Timelapsus

Als bekennender Fan der Serie „Fringe“ gucke ich mich gerade mit wachsender Begeisterung durch die zweite Staffel, in der es nach zahlreichen mysteriösen Vorkommnissen, Indizien und Andeutungen nun tatsächlich zur unerfreulichen Konfrontation zweier paralleler Universen kommt. In der Episode 16, die nach dem Sohn des Protagonisten Dr. Walter Bishop, „Peter“, benannt ist, geht es während einer ausführlichen Rückblende um bedeutungsvolle Ereignisse, die sich im Jahre 1985 zugetragen haben. Das inspirierte die Macher der Serie zu der schönen Idee, bei dieser Folge den regulären Vorspann durch eine spezielle Version im Stil der 80er Jahre zu ersetzen. Statt der neuzeitlichen (grenz)wissenschaftlichen Trendthemen werden die damaligen eingeblendet, der Grafikstil, Computeranimationen und die Science-Fiction-Schrift Amelia aus dem Jahre 1967 sorgen für eine stilechte Retro-Optik. Wäre da nicht die Nennung der drei Serienerfinder am Schluss der Titelsequenz. Die sorgt nämlich bei Typographiefans für einen kleinen Sprung im Raum-Zeit-Kontinuum: es ist die Verdana, die zwar als Computerschrift speziell für Microsoft entworfen wurde, allerdings erst 1996 – elf Jahre nach 1985. Mysteriös …


Screenshot content: © FOX Broadcasting Company,
published for non-commercial documentary purposes

A drink with a wink

Ankommen im Schwedenurlaub – und beim Weinkauf im lokalen „Systembolaget“ (staatlich lizenziertes Spirituosengeschäft)* gleich wieder einen Hachmoment erleben. Denn so gewitzt, ästhetisch und genial einfach einen Cider-Drink namens „Cid“ verpackungsgestalten, das können sie, die Schweden.
* Und um mit einem Vorurteil aufzuräumen: Alkohol ist in Schweden längst erschwinglich geworden, man bekommt ihn lediglich über etwa 4% Vol. nicht im Supermarkt zu kaufen.

Softdrink_Cid
Foto: © formschub.de

Ich sehe das QRitisch …

Über die – meiner Meinung nach oft ebenso überflüssigen wie fehlplatzierten – QR-Codes wollte ich hier auch schon immer mal was schreiben, aber jetzt hat Gerrit van Aaken das bei praegnanz.de getan. Und seinem Blogbeitrag habe ich kein Wort hinzuzufügen. Außer vielleicht: klickt auf jeden Fall auch die beiden Links in Gerrits Text an. Hihi.
QRCode
QR-Code created with QR-Code Generator via kaywa.com

Typophile Grüße

Durch einen freundlichen Hinweis via Twitter wurde ich auf meinen fleißigen Hobbyzwilling Jens Arne Männig aufmerksam gemacht, der wie ich mit seiner Kamera typographische Fundstücke sammelt und sie – übersichtlich in Kategorien gegliedert – auf seiner Website präsentiert. Historisches, Kunstvolles, Skurriles. Ich empfehle nachdrücklich einen Besuch der Galerie, winke freundlich über den Letternzaun und freue mich schon auf die nächsten Trophäen!
Typofunde_Maennig
Screenshot mit freundlicher Genehmigung von Jens Arne Männig.

