Heiß und fettig

Da bloggt man mal gefühlt drei, vier Tage lang nix – und zack! ist ein ganzer Monat rum. Passiert ist genug, aber irgendwie fehlten mir Lust und Muße, darüber zu bloggen. Egal, das Internet füllt sich auch mal eine Weile ohne mich.

Doch gestern gab es mal wieder einen schönen Impuls im Blog von Isabel Bogdan aka Isabo. Sie hat mit einem Aufruf die schöne Tradition des »Gedichtwettbewerbs« wieder aufleben lassen. Wobei, »Wettbewerb« ist eigentlich das falsche Wort, es geht nicht ums Gewinnen, ums toller, besser, witziger sein, sondern ums Mitmachen. Und da das Thema »Gastronomie« mir ja bekanntermaßen auch an Herz und Magen liegt, hab ich mich gerne daran beteiligt.

Feine Küche ist was Tolles. Ein Abendessen im Reinstoff, im Le Compagnon oder im Gänsbauer (alle selbst besucht) lässt den Gaumen jedes Feinschmeckers jauchzen. Aber ab und zu schmecken auch Junkfood, Imbissfritten oder die – aufgrund schwindender Weitergabe mütterlicher Kochgeheimnisse an die nachwachsende, von einer industrielleren Esskultur geprägte Generation – immer seltener werdende »Hausmannskost« (abgesehen mal davon, dass ich diese Bezeichnung ziemlich dämlich finde, weil ein Hausmann inzwischen etwas ganz anderes ist und die Gerichte unfairerweise denjenigen bezeichnen, für den gekocht wird, anstatt verdientermaßen diejenige, von der es gekocht wurde). Denn wohl jeder »Foodie«, der meiner Generation (1967) entstammt und noch ein kochendes Elternteil – meist die Mutter – sein eigen nennt, wird die Frage kennen, die unweigerlich vor den gelegentlichen Familienbesuchen erörtert wird: »Was magst du denn essen, wenn du kommst?« – Ich wette, die Antworten meiner Altersgenossen sind in weiten Teilen deckungsgleich: Rouladen oder Kohlrouladen, Gulasch mit Nudeln, Hühnerfrikassee, Eintopf (Bohnen, Linsen, Erbsen), Königsberger Klopse, Braten mit Rotkohl und Knödeln … alles, was man im Elternhaus mit Genuss verspeist hat, sich aber mangels Rezeptkenntnis oder aus Scheu vor dem oft nicht unbeträchtlichen Aufwand nie selber zubereiten würde.

Also: ein Lob auf alle kochenden Mütter, ihre Rezepte und die guten Landgasthäuser!
Und hier mein Gedicht, zu dem Isabos Aufruf mich inspirierte:

Ode an die Hausmannskost

Kommse rein und seinse Gast,
ruhnse aus von all der Hast,
wählnse aus und haunse rein,
trinkense ’nen Schoppen Wein.

Unser Koch kocht heiß und deftig,
statt fad schmeckt’s bei uns eher kräftig,
Kalorien solln andre zählen,
und sich mit Diäten quälen.

Große Teller, kein Chichi,
Salat wär nur ein Alibi.
Soße, Fleisch und gute Butter,
alles schmeckt noch wie bei Mutter.

Frikassee, Kotelett, Rouladen,
Gulasch, Nudeln, Schweinebraten,
Pommes, Rotkohl, Currywurst,
statt Selters löscht ein Bier den Durst.

Oh, der Teller schon geleert?
Ist noch Luft? Vielleicht Dessert?
Apfelstrudel? Sahnetorte?
Selbstgebacken – ohne Worte.

Hat’s geschmeckt? Das hört man gerne.
Solches Lob glänzt mehr als Sterne.
Gönn dir, was im Angebot ist,
hungern kannste, wennde tot bist.

Hendl
Foto: © formschub | Mehr Fotos bei flickr

Bücherfragebogen [♂] – 27

Immer noch, seit meinem letzten Blogeintrag zum Bücherfragebogen (September 2011!) sind sechs der 30 Fragen unbeantwortet. Das liegt zum einen daran, dass ich derzeit etwas blogfaul bin (das geht erfahrungsgemäß vorüber), zum anderen daran, dass die verbliebenen Fragen die für mich am schwierigsten zu beantwortenden sind. Sei es, weil ich das Gefühl habe, wahnsinnig viel dazu schreiben zu müssen und mich aus diesem Grund davor drücke, oder weil ich auf die Frage keine oder nur schwer eine Antwort finde.

Sei’s drum. Wovor ich mich auf keinen Fall drücken möchte, ist, den kompletten Fragebogen abzuhandeln. Heute nehme ich mir daher mal wieder eine Frage vor:


27 Ein Buch, dessen Hauptperson dein »Ideal« ist
Hier ist es die Fragestellung, die mich bei der Beantwortung zögern lässt. Ein »Ideal« in dem Sinne, dass es eine reale oder irreale Person gäbe, welche ein sublimiertes Vorbild für mich in allen charakterlichen oder sonstigen Belangen ist, habe ich nicht.

Es gibt einzelne reale Personen, die ich verehre, bewundere oder sogar ein bisschen beneide, weil sie gut aussehen, Erfolg haben, sich nicht verbiegen lassen, Stärke zeigen, sich engagieren oder unbequem sind. Aber in Büchern finde ich selten Charaktere, bei denen diese Identifikation so stark wird wie bei »echten« Menschen. Während der Lektüre von Büchern kann ich mich durchaus mit einzelnen Figuren identifizieren, sie bewundern oder respektieren, aber das Gefühl von Fiktion bleibt dabei zu gegenwärtig, um daraus tragfähige »Ideale« werden zu lassen, die mich auch außerhalb der Bücher leiten und anspornen.

