Es ist soweit: Spargelzeit!

Mit einer schönen Portion knackigem, frisch gestochenem violetten Spargel habe ich am Samstag zum Dinner die Saison 2010 eröffnet. Die dazu gereichte Sauce ist eine köstliche Alternative zur üblichen butterschweren Hollandaise. Ich habe versucht, bei der Reihenfolge der Zubereitungsschritte im Rezept die Herausforderung zu berücksichtigen, dass alles à point gleichzeitig fertig sein sollte – der Spargel musss noch Biss haben, die Sauce darf nicht zu lange oder zu heiß warmgehalten werden und der Fisch schmeckt „medium” gegart am besten. Allen Nachkochern gutes Gelingen!
Lachsfilet mit Spargelpäckchen und Zitronen-Senf-Sauce
Für 2–3 Personen
3 Lachsfilets mit Haut (insgesamt etwa 600 g)
1 kg frischer weißer Spargel
4 Eier
3 EL Dijon-Senf
1 TL (brauner) Zucker
1 Bio- oder ungespritzte Zitrone
Salz
Orangen- und/oder Zitronenpfeffer
Olivenöl
Alufolie
Die Lachsfilets waschen, trockentupfen, salzen und pfeffern.
Den Spargel ungeschält abspülen, dann schälen und die Enden abschneiden. Schalen und Enden mit 250 ml Wasser, etwas Salz und 1 Prise Zucker ca. 15–20 Minuten zu einem Fond auskochen, abseihen und etwas abkühlen lassen.
Den geschälten Spargel in 3 Portionen jeweils längs auf ein ausreichend großes Stück Alufolie legen, mit Salz und Pfeffer würzen und mit etwas Olivenöl beträufeln. Die Folie zu lockeren, aber dichten Päckchen verschließen. Den Backofen auf 180–200 °C vorheizen. Die Spargelpäckchen auf einem Blech in den heißen Ofen schieben und ca. 20 Minuten garen.
Von dreien der vier Eier das Dotter abtrennen (das Eiweiß kann weg). Wahlweise in einem kleinen Topf (für die Herdplatte) oder einer Stahlschüssel (für ein Wasserbad) den abgekühlten Spargelfond, den Senf, Zucker, etwas Salz, etwas abgeriebene Zitronenschale, die drei Eidotter und das vierte Ei mit einem Schneebesen verschlagen. Auf der Herdplatte bei vorischtiger Hitze oder im Wasserbad unter ständigem Rühren die Sauce so lange schlagen (dauert etwa 15 min.), bis sie sämig eindickt. Dabei darf sie nie kochen, sonst gerinnt das Ei! Mit Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken.
In einer schweren Pfanne etwas Öl erhitzen, die Lachsfilets mit der Hautseite nach unten hineinlegen und die Pfanne mit einem Deckel verschließen. Der Lachs brät nun von unten knusprig an und gart von oben durch den in der Pfanne zirkulierenden Dampf. Wenn die Fischstücke oben und seitlich gegart aussehen (etwa 6–10 Minuten), die Pfanne vom Herd nehmen und noch einige Minuten ruhen lassen. Der Fisch hat dann noch einen glasigen Kern und zergeht auf der Zunge.
Jeweils ein Spargelpäckchen mit dem enthaltenen Jus auf einen Teller umbetten und mit einem Lachsfilet und der Sauce servieren.
Lachs
Foto: © formschub.de

