeigten Schriften exklusive Corporate Fonts und daher nicht käuflich zu haben, während bei den kommerziellen Schriften die restlichen Glyphen für mein Empfinden nicht immer durchgängig das gleiche formale Niveau halten können. Hier einige g-sellen, die mir besonders g-fallen:

g-nial

Erste Reihe: Corporate Font »Via« der dänischen Bahngesellschaft DSB, Corporate Font des dänischen Apothekerverbandes, Corporate Font der dänischen Supermarktkette Super Brugsen, Corporate Font des dänischen Geldinstituts Danske Bank, Freefont »Kontrapunkt« der gleichnamigen Designagentur aus Kopenhagen, Corporate Font des dänischen Campingplatzbetreibers FDM, »Batory« von der schwedischen Typefoundry T4.

Zweite Reihe: Egon, Linefeed, Mercury, Doradani, Anthology, Veriox, Neo Sans (Corporate Font von Kabel Eins), Magma, Magion, CA Blitzkrieg Pop (alle bei myfonts).

Inselpause

Bornholm

Nur 40 × 30 km groß, aber unendlich vielseitig: die schöne dänische Insel Bornholm. Eine Woche Urlaub bei schönstem Frühlingswetter reichte gerade mal aus, sich wenigstens einen ungefähren Überblick über die landschaftlichen und vor allem kulinarischen Reize des Eilands zu verschaffen: Von den zahlreichen herrlichen Wanderrouten durch Berge, Wald, Strand und Heide über die lokalen Fischspezialitäten (geräucherter und eingelegter Fisch), köstliche helle und dunkle dänische Biere, Fleisch und Wurst aus der Landschlachterei, würzige Senfsorten, Akvavite und Brände aus der Bornholmer Schnapsfabrik bis hin zu Lebensmitteln aus den vielen Delikatessen- und Süßwarenmanufakturen. Fahrt ruhig alle weiter nach Sylt.

Lokale Spezialität

Die köstliche Rügener »Rumpftopftorte« – eine missachtete Delikatesse. Viel zu oft wird sie für einen Flüchtigkeitsfehler der Tortentafelschreibkraft gehalten und stattdessen Rumtopftorte bestellt, während das Original daneben unbeachtet in der Kuchenvitrine vertrocknet.

Rumpftopftorte

Einfach. Gut.

Nach den vielen Gestaltungsunfällen der letzten Wochen, die beispielsweise im fontblog und im Designtagebuch zu recht fassungslos bis ärgerlich kommentiert wurden (Logo-Redesigns von Müller Milch, RWE, Vauxhall, Teutonia u.a.), gab es heute, zumindest für mich, endlich mal wieder etwas zum Freuen. Manchmal entstehen CD-Cover (oder früher auch Plattencover), die so genial sind, dass sie einfach begeistern, ganz egal, ob Musik oder Interpret dem eigenen Geschmack entsprechen. So ging es mir heute beim Anblick des Covers zur neuen, dritten CD von Portishead, »Third«. Ein starkes Stück Design, reduziert auf das absolut Wesentliche, tolle Farben, perfekte Typographie. Ich ziehe meinen Hut – und werde mit Sicherheit auch mal reinhören.

Portishead_Cover