Bei bewegten Bildern passiert mir das schon ein bisschen öfter. Charaktere in Serien oder Spielfilmen, die stark und souverän bleiben, sich nicht »die Butter vom Brot nehmen lassen«, nicht mit ihrer Meinung hinterm Berg halten, sich konsequent durchsetzen, immer bei sich bleiben, ihren Weg gehen oder sich Widersachern entschlossen entgegenstellen, haben seit meiner Kindheit durchaus einen Platz in meiner »Hall of Fame«: Inger Nilsson als anarchische Pippi Langstrumpf, Jack Klugman als unbequemer Pathologe Quincy, Leonard Nimoy als ultimativ rationaler Enterprise-Wissenschaftsoffizier Mr. Spock oder Diana Rigg als als unerschrockene Geheimdienstamazone Emma Peel waren und sind auf eine gewisse Weise »Ideale«, aber gleichfalls aus und innerhalb einer fiktiven Welt.

Suche ich weiter nach Identifikationsfiguren in gedruckten Medien, lande ich tatsächlich in meiner Kindheit – und am ehesten bei Comics. Jahrelang investierte ich mein knappes Taschengeld fast ausschließlich in das Comicheft KOBRA, in dem sich fantastische Helden die Klinke in die Hand gaben: Spider-Man (ein anderer als das Original), Archie – der Mann aus Stahl (ein Roboter) und die famos gezeichnete SciFi-Saga Trigan fanden regelmäßig aus den heißgeliebten zerlesenen Heften ihren Weg auf den Spielplatz, wo ich mit infizierten Freunden die spannendsten Episoden im Klettergerüstraumschiff und auf dem Sandkastenplaneten nachspielte. Auch die Serie Captain York, die später exklusiv in den legendären YPS-Heften erschien, schaffte es in meinen Kinderheldenolymp.

Etwas harmloser, aber ebenso inspirierend fand ich eine französische Comicserie des berühmten Schlumpfzeichners Peyo über einen kleinen blonden Pariser Jungen mit einer Baskenmütze, einem blauen Schal und einer roten Jacke, der über Superkräfte verfügt. Ist er allerdings erkältet, was mindestens einmal pro Episode an einer kritischen Stelle der Fall ist, versiegen seine Fähigkeiten und er muss sich Kraft seiner Gedanken etwas anderes einfallen lassen – was natürlich meist gelingt. Die Serie wurde in Deutschland unter zwei verschiedenen Namen veröffentlicht, zunächst in Fortsetzungsgeschichten mit dem Titel »Der kleine Winni« im Rahmen der Fix & Foxi-Hefte, später als eigene Comicbandreihe »Benni Bärenstark«. Die Rolle des kleinen, schüchternen Jungen, der von den Erwachsenen nie richtig ernstgenommen wird, aber hinter den Kulissen mit Grips und Superkräften die Dinge insgeheim wieder ins Lot bringt, war für mich als 10- bis 12jähriger irgendwie auch eine Art Ideal. Die Bände sind inzwischen leider vergriffen und nur noch zu Sammlerpreisen, z. B. bei Amazon erhältlich.

Ich bin mal gespannt, ob einige Leser die genannten Comicfiguren ebenfalls kennen. Wenn Ihr mögt, freue ich mich in den Kommentaren auf einen Einblick in Eure Ideale!

Der komplette Fragebogen im Überblick.

Books_27
Photo: © Larry Kwan | Some rights reserved

Jahresrückblick 2011

Gerade noch rechtzeitig, bevor schon wieder die zweite Woche dieses jungen Jahres beginnt, möchte ich dann doch auch noch meine Bilanz für 2011 ziehen. Es war für mich ein Jahr wie ein Dominostein, mit drei seltsam voneinander getrennten, völlig unterschiedlichen Schichten: der privaten (in keinster Weise zu beanstanden), der beruflichen (im wahrsten Sinne wechselhaft) und der des Tagesgeschehens, mit Ereignissen wie dem apokalyptischen Erdbeben in Japan, der Fukushima-Katastrophe, der Guttenberg-Affäre, dem Utoya-Massaker in Norwegen, der allgegenwärtigen Eurokrise oder dem Tode Loriots (alles schlimm und sämtlich verzichtbar). Hoffen wir, dass 2012 wieder netter zu uns ist.

Ich wünsche allen regelmäßigen und zufälligen Besuchern dieses Blogs, was ich in der Neujahrsnacht bereits via Twitter meiner Timeline auf den Weg gab.

Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen, ein bisschen. Aber ich hatte 2011 einfach keine Lust, kürzer zu treten.

Haare länger oder kürzer?
Gleichbleibend kurz. Ich genieße den Vorteil, dass mein bevorzugter Haarschnitt mir nicht nur steht und ich mich damit wohlfühle, sondern er auch den unsteten Trends der modernen Haarmode trotzt. Sehr praktisch. So kann ich mich um andere Sachen kümmern, die wichtiger sind.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Weiterhin ohne Brillenbedarf und dankbar dafür.

Mehr Kohle oder weniger?

Unverändert und damit genug, um sich keine Sorgen ums tägliche Auskommen machen zu müssen.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Ich glaube, ich war ein kleines bisschen sparsamer, da ich bald ahnte, dass ich beruflich auf eine Weichenstellung zusteuere, die eine gewisse Finanzreserve erfordert.

Mehr bewegt oder weniger?

Nach fast 17 Jahren als angestellter Art Director und später Kreativdirektor in ein und derselben Agentur Bilanz gezogen und mich selbst (fort)bewegt. Für mich heißt das: viel bewegt.

Der hirnrissigste Plan?

Dazu fällt mir diesmal nichts ein. Vielleicht war ich zu vorsichtig.

Die gefährlichste Unternehmung?

Siehe »Der hirnrissigste Plan«.

Der beste Sex?

Ich tu mich ein bisschen schwer mit dem Prädikat »beste«. Sex ist schließlich kein Wettstreit. Mal behutsam und sinnlich, dann wieder spontan und wild. Dennoch beides gut. Das ist wie mit leckerem Essen.

Die teuerste Anschaffung?

Ein neues Möbelstück (Highboard) fürs Schlafzimmer. Eine leider notwendige größere Autoreparatur.

Das leckerste Essen?

Ein grandioses, überraschendes, sinnliches Dinner for Two im Restaurant Reinstoff (Berlin), die obligatiorischen Pfingstschlemmereien in Regensburg während der Tage Alter Musik, die karibische Küche im Restaurant Mango Room während eines Kurzurlaubs in London, das Essen bei einer Weihnachtsfeier im kleinen Kreis bei Henssler & Henssler am Hamburger Elbufer. Und noch so dies und das. Ich kann nicht klagen.