Lamm mit Hummus und Zitronen-Oliven-Salat

Ein toller Mix aus warmer orientalischer Würzung und frisch-grünen Aromen trifft in diesem köstlichen Gericht aufeinander, das auf einem Rezept aus einem Haushaltsprospekt der britischen Supermarktkette Somerfield basiert. Ich habe einige Mengen und Zutaten nach persönlichem Geschmack ergänzt und variiert, das Hummus ist nicht, wie vorgeschlagen, fertig gekauft, sondern hausgemacht und das Fleisch wird mit der Niedrigtemperaturmethode sanft und zart gegart. Wer mag, kann das Lamm nach dem Anbraten auch mit etwas Rotwein, Portwein oder Madeira ablöschen und den gelösten Bratensatz mit Salz und Pfeffer zu einem würzigen Jus abschmecken, ehe es in den Ofen wandert.
Für 3–4 Personen
ca. 1 kg ausgelöste Bratenstücke von der Lammkeule
2–3 große Knoblauchzehen
1 Dose Kichererbsen
2 EL Tahin (Sesampaste, z.B. in türkischen Supermärkten erhältlich)
1/2 TL gemahlener Kreuzkümmel
Saft und Schale einer Biozitrone
ein Glas (ca. 200 g) schwarze Oliven, entsteint, ganz oder in Scheiben
2 Teelöffel Honig
120–150 ml Olivenöl
1 Kopf Endiviensalat
Salz
frisch gemahlener Pfeffer
2 EL frische Minzeblätter
ca. 1/2 TL Rosenpaprika, gemahlen
Pita-Brot
Fleisch
Das Lammfleisch von Sehnen befreien und an einigen Stellen mit einem spitzen Messer einstechen. Eine der Knoblauchzehen schälen, in Stifte schneiden und die Einstiche in den Lammstücken reichlich damit spicken. Den Backofen auf 80–90 °C vorheizen. Etwas Olivenöl in einer schweren Pfanne erhitzen und die Lammstücke bei mutiger Hitze unter Wenden rundherum braun anbraten. Das Lamm mit der Pfanne oder auf einer ofenfesten Unterlage mit etwas Alufolie abdecken, in den Ofen stellen und während ca. 30 Minuten niedrigtemperiert garen.
Hummus (Kichererbsenpüree)
Die Kichererbsen abgießen und abspülen und mit dem Tahin, 1–2 Knoblauchzehen, der Hälfte des Zitronensaftes, Kreuzkümmel, Salz, Pfeffer und der Hälfte des Olivenöls im Mixer zu einer feincremigen Masse pürieren, ggf. mit etwas Wasser verdünnen, um die Geschmeidigkeit zu verbessern. In eine Schale umfüllen und mit etwas Rosenpaprike bestreuen.
Salat
Den Endiviensalat zerteilen, waschen, trockenschleudern und in mundgerechte Stücke schneiden. Aus dem Rest Olivenöl und Zitronensaft, der Zitronenschale, etwas Salz und Pfeffer, der feingeschnittenen Minze und Honig ein Salatdressing rühren. Dann mit dem Endiviensalat und den schwarzen Oliven in einer Salatschüssel vermengen.
Das gegarte, innen noch rosa gefärbte Lammfleisch in dünne Tranchen schneiden und mit je einer Portion Hummus und Salat anrichten. Dazu passt Pita-Brot.
Lamm mit Hummus und Zitronen-Oliven-Salat
Foto: © formschub.de

