Mey, oh mey.

21. September 2013 um 13:08

Durch ein Facebook-Posting von Sina Trinkwalder stieß ich heute auf das obenstehende Motiv der neuen Herbst/Winter-Werbekampagne des Unterwäscheherstellers mey (kreiert von der Werbeagentur Jung von Matt) und musste spontan schmunzeln. Mir gefiel es ebenso gut wie Sina es fand – frech, ehrlich und mit liebevoller Ironie betextet. Als ich das Motiv auf Twitter weiterverbreitete, erhielt ich binnen kurzem zwei Kommentare: „Was hier los wäre, wenn eine Frau auf dem Bild wäre.“ (@Sillium) und „Hm. Mit einer Frau auf dem Bild und entsprechend abgeändertem Text wärs Sexismus.“ (@maria_hofbauer). Wie man auf dem Bild und in dem verlinkten Facebook-Posting (oder hier) sieht, gibt es die Anzeige mit zwei unterschiedlichen „Headlines“. Vielleicht sind auch diese Texte für die unterschiedliche Wahrnehmung ein und desselben Fotos verantwortlich. Sicherlich kommt aber auch subjektives Empfinden dazu, wie mir die „Likes“ und „Favs“ zu meinem Tweet (von Männern und Frauen) vermitteln.

Diese Sicht auf die Anzeige ist natürlich legitim, ich persönlich kann jedoch an diesem speziellen Motiv nichts Sexistisches finden. Anders geht es mir mit einigen der weiteren 5 Motive (interessanterweise überwiegend die mit weiblichen Models), welche sich nahtlos in die gewohnt normative Darstellung perfekter Körper einreihen, die man aus der (Unterwäsche-) Werbung gewöhnt ist. Da reißen dann auch die „frechen“ Texte nix mehr raus.

Sexismus, so glaube ich, kann man nicht allein an einem einzelnen Beispiel festmachen und beurteilen, er entsteht auch immer aus dem gelernten und erfahrenen Kontext sowie der Geschichte des inzwischen allgegenwärtigen sexistisch geprägten Umfelds in Werbung und Medien. Dieses fällt bekanntermaßen (leider) sehr stark zu Ungunsten der Frauen aus. Die normative Darstellung aufreizend gekleideter, vermeintlich perfekt geformter Frauenkörper übt auf das „Soll“-Bild von Frauen einen wesentlich stärkeren Druck aus als auf Männer. Wenn eine Frau diesem Bild nicht entspricht bzw. entsprechen will, wird sie diskriminiert, beleidigt, ausgegrenzt. Gegenüber einem Mann, der nicht dem Bild des Werbe- und Medienadonis entspricht, ist die Gesellschaft nachsichtiger: „So sind sie halt, die Männer …“ Das hat mit Druck und Diskriminierung weit weniger zu tun – „Abweichler“ werden eher so genommen, wie sie sind. Du bist okay, so, wie du bist. Dass dies gegenüber Frauen anders ist, ist inakzeptabel und alle sollten daran mitwirken, dass es sich bald ändert.

Was jeder Mensch für sich attraktiv empfindet, mag zwar stark von diesen „öffentlichen“ Körperbildern mitgeprägt sein, die uns umgeben, ist aber nach meiner Erfahrung (auch in meinem Bekanntenkreis) in seinem Gesamtspektrum weitaus vielfältiger. Wieso muss es ein „entweder – oder“ geben? Die meisten Menschen würden zwar die eine oder andere Werbeschönheit beiderlei Geschlechts mental „nicht von der Bettkante schubsen“, aber sie finden auch in großer Zahl „normal“ kleine, dicke, dünne, behaarte, picklige, blasse, faltige, nicht muskulöse usw. Menschen schön und/oder sind mit solchen zusammen. Ich finde es zudem völlig normal, sowohl ein idealisiertes Bild von einem Menschen (wie es dies seit Tausenden von Jahren in Malerei und Skulptur bereits gibt), attraktiv zu finden – oder eine Person, die diesem tatsächlich entspricht, als auch einen Menschen, der durch sich selbst, durch sein inneres Wesen oder durch Körpermerkmale attraktiv wirkt, die ich ganz persönlich gerne mag. Und da setzt für mich die Aussage der oben gezeigten Anzeige an: „Du bist zwar keine Werbeschönheit, aber ich finde dich trotzdem/gerade deshalb ziemlich sexy [in der Unterhose von mey].“ Was ist daran sexistisch? Ich wünschte mir eher, es würden mehr Menschen so denken und der Werbung mit ihren überirdischen Kommerz-Avataren wieder weniger Bedeutsamkeit beimessen.

Wie gesagt, die meisten der weiteren Anzeigenmotive machen diesen für mich sympathischen Ansatz leider gleich wieder zunichte. Sie zeigen die Frau, wie sie laut Werbung zu sein hat, um erfolgreich, geliebt, akzeptiert zu werden. Das ist Sexismus.

Schade, mey.

Foto: © mey Bodywear

Imprisean clóghrafacha

18. September 2013 um 21:42

Bailíodh in Inis, Éire.
Typographische Impressionen, gesammelt in Ennis, Irland, am 06. September 2013 (Nachtrag).

(Klick macht groß)

Foto: formschub.de

Igen Bornholm*

10. Mai 2013 um 11:31

* Wieder Bornholm.