Das beeindruckendste Buch?

Das war »Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge« (Der treffendere englische Originaltitel lautet »At Home. A Short History of private Life«) von Bill Bryson. Ein famoser Streifzug durch die Kulturgeschichte der Zivilisation anhand des Rundgangs durch das viktorianische Wohnhaus des Autors – ein ehemaliges Pfarrhaus. Es ist faszinierend und lehrreich, wieviel(e) Geschichte(n) in der Konstruktion, der Nutzung und Aufteilung eines für uns heutzutage ganz normalen Wohngebäudes steckt bzw. stecken. Warum und seit wann gibt es einen Flur? Wo schliefen eigentlich früher die Dienstboten? Was spielte sich früher alles in der Küche ab? Warum war das Schlafzimmer historisch gesehen ein oft eher unerfreulicher Ort? Ich wusste gar nicht, wie viel ich noch nicht wusste, bevor ich dieses Buch las. Sehr empfehlenswert, wenn es neben Belletristik auch mal ein Sachbuch sein darf.
Aber auch für 2011 jedoch muss ich feststellen: zu viel online und in der gedruckten Presse gelesen, anstatt mir mal meine ungelesenen Regalmeter Bücher vorzunehmen. Schande, das. Ich arbeite dran.

Der ergreifendste Film?

Auch im Filmjahr 2011 bediente ich mich wieder nicht nur bei den aktuellen Neuerscheinungen, sondern querbeet bei allem, was im Kino, im TV und auf DVD bisher ungesehen war. Am »ergreifendsten« wirkten auf mich »The King’s Speech« (tolle Geschichte und geniale Schauspieler), »Thumbsucker« (nicht zuletzt wieder wegen Tilda Swinton), »Chiko« (ein brachiales Drama mit einem an Shakespeare erinnernden tragischen Ende) und »Ein Kapitel für sich« (epische Verfilmung der Romane von Walter Kempowski). Visuell atemberaubend fand ich »Tron: Legacy«. Und im Laufe des Jahres wurde ich endgültig zum Fan der tiefschwarzhumorigen Serie »Breaking Bad« und ihres janusköpfigen Protagonisten Walter White, dessen Balanceakt zwischen treusorgendem Familienvater und eiskaltem Drogenschurken im Fortgang der Handlung immer aberwitziger wird. Großes Kino findet eben nicht nur im Kino statt.

Die beste CD?

Pop: »El Radio« von Chris Garneau, »It All Starts With One« von Ane Brun, »Lady & Bird« von Lady & Bird, »I’m a Singer/Songwriter« von Egil Olsen. Klassik: »Sonates pour Violon & Basse Continue« mit David Plantier (Violine) von Johann Paul von Westhoff. Und wie immer viele Einzeltitel, dank Shazam, Web-/Twitter-/Facebook- und iTunes-Empfehlungen.

Das schönste Konzert?

Da gab es 2011 eigentlich nicht das Highlight. Gleich im Januar erfreute in der Berliner Philharmonie Alexander Zemlinskys »Lyrische Sinfonie« (Op. 18) auf Gedichte von Rabindranath Tagore und Leos Janáceks »Sinfonietta für großes Orchester« die Ohren. (Kommentar meines Mannes zum Text: »Man möchte jedes Wort küssen.«)
Darüber hinaus erinnere ich mich eher an viele kleinere Konzerte, etwa auf der Arp-Schnitger-Orgel in Hamburg-Neuenfelde oder ein mittelalterliches Vokalkonzert mit dem Ensemble Vox Nostra in der Zionskirche Berlin. Es muss ja nicht immer was Großes sein.
Für 2012 dräut hingegen Hochkultur satt: Kurz vor Weihnachten lag eine Kartenzusage für die Bayreuther Festspiele im Briefkasten (»Tristan und Isolde«, »Parsifal«). Dazu kamen unterm Weihnachtsbaum Karten für zwei Vorstellungen in der Dresdner Semperoper (»Lulu«, »Cardillac«), eine in der Hamburgischen Staatsoper (»Lear«) und zwei Konzerte in der Berliner Philharmonie (Edward Elgar: »The Dream of Gerontius« und Dmitri Schostakowitsch: »Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1«/»Symphonie Nr. 8«). Also jede Menge Stoff für den Jahresrückblick 2012.

Die meiste Zeit verbracht mit …?

… dem Mann und guten Freunden (wie letztes Jahr).
… Gedanken daran, wie mir mein Job wieder mehr Spaß machen kann.

Die schönste Zeit verbracht mit …?

… dem Mann und guten Freunden (wie letztes Jahr).

Vorherrschendes Gefühl 2011?

Wenn sich was bewegen soll, muss ich mich bewegen.

2011 zum ersten Mal getan?

Ernsthaft darüber nachgedacht, mich selbstständig zu machen.

2011 nach langer Zeit wieder getan?

Gekündigt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Erdbeben-/Tsunami-/Fukushima-Bilder aus Japan. Guttenberg und ähnlich gesinnte Zeitgenossen. Meinen Hang zum Grübeln.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Mich selbst und andere davon, dass ich meine beruflichen Weichen neu stellen muss.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Wie letztes Jahr: Zuhören. Aufmuntern. Da sein.
Ein sehr persönliches, selbst gestaltetes Erinnerungsbuch.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Wie letztes Jahr: Zuhören. Aufmuntern. Da sein. Zuspruch und Unterstützung bei meinen Plänen. Und wieder schöne Urlaube an tollen Orten und in fantastischen Unterkünften in Deutschland und Europa (Bornholm, Yorkshire, Wales).

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

»Durch dick und dünn.« (Ich weiß, das ist kein vollständiger Satz, aber das spielt im Kontext seiner Äußerung keine Rolle).

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

»Ich möchte künftig ,mein Mann‘ zu Dir sagen.«
(Nein, ich habe nicht geheiratet. Ich finde nur ,mein Freund‘ unzureichend.)

2011 war mit einem Wort …?

Aufbruch.