Lasagne con Ragù al finocchietto

Noch ein Lasagnerezept?” mag jetzt mancher denken, doch in der Tat sind es ein paar Kleinigkeiten, die diesem Rezept das gewisse Etwas verleihen: So etwa die Dinkel-Lasagneblätter (z.B. von Naturata/Demeter), die wirklich nach Getreide schmecken und nicht nur als Schichtentrenner in der Lasagne fungieren. Oder die Entscheidung für Bio-Hackfleisch, das nicht nur besser schmeckt, sondern nach meiner Erfahrung beim Braten auch weitaus weniger Wasser absondert. Die mit Vollkornmehl zubereitete Bèchamelsauce, die so ebenfalls einen kräftigeren Eigengeschmack beisteuert. Die frischen Lorbeerblätter, die ein viel grüneres Aroma als getrocknete abgeben. Und nicht zuletzt die Zugabe der zerstoßenen Fenchelsamen, durch die das Ragù einen Hauch des Geschmacks original italienischer Salsiccia bekommt. Zumindest aus meinem Ofen war dies bislang die beste Lasagne. Guten Appetit!
Zutaten (für ca. 4 Personen):
250 g Vollkorn-Lasagneblätter (z.B. Dinkel)
Für das Ragù
1 Stück Knollensellerie, geschält (ca. 100 g)
geputzte Karotten (ca. 150 g)
1 Zwiebel, geschält
2 große Knoblauchzehen, geschält
100 g Bacon, fein gewürfelt
500 g Bio-Hackfleisch, halb und halb
650 g feinstückige Tomaten (Konserve)
1 Glas (ca. 150 ml) kräftiger Rotwein
3–4 EL Olivenöl
1 guter TL getrockneter Oregano
1 guter TL getrockneter Thymian
1 guter TL frisch gemörserte Fenchelsamen
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 EL Tomatenmark, in 100 ml Wasser verrührt
1–2 Lorbeerblätter (wenn frisch, zur besseren Aromafreigabe vom Rand her mehrfach mit einer Schere einschneiden)
80 g grob geriebener Parmesan
150 g geriebener Mozzarella-Gratinkäse
Für die Béchamelsauce
60 Gramm Butter
60 Gramm feines Vollkornweizenmehl
500–700 ml Vollmilch
1 Messerspitze frisch geriebenes Muskatpulver
Salz
Zubereitung
Ragù:
Knollensellerie, Karotten und Zwiebel in ca. 4 mm kleine Würfel schneiden, den Knoblauch noch feiner hacken. Das Öl in einem großen Topf erhitzen und die feinen Baconwürfen darin leicht anbräunen. Das gewürfelte Gemüse hinzugeben und unter Rühren etwa 5–10 Minuten anschwitzen. Hackfleisch dazu geben, unter Rühren gut zerteilen und mitbraten. Wenn die meiste Flüssigkeit verdunstet ist, den Bratensatz mit Rotwein ablöschen und unterrühren.
Nun die Tomatenmasse hinzugeben und die Gewürze unterrühren. Kurz aufkochen und dann bei mäßiger Hitze etwa eine Stunde weiterkochen lassen. Dabei immer wieder umrühren und gegebenenfalls mit dem verdünnten Tomatenmark auffüllen. Eventuell noch einmal mit Salz und Pfeffer pikant abschmecken.
Béchamelsauce:
Die Butter in einem Topf zerlassen, bis sie leicht schäumt, aber nicht bräunt, dann das Mehl einrühren und anschwitzen. Unter Rühren (Schneebesen) die Vollmilch hinzugießen und vorsichtig zum Kochen bringen, bis die Sauce bindet. Mit Salz und Muskat würzen und vom Herd nehmen.
Auf den Boden einer geeigneten eckigen Auflaufform eine dünne Schicht Ragù und darüber Béchamelsauce verstreichen. Lasagneblätter lückenlos darüberlegen. Dann wieder Ragù und Béchamelsauce auf den Nudelblättern verteilen und dies so lange wiederholen, bis alle Zutaten verbraucht sind (oder die Form voll ist). Die oberste Schicht sollte aus Ragù und Béchamel bestehen. Zum Abschluss erst mit einer Schicht Parmesan und dann mit dem geriebenen Mozzarella bestreuen.
Im vorgeheizten Ofen (bei Umluft etwa 180–200 °C) während ca. 30 Minuten fertigbacken. Vor dem Servieren im abgeschalteten Ofen noch einige Minuten ziehen lassen.
Lasagne
Foto: © formschub.de

Wok-Wirsing mit Koriander und Zitrone

Aus aktuellem Anlass – mein heutiges Abendessen – hier mal eine selbsterfundene Wirsingvariation etwas abseits von speckfetter Deftigkeit. Was kein Grund sein soll, dazu keine herzhafte Bratwurst zu essen (passt nämlich hervorragend)…
Als Beilage für 2–3 Personen:
1 kleiner Kopf Wirsing
Saft 1/2 Zitrone
2 TL frisch grob gemörserte Korianderkörner
Salz, Pfeffer
4 cl Madeira
100 ml Tasse Rinder- oder Gemüsebrühe
Rapsöl
Den Wirsing von welken Blättern befreien und in mundgerechte Streifen oder Stücke schneiden. Einen Wok oder eine Wokpfanne mit Rapsöl anheizen und den Kohl in das heiße Öl geben. Für ca. 2 Minuten nicht rühren oder bewegen, damit der Kohl schön anbräunt. Dann umwenden, salzen und noch etwa 5–10 Minuten weiterbräunen lassen. Mit Madeira, Brühe und Zitronensaft ablöschen, die Hitze reduzieren, mit etwas Pfeffer fertigwürzen und unter Rühren bissfest garen.
Wok-Wirsing
Foto: © formschub.de