Accessoire für Angsthasen

Schon als Kind hatte ich eine Vorliebe für Monster, Gespenster und Vampire. Mit Otfried Preusslers Geschichte vom „Kleinen Gespenst“, Graf Zahl und den Monstern aus der Sesamstraße fing es an. Dann folgten, mit Eintritt ins Teenie-Alter, Angela Sommer Bodenburgs „Der Kleine Vampir“, Dutzende Sammelbände mit Gruselgeschichten und die legendären Europa-Vinyl-Hörspielplatten mit Hui Buh, Dracula und Frankenstein. Und Spielfilme: „King Kong“, „Tanz der Vampire“, „Bis das Blut gefriert“ – ab etwa 13 durfte ich abends nach zähen Verhandlungen mit den Eltern für den geliebten Grusel im Fernsehen auch mal länger aufbleiben. Mit 16 bestaunte ich mit einer Mischung aus Angst und Faszination die Szenenfoto-Aushänge in den damals noch üblichen Glasvitrinen des Bahnhofskinos, wo in den Achtzigern die Trash-Splatterfilme aus den USA und Italien liefen: „Ein Zombie hing am Glockenseil“, „Tanz der Teufel“ oder „Die Nacht der reitenden Leichen“. Einlass erst ab 18. Keine Chance. Auch in der örtlichen Videothek gab es seinerzeit in der Spielfilmabteilung eine Altersbeschränkung nur für das Ausleihen von Filmen, nicht jedoch für das Ansehen der ausgestellten Cover – ein weiteres sehnsüchtiges Hobby von mir. In den Regalen, zwischen denen ich nach Schulschluss oftmals umherstrich, standen „Das Omen“, George A. Romeros „Zombie“, „Basket Case“, David Cronenbergs „Die Brut“ oder „Scanners“ – das Blut troff nur so von den VHS-Cassettenhüllen, die Filme blieben jedoch weiterhin in unsehbarer Ferne.
Schließlich, endlich volljährig, durfte ich dann all diese Gorejuwelen goutieren, was ich auch mit Hingabe tat. Doch auch mit 18 und darüber hinaus hatte ich Angst, wie schon damals, mit sechs. Es war paradox. Einerseits zogen mich diese unheimlichen Wesen und gruseligen Geschichten magisch in ihren Bann, andererseits konnte ich oft vor Entsetzen nicht hinsehen, schlief nachts nur sorgsamst zugedeckt, brauchte ein Nachtlicht oder blickte beim Gang in den Vorratskeller zaghaft hinter jede geöffnete Tür, um mich zu vergewissern, dass dort nichts Blutdürstiges lauerte.
Bis heute bin ich beim Horrorfilmgenuss zwischen Faszination und Wegschauen gefangen, bis heute ist der Griff nach dem schützenden Sofakissen ein häufiger Reflex. Aber Sofakissen sind oft unhandlich und eigentlich viel zu groß. Darum sann ich nach Abhilfe – und erfand das „Angstkissen“. Handliche ca. 35 x 23 cm groß (perfekt für das 16:9-Seitenverhältnis von Filmen und Flachbildschirmen), aus nachtschwarzem Stoff und mit einem tröstenden Motiv, das den Verwendungszweck eindeutig kennzeichnet. Drei Prototypen mit verschiedenen Motivtechniken habe ich in Handarbeit angefertigt bzw. anfertigen lassen – Flexdruck, Flockdruck und bestickt.
Ich bin fest überzeugt: wenn mein Angstkissen über diese drei Prototypen hinaus für jeden Filmschisser im Handel erhältlich wäre, gäbe es mehr erleichterte Gruselfans auf Deutschlands Sofas. Aber da ich weder eine Kissenfabrik habe noch kenne, frage ich mal hier im Blog nach: Wer kennt eine Firma/einen Produktionspartner, die/der interessiert und in der Lage wäre, das Kissen mit diesem Motiv in Lizenz zu produzieren? Über Tipps per Mail oder in den Kommentaren würde ich mich freuen.
Angstkissen_Preview
Angstkissen_Anwendung
Fotos, Idee und Design: © formschub.de | Ab Datum dieser Veröffentlichung besteht automatisch Schutz als nicht eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster innerhalb der EU.

Schon wieder …

Das wird ja fast schon langweilig. Aber nur fast. Das Typographie-Portal Typographica hat letzte Woche retrospektiv seine Schriftfavoriten 2011 gekürt. Und unter den ausgewählten Fontschätzchen funkelt mich eines schon wieder ganz besonders verführerisch an: Dane. Warum? Ratet mal. Der Name kommt sicher nicht von ungefähr, stammt doch die Kopenhagener Typefoundry PlayType selbst aus dem Mutterland des „Danish g“. Und somit wartet auch der lokalpatriotisch benannte, klare und unprätentiöse Font – neben zahlreichen feinen Details an seinen anderen Glyphen – wieder mit diesem ganz speziellen Formschmankerl am Minuskel-g auf. Eine dänische Helvetica, könnte man fast sagen. Von mir aus kann’s gern zum Trend werden, ich schwärme ja schon seit Jahren dafür.
Dane_Sample
Font sample via PlayType | Composing: formschub.de

Fa(r)belhaft

Très chic. Der Videoteaser für die jüngste Ausgabe #26 des in Hamburg verlegten Lifestyle-, Design- und Kunstmagazins TUSH katapultiert die surreale „Jalousie-Optik” aus dem Grace-Jones-Video „Slave to the Rhythm” von Jean-Paul Goude aus den 80er Jahren perfekt ins 21. Jahrhundert. Hinterlegt ist der kühle Clip zum Thema Männerkosmetik mit dem Song „Disco Science” des Produzenten und Musikers Mirwais (Ahmadzaï), der mit seinem gebrochenen Elektroniksound 2000 und 2003 auch für den Stil der Madonna-Alben „Music” und „American Life” verantwortlich zeichnete. Die visuelle Umsetzung leitete der Fotograf Armin Morbach.

Video: © Tush Magazine

Foto-WWWerkzeugkasten für die Hosentasche

Das Knipsen und Hochladen kurioser oder bemerkenswerter Alltagsschnappschüsse mit dem Smartphone zu Twitter, Facebook, Google plus oder ins eigene Blog ist inzwischen längst ein Massenhobby. Meist entstehen solche Fotos unter mehr als ungünstigen Bedingungen: mit wenig Zeit auf dem Weg von A nach B, aus fahrenden Verkehrsmitteln oder im Gehen fotografiert, unter schlechten Lichtverhältnissen, mit wackeliger Hand, aus ungünstigen Perspektiven oder mit unschönen Reflexionen, Schatten oder Störungen im Bild. Vielen Postern ist das egal, sie belassen es dabei und laden ihre Motive einfach so hoch oder bügeln mit Instapaper einen fancy Stylingfilter drüber, der solcherlei kaschiert.
Ich als Grafik-Designer hab es gern ein bisschen hübscher und möchte meine Bilder meist – ohne sie zu verfälschen – ein bisschen optimieren. Um so erstaunter bin ich, dass es unter den hunderttausenden Apps fürs iPhone bislang noch keine einzige gibt, deren Bildbearbeitungsfunktionen speziell auf die Korrektur solcher „Unterwegsbilder” zugeschnitten ist. Insbesondere die folgenden Funktionen sind aus meiner Sicht dafür am nützlichsten:

  • Perspektivkorrektur
  • Weißabgleich für Fotos in farbigem oder künstlichem Licht
  • Scharfzeichnung und Rauschentfernung
  • Korrektur von Tonwerten und Kontrasten, selektiv für Tiefen, Mitteltöne und Lichter
  • Rote-Augen-Filter für Personenaufnahmen mit Blitzlicht
  • Einfacher Retuschestempel zum Beseitigen von störenden Details
  • Resizing von Fotos auf gängige kleinere Formate (z.B. 640 x 480 px oder 800 x 600 px)
  • Styling-Filter (z.B. für Schwarzweiß-, Sepia-, Retro- oder Polaroid-Optik
  • Direktes Sharing-Interface zu Twitter, Facebook und Co.

Da es meines Wissens (noch) keine einzelne App gibt, die all das elegant bündelt, habe ich mir im Apple AppStore ein kleines Set an Apps zusammengestellt, mit denen ich einzeln sehr zufrieden bin und die diese Funktionen zumindest separat zur Verfügung stellen. Hier meine Empfehlungen für den anspruchsvollen Hosentaschenreporter:

  • Camera+ ergänzt die implementierte Kamera-App des iPhone um einige interessante Funktionen wie einen Bildstabilistator gegen Verwackeln, einen Auslösetimer oder Serienaufnahmen.
  • Mit FrontView kann man problemlos die perspektivischen Verzerrungen, z.B. bei Fotos von Plakaten, Gebäuden oder Schildern korrigieren (siehe Foto unten), auch eventuelle Verzerrungen in den Seitenproportionen lassen sich anschließend mit einem Fingertipp eliminieren.
  • Photogene² ist das bisher mächtigste Smartphone-Tool zur nachträglichen Bildbearbeitung, das ich kenne. Die Möglichkeiten zum Optimieren und Korrigieren von Fotos direkt auf dem iPhone sind großartig, das Interface extrem intuitiv. Alle testweise vorgenommenen Bearbeitungen lassen sich rückgängig machen. Enthalten sind Tools zum Zuschneiden, Drehen, Einstellungen für Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich, Farbton, Schärfen, Entrauschen, jede Menge Stylingfilter, Rahmen, Rote-Augen-Filter, Retuschestempel und sogar ein Textwerkzeug zum Einfügen von Beschriftungen in Fotos. Zum Export sind Schnittstellen zu Twitter, Facebook, Flickr, Dropbox und Picasa enthalten, ebenso zum Transfer via FTP und E-Mail. Grandios!
  • Mit TiltShiftGen, das ich hier im Blog bereits früher schon einmal anpries, kann man selbstgeknipsten Panoramen und Stilleben den aus Werbekampagnen bekannten „Modellbauwelt-Effekt” hinzufügen. Auch das kann an sich unspektakuläre Fotos deutlich aufwerten.

Update:

  • Nicht unbedingt Bildbearbeitung, aber dennoch nützlich, wenn man lediglich den Text von einem Schild, Plakat oder Zettel posten möchte, ohne das geknipste Bild hochzuladen: Die Zeichenerkennungs-App Mobile OCR Pro macht diesen Job sehr anständig. Ich habe den aus freier Hand abgelichteten A4-Ausdruck eines Briefes (nach einer Kontrastverstärkung mit der obengenannten App Photogene²) damit verarbeiten lassen und musste gerade mal an drei Stellen den erkannten Text nachbessern. Die App stellt den Text nach Erkennung für die Zwischenablage zur Verfügung, so dass man sie einfach in Postings, Blogeinträge oder E-Mails einfügen kann. Ebenfalls eine Empfehlung!

Wie immer freue ich mich natürlich auf weitere App-Tipps zum Thema in den Kommentaren …
FrontView
Ein Screenshot der App „FrontView” (links) und das entzerrte Foto (rechts)

g-fällt mir!

Im Newsletterpostfach lag heute eine Nachricht zum Verlieben, meine Vorliebe für das sogenannte „Danish g” betreffend. Der neue Font „Ginga” der in Berlin lebenden Schriftgestalterin und Designerin Melle Diete entzückt nicht nur durch diese ganz besondere, frech gekappte Form des kleinen g, sondern durch viele weitere bezaubernd frische Buchstabenformen und -details. Das Fontmuster unten zeigt gerade mal 8 der insgesamt 15 Schriftstärken zwischen Ultra Light und Extra Black, die jeweils auch noch als Kursive (nicht abgebildet) erhältlich sind. Macht insgesamt 30 Familienmitglieder, die sich in allen zeitgemäßen Designprojekten zu Hause fühlen. g-nial!
Gingar_Font
Font Samples: via MyFonts