Leuchtfeuer_2012
Foto: Leuchtturm Nakkehoved Fyr in der Abenddämmerung, Gilleleje, Dänemark |
© formschub

Bücherfragebogen [♂] – 16


16 Das 9. Buch in deinem Regal von rechts
Wie schon bei der ähnlich formulierten Frage 15 nehme ich mir die Freiheit, das Regal für diese Positionsangabe selbst auszuwählen – und finde an der angegebenen Position … ein Taschenbuch: »Geschnitten oder am Stück?« von Elke Heidenreich, damals alias Else Stratmann, aus dem Jahr 1986.

Elke Heidenreich erschuf die Kunstfigur und von ihr selbst verkörperte Rolle der »Metzgersgattin aus Wanne-Eickel« 1975, zunächst fürs Radio. Bei den Sendern WDR 2 und SWF 3, später auch im Fernsehen, zog sie in herrlich schnoddrigen Monologen über das Tagesgeschehen, Politik, Promis und gekrönte Häupter her. 1987 machte Elke Heidenreich »Schluss« mit Else Stratmann und wandte sich anderen literarischen Themen zu.

Der Rowohlt-Verlag veröffentlichte ab 1984 insgesamt vier Taschenbücher mit den gesammelten Kolumnen der Ruhrpottikone: »Darf’s ein bißchen mehr sein? – Else Stratmann wiegt ab«, »Geschnitten oder am Stück? – Neues von Else Stratmann« (s.o.), »Mit oder ohne Knochen? – Das Letzte von Else Stratmann« und »Datt kann donnich gesund sein – Else Stratmann über Sport, Olympia und Dingens …«. Bei mir im Bücherregal stehen sie alle in den Erstauflagen aus den Achtzigern, und eins davon als neuntes von rechts …

Für alle, die Else Stratmann nicht kennen: Der YouTube-User vinterhjerte hat ein rundes Dutzend Audioclips von und mit Else Stratmann/Elke Heidenreich hochgeladen, und auf der Website des Rowohlt-Verlages wird die eine oder andere Leseprobe im PDF-Format aus den nach wie vor erhältlichen Buchbänden angeboten.
Weil Elke Heidenreich keine neuen Texte ihres damaligen Alter Ego mehr nachschiebt, tröste ich mich inzwischen durchaus angemessen mit der Lektüre des famosen Blogs ihrer Dialektgenossin Ingeborch Schubiak, die sich beim WAZ-Webportal Der Westen ihre Weltsicht von der Seele schreibt (Update: das Blog ist leider mittlerweile offline oder hinter einer Paywall, aber bei den Ruhrbaronen kann man Frau Ingeborch noch lesen). Vielleicht gibt’s das ja auch irgendwann mal in Buchform …

Der komplette Fragebogen im Überblick.

Books_16
Foto: © formschub

Bücherfragebogen [♂] – 14

14 Ein Buch aus deiner Kindheit
Ach! Wo soll ich da anfangen? Ein paar der liebsten Bücher aus meiner Kindheit stehen noch immer bei mir im Regal, vergilbt, zerlesen, bekritzelt oder mit zum Teil ausgemalten Illustrationen (ein frühes Hobby), neu eingebunden, bestempelt … aber ein wirklich gutes Buch entstellt nichts.

Da wäre zum Beispiel Mein Freund der Zauberer von J. B. S. Haldane. Es erzählt die Geschichte, wie der Autor, Professor Haldane, mitten in London einen älteren Herrn davor bewahrt, beim unachtsamen Überqueren der Straße von einem Auto überfahren zu werden. Der Gerettete, der sich als Mr. Leakey vorstellt, lädt seinen Schutzengel daraufhin zum Dank in seine Wohnung zum Abendessen ein – und spätestens bei Tisch stellt sich heraus, dass der Gastgeber ein waschechter Zauberer ist: die Vorsuppe wird aus seinem Zylinder auf die Teller gegossen, ein riesiger Oktopus trägt von der Decke herab das Essen auf, ein etwa dackelgroßer, zahmer Hausdrache grillt den Fisch in seinen heißen Klauen, eine grüne Miniaturkuh spendet Sahne und ein geflügelter arabischer Dämon holt in Windeseile frische Erdbeeren aus Neuseeland fürs Dessert, während an den vier Ecken des Tisches im Zeitraffer Obstbäume mit saftigreifen Mangos und Pfirsichen wachsen. Die beiden Herren verstehen sich bestens, und der Professor erlebt mit seinem neuen magischen Freund im weiteren Verlauf des Buches noch eine ganze Reihe aufregender und seltsamer Dinge.

Ein nicht minder seltsames Buch, das ebenfalls in England spielt, ist Professor Hirnschlags unglaubliche Abenteuer von Norman Hunter (einen Link fand ich nur zur englischen Ausgabe, wo der Protagonist »Professor Branestawm« heißt). Professor Hirnschlag ist ein sehr, sehr kluger, erfinderischer, aber auch extrem zerstreuter Mensch. Das beginnt bei seinen fünf Brillen: eine zum Lesen, eine zum Schreiben, eine zum Ausgehen, eine, um andere Menschen darüber hinweg anzusehen und eine, um nach den anderen vier zu suchen, weil er sie natürlich ständig verlegt.

Zusammen mit seinem Freund, dem zackigen Oberst Haudrauf und der Haushälterin Frau Schnüffelschnauz stolpert der Professor in 14 Kapiteln durch seinen chaotischen Alltag. Er erfindet eine Frühjahrsputz-Putzmaschine, die so gründlich arbeitet, dass sie alle Möbel in den Garten des Hauses katapultiert. Oder er verlegt alle Exemplare ein und desselben Buches aus zwölf Stadtteilbibliotheken bis auf eins, das er dann reihum immer rechtzeitig vor Ablauf der Leihfrist wieder zurückbringen kann. Einmal erweckt er mit einem stinkenden Elixier versehentlich ein komplettes Fotoalbum zum Leben, woraufhin seine Wohnung von den abgelichteten Personen überschwemmt wird, inklusive am Bildrand angeschnittener, halber Passanten und unscharfer Hintergrundfiguren. Es sind in der Tat unglaubliche Abenteuer, die der Professor erlebt.