When in Scotland, do as the Scots do

Traditional Scottish Haggis recipe (1856)
1 cleaned sheep or lamb’s paunch
2 lb (900 g) dry oatmeal
1 lb (450 g) lamb’s liver, boiled and minced
1 lamb’s heart, boiled and minced
1 lamb’s lights boiled and minced
1 large finely chopped onion
1/2 teaspoon each: cayenne pepper, ground allspice, salt and pepper
1 pint (600 ml) Stock
See that the paunch is well cleaned, then soak it in salt and water for about 2 hours, take out and let it dry. Put the oatmeal on a baking tray in a low oven and let it dry out and crisp up a little. Then cook the liver, heart (trimmed) and lights in salted water to cover and cook for about 1/2 hour. Strain, but reserve the stock, and chop the meats up finely, or mince. Mix all ingredients (except the paunch) together and season well. Then add the stock. Put into the cleaned paunch (fill to about half) and sew up loosely, but securely. Have ready a large pot of boiling water mixed with the rest of the liver stock, prick the haggis all over with a small knitting needle to prevent bursting, then cook in the water and stock, at a slow simmer uncovered, but keep up water level, for about 3 hours. Serves about 16.
Quelle: Traditional Scottish Cookery, Theodora Fitzgibbon, Fontana Paperbacks: Bungay, 1980 (p. 140/141) | (via The Food Timeline)

Okay, zugegeben, wir hatten unser Haggis bei einem preisgekrönten Fleischer in Inverness garfertig zubereitet gekauft und mit Lauchgratin und Schwarzbier-Sahnesauce veredelt. Definitv nichts für Vegetarier – aber es schmeckt!
Haggis

Feine Spargelcremesuppe

Spargelsuppen oder -cremesuppen findet man dieser Tage auf fast jeder Speisekarte. Manche sind klar und dünn wie Bouillon, andere mit Stärke oder Mehl sämig abgebunden. Nachdem ich in letzter Zeit einige Restaurantsuppen mit wechselnder Begeisterung probiert hatte, bin ich darangegangen, ein eigenes Rezept zu entwickeln, das das Aroma des Spargels möglichst intensiv einfängt und ohne stärkehaltige Bindemittel auskommt. Hier ist es. Der Aufwand dafür ist zwar etwas höher, aber das Ergebnis ist die Mühe wert.
Als Vorspeise für 2 Personen:
Schalen und Stangenenden von 1 kg gewaschenem frischem weißen Spargel
2 geschälte Stangen Spargel
(die Verwertung des restlichen Spargels für ein Hauptgericht obliegt der Phantasie des Kochs)
125 ml Sahne
25 g Butter
1 TL mildes Bouillonpulver (z.B. Kalb oder Huhn)
1/2 EL grobes Meersalz oder Fleur de Sel
1/2 TL getrockneter grüner Pfeffer, frisch gemörsert
1 Prise Zucker
1 Msp. Muskatnuss
2 Eigelb
Die zwei Stangen Spargel schräg in ca. 5 mm dicke Scheiben schneiden und beiseite legen. Schalen und Stangenenden in einen geeigneten Kochtopf geben und Wasser einfüllen, bis alle Spargelreste bedeckt sind (ca. 500–700 ml). Salz und Bouillonpulver dazugeben, alles im geschlossenen Topf zum Kochen bringen und ca. 20 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen.
Den Topfinhalt durch ein Sieb abgießen und auffangen (die Spargelreste dabei gut ausdrücken). Die Spargelbrühe zurück in den Topf geben und das Stück Butter, Muskat und Zucker zufügen. Wieder auf den Herd stellen und nun ohne Deckel bei mittlerer Hitze auf etwa 2/3 einkochen lassen. Mit der Sahne auffüllen, den Pfeffer einstreuen und ggf. mit Salz und Zucker nochmals abschmecken.
Die aufbewahrten Spargelscheiben in die Suppe geben und nochmals ca. 10 Minuten leise bissfest kochen.
Etwa 50 ml von der Suppe in eine Tasse abfüllen und die beiden Eigelbe einrühren. Die verquirlte Mischung zurück in die (nicht kochende) Suppe gießen und mit dem Schneebesen bei schwacher Hitze so lange rühren, bis sie sämig abbindet.
In Suppenteller einfüllen und wahlweise mit Kartoffelstroh, frittierten Basilikumblättern oder eingeträufeltem Kürbiskernöl garniert servieren.
Weißer Spargel
Photo: © Snowy**** | Some rights reserved