Fotos: © formschub.de

Panta Ente rhei

7. April 2013 um 13:23

Am 15. September 2008 postete ich meinen ersten Tweet. Im Verlauf der darauf folgenden 1665 Tage landeten 21.380 Tweets in meiner Timeline, mittlerweile 6.573 Menschen (abzüglich Bots, Werbeaccounts und Karteileichen) lesen zumindest hin und wieder mal, was ich an Blödsinn vom Stapel lasse und 14mal habe ich meinen Avatar gewechselt. Ich kann und will unmöglich allen zurückfolgen, so gern ich dies täte, da ich meine Timeline gerne unter Kontrolle behalte und möglichst wenig von dem verpassen möchte, was meine Lieblingstwitterer schreiben. Ich freue mich sehr, dass die meisten, denen ich folge, auch mir schon sehr, sehr lange „treu“ bleiben, auch, wenn ich mal eine Reply verschlampe oder mich ein paar Tage in Schweigen hülle, weil Anderes meine Zeit und/oder Aufmerksamkeit fordert.

Es gibt so unglaublich viele Menschen hier, die ihre Persönlichkeit, Alltagserlebnisse, Weltsicht, Kreativität, ihren Humor, Beruf, ihr Hobby oder andere Themen und Beweggründe in ihre Tweets packen und mich jeden Tag zum Schmunzeln, Teilhaben und Nachdenken bringen. Sicher war Twitter früher heimeliger, intimer, vertrauter (besonders die Nachttimeline), aber das ist selten geworden. Es fühlt sich an, als wurde in den letzten 5 Jahren um ein einzelnes Haus, in das man mit seinen Followern und Followees einzog und wo man jeden kannte, den man im Treppenhaus traf, nach und nach eine Siedlung und schließlich eine große Stadt errichtet. Aber trotz der Vorkommnisse, die dort – in Twitterhude – gelegentlich die Eintracht trüben, wie Hämelawinen, Shitstürme oder Pauschalverurteilungen, polemische Diskussionen oder Entfolgungsschmoller, möchte ich hier nicht wegziehen.

Es gibt übrigens keinen Anlass für dieses Resümee, kein rundes Jubiläum an Tagen, Jahren oder Followerzahlen. Ich möchte Euch einfach mal „Danke“ sagen und mich grundlos freuen, dass es Euch und Twitter gibt.

Artwork: © formschub.de

Menschenleer

18. März 2013 um 14:18

Schon seit geraumer Zeit faszinieren mich Orte in größeren Städten, die ursprünglich für die „Massenabfertigung“ größerer Menschenmengen konzipiert wurden, die ich aber zu bestimmten Zeiten oder in nur kurzen, zufälligen Momenten komplett verlassen vorfinde. Vielleicht wird ja eine kleine Serie daraus – hier sind zumindest schon mal zwei Motive.

Fotos: © formschub.de

Tapetenwechsel

5. November 2012 um 12:25

Schon lange hatte ich mir mal wieder ein Blog-Update vorgenommen, aber das ist ja immer mit Arbeit verbunden. Die bisherige WordPress-Version 2.8.4 war längst veraltet, das dafür genutzte Theme »Renegade« wahrscheinlich inkompatibel, ganz zu schweigen von den PlugIns. Auch Horrormeldungen über korrupte Datenbanken und Contentverluste nach WordPress-Updates ließen mich zögern. Doch gestern war es soweit. Backup, Theme-Recherche, Update auf WordPress 3.4.2, PlugIn-Aktualisierung, Auswahl und Einbindung der Google Webfonts Glegoo und Noticia Text, Theme-Anpassung. Keine Probleme. Direkt unheimlich. Ein paar Handgriffe noch bei Designdetails und Übersetzungen der Textbausteine im Backend, aber sonst – fertig. Und als Bonus ist mein Blog nun außerdem responsive.
Ich freu mich. Meine Leser hoffentlich auch.

Photo: © mag3737 | Some rights reserved

Typografische Indrukken

3. Oktober 2012 um 14:20

Verzameld in Amsterdam en Leiden.

Typo_Amsterdam_S

(Klick macht groß)

Foto: © formschub.de

A drink with a wink

29. Juli 2012 um 15:36

Ankommen im Schwedenurlaub – und beim Weinkauf im lokalen „Systembolaget“ (staatlich lizenziertes Spirituosengeschäft)* gleich wieder einen Hachmoment erleben. Denn so gewitzt, ästhetisch und genial einfach einen Cider-Drink namens „Cid“ verpackungsgestalten, das können sie, die Schweden.

* Und um mit einem Vorurteil aufzuräumen: Alkohol ist in Schweden längst erschwinglich geworden, man bekommt ihn lediglich über etwa 4% Vol. nicht im Supermarkt zu kaufen.

Softdrink_Cid

Foto: © formschub.de

Ich sehe das QRitisch …

16. März 2012 um 09:55

Über die – meiner Meinung nach oft ebenso überflüssigen wie fehlplatzierten – QR-Codes wollte ich hier auch schon immer mal was schreiben, aber jetzt hat Gerrit van Aaken das bei praegnanz.de getan. Und seinem Blogbeitrag habe ich kein Wort hinzuzufügen. Außer vielleicht: klickt auf jeden Fall auch die beiden Links in Gerrits Text an. Hihi.

QRCode

QR-Code created with QR-Code Generator via kaywa.com

Typophile Grüße

26. Februar 2012 um 18:30

Durch einen freundlichen Hinweis via Twitter wurde ich auf meinen fleißigen Hobbyzwilling Jens Arne Männig aufmerksam gemacht, der wie ich mit seiner Kamera typographische Fundstücke sammelt und sie – übersichtlich in Kategorien gegliedert – auf seiner Website präsentiert. Historisches, Kunstvolles, Skurriles. Ich empfehle nachdrücklich einen Besuch der Galerie, winke freundlich über den Letternzaun und freue mich schon auf die nächsten Trophäen!

Typofunde_Maennig

Screenshot mit freundlicher Genehmigung von Jens Arne Männig.