Gleich zwei Bände gab es von den heißgeliebten Geschichten des märchenhaften Abenteurers Jeremias Schrumpelhut: Die Reise zum Stern Traumatia und Mit König Eierbatz im Märchenwald, die von Wolf-Dieter von Tippelskirch verfasst wurden. Auch diese beiden Bücher bersten förmlich vor fantastischen Geschichten und Gestalten: Es gibt Mondschafe, die ihre wuchernde kunterbunte Wollpracht selbst verstricken können, mit Kitzelspießen bewaffnete Kobolde, Traumgespenster, echte riesenohrige Angsthasen, den lachhaft gekleideten Herrscher Mieselfratz, der seinen Untertanen bei Strafe verbietet, über ihn zu lästern, Rüsselschnurpse, Mollekieken, den schnellsten Zwerg der Welt, die Riesenschnupfenbazille Schnuppdiwupp oder den friedlichen Drachen Kukifex. Wie oft ich diese Geschichten las und im Kopf die Abenteuer miterlebte – ich weiß es nicht.

Unbedingt mit auf die Liste muss noch Der verzauberte Kater von Barbara Sleigh – eines der Bücher, von denen ich mir nach wie vor eine Verfilmung ganz grandios vorstellte. Das in London (schon wieder England!) spielende Buch erzählt die Geschichte der 12jährigen Rosemary, die während der Sommerferien mit Putzdiensten ein wenig zum kargen Einkommen ihrer alleinerziehenden Mutter beisteuern möchte. Dazu kauft sie auf dem Flohmarkt auf der Suche nach billigen Putzwerkzeugen bei einer seltsamen alten Frau für ein paar Schilling einen Reisigbesen. Der schwarze Kater, der am Stand herumstreicht, ist im Preis inbegriffen. Rosemary staunt nicht schlecht, als der Kater, Carbonel, auf dem Nachhauseweg zu sprechen beginnt und ihr offenbart, dass er ein verzauberter Katzenprinz ist und sie bittet, den auf ihm liegenden Fluch zu brechen. Doch dazu braucht Rosemary Zauberutensilien, welche sich zum Teil noch im Besitz der alten Flohmarkthändlerin – einer Hexe im Ruhestand – befinden. Ein aufregendes und magisches Ferienabenteuer beginnt …

Völlig ohne Gepäck und Geld begibt sich Jasper auf eine Reise rund um den Globus, nachdem er in einem Jasminbusch des Amsterdamer Vondelparks auf den winzigen Reisegeist Korilu trifft und von diesem dazu angestiftet wird. Weltreise mit Korilu heißt dieses ebenso lehrreiche wie fesselnde Kinderbuch von Thea Beckman, den ich ebenfalls mehr als nur einmal verschlang. Jasper lernt überall auf seinem Weg durch die Fremde neue Menschen kennen, muss hart arbeiten, gerät in manche Gefahr, schließt Freundschaften und lernt, was es heißt, Abschied zu nehmen. Dabei ist der kleine Korilu, der sich vor fremden Blicken in Jaspers dichtem Haarschopf versteckt, ihm oft ein erfahrener und nützlicher Ratgeber.

In der Akademie des Meisters Klex, einem Internat ganz besonderer Art, werden nicht nur ausschließlich Jungen aufgenommen, sondern ihr Vorname muss zudem auch mit A beginnen. In diesem elitären Kreis sind die Schulfächer, die der Gründer, Direktor und einzige Lehrer Meister Klex unterrichtet, dann auch entsprechend außergewöhnlich: Klecksographie, Buchstabenspinnen oder Möbelmedizin. Vom Garten der Akademie aus führen zahlreiche Pforten in verschiedene Märchenwelten, wo die Schüler den Figuren aus Andersens oder Grimms Märchen begegnen und in der Mensa wird feinstes Essen aus bunten Scherben und Farblösungen gezaubert. Doch das größte Geheimnis der Akademie ist der sommersprossige, bunthaarige Meister Klex selbst. Und keiner der Schüler ahnt, dass bald eine Schöpfung des Meisters zur größten Gefahr für seine eigene Akademie werden wird … Das fantastische Kinderbuch des polnischen Autors Jan Brzechwa erschien in der Erstausgabe bereits 1946.

Sicherlich war es die Fülle meiner Kindheitsbucherinnerungen, die dazu führte, dass ich diese Bücherfrage so lange vor mir hergeschoben habe. Ich könnte noch viele weitere Bücher nennen, die mich als Kind und Jugendlichen in Lichtjahre entfernte Welten versetzt haben: Der Zauberer von Oz, Momo, Die unendliche Geschichte … In späteren Jahren begeisterten mich Science-Fiction-Geschichten, das Herr-der-Ringe-Epos und Stephen King, aber ich habe mich für diesen Beitrag bewusst auf etwas unbekanntere Bücher beschränkt. Die meisten davon – wie an den Links ersichtlich – sind heute, wenn überhaupt, nur noch antiquarisch erhältlich. Manchmal ist der ständige Drang des Menschen nach immer Neuem, Frischem zum Lesen, Anschauen, Hören ein Fluch. Denn so viele famose Werke verschwinden im Strudel des unaufhörlich Nachströmenden und gehen so für die Kinder von heute quasi verloren. Ein Jammer, wenn man bedenkt, wieviel eigentlich zeitlose Fantasie, Spannung und Witz darin stecken.

Der komplette Fragebogen im Überblick.

Books_14
Foto: © formschub

Bücherfragebogen [♂] – 20

20 Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
Die Paarung der Wörter »Lektüre« und »Schulzeit« ruft bei mir oft wenig erbauliche Erinnerungen hervor. Das Lesenmüssen von als öde oder unergiebig empfundenen Texten – und die meist folgenden Klausuren darüber – ließ mich so manche Unterrichtsstunde verfluchen.

Ich gähnte bei Siegfried Lenz (»Das Feuerschiff«), Max Frisch (»Homo Faber«) und Bertolt Brecht (»Der gute Mensch von Sezuan«). Erweckend hingegend fand ich viele Kurzgeschichten, etwa von Heinrich Böll (»Es wird etwas geschehen«), Friedrich Dürrenmatt (»Der Tunnel«), Marie Luise Kaschnitz (»Das dicke Kind«) oder die Lektüren im Englischkurs, beispielsweise von Nevil Shute (»On the Beach«), Bram Stoker (»Dracula«) und Aldous Huxley (»Brave New World«).