Lauchgemüse mit schwarzem Senf

Bei der improvisierten Beilagenzubereitung zu gebratener Kalbsleber gelang mir diese ebenso einfache wie leckere Rezeptur für Porree:
Als Beilage für 2 Personen:
3 Stangen Lauch
1 EL schwarze Senfkörner (Asialaden)
50 ml gutes Rapsöl
Grobes Meersalz oder Fleur de Sel
1 TL Schwarzer Pfeffer
1 Schuß Madeira
Den Lauch putzen (Wurzelstrunk, welke Außenblätter und faseriges Grün entfernen). Die Lauchstangen in ca. 6–7 cm lange Stücke schneiden und diese der Länge nach vierteln. Die Lauchstreifen kurz unter fließendem Wasser abspülen und in einem Salatsieb gut abtropfen lassen.
Rapsöl in einem schweren Topf oder einer Pfanne mit dickem Boden kräftig erhitzen. Die Senfkörner hineingeben und warten, bis sie sich grauviolett verfärben und knisternd zu springen beginnen. Den abgetropften Lauch hinzugeben und unter gelegentlichem Wenden partiell braun anbraten lassen. Mit einem Schuß Madeira ablöschen und mit Salz und frisch gemörsertem Pfeffer würzen. Noch einige Minuten bei geringer Hitze im abgedeckten Topf durchziehen lassen.
Schmeckt außer zu gebratener Leber z.B. auch zu Leberkäse oder Bratwurst.
Porree
Photo: © lovestruck | Some rights reserved

Plopp, gieß, schüttel, back, mampf!

Vor ein paar Tagen stieß ich in meinem Vorratsschrank auf ein kurzzeitig vergessenes Lebensmittel-Mitbringsel aus dem letzten Dänemark-Urlaub, das ich bei einem Streifzug durch einen lokalen Supermarkt entdeckt hatte. Der Name, Just Bake, trifft es auf den Punkt: eine Backmischung für ein Bio-Sauerteig-Roggenbrot, die in der eigenen Verpackung angemischt und gebacken(!) werden kann. Das klingt zunächst ziemlich strange (weshalb ich es auch gekauft hatte), aber es ist wirklich genial: die hitze- und wasserfeste Kartonverpackung hat die Form eines Kastenbrotes und ist mit einer zu 100% aus Biozutaten bestehenden, haltbaren Backmischung gefüllt (Weizen- und Roggenmehl, Weizen- und Roggenflocken, Grahammehl, Stärke, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, getrockneter Roggensauerteig, Jodsalz, Trockenhefe, Pflanzenfett und Glukose). Für die Zubereitung wird einfach ein kleiner Kunststoffverschluss in der Verpackung entfernt, 450 ml handwarmes Wasser eingefüllt und die Form wieder verschlossen. Eine Minute kräftig schütteln, den Pappdeckel der Verpackung abziehen und die Form mit dem Brotteig ca. eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen. Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C eine Stunde backen – fertig (s.u.). Es duftet und schmeckt herrlich, macht keinen Abwasch und gelingt mit Sicherheit auch absoluten Backstümpern. Leider habe ich so etwas in den Regalen hiesiger (Bio-)Supermärkte noch nicht finden können – beim nächsten Trip ins Land der Dänen wird auf jeden Fall für Nachschub gesorgt.
Just Bake Rugbrød
Images: © Just Bake/Millstone A/S (above), formschub.de (below)