Eine der typischen Darreichungsformen der Schullektüre waren und sind bis heute die kanariengelben Reclam-Heftchen, die nicht nur aufgrund ihrer handlichen Größe, sondern auch der kleinen Preise wegen sehr schülerkompatibel sind. Aus dieser Verlagsbibliothek stammte auch meine Lieblingslektüre: »Das Fräulein von Scuderi« von Ernst Theodor Amadeus (E. T. A.) Hoffmann. Es geht um ein miss-marple-esques Edelfräulein, hilfreiche Mätressen, rätselhafte Morde, wertvolle Juwelen, mysteriöse Intrigen und eine junge Liebe im Paris des Jahres 1680. Hach! Von Anfang an funkelt Hoffmanns Sprache wie die Schmuckstücke, die das Motiv der geheimnisvollen Mordserie der Erzählung zu sein scheinen:

Die Sonne schien hell durch die Fenstergardinen von hochroter Seide, und so kam es, dass die Brillanten, welche auf dem Tische neben dem offenen Kästchen lagen, in rötlichem Schimmer aufblitzten. Hinblickend verhüllte die Scuderi voll Entsetzen das Gesicht, und befahl der Martiniere, das fürchterliche Geschmeide, an dem das Blut der Ermordeten klebe, augenblicklich fortzuschaffen.

Die Lösung des Rätsels werde ich hier nicht verkünden, nur soviel, dass in der Psychologie in Anlehnung an diese Novelle der Begriff des Cardillac-Syndroms (Spoiler!) entstand, das wohl jedem Künstler bekannt ist, der von Hand geschaffene Unikate kreiert.

Dass E. T. A. Hoffmann ein talentierter Schriftsteller war, ist allgemein bekannt. Dass er sich zudem schon lange vor dem Schreiben auch als Komponist klassischer Musik sowie als Zeichner hervortat, weniger. Auf dem YouTube-Kanal MaiwaldBroadcast z.B. sind einige Stücke eingestellt, die einen kleinen Einblick in Hoffmanns musikalische Begabung verschaffen. Ein Multitalent.

Der komplette Fragebogen im Überblick.

Books_20
Foto: © formschub

Bücherfragebogen [♂] – 28

Stimmt, den angefangenen Bücherfragebogen gibt’s ja auch noch. Ich merke allerdings, dass es mir schwerfällt, einige der noch verbliebenen 10 Fragen zu beantworten – teils, weil mir dazu so viel einfällt, dass ich kaum wüsste, wie ich die Fülle der Gedanken in einem Blogartikel unterbringen soll, teils, weil ich Mühe habe, überhaupt eine Antwort zu finden. Aber Bangemachen gilt nicht, darum geht es heute hiermit weiter:

28. Zum Glück wurde dieses Buch verfilmt!
Ganz klarer Favorit: Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien in der grandiosen, opulenten, effektreichen, epischen Verfilmung von Peter Jackson aus den Jahren 2001–2003. Ich besitze die Trilogie in Buchform nicht selbst, hatte sie seinerzeit während der Oberstufe aus der Schulbibliothek meines Gymnasiums entliehen und nahezu auf einen Streich verschlungen – gefolgt von der Vorgeschichte, »Der kleine Hobbit«.

Kurz nach der Lektüre sah ich damals im Kino eine Wiederaufführung des 1978 entstandenen ersten Versuchs einer Verfilmung des amerikanischen Regisseurs Ralph Bakshi. Die Mischung aus verfremdetem bzw. nachgezeichnetem Realfilm (Rotoskopie) und neu gezeichneten Trickfilmsequenzen empfand ich als Enttäuschung. Die Bilder auf der Leinwand hatten mit denen in meinem Kopf nichts gemeinsam. Darüber hinaus endet die Handlung des Films kurz vor dem Schluss des ersten Bandes der Trilogie, die Fortsetzung wurde später nur im US-Fernsehen gezeigt.

Peter Jackson kannte ich als Regisseur schon vor seinem Durchbruch, wenn auch als Schöpfer der ziemlich kruden Trash-(Splatter-)Produktionen »Meet the Feebles« und »Braindead«, an denen ich als bekennender Freund unterhaltsamer Horrorfilme nicht vorbeikam. Beide Werke befinden sich teils deutlich jenseits der Grenze des guten Geschmacks (machen aber Fans des Genres nichtsdestotrotz Spaß).

Um so neugieriger machte mich die Ankündigung einer derart monumentalen, eher auf ein Mainstream-Publikum zielenden Filmproduktion Jacksons. Und sicher war ich dann, als es endlich soweit war, nicht der Einzige, der nach jedem der mehrstündigen Epen greinend das Kino verließ, weil die Wartezeit auf die Fortsetzung dieses Meisterwerks so endlos in der Zukunft liegen sollte. Ich habe bis heute keinen Film mit so viel Liebe zum Detail in der Ausstattung, einer so treffenden Besetzung, so grandiosen (Landschafts-)Kulissen, so famosen Masken und Kostümen und so gleichermaßen beeindruckenden wie sich der Handlung unterordnenden Special-Effects gesehen – obwohl der Kinostart des ersten Teils nun schon zehn Jahre her ist. Sicher sieht man den damals bahnbrechenden CGI-Sequenzen – z. B. jenen mit Gollum – ihren Stand der Technik aus heutiger Sicht an, aber das mindert weder den Unterhaltungswert noch die Faszination dieses Werkes. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die noch vor dem Buch mit dem Film in Kontakt kommen und kamen, dadurch nicht von der Lektüre des Originals abgehalten werden. Denn das lohnt es sich auf jeden Fall trotzdem zu lesen.

Unter meinen weiteren Favoriten an Literaturverfilmungen befinden sich vergleichsweise viele Stephen-King-Adaptionen, allen voran diejenige der fantastischen Geschichte »Der Nebel« – im Original kein Roman, sondern eine etwa 190 Seiten umfassende Novelle. Das – in der geschriebenen Vorlage so nicht enthaltene – Ende gehört zum gleichzeitig genialsten und beklemmendsten, was ich je in einem Film sah (wer die Chance hat, die vom Regisseur favorisierte Schwarzweißfassung zu sehen, sollte sie der farbigen auf jeden Fall vorziehen!).

Auch »Carrie« (1976, Regie: Brian de Palma, mit Sissy Spacek, Piper Laurie und dem jungen John Travolta), »Christine« (1983, Regie: John Carpenter), »The Dead Zone« (1983, Regie: David Cronenberg, mit dem genialen Christopher Walken), »Der Feuerteufel« (1984, Regie: Mark L. Lester, mit der damals 6jährigen Drew Barrymore), »Shining« (1980, Regie: Stanley Kubrick, mit Jack Nicholson) und »Friedhof der Kuscheltiere« (1989, Regie: Mary Lambert) halte ich für Umsetzungen, die den geschriebenen Vorlagen vollauf gerecht werden, wenngleich es mich mit der Zeit ziemlich strapazierte, dass nahezu jeder Regisseur dieser und weiterer Stephen-King-Verfilmungen es für nötig hielt, am Ende des Films einen »Shock Twist« (YouTube-Link zur Schlusssequenz aus Carrie) einzubauen, um den Zuschauern per Paukenschlag einzubläuen, dass das eben noch besiegte Böse mitnichten schon tot ist. Aber so kann das Böse auf Dauer auch ganz schön rumnerven.

Der komplette Fragebogen im Überblick.

Books_28
Foto: © formschub

Kalte Tipps für heiße Tage

Jetzt aber fix, heute ist der letzte Tag, an dem es noch erlaubt ist, bei der Aktion »Genussblogger empfehlen die besten Eisläden Deutschlands und der Welt« von nutriculinary mitzumachen. Und dazu habe ich – IMHO – so dies und jenes beizutragen:

1. Eismanufaktur Vanille & Marille, Berlin | 10 von 10 Punkten
Wieder mal war Twitter »schuld« an einer famosen kulinarischen Entdeckung. Es war @HilliKnixibix, die am 21. April 2011 ihre Follower anrief: »Wo gibt’s in Berlin denn das leckerste Eis?«. Eine Frage, die mich als regelmäßigen Berlinpendler sofort aufhorchen ließ. Aufmerksam verfolgte ich die Replies – und wurde von @EdibleSnail bald auf eine heiße kalte Fährte gesetzt: »In der Vanille & Marille Eismanufaktur, Hagelberger Straße 1, xberg! allerleckerstes eis ever und allerbeste sorten …!«

Beim nächsten Besuch in Berlin, die Sonne schien zwar noch zwischen Wolken hindurch, aber sie schien, machten wir uns zu zweit auf in die Hagelberger Straße. Schon von weiten markierte eine etwa 8 Meter lange Schlange qualitätsbewusster Eisfans unübersehbar die Adresse. So konnten wir die Zeit des Anstehens nutzen, um die Liste der tagesaktuellen Sorten zu studieren. Unter drei Kugeln, so befanden wir, lohne sich das Anstehen nicht – und so ließ ich mir den Becher mit Café Noir (Schokolade mit Kaffee und Sherry), Sesam mit karamellisiertem Honig und Zitrone-Zimt befüllen, mein Begleiter wählte Caramel Beurre salé, Marille aus der Wachau und ebenfalls Café Noir.

Auf den Parkplatzpollern gegenüber ließ es sich trefflich sitzen und schlecken und die Bewertung ergab Höchstnoten in allen Bereichen: üppige Kugelgröße, gemessen an Qualität und Zutaten ein angemessener Preis (1 EUR/Kugel), feine Cremigkeit ohne Kristallbildung, nicht zu süß und nicht zu sahnig, unglaublich feine und intensive Aromen und – tolle Geschmackskombinationen. Besonders angetan war ich von der ungewöhnlichen Paarung Zitrone-Zimt. Ein Sommeraroma trifft ein Wintergewürz, skeptisches Anlecken, dann jahreszeitenübergreifende Begeisterung. Für mich derzeit eine der besten Eisdielen ever. Und das hier gibt noch einen Pluspunkt dazu.

2. Svaneke Ismejeri & Café, Svaneke, Bornholm (Dänemark) | 9 von 10 Punkten
Die wundervolle dänische Insel Bornholm zählt seit 2008 zu meinen Lieblingsurlaubsorten. Neben der äußerst angenehmen Abwesenheit jeglichen neureich-penetranten Schnöseltums, wie ihm etwa auf Sylt kaum aus dem Weg zu gehen ist, weist das Eiland noch eine Vielzahl weiterer Vorzüge auf: eine überschaubare Größe, die trotzdem nie Langeweile oder Gewöhnung aufkommen lässt, unglaublich abwechslungsreiche Landschaften, traumhafte Ferienunterkünfte, vielfältige Freizeitmöglichkeiten, angenehmes Klima und eine hervorragende lokale Genusskultur mit zahllosen delikaten Inselerzeugnissen: Fleisch, Gemüse, Öle, Senf, Bier, Spirituosen, Marmelade, Lakritze, Karamell, Schokoladen und – Eis.

In dem kleinen Hafenort Svaneke an der Ostseite der Insel ist nicht nur eine Brauerei ansässig, die mit ihren köstlichen Bieren den Gaumen erfreut, sondern auch ein feines, erstklassiges Eiscafé, in dem Vibeke Bengtson und Jonas Bohn jeden Tag frisches Eis aus lokalen Rohstoffen produzieren. Sahne und Milch von Jerseykühen, die auf den Inselweiden grasen und feiner Honig aus Ibsker bilden den Grundstoff für die leckeren Milcheissorten, die dann mit Schokolade, Vanille, Bier (!), Lakritze, Mandeln oder einem Hauch von Blauschimmelkäse (!!) aromatisiert werden. Im Fruchteissortiment locken z.B. Sanddorn, Erdbeere, Himbeere, Rhabarber, Apfel.