Kost proben

Ich esse gern und ich koche gern. Und wie viele andere Hobbyköche besitze ich auch jede Menge Kochbücher und gesammelte Rezepte. Zu Beginn meiner Kochkarriere wog und maß ich die Zutaten fast akribisch genau ab, stellte den Ofen gradgenau ein, sah beim Garen auf den Minutenzeiger der Uhr und bekam schlechte Laune, wenn ich im Laden Lebensmittel nicht genau wie beschrieben zu kaufen bekam.
Doch mit den Jahren kehrte Entspannung ein. Wenn es kein Huhn gibt, geht es auch mit Pute oder Ente, es kommt auf ein paar Grad mehr oder weniger nicht an und mein Gefühl sagt mir, wenn Fleisch durch oder Gemüse gar ist.
Nach der Entspannung kam die Experimentierfreude. Rezepte remixen. „Kombiniere Fleisch A mit Sauce B und Beilage C aus verschiedenen Quellen und versuche, ein schmackhaftes Ganzes zu schaffen.” Auch das klappt mittlerweile recht gut, ebenso das freie Improvisieren über ein Grundthema: ein paar getrocknete Aprikosen in die Sauce als fruchtiges Extra, in der Gewürzmischung wird der Thymian durch Lavendel ersetzt oder ein spontanes Dressing zum saisonal komponierten Salat angerührt. Vieles gewagt, vermasselt, verfeinert, gelernt.
Was mich nun kürzlich völlig begeistert und mir eine neue Dimension der kulinarischen Entwicklung eröffnet hat, waren zwei Bücher des Feinschmeckers und Gastronomiekritikers Jürgen Dollase: „Kulinarische Intelligenz” und „Geschmacksschule”. Der Autor vertritt darin die These, dass nicht nur der Geschmack, sondern auch die Temperatur, Konsistenz und die mehr oder weniger verzögerte Aromenfreigabe der Zutaten die Qualität und Komposition eines Gerichts bestimmen. Kalte oder schmelzende Komponenten (Eis, Gelee), krosse Elemente (Croutons, Nüsse), knackiges Gemüse oder frische Salatblätter, die unmittelbare geschmackliche Präsenz von Meerrettich oder Essig oder die langsam hervortretenden Aromen von Fleisch oder Fisch – alles verbindet sich beim Kauen zu einem anhaltenden, permanent changierenden Akkord der Sinneseindrücke, quasi zur geschmacklichen Melodie des Gerichts. Und diese Melodie kann man steuern. In „Kulinarische Intelligenz” erläutert Dollase, kurzweilig und von jedermann nachvollziehbar, die Hintergründe und das Konzept seiner Theorie. In der „Geschmacksschule” geht’s dann ans Eingemachte: anhand vieler Rezeptminiaturen, sogenannter „Löffelgerichte”, beweist und vertieft er die Ursachen und Wirkungen der verschiedensten Zutaten, Kompositionen und Zubereitungen und ihres gegenseitigen Wechselspiels. Ebenso gibt es viele Fakten und Tipps zur Zutaten- und Warenkunde, denn die Qualität der verwendeten Produkte schon beim Einkauf zu kennen, zahlt sich später beim Kochen unmittelbar aus. Das zu lesen macht Spaß, schmeckt schon bei der Lektüre und macht neugierig auf eigene Geschmacksexperimente. Das Tolle: man lernt, Rezepte anhand der gewonnenen Erkenntnisse völlig neu zu erfinden, aufmerksamer zu essen und bewusster zu schmecken. Der Nachteil: die guten alten Kochbücher werde ich wohl künftig seltener nutzen.
Hier mein erstes Rezept, das auf der Basis dieser „neuen Lehre” entstand:
Tomaten-Vanille-Cremesuppe mit Serranochips
Für 2 Portionen
1 Dose (400 g) gute Tomaten
2 große Knoblauchzehen, gehackt
3 Frühlingszwiebeln, davon das Weiße, in feine Ringe geschnitten
2 cl Madeira
100 ml Kalbsfond
1/2 Vanillestange
2 TL heller Honig, z.B. Akazienhonig
2 EL milder, fruchtiger Essig, z.B. Himbeer- oder Kirschessig
50 ml Sahne
Salz
3 EL Rapsöl
50 g Büffelmozzarella, in schmale Steifen geschnitten
2 Scheiben magerer Serranoschinken
Den Knoblauch unter ständigem Rühren in einem Topf mit dem Öl anbraten, bis er eine goldgelbe Farbe bekommt und leicht angeröstet ist (nicht braun werden lassen, er wird sonst bitter!). Die Knoblauchstückchen herausnehmen und ablegen. Die Frühlingszwiebelringe in das Öl geben und glasig anbraten, dann mit dem Madeira ablöschen, den Knoblauch wieder hinzugeben, dazu die längs aufgeschnittene Vanilleschote nebst ausgekratzem Mark und den Kalbsfond und alles 5 Minuten einköcheln lassen. Dann die Tomaten hinzufügen und im Topf grob zerkleinern. Mit Honig und Salz würzen und weitere 10–20 Minuten bei mittlerer Hitze einköcheln lassen. Dann die Vanilleschote herausnehmen, die Sahne zugeben und mit dem Essig abschmecken.
Für die Serranochips den Schinken auf Backpapier im vorgeheizten Ofen bei ca. 150 °C 10–20 Minuten knusprig dörren und anschließend mit Küchenpapier abtupfen und in mundgerechte Stücke brechen.
Die Suppe in Teller einfüllen, einige Mozzarellastreifen einlegen und mit den Serranochips am Tellerrand servieren.
Tomate-Vanille
Rezept und Foto: © formschub.de