In der selbstgebackenen Waffel oder dem Becher gereicht, kann man sodann auf dem idyllischen Hof vor dem Café oder im rückwärtigen, gemütlichen Garten die cremige Handwerkskunst der beiden Eiskonditoren verzehren. Ein Grund unter vielen, einmal Bornholm zu besuchen.

3. Gelateria und Pizzeria Cuffaro, Berlin | 8 von 10 Punkten
In Sichtweite zu dem – ebenfalls sehr zu empfehlenden – Wochenmarkt Kollwitzplatz befindet sich dieses unscheinbare kleine Eiscafé (ohne eigene Website) in der Kollwitzstraße 66 in Berlin Prenzlauer Berg. Die angebotenen Leckereien sind am besten »to go« zu verzehren, denn Innensitzplätze gibt es nur eine Handvoll und auch vor dem schmalen Bedientresen stehen im Sommer nur vier kleine Klapptische, an denen man seine Pizza oder sein Eis anders als im Stehen verzehren könnte.

Nichtsdestotrotz beherbergt die Auslage ein rundes Dutzend äußerst schmackhafter Eissorten, die sich allesamt zum Probieren empfehlen. Das Sortiment in den stählernen Containern verzichtet auf Extravaganz und Aromaexperimente – Mango, Cookies und Zimt sind hier schon das Höchste der Gefühle –, aber Geschmack, Konsistenz, Süße und Cremigkeit sind hervorragend und die Preise berlinerisch bodenständig (80 Cent/Kugel). Was will man mehr?

4. Gelateria Venezia, Regensburg | 8 von 10 Punkten
Und noch eine Urlaubsentdeckung, wenn auch diesmal innerhalb des Landes. Aus kulturellen Gründen besuche ich seit einigen Jahren die schöne Domstadt Regensburg, und zwar alljährlich zu Pfingsten. Dann lockt das Musikfestival Tage Alter Musik hunderte Klassikfreunde an die Donau, wo bei meist schönem Feiertagswetter sowohl hochklassige Konzerte als auch die famose örtliche Gastronomie die Hauptanziehungspunkte touristischer Besucher darstellen. In den Konzertpausen bieten die verzweigten Wege und Gässchen der historischen Regensburger Innenstadt vielfältige Möglichkeiten zum Bummeln, Shoppen und Genießen.

Der Drang zu Letzterem führte mich und meine Begleitung im Jahre 2000 erstmals in die Glockengasse 1 zur dort am Rande des Haidplatzes gelegenen Gelateria Venezia, die mit ihrer reichhaltigen Auslage vorbeiflanierenden eisaffinen Passanten das Wasser in den Mund treibt. Für die konservativen Genießer sind alle eisdielentypische Sorten vertreten, Freunde der gemäßigten Avantgarde können ihre Waffel mit Kompositionen wie »Bianco e Nero« (Sahneeis mit Schokoladencreme meliert), geröstete Mandel oder Erdbeer-Joghurt aufpeppen. Und wer vom Eis dann Durst bekommen hat, findet in Regensburg genug zünftige Biergärten, um auch diesen auf genussvolle Art wieder zu löschen. Aber das sind dann wieder andere Empfehlungen.

5. Eiscafé Il Gelato, Hamburg | 7 von 10 Punkten
Auch in meiner Wohn- und Arbeitsstadt überkommt mich manchmal die Lust auf ein gepflegtes Speiseeis. Bei der Durchfahrt mit dem Fahrrad entdeckte ich in der Dorotheenstraße 182 im Stadtteil Winterhude dieses außergewöhnlich sortenreiche Hamburger Eiscafé. Etwa 30 Sorten befinden sich ständig im Verkauf, vom fruchtigen Grapefruitsorbet über sahniges, mit großen dunklen Schokobrocken gespicktes Straciatella (m.E. die »Visitenkarte« eines guten Gelatiere) bis hin zu außergewöhnlichen Sorten wie Zeder (zitronig-tannennadelartiges Aroma), Maroni (Esskastanie), Erdnuss, Ingwer (ebenfalls mit Dunkelschokoladensplittern), Pflaume oder Marzipan.

Jede bisher probierte Sorte konnte mich (und andere) bisher überzeugen, die Aromen schmecken so, wie sie heißen (das ist nicht immer so, versucht mal, mit geschlossenen Augen eine unbekannte Sorte zu erraten!), das Eis ist gleichfalls nicht zu süß und mit 1 EUR pro ansehnliche Kugel angemessen kalkuliert. Squisito!

Update 01 – 06.06.2011: Fortuna war mir hold und ich wurde tatsächlich als Gewinner des Eisgutscheins ausgelost, worüber ich mich sehr freue. Natürlich wird der Gutschein bei meinem Favoriten-Eisladen »Vanille & Marille« in Berlin verschleckt werden. Heiß genug ist es ja derzeit.
Am vergangenen Wochenende testeten wir aus der nutriculinary-Liste den für Hamburg gelisteten Tipp »Eisliebe«, Eppendorfer Weg 170 im Stadtteil Hoheluft und können uns der Empfehlung nur anschließen. Aus 12 Sorten konnten wir wählen und entschieden uns für Schokolade, Othello (Kokos mit Schokoladensplittern), Gianduja, Pampelmuse, Crème Brûlée und Mandelkrokant. Ich vergebe 7,5 von 10 Punkten – und war dort bestimmt nicht zum letzten Mal!

Update 02 – 27.09.2011: Obwohl der Sommer kein richtiger Sommer war (ungeachtet der abweichenden Meinung von Statistikern und Meteorologen), so gab es doch reichlich Gelegenheiten zum Eisessen. Und so möchte ich für die goldenen Herbsttage mit Schleckeignung noch einen Neuzugang für Hamburg vermelden: Delzepich Eis in Hamburg-Winterhude, benannt nach einem früheren lokalen Milchhändler. Täglich werden hier während der Saison aus frischer Landmilch vom Bauern Kruse und natürlichen Zutaten etwa ein halbes Dutzend Sorten leckeres, sahnefreies Eis gekocht. Ich habe probiert und kann Delzepichs Slogan nur zustimmen: »Pures Glück« – 8 von 10 Punkten.

Svaneke_Ismejeri
Foto: